
Klaus Kinski war ein Gesamtkunstwerk: Ob als Schauspieler, Regisseur oder Interviewpartner, in jeder Rolle bot er seinem Publikum etwas Einmaliges, Sonderbares, Faszinierendes. Legendär seine Hassliebe zu Werner Herzog, mit dem er mehrere Filme inszenierte, gefürchtet seine verbalen Attacken gegen Fragensteller, die er nicht selten schroff, scharfzüngig oder einfach nur dickköpfig zurechtwies.
Peter Geyer, Biograph und Nachlassverwalter von Kinskis Auftritten, hat nun nach der Dokumentation „Kinski – Jesus Christus Erlöser“ und „Kinski Talks 1“ eine neue DVD zusammengestellt, die den streitbaren Künstler abseits der Kinoleinwand ‚in Aktion‘ zeigt. Neben einem Auftritt in der „NDR Talk Show“ vom Oktober 1985, bei dem Kinski all sein Können als Charmeur, bockiger Gast und Provokateur zeigt, ist ebenso eine Folge aus der Sendereihe „Zeit zu zweit“ (Juli, 1985) auf der DVD zu finden. Fast 45 Minuten lang kann man Kinski hier dabei beobachten, wie er der damals 17-jährigen Désirée Nosbusch Avancen macht, sich in Erinnerungen verliert, oder belehrend seine Sicht der Dinge zum Besten gibt. Interessant, was es damals so alles ins öffentlich-rechtliche Fernsehen geschafft hat…
Das dritte Feature auf der DVD bietet ebenfalls eine Kuriosität: Der amerikanische Dokumentarfilmer Jay Miracle versuchte sich im September 1986 an einem Interview mit Kinski. „Dinocittà“ entpuppt sich als ein zwar anstrengend anzusehendes, aber durchaus unterhaltsames Experiment, bei dem die Kamera oftmals in Hüfthöhe gehalten wird (Kinski verlangte direkten Augenkontakt von seinem Gegenüber) und dass einige überraschende Wahrheiten (?) über sein Verhältnis zu Werner Herzog verrät.
Fazit: Die DVD „Kinski Talks 2“ ist wie sein Vorgänger allein deshalb eine Empfehlung, weil sie neben Kinski in Reinkultur ein wunderbares Zeugnis der TV-Landschaft der 1980er Jahren darstellt. Die Silberscheibe bietet deutschen Ton (ohne Untertitel) für „NDR Talkshow“ (ca. 30 min.) und „Zeit zu zweit“ (ca. 44 min.), sowie deutsche Untertitel für das englischsprachige „Dinocittà“ (ca. 60 min.). Ein paar gelöschte Szenen und ein informatives Booklet sind als Bonusmaterial enthalten.
Man mag über den Menschen Klaus Kinski urteilen wie man will – doch für einen unterhaltsamen Fernsehabend war er zweifellos stets die beste Zutat. Mal sehen, ob Peter Geyer noch weitere Perlen dieser Art in den Senderarchiven findet. Als Alternative zum aktuellen TV-Programm wäre es wünschenswert.