Nicht nur aus Zeitgründen an dieser Stelle mal wieder eine „Doppel-Rezension“ zweier Filme, die zwar inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, aus meinem persönlichen Möchtegern-Cineastenblick jedoch beide an den selben Hürden scheitern: einem schwachen Drehbuch und zu guten Schauspielern.
Deshalb gleich zu Beginn etwas name dropping: Sienna Miller, Guy Pearce, Hayden Christensen (in „Factory Girl“), Julia Roberts, Willem Dafoe, Ryan Reynolds, Emily Watson, Carrie-Anne Moss (in „Zurück im Sommer“). Liest sich tatsächlich sehr beeindruckend. Viele Egos, viel Können – da braucht es zwei ebenso selbstsichere Regisseure.
Talent haben sie auf jeden Fall, George Hickenlooper (u.a. Regisseur der Dokumentation „Hearts of Darkness“, die den unglaublichen Entstehungsprozess von Coppolas „Apocalypse Now“ schildert) und Dennis Lee (produzierte einige Episoden der Serie „Desperate Housewives“). Beide sind bemüht, stilistisch nicht auf der Stelle zu treten und fangen die Atmosphären, in denen ihre Geschichten geschehen, auch sehr passend ein. Mit etwas Geduld und einem Faible für das Optische hat man somit als Zuschauer durchaus seine Freude, für 90 Minuten genügt dies aber nicht.
„Factory Girl“ porträtiert mit Edie Sedgwick (gespielt von Sienna Miller) das 60er-Jahre-Exemplar von Paris Hilton. Ein Mädchen, das aus einem wohlhabenden Elternhaus stammt, hübsch anzusehen ist (okay, hier möchte ich festhalten, dass ich der Hilton diese Eigenschaft abspreche) und über ein gewisses Talent der Selbstinszenierung verfügt. Als Künstler-Ikone Andy Warhol (ein unglaublich guter Guy Pearce) auf sie aufmerksam wird, beginnt ihr Aufstieg zum Superstar. Sie ist Muse, Freundin und Model für den exzentrischen Warhol, dessen Interesse an Sedgwick bald schon nachlässt. Selbst die Romanze mit einem „Rockstar“ (Hayden Christensen im Bob-Dylan-Look) kann sie schlussendlich nicht davor bewahren, im Teufelskreis von Drogen, Einsamkeit und verblassendem Ruhm unterzugehen.
„Zurück im Sommer“ nimmt sich statt dessen gleich einer ganzen Familie an, die sich zunächst nur zu einem lauschigen Gartenfest zusammenfinden will, aufgrund eines Autounfalls direkt vor dem Haus (uhhh, etwas sehr konstruiert) dann aber zur Beerdigung der Mutter (Julia Roberts) schreitet. Prompt brechen alte Familienkonflikte wieder auf, werden beim Sohnemann (Ryan Reynolds) Erinnerungen an die Demütigungen des Vaters (Willem Dafoe) und lange Abende mit seiner Tante (Emily Watson) wach.
Wie weiter oben bereits erwähnt, versäumen es beide Filmemacher, ihre Figuren durch ein halbwegs unterhaltsames, spannendes Szenario zu führen. So drehen sich die fabelhaft agierenden Schauspieler buchstäblich im Kreis ihrer eigenen Probleme, bleiben Konflikte ungelöst und Motivationen im Dunkeln. Oder wie es die Rocker der Smashing Pumpkins einst in einem Song treffend formulierten: „The end is the beginning is the end“.
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
„Die Girls von St. Trinian“ (Kinostart: 7. August 2008)
Ein Film über ein Mädchen-Internat? Nun ja, es gibt zweifellos interessantere Themen, die man als Filmemacher beackern kann. Zumal mir sofort deutsche Komödienversuche mit ähnlichem Inhalt ins Gedächtnis kommen, deren Existenz ich lieber ungeschehen machen wöllte.
Aber genug der Vorurteile! Immerhin spielen mit Rupert Everett („Die Hochzeit meines besten Freundes“) und Colin Firth („Mamma Mia!“) gleich zwei gestandene Herren des britischen Kinos mit, was auf ein halbwegs brauchbares inhaltliches Konzept hoffen lässt.
St. Trinian ist wahrlich kein braver Ort: Ordnung gibt es hier keine, Benehmen ebensowenig und von einem straffen Lehrplan haben die verrückten und mitunter sehr durchgeknallten Mädels scheinbar noch nie etwas gehört. Dies mag auch an der schrulligen Direktorin Camilla (Rupert Everett mit wunderbarem Überbiss und Schminke) liegen, die zwar nach Außen stets Contenance wahrt, sich ansonsten aber herzlich wenig um Bürokratie kümmert. Dies hat zur Folge, dass die Schule Besuch von Camillas Ex-Flamme Geoffrey (Firth) bekommt, der als neuer Bürgermeister das verschuldete Internat schließen will.
Das lassen sich die Mädchen natürlich nicht gefallen und starten eine Guerilla-Aktion zum Retten ihrer Schule. Dabei spielt das weltberühmte Gemälde von Vermeer „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ eine nicht unwichtige Rolle…
Moment mal! Vermeer? Perlenohrring? Da war doch was?! Scarlett Johansson spielte eben jenes Mädchen in der fiktiven Verfilmung von Peter Webber im Jahre 2003 – an der Seite von Colin Firth als Vermeer! Ein wunderbarer Seitenhieb, der „Die Girls von St. Trinian“ (warum eigentlich nicht „Die Mädchen von St. Trinian“?) problemlos zu einer Top-Komödie hätte machen können. Doch stimmen – außer in besagter Szene – Packung und Inhalt selten überein. Statt böser Mädchen mit bissigen Kommentaren zum braven Alltag, den sie mit allen Mitteln in ihrer Festung bekämpfen, gibt es lediglich viel Fassade ( = Schminke) und harmlose Witzchen, zugeschnitten auf ein Publikum kleiner als 14. Zwar liefert Everett als Direktorin und deren Bruder Carnaby eine superbe Doppel-Show ab, bleibt dabei aber alleiniger (humoristischer) Höhepunkt. Schlimmer noch: Die Drehbuchautoren freuten sich anscheinend so sehr über ihre gelungene „Perlenohrring“-Parodie, dass sie diesen Witz gleich mehrmals im Film platzieren, bis es wirklich jeder kapiert hat.
Ein wenig enttäuscht und doch amüsiert über einige gute Gags (und dem/der herrlichen Rupert Everett) stelle ich fest: Für einen Filmnachmittag in Begleitung junger Familienmitglieder lohnt „Die Girls von St. Trinian“ allemal, etwas mehr Mut und Bosheit hätten es aber durchaus sein dürfen.
Aber genug der Vorurteile! Immerhin spielen mit Rupert Everett („Die Hochzeit meines besten Freundes“) und Colin Firth („Mamma Mia!“) gleich zwei gestandene Herren des britischen Kinos mit, was auf ein halbwegs brauchbares inhaltliches Konzept hoffen lässt.
St. Trinian ist wahrlich kein braver Ort: Ordnung gibt es hier keine, Benehmen ebensowenig und von einem straffen Lehrplan haben die verrückten und mitunter sehr durchgeknallten Mädels scheinbar noch nie etwas gehört. Dies mag auch an der schrulligen Direktorin Camilla (Rupert Everett mit wunderbarem Überbiss und Schminke) liegen, die zwar nach Außen stets Contenance wahrt, sich ansonsten aber herzlich wenig um Bürokratie kümmert. Dies hat zur Folge, dass die Schule Besuch von Camillas Ex-Flamme Geoffrey (Firth) bekommt, der als neuer Bürgermeister das verschuldete Internat schließen will.
Das lassen sich die Mädchen natürlich nicht gefallen und starten eine Guerilla-Aktion zum Retten ihrer Schule. Dabei spielt das weltberühmte Gemälde von Vermeer „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ eine nicht unwichtige Rolle…
Moment mal! Vermeer? Perlenohrring? Da war doch was?! Scarlett Johansson spielte eben jenes Mädchen in der fiktiven Verfilmung von Peter Webber im Jahre 2003 – an der Seite von Colin Firth als Vermeer! Ein wunderbarer Seitenhieb, der „Die Girls von St. Trinian“ (warum eigentlich nicht „Die Mädchen von St. Trinian“?) problemlos zu einer Top-Komödie hätte machen können. Doch stimmen – außer in besagter Szene – Packung und Inhalt selten überein. Statt böser Mädchen mit bissigen Kommentaren zum braven Alltag, den sie mit allen Mitteln in ihrer Festung bekämpfen, gibt es lediglich viel Fassade ( = Schminke) und harmlose Witzchen, zugeschnitten auf ein Publikum kleiner als 14. Zwar liefert Everett als Direktorin und deren Bruder Carnaby eine superbe Doppel-Show ab, bleibt dabei aber alleiniger (humoristischer) Höhepunkt. Schlimmer noch: Die Drehbuchautoren freuten sich anscheinend so sehr über ihre gelungene „Perlenohrring“-Parodie, dass sie diesen Witz gleich mehrmals im Film platzieren, bis es wirklich jeder kapiert hat.
Ein wenig enttäuscht und doch amüsiert über einige gute Gags (und dem/der herrlichen Rupert Everett) stelle ich fest: Für einen Filmnachmittag in Begleitung junger Familienmitglieder lohnt „Die Girls von St. Trinian“ allemal, etwas mehr Mut und Bosheit hätten es aber durchaus sein dürfen.
„Küss mich bitte!“ (Kinostart: 7. August 2008)
Nach längerer Abstinenz möchte ich meinen Blog endlich mit Neuem füllen. Den Anfang macht die Romanze „Küss mich bitte!“, was im französischen Original ungleich verführerischer klingt: „Un baiser, s´il vous plâit“.
Regie führte Emmanuel Mouret, der gleichzeitig die Rolle des Nicolas übernahm und eben jenen Bittsteller spielt, der seine beste Freundin Julie (Virginie Ledoyen, „The Beach“) um diesen Gefallen anfleht. Hach, wie aufregend muss das Casting für diese Rolle gewesen sein!
Nicolas und Julie sind jedoch nur ein Paar, dem sich der leichtfüßig inszenierte Film widmet. Denn eigentlich geht es vielmehr um Emilie (Julie Gayet) und Gabriel (Michaël Cohen), beide glücklich in ihren Beziehungen, die sich zufällig begegnen und sofort zueinander hingezogen fühlen. Sie flirten, besuchen eine Bar und landen schließlich im Emilies Hotelzimmer – zum Reden. Emilie erzählt Gabriel eine Geschichte über zwei gute Freunde (Nicolas & Julie) und wie nur ein Kuss beider Leben vollständig verändert hat. Eine Geschichte, die Emilie vor einer weiteren Annäherung an ihre neue Bekanntschaft zögern lässt und Gabriel warnen soll.
Um nicht zu viel zu verraten, soll diese kurze Inhaltsangabe an dieser Stelle reichen. Doch eines sei noch erwähnt: „Küss mich bitte!“ ist vielleicht nicht das kreativste französische Kinoprodukt 2008, romantisch, amüsant und unterhaltsam ist der Film jedoch allemal. Daran haben sowohl die durchweg sympathischen Figuren, als auch der immer wieder durchschimmernde - manchmal naive, manchmal ernste - Umgang mit der Bedeutung des Wortes „Liebe“ einen gewichtigen Anteil. Fabuleux!
Regie führte Emmanuel Mouret, der gleichzeitig die Rolle des Nicolas übernahm und eben jenen Bittsteller spielt, der seine beste Freundin Julie (Virginie Ledoyen, „The Beach“) um diesen Gefallen anfleht. Hach, wie aufregend muss das Casting für diese Rolle gewesen sein!
Nicolas und Julie sind jedoch nur ein Paar, dem sich der leichtfüßig inszenierte Film widmet. Denn eigentlich geht es vielmehr um Emilie (Julie Gayet) und Gabriel (Michaël Cohen), beide glücklich in ihren Beziehungen, die sich zufällig begegnen und sofort zueinander hingezogen fühlen. Sie flirten, besuchen eine Bar und landen schließlich im Emilies Hotelzimmer – zum Reden. Emilie erzählt Gabriel eine Geschichte über zwei gute Freunde (Nicolas & Julie) und wie nur ein Kuss beider Leben vollständig verändert hat. Eine Geschichte, die Emilie vor einer weiteren Annäherung an ihre neue Bekanntschaft zögern lässt und Gabriel warnen soll.
Um nicht zu viel zu verraten, soll diese kurze Inhaltsangabe an dieser Stelle reichen. Doch eines sei noch erwähnt: „Küss mich bitte!“ ist vielleicht nicht das kreativste französische Kinoprodukt 2008, romantisch, amüsant und unterhaltsam ist der Film jedoch allemal. Daran haben sowohl die durchweg sympathischen Figuren, als auch der immer wieder durchschimmernde - manchmal naive, manchmal ernste - Umgang mit der Bedeutung des Wortes „Liebe“ einen gewichtigen Anteil. Fabuleux!
„Mamma Mia!“ (Kinostart: 17. Juli 2008)
Ein Artikel aus dem „Meißner Tageblatt“:
Abgesehen von der „Rocky Horror Picture Show“ gilt es gewöhnlich als Unart, während einer Kinovorstellung zu plappern, zu singen oder gar unvermittelt zu applaudieren. Es sei denn, man sitzt im neuen Film der britischen Regisseurin Phyllida Lloyd, ist ABBA-Fan und in Stimmung für eine zweistündige Riesensause.
Weltweit etwa 30 Millionen Zuschauer konnte das Musical „Mamma Mia!“ seit seiner Erstaufführung im März 1999 begeistern, nun versuchen sich u.a. Meryl Streep, Ex-Bond Pierce Brosnan, Colin Firth und Julie Walters im Tanzen zu, Singen von und Leben nach Songs der wohl bekanntesten schwedischen Popband Abba.
Inmitten einer idyllischen Mittelmeerinsel laufen die Vorbereitungen zur Traumhochzeit von Sophie (Amanda Seyfried), der Tochter von Donna (Streep), die in ihrer Jugend nicht wenige Verehrer hatte. Drei davon könnten möglicherweise der Vater von Sophie sein, die sich nichts sehnlicher wünscht, als von ihrem männlichen Elternteil zum Altar geführt zu werden. Also lädt sie kurzerhand jene drei Kandidaten zur Hochzeit, natürlich ohne ihrer Mutter etwas davon zu verraten. Sowohl Sam (Brosnan) als auch die nicht weniger ansehnlichen Harry (Firth) und Bill (Stellan Skarsgård) ahnen bei ihrer Ankunft noch nichts von ihren (väterlichen) Pflichten, doch das Chaos lässt selbstverständlich nicht lange auf sich warten.
Gespickt mit unzähligen Gesangseinlagen, überzogener Theatralik und einigen schockierenden Kostümen, die nicht an jedem Darsteller wirklich schön aussehen, ist „Mamma Mia!“ ein absoluter Gute-Laune-Film. Herrlich hemmungslos, kindlich und unbeschwert schweben die Darsteller trällernd durch romantisch-kitschige Szenen und fügt sich jeder Abba-Song wunderbar in die Handlung ein.
Fazit: Angucken, Mitsingen, Spaß haben!
Abgesehen von der „Rocky Horror Picture Show“ gilt es gewöhnlich als Unart, während einer Kinovorstellung zu plappern, zu singen oder gar unvermittelt zu applaudieren. Es sei denn, man sitzt im neuen Film der britischen Regisseurin Phyllida Lloyd, ist ABBA-Fan und in Stimmung für eine zweistündige Riesensause.
Weltweit etwa 30 Millionen Zuschauer konnte das Musical „Mamma Mia!“ seit seiner Erstaufführung im März 1999 begeistern, nun versuchen sich u.a. Meryl Streep, Ex-Bond Pierce Brosnan, Colin Firth und Julie Walters im Tanzen zu, Singen von und Leben nach Songs der wohl bekanntesten schwedischen Popband Abba.
Inmitten einer idyllischen Mittelmeerinsel laufen die Vorbereitungen zur Traumhochzeit von Sophie (Amanda Seyfried), der Tochter von Donna (Streep), die in ihrer Jugend nicht wenige Verehrer hatte. Drei davon könnten möglicherweise der Vater von Sophie sein, die sich nichts sehnlicher wünscht, als von ihrem männlichen Elternteil zum Altar geführt zu werden. Also lädt sie kurzerhand jene drei Kandidaten zur Hochzeit, natürlich ohne ihrer Mutter etwas davon zu verraten. Sowohl Sam (Brosnan) als auch die nicht weniger ansehnlichen Harry (Firth) und Bill (Stellan Skarsgård) ahnen bei ihrer Ankunft noch nichts von ihren (väterlichen) Pflichten, doch das Chaos lässt selbstverständlich nicht lange auf sich warten.
