Eine amerikanische Saga
Der Kevin und sein Western-Faible: Dass Schauspieler, Regisseur und Oscar-Preisträger Kevin Costner eine Vorliebe für das Cowboy-und-Indianer-Genre hat, ist sicherlich kein Geheimnis. Ob Filme wie „Silverado“ (1985), „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990), „Wyatt Earp“ (1994) und „Open Range“ (2003) oder zuletzt sein Mitwirken an der Erfolgsserie „Yellowstone“ (2018-2024) – wenn in Hollywood ein Western gedreht wird, ist der inzwischen 69-Jährige nicht weit. Mit „Horizon“ hat er sich nun einem seiner Herzensprojekte gewidmet.
Angeblich geplant seit den 1980ern, investierte der Star nun 38 Mio. Dollar seines Privatvermögens (hui!), um sein mehrteiliges Epos auf die Leinwand zu bringen. Denn obwohl mit drei Stunden Laufzeit schon beachtlich lang, ist dieser Film nur das erste Kapitel eines vierteiligen Werks, welches Costner über die Besiedlung der „Neuen Welt“ plant. Kapitel zwo ist bereits fertig, der geplante diesjährige Veröffentlichungstermin wurde jedoch aufgrund des enttäuschenden Kino-Einspiels vom Erstling erst einmal verschoben. Aus künstlerischer Sicht natürlich schade, aus Sicht dieses Rezensenten jedoch nachvollziehbar.
Erste Teile einer Reihe haben es per se meist nicht leicht, müssen doch Charaktere vorgestellt, Handlungsstränge eingeführt und Konfliktlinien herausgearbeitet werden. Ersteres gelingt Costner und seinen beiden Co-Autoren Jon Baird und Mark Kasdan noch ganz gut, auch wenn die Stringenz durch manch seltsame Filmschnittentscheidung bzw. Szenenabfolge etwas gestört wird. Hinzu kommen parallel verlaufende Geschichten, die zunächst alle für sich und (bisher) in keinerlei Verbindung zueinander stehen. Auch das ist zunächst akzeptabel. Problematisch wird es dann, wenn Figuren ausführlich vorgestellt, im nächsten Moment aber (scheinbar) komplett aus der Handlung getilgt werden – was wiederum die stolze Laufzeit von drei Stunden erklärt, die sich in Nebenschauplätzen und -konflikten verliert, die im späteren Verlauf nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Aber auch das nur eine Vermutung, da es im Kontext des kompletten Werks möglicherweise Sinn ergibt.
Dem Darstellerensemble ist dies kaum anzulasten, denn das ist, ebenso wie Costner, mit Herz und Motivation bei der Sache (und ihren Figuren): Sienna Miller, Sam Worthington, Danny Huston, Michael Rooker und Luke Wilson sind nur einige von unzähligen Stars, die hier für kurz oder lang durchs Bild huschen und deren Charaktere die Besiedlung des sogenannten Wilden Westens miterleben und -gestalten. Ihnen gegenüber stehen die Ureinwohner, die nicht immer freiwillig und friedlich den Neuankömmlingen Platz machen müssen.
Abseits vom Inhaltlichen sorgen jedoch noch zwei künstlerische Entscheidungen für Verwunderung: Zum einen wählten Regisseur Costner und sein Kameramann J. Michael Muro („L.A. Crash“, 2004) nicht das für Western übliche Breitbild-Seitenverhältnis von 2,35:1, sondern ‚lediglich‘ 1,85:1, was gerade wegen der zahlreichen Landschaftsaufnahmen, wie sie auch „Horizon“ zeigt, seltsam anmutet. Zum anderen endet die eigentliche Handlung sehr unerwartet und der Film wechselt in eine überlange Vorschau auf den nächsten Teil. Ein inhaltlicher ‚Cliffhanger‘ wäre hier passender gewesen, zumal die Vorschau Personen und Aktionen zeigt, die auch nach drei Stunden Laufzeit bisher nicht eingeordnet werden können.
„Horizon“ ist ambitioniert, Star-gespickt und in Ansätzen auch recht spannend. Zum ganz großen Epos reicht es aber noch nicht. Kann ja aber noch kommen.
Die 4K-UHD/Blu-ray/DVD bietet den Film in englischer Original- sowie deutscher Synchronsprachfassung. Deutsche und englische Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es ein Mini-Promo-Making of, eine Bildergalerie und Trailer. „Horizon – Eine amerikanische Saga“ erscheint bei Tobis im Vertrieb von Leonine Studios und ist seit 29. November 2024 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Tobis/LEONINE Studios)
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
Heimkino-Tipp: „Boneyard“ (2024)
Lethal Boredom
Schauspieler müssen Geld verdienen. Das Agieren vor Publikum resp. der Kamera ist ihr Job und dafür möchten sie entlohnt werden. Deshalb werfe ich keiner/m vor, wenn sie ab und an in B-Movies als Nebendarsteller mitwirken, bei denen sie für wenige Tage Arbeit gut entlohnt werden und vielleicht noch einen Bonus erhalten, wenn sie ihr Gesicht prominent aufs Filmplakat drucken lassen. Pacino tut es, De Niro und Stallone ebenso, Nicolas Cage sowieso. Und auch Oscar-Preisträger Mel Gibson scheint immer mehr Gefallen daran zu finden, wie ein Blick auf seine jüngste Filmografie bestätigt.
