Heimkino-Tipp: „HIM“ (2025)


Football. Family. God.

Vielleicht muss mensch diesen Sport mit der Muttermilch aufgesogen haben, um ihn zu verstehen. Oder um zumindest die Begeisterung dafür teilen zu können. Doch wer, wie der Autor dieser Zeilen, mit American Football keinerlei Berührungspunkte hat, wird möglicherweise auch mit dem Film „Him“ von Justin Tipping ein wenig hadern. Denn dies ist eine Parabel – auf die Sportart selbst, die Mechanismen der Branche und die Ausbeutung der Spieler. Und eine ziemlich verkopfte dazu.
 

Das Jungtalent Cameron Cade (Tyriq Withers) steht vor einer großen Football-Karriere, als er bei einem Angriff verletzt wird. Um wieder in Form zu kommen – und auch, da er ein großer Fan ist –, nimmt er das verlockende Angebot des früheren Mehrfach-Champions Isaiah White (Marlon Wayans) an, auf dessen abgelegenem Anwesen ein paar Trainingswochen zu absolvieren. Diese sind von Isolation, physischer und psychischer Gewalt sowie einem sehr seltsamen Benehmen aller dort Anwesenden gekennzeichnet. Schon bald stellt sich für Cameron die Frage, ob er dies seiner Karriere willen mitträgt – oder aufbegehrt.
 

Die Prämisse ist zweifellos reizvoll: Ein Blick hinter die Kulissen der Sport- und Managementbranche, auf den Leistungsdruck, dem die Sportler permanent ausgesetzt sind, und auf die Verlockungen des frühen Wohlstands dank der Unsummen, die die Stars inzwischen erhalten. Womöglich ist es auch genau das, was Regisseur Tipping seinem Publikum in „Him“ präsentiert – nur leider ohne es dabei an die Hand zu nehmen. So sind religiöse Bezüge ebenso zu entdecken wie Seitenhiebe auf Medienrummel und übertriebenen Fankult. Nur wirken diese selbst beim aufmerksamen Schauen des Films eher wie Zufallsfunde denn wie intendiert hinterlassene Anspielungen. Dies alles kulminiert in zunehmend der Realität entfliehenden Szenen, deren Deutung sukzessive anstrengt.
 

Doch möglicherweise entstehen diese Fragezeichen nur bei all jenen, denen die Regeln in und um die Football-Welt fremd sind. Fans und Kenner hingegen erkennen vielleicht Codes, Zitate und ‚inside jokes‘, die einem Rezensenten wie mir ob meiner Unkenntnis verborgen bleiben. Einig sind wir uns auf jeden Fall bei der Bewertung der Darsteller: Vor allem Wayans, bisher vornehmlich in derb-doofen Komödien unterwegs („Scary Movie“, „White Chicks“), weiß als unantastbarer, selbstbewusster Star der Football-Liga zu beeindrucken.
 

Ein bisschen fühlt sich „Him“ an wie der lang erwartete Besuch im Stadion, wenn das eigene Lieblingsteam spielt: Die Erwartung ist hoch, das Match ist passabel, doch am Ende geht mensch trotzdem unzufrieden nach Hause, da die große Überraschung auf dem Spielfeld/der Leinwand ausgeblieben ist.  


Die Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Untertitel sind ebenso optional vorhanden. Als Bonus gibt es u.a. einen Audiokommentar, geschnittene Szenen und diverse Making of-Featurettes. „Him – Der Größte aller Zeiten“ erscheint am 26. Februar 2026 bei Universal im Vertrieb von Plaion Pictures und ist auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Universal/Plaion Pictures)

Heimkino-Tipp: „The Toxic Avenger“ (2023)

It’s not that easy being green 

Das erste Lob gebührt dem Marketing-Team von „The Toxic Avenger“: Statt, wie (leider) üblich, zur Ankündigung und Veröffentlichung Millionen in eine Werbekampagne zu pumpen, nutze man das vorhandene Budget von ca. fünf Millionen US-Dollar lieber zum Begleichen von unbezahlten Arztrechnungen Bedürftiger. Wow! Allein dafür hat dieser Film bereits eine Daseinsberechtigung.

Das zweite Lob geht raus an Regisseur und Drehbuchautor Macon Blair für dieses kreative, witzige und temporeiche Splatterfest, welches er uns mit seinem quasi-Remake von „Atomic Hero“ (1984) beschert hat. Ja, es ist überdreht, ziemlich derb und nimmt sich nicht sehr ernst. Doch hinter all dem steckt eine wunderbare Hommage an das Original und ein fetziger Film von einem Fan gemacht für Fans, mit unzähligen Anspielungen, gelungenen Effekten und einem Schauspiel-Ensemble, das sichtlich Freude bei der Arbeit hatte.


 

Der alleinerziehende Hausmeister Winston (Peter Dinklage) erfährt, dass er an einer tödlichen Krankheit leidet, die nur ein sehr teures Medikament eindämmen könne. Doch weder ein Anruf bei seiner Krankenkasse noch ein unterwürfiges Betteln bei seinem reichen Boss Garbinger (Kevin Bacon) bringen die erhoffte finanzielle Unterstützung. In seiner Not beschließt Winston, das Geld in der Firma zu stehlen. Der nächtliche Einbruch endet jedoch anders als erwartet: Die Handlanger seines Chefs werfen ihn kurzerhand in ein Becken mit giftigem Abfall. Winston überlebt – allerdings körperlich völlig deformiert, dafür mit beeindruckenden Kräften ausgestattet. Bei seinem anschließenden Rachefeldzug nimmt er nebenbei noch ein paar andere Bösewichte mit und wird somit schnell zu einem Helden der Unterdrückten.


Seit 1984, dem Veröffentlichungsjahr des ersten Teils der Reihe, entstanden diverse filmische Fortsetzungen und eine Zeichentrickserie mit dem Titel „Toxic Crusaders“. Was allen gemein ist: Es handelt sich um absolute B-Ware, Billigproduktionen und im besten Sinne Schundwerke. Nichtsdestotrotz gilt zumindest der Erstling in manchen Bubbles als Kultfilm und wird dabei oftmals für seine unterschwellige Gesellschaftskritik und satirische Überzeichnung gelobt.


Diesen Aspekt kann man ebenso in der Neuauflage entdecken – wenn nicht gerade gore-lastige Konfrontationen die Leinwand/den TV-Bildschirm blutrot tränken. Denn bei all dem Gemetzel hat der Film vor allem Eines: Herz. Und er ist schlicht unheimlich unterhaltsam, gibt jeder Figur auf die eine oder andere Weise einen mit und macht sich einen Spaß daraus, mit Erwartungen zu spielen. So informiert beispielsweise eine Texttafel am Bildrand die Zuschauer bei Orts- und Szenenwechseln gerne mit Fakten wie „Schurken-Versteck“ oder „Trostlose Vorstadt, 7 Uhr, scheißfrüh“. Herrlich!

 


Interessant auch der Blick hinter die Kulissen: Zwar verkörpert Dinklage den Protagonisten Winston. Nach seiner Verwandlung zu ‚Toxie‘, wie der grüne Rächer liebevoll betitelt wird, schlüpfte allerdings die Schauspielerin Luisa Guerreiro in dessen Rolle, die Dinklage später wiederum synchronisierte. Die Effekte hingegen sollten nach Möglichkeit ‚klassisch‘ entstehen und mit wenig CGI-Hilfe. Das mag nicht immer gelungen sein, allein das Ansinnen aber verdient Respekt.

 

Und wem das noch nicht genügt: Elijah Wood gibt als Assistenz-Bösewicht und Bruder von Oberfiesling Garbinger eine großartige Vorstellung mit creepy Make-up ab, und selbst der Regisseur des Originals, Lloyd Kaufman, darf kurz durchs Bild huschen. Schön, das!

Die 4K Ultra HD/Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Deutsche und englische Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es Interviews, Eindrücke von den Dreharbeiten, einen witzigen Kurzfilm zur Toxie-Genese sowie Trailer. „The Toxic Avenger“ erscheint bei capelight pictures im Vertrieb von Alive AG und ist seit 22. Januar 2026 auch im Mediabook (siehe Abbildung), Steelbook und digital erhältlich. (Packshot + stills: © Legendary/capelight pictures)