Schon mal den Verdacht gehabt, den Drehort eines Films aus einem anderen Streifen wiederzuerkennen? Dass Kulissen mehrfach verwendet werden, dürfte niemanden überraschen. Doch dass ganze Sets – in diesem Fall u.a. ein Leuchtturm – eines Actionfilms plötzlich in einem Historiendrama auftauchen, ist dann doch eher ungewöhnlich. Aber solche Dinge geschehen halt, wenn das Produktionsteam vom Ballerfilm „Shelter“ auch für die Dreharbeiten zur Literaturverfilmung „Hamnet“ engagiert wird, die sich des Lebens von William Shakespeares einzigem Sohne annimmt. Fun fact Nummer zwo: Die 14-Jährige weibliche Hauptdarstellerin aus „Shelter“, Bodhi Rae Breathnach, ist in „Hamnet“ ebenfalls zu sehen.
Dass es zwischen beiden Produktionen ein inhaltliches und intellektuelles Gefälle gibt, dürfte wenig überraschen. Allein aufgrund des unterschiedlichen Anspruchs, was beide Filme erzählen und präsentieren wollen, wäre ein direkter Vergleich ohnehin müßig. Was beide jedoch gemeinsam haben, ist eine talentierte Jungdarstellerin, die sich neben den zahlreichen bekannten Gesichtern zu behaupten weiß. Ihr Mitspieler in „Shelter“: Actionfilm-Profi Jason „The Stath“ Statham.
Der Brite mag weder für sein differenziertes Schauspiel noch eine abwechslungsreiche Filmografie bekannt sein. Doch er besitzt etwas, was vielen anderen seiner Kollegen, die sich ‚Actionstar‘ nennen, abgeht: Charisma. Und dieses setzt er auch in „Shelter“ wieder gewinnbringend ein, was dem 100-Minüter trotz seines erwartbaren Verlaufs unterhaltsam macht.
Statham gibt darin einen Einsiedler, der sich auf eine kleine Insel an der Westküste Schottlands zurückgezogen hat und seine Tage mit Grübeln, Trinken und Schach-gegen-sich-selbst-Spielen verbringt. Wer er ist und weshalb er diese selbst gewählte Isolation erträgt, bleibt vorerst ungesagt. Auch Jessie (Bodhi Rae Breathnach), die mit ihrem Onkel wöchentlich etwas Proviant vorbeibringt, erfährt es nicht. Bis ein Sturm und eine Verletzung sie zwingen, auf der Insel zu verharren. Nach langem Zögern sieht ihr Gastgeber ein, dass er zurück in die Zivilisation muss, um für ihren nicht heilen wollenden Knöchel Medizin zu besorgen. Das bleibt nicht folgenlos: Denn dank omnipräsenter Überwachungskameras wird sein alter Arbeitgeber, der britische Geheimdienst, auf ihn aufmerksam – und hetzt ihm fortan unentwegt Manpower auf den Hals, um ihn, den einstigen Befehlsverweigerer, auszuschalten.
Regisseur Ric Roman Waugh, der uns bereits mit Werken wie „Greenland“, ähh, beglückte und in seinem früheren Leben als Stuntman für einige der bekanntesten Actionflicks der 1980er- und 1990er tätig war, nimmt sich zunächst viel Zeit, um die (erzwungene) Annäherung zwischen dem Eigenbrötler und seiner Besucherin zu etablieren. Gerade hierbei ist das oben erwähnte Charisma Stathams Gold wert, schafft er es doch trotz gleichbleibend finsterem Blick, so etwas wie Verständnis für seine Figur aufzubauen, die ganz offenbar viel seelische Last mit sich trägt. Was dann ab der Mitte des Films geschieht, mag Genre-typische Kost sein. Allerdings wirkt „Shelter“ im Gegensatz zu Stathams vorangegangenen Projekten (u.a. „A Working Man“, „The Expendables 4“, „Meg 2“, „Fast and Furious“, Teil 26) sehr viel geerdeter und weniger überladen. Der Ton ist durchweg seriös, die Actionszenen hervorragend inszeniert und die Mano-a-mano-Konfrontationen übersichtlich und mit ordentlicher Härte. Ja, so stelle ich mir einen guten Statham-Streifen vor! Dass dieser Mann zudem mit 59 noch viele seiner Stunts selbst absolviert, ist da nur das Sahnehäubchen.
Genießen kann mensch das natürlich nur so lange, wie das Gezeigte nicht hinterfragt wird: Sowohl Gejagter als auch Jagende scheren sich nicht um Gesetze und handeln einzig ihrem Ziel verpflichtet, ohne Rücksicht auf Kollateralschäden. Mag ein wenig Kritik an der sich immer weiter ausbreitenden permanenten Überwachung auch durchschimmern – wirklich zur Diskussion steht sie nicht. Sei’s drum: „Shelter“ ist gute Ware!
Die 4K-UHD/Blu-ray/DVD bietet den Film in englischer Original- sowie deutscher Synchronsprachfassung. Deutsche und englische Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es ein Mini-Promo-Making of, Interviews und Trailer. „Shelter“ erscheint bei Tobis im Vertrieb von Leonine Studios und ist seit 7. August 2026 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Tobis/LEONINE Studios)
