Aber puh, manchmal machen es die Stars von einst ihren Fans nicht leicht. „Boneyard“ ist so ein Fall, der seine besten Momente gleich zu Beginn hat – dank eines halbwegs stimmigen Vorspanns, unterlegt mit einem neugierig machenden Song –, kurz danach allerdings die wackelige Handkamera auspackt und mit jeder weiteren Szene tiefer in die Abgründe der semi-professionell inszenierten Langeweile abrutscht. Dass das vorhandene Budget gering war, ist dabei gar nicht problematisch. Es ist vielmehr erschreckend, wie offenkundig Regisseur Asif Akbar schon nach scheinbar fünf Minuten das Interesse an seinem eigenen Film verloren hat und gar nicht erst versucht, auf irgendeine Weise kreativ zu sein. Das zeigt sich auch am Skript, welches er mit zwei weiteren Ideenverweigerern ‚erschaffen‘ hat und das von Klischee-Dialogen nur so strotzt. Ernsthaft: Dieses ‚Werk‘ eignet sich hervorragend für ein Bullshit-Bingo in geselliger Runde, da jeder – wirklich jeder – Satz bereits in hunderten anderen Cop-Thrillern vorkam.
Apropos Cop: Als Polizeichef ist kein geringerer als Curtis „50 Cent“ Jackson zu erleben, was die Casting-Sensation des Jahrzehnts sein dürfte. Nicht nur, dass Mr. Jackson leider immer noch besser rappen als schauspielern kann, nein, mit seiner (realen) Vorgeschichte und seinem öffentlichen ‚Gangster-Image‘ ist er in dieser Rolle maximal unglaubwürdig. Zumal ihm seine Garderobe, eine Uniform, sichtbar zu klein ist. Neben ihm beweist Brian Van Holt in der Hauptrolle eindrucksvoll, wie man 90 Minuten lang in jeder Szene grimmig-nichtssagend dreinschauen kann, während Gibson irgendwo zwischen völlig überzogen und halbseriös seine wenigen Auftritte absolviert.
Aber wovon handelt „Boneyard“ eigentlich? Basierend auf wahren Mordfällen, folgt der Film der Ermittlungsarbeit von Polizei und FBI, während der Täter munter weiter killt. Klingt spannend? Ist es nicht. Vielleicht als ‚guilty pleasure‘ noch erträglich? Nein! Für B-Movie-Fans akzeptabel? Macht euch nicht lächerlich!
Die Blu-ray/DVD bietet den Film in englischer Original- sowie deutscher Synchronsprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional verfügbar. Als Bonus gibt es Trailer. „Boneyard“ erscheint bei Leonine Studios und ist seit 8. November 2024 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Leonine/Lionsgate)
Schauspieler müssen Geld verdienen. Das Agieren vor Publikum resp. der Kamera ist ihr Job und dafür möchten sie entlohnt werden. Deshalb werfe ich keiner/m vor, wenn sie ab und an in B-Movies als Nebendarsteller mitwirken, bei denen sie für wenige Tage Arbeit gut entlohnt werden und vielleicht noch einen Bonus erhalten, wenn sie ihr Gesicht prominent aufs Filmplakat drucken lassen. Pacino tut es, De Niro und Stallone ebenso, Nicolas Cage sowieso. Und auch Oscar-Preisträger Mel Gibson scheint immer mehr Gefallen daran zu finden, wie ein Blick auf seine jüngste Filmografie bestätigt.
Aber puh, manchmal machen es die Stars von einst ihren Fans nicht leicht. „Boneyard“ ist so ein Fall, der seine besten Momente gleich zu Beginn hat – dank eines halbwegs stimmigen Vorspanns, unterlegt mit einem neugierig machenden Song –, kurz danach allerdings die wackelige Handkamera auspackt und mit jeder weiteren Szene tiefer in die Abgründe der semi-professionell inszenierten Langeweile abrutscht. Dass das vorhandene Budget gering war, ist dabei gar nicht problematisch. Es ist vielmehr erschreckend, wie offenkundig Regisseur Asif Akbar schon nach scheinbar fünf Minuten das Interesse an seinem eigenen Film verloren hat und gar nicht erst versucht, auf irgendeine Weise kreativ zu sein. Das zeigt sich auch am Skript, welches er mit zwei weiteren Ideenverweigerern ‚erschaffen‘ hat und das von Klischee-Dialogen nur so strotzt. Ernsthaft: Dieses ‚Werk‘ eignet sich hervorragend für ein Bullshit-Bingo in geselliger Runde, da jeder – wirklich jeder – Satz bereits in hunderten anderen Cop-Thrillern vorkam.
Apropos Cop: Als Polizeichef ist kein geringerer als Curtis „50 Cent“ Jackson zu erleben, was die Casting-Sensation des Jahrzehnts sein dürfte. Nicht nur, dass Mr. Jackson leider immer noch besser rappen als schauspielern kann, nein, mit seiner (realen) Vorgeschichte und seinem öffentlichen ‚Gangster-Image‘ ist er in dieser Rolle maximal unglaubwürdig. Zumal ihm seine Garderobe, eine Uniform, sichtbar zu klein ist. Neben ihm beweist Brian Van Holt in der Hauptrolle eindrucksvoll, wie man 90 Minuten lang in jeder Szene grimmig-nichtssagend dreinschauen kann, während Gibson irgendwo zwischen völlig überzogen und halbseriös seine wenigen Auftritte absolviert.
Aber wovon handelt „Boneyard“ eigentlich? Basierend auf wahren Mordfällen, folgt der Film der Ermittlungsarbeit von Polizei und FBI, während der Täter munter weiter killt. Klingt spannend? Ist es nicht. Vielleicht als ‚guilty pleasure‘ noch erträglich? Nein! Für B-Movie-Fans akzeptabel? Macht euch nicht lächerlich!
Die Blu-ray/DVD bietet den Film in englischer Original- sowie deutscher Synchronsprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional verfügbar. Als Bonus gibt es Trailer. „Boneyard“ erscheint bei Leonine Studios und ist seit 8. November 2024 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Leonine/Lionsgate)
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