Mit Pauken und Trompeten
Vielleicht hat der eine oder die andere es schon einmal selbst live erlebt: Auf spanischen Dorffesten, beispielsweise in Galicien, in Aragón oder um Valencia, gibt es eine schön anzusehende und -hörende Tradition namens „Rondalla“. Dabei handelt es sich um eine Art Straßenkonzert, vorgetragen von Laienmusikern jeder Altersgruppe, die auf verschiedenen Instrumenten – hauptsächlich Saiten- sowie Percussioninstrumente – miteinander musizieren und dabei mitunter sehr farbenfrohe Kleidung präsentieren. Gespielt werden dabei nicht nur traditionelle Lieder, sondern ebenso Adaptionen populärer, moderner Stücke. Ein Video, bei dem AC/DCs Song „Thunderstruck“ auf diese Weise interpretiert wird, wurde Daniel Sánchez Arévalo, Regisseur und Autor von „So klingt das Leben“, vor einigen Jahren zugespielt. Und schwupps war die Idee für einen Film geboren.
Seit einem tragischen Bootsunglück vor zwei Jahren, bei dem mehrere Dorfbewohner ihr Leben verloren, ist im kleinen Ort A Guarda die Unbeschwertheit verschwunden. Vor allem auch deshalb, da einer der Verstorbenen die treibende Kraft hinter der regelmäßigen „Rondalla“-Aufführung war, bei der man sich mit den benachbarten Dörfern regelmäßig in einem liebevollen Wettbewerb duellierte. Der beste Freund des Verstorbenen, Luis (Javier Gutiérrez), will die eingeschlafene Tradition wieder zum Leben erwecken – trotz erheblicher Zweifel seiner Nachbarn und Mitmenschen. Mithilfe der Familie des Verstorbenen sowie Freunden gelingt es jedoch, mehr und mehr Dorfbewohner dafür zu begeistern, auch wenn es dabei zunächst etliche persönliche und schmerzhafte Hindernisse zu überwinden gilt.
Ein bisschen Dramatik, ein bisschen Lovestory und ganz viel Musik: „So klingt das Leben“ macht keinen Hehl daraus, dass es ein ‚Wohlfühlfilm‘ sein will, der durchweg sympathische Charaktere dabei begleitet, nach einem schlimmen Schicksalsschlag mit einem gemeinsamen Ziel vor Augen neuen Lebensmut zu finden – Identifikationsmöglichkeiten inklusive. Prinzipiell ein ehrenwertes Anliegen, zumal mit der Einbindung der „Rondalla“-Tradition gleich noch etwas farbenfroh-Mitreißendes mit einfließt.
Das kann für einen Teil der ZuschauerInnen funktionieren. Wer jedoch etwas mehr charakterliche Tiefe und erzählerische Raffinesse erwartet, wird diese hier nicht finden. Autor/Regisseur Arévalo stellt zwar einige Dorfbewohner in den Mittelpunkt. Mehr als ein paar schon oft gehörte Allgemeinplätze steht er ihnen jedoch nicht zu. Die Mini-Konflikte gestalten sich erwartbar, Gags kündigen sich oftmals im Voraus bereits an und etliche Szenen enden im Nichts. Der Aufbau ist dabei stets derselbe: Locationshot – zwei Personen – kurzer Dialog mit Problembenennung – Szenenwechsel. Kommt dann noch hier und da ein unbeholfen gesetzter Schnitt dazu, der intime Momente eher unterbricht statt sie zu kreieren, ist’s mit dem ‚Feel-Good‘ des Autors dieser Rezension irgendwann vorbei.
Das mag alles ein wenig harsch klingen, soll aber die Grundambition von Arévalo und seinem „So klingt das Leben“ nicht schmälern. In einem Interview zum Film beschreibt er es so: „Diese Energie [der Rondallas, C.L.], dieses Gemeinschaftsgefühl, dieses Zusammenkommen, Teilen, Dazugehören … Genau das wollte ich in meinem Film einfangen. Ich möchte denselben ansteckenden Geist spürbar machen. Einen populären Film, offen und inklusiv, erwachsen, aber für alle zugänglich.“ Vielleicht ist es das, was dem Werk ein wenig die Einzigartigkeit nimmt: Der Versuch, einen Film für alle zu machen, der schlicht unterhalten und bei niemandem anecken will. Wenn dies sein Ziel war, hat es Arévalo erreicht.
Die DVD bietet den Film in spanischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es Trailer. „So klingt das Leben“ erscheint bei Alamode Filmdistribution im Vertrieb von AL!VE und ist seit 15. Oktober 2026 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Alamode Film / Mr. Fields and Friends Cinema S.L , Bambu Producciones S.L y Rondallas Movie A.I.E)

































