Heimkino-Tipp: „The Toxic Avenger“ (2023)

It’s not that easy being green 

Das erste Lob gebührt dem Marketing-Team von „The Toxic Avenger“: Statt, wie (leider) üblich, zur Ankündigung und Veröffentlichung Millionen in eine Werbekampagne zu pumpen, nutze man das vorhandene Budget von ca. fünf Millionen US-Dollar lieber zum Begleichen von unbezahlten Arztrechnungen Bedürftiger. Wow! Allein dafür hat dieser Film bereits eine Daseinsberechtigung.

Das zweite Lob geht raus an Regisseur und Drehbuchautor Macon Blair für dieses kreative, witzige und temporeiche Splatterfest, welches er uns mit seinem quasi-Remake von „Atomic Hero“ (1984) beschert hat. Ja, es ist überdreht, ziemlich derb und nimmt sich nicht sehr ernst. Doch hinter all dem steckt eine wunderbare Hommage an das Original und ein fetziger Film von einem Fan gemacht für Fans, mit unzähligen Anspielungen, gelungenen Effekten und einem Schauspiel-Ensemble, das sichtlich Freude bei der Arbeit hatte.

 

Der alleinerziehende Hausmeister Winston (Peter Dinklage) erfährt, dass er an einer tödlichen Krankheit leidet, die nur ein sehr teures Medikament eindämmen könne. Doch weder ein Anruf bei seiner Krankenkasse noch ein unterwürfiges Betteln bei seinem reichen Boss Garbinger (Kevin Bacon) bringen die erhoffte finanzielle Unterstützung. In seiner Not beschließt Winston, das Geld in der Firma zu stehlen. Der nächtliche Einbruch endet jedoch anders als erwartet: Die Handlanger seines Chefs werfen ihn kurzerhand in ein Becken mit giftigem Abfall. Winston überlebt – allerdings körperlich völlig deformiert, dafür mit beeindruckenden Kräften ausgestattet. Bei seinem anschließenden Rachefeldzug nimmt er nebenbei noch ein paar andere Bösewichte mit und wird somit schnell zu einem Helden der Unterdrückten.


Seit 1984, dem Veröffentlichungsjahr des ersten Teils der Reihe, entstanden diverse filmische Fortsetzungen und eine Zeichentrickserie mit dem Titel „Toxic Crusaders“. Was allen gemein ist: Es handelt sich um absolute B-Ware, Billigproduktionen und im besten Sinne Schundwerke. Nichtsdestotrotz gilt zumindest der Erstling in manchen Bubbles als Kultfilm und wird dabei oftmals für seine unterschwellige Gesellschaftskritik und satirische Überzeichnung gelobt.


Diesen Aspekt kann man ebenso in der Neuauflage entdecken – wenn nicht gerade gore-lastige Konfrontationen die Leinwand/den TV-Bildschirm blutrot tränken. Denn bei all dem Gemetzel hat der Film vor allem Eines: Herz. Und er ist schlicht unheimlich unterhaltsam, gibt jeder Figur auf die eine oder andere Weise einen mit und macht sich einen Spaß daraus, mit Erwartungen zu spielen. So informiert beispielsweise eine Texttafel am Bildrand die Zuschauer bei Orts- und Szenenwechseln gerne mit Fakten wie „Schurken-Versteck“ oder „Trostlose Vorstadt, 7 Uhr, scheißfrüh“. Herrlich!

 


Interessant auch der Blick hinter die Kulissen: Zwar verkörpert Dinklage den Protagonisten Winston. Nach seiner Verwandlung zu ‚Toxie‘, wie der grüne Rächer liebevoll betitelt wird, schlüpfte allerdings die Schauspielerin Luisa Guerreiro in dessen Rolle, die Dinklage später wiederum synchronisierte. Die Effekte hingegen sollten nach Möglichkeit ‚klassisch‘ entstehen und mit wenig CGI-Hilfe. Das mag nicht immer gelungen sein, allein das Ansinnen aber verdient Respekt.

 

Und wem das noch nicht genügt: Elijah Wood gibt als Assistenz-Bösewicht und Bruder von Oberfiesling Garbinger eine großartige Vorstellung mit creepy Make-up ab, und selbst der Regisseur des Originals, Lloyd Kaufman, darf kurz durchs Bild huschen. Schön, das!

Die 4K Ultra HD/Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Deutsche und englische Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es Interviews, Eindrücke von den Dreharbeiten, einen witzigen Kurzfilm zur Toxie-Genese sowie Trailer. „The Toxic Avenger“ erscheint bei capelight pictures im Vertrieb von Alive AG und ist seit 22. Januar 2026 auch im Mediabook (siehe Abbildung), Steelbook und digital erhältlich. (Packshot + stills: © Legendary/capelight pictures)