Gespickt mit unzähligen Gesangseinlagen, überzogener Theatralik und einigen schockierenden Kostümen, die nicht an jedem Darsteller wirklich schön aussehen, ist „Mamma Mia!“ ein absoluter Gute-Laune-Film. Herrlich hemmungslos, kindlich und unbeschwert schweben die Darsteller trällernd durch romantisch-kitschige Szenen und fügt sich jeder Abba-Song wunderbar in die Handlung ein.
Fazit: Angucken, Mitsingen, Spaß haben!
„So ist Paris“ (Kinostart: 17. Juli 2008)
Ganz schön gewagt, was das Filmplakat da behauptet: „Ein bisschen Paris steckt in jedem von uns.“ Und damit auch jeder Zuschauer etwas zum Identifizieren hat, präsentiert Cédric Klapisch („L´Auberge Espagnole“, 2002/2005) gleich ein halbes Dutzend Hauptdarsteller, die alle in einer anderen Lebensphase (fest)stecken und versuchen, ihren Alltag zu bestehen.
Klapisch präsentiert somit nichts weiter als eine weitere Fortsetzung seiner „Espagnole“-Reihe, diesmal mit Juliette Binoche als zweitem bekannten Gesicht neben Romain Duris, dem Xavier aus eben jenen WG-Filmen. Mal romantisch, mal traurig lässt er den Zuschauer teilhaben am hippen Leben in der französischen Hauptstadt, behandelt dabei jedoch nicht alle Episoden mit derselben Sorgfalt. So langweilt vor allem die nichtssagende Odyssee eines illegal eingewanderten Kameruners, die weder zu Ende gedacht ist, noch die anderen Geschichten in irgendeiner Weise beeinflusst.
Schlecht ist „So ist Paris“ deshalb nicht, wirklich Neues, etwas typisch Französisches oder gar Außergewöhnliches hat aber auch Klapisch nicht zu berichten. Insofern stimmt es schon: „Ein bisschen Paris steckt in jedem von uns.“ Und Dresden und Berlin und Freital…
Klapisch präsentiert somit nichts weiter als eine weitere Fortsetzung seiner „Espagnole“-Reihe, diesmal mit Juliette Binoche als zweitem bekannten Gesicht neben Romain Duris, dem Xavier aus eben jenen WG-Filmen. Mal romantisch, mal traurig lässt er den Zuschauer teilhaben am hippen Leben in der französischen Hauptstadt, behandelt dabei jedoch nicht alle Episoden mit derselben Sorgfalt. So langweilt vor allem die nichtssagende Odyssee eines illegal eingewanderten Kameruners, die weder zu Ende gedacht ist, noch die anderen Geschichten in irgendeiner Weise beeinflusst.
Schlecht ist „So ist Paris“ deshalb nicht, wirklich Neues, etwas typisch Französisches oder gar Außergewöhnliches hat aber auch Klapisch nicht zu berichten. Insofern stimmt es schon: „Ein bisschen Paris steckt in jedem von uns.“ Und Dresden und Berlin und Freital…
„Get Smart“ (Kinostart: 17. Juli 2008)
Haha, wie unlustig! Seit einiger Zeit wird mir Steve Carell als DER neue Comedian Hollywoods verkauft, der hinter seinem braven Aussehen einen Gag nach dem anderen verbirgt. Genau: verbirgt! Nach „Get Smart“, meinem dritten Carell-Film (nach „Evan Almighty“, „Jungfrau (40), männlich, sucht…“), stelle ich fest: Dieser Typ ist so witzig wie ein Darmverschluss.
Laut Pressebeipackzettel zum Film (und womöglich zum Verständnis der „Gags“) war „Get Smart“ in den 1960er Jahren eine sehr erfolgreiche TV-Serie, die das Agenten-Film-Genre verballhornte und mit Mel Brooks einen der bekanntesten Komiker als geistigen Vater vorweisen konnte. Nun also eine Neuauflage, die laut Produzent „in unsere Zeit passt, mit Actionsequenzen, die nicht nur dazu dienen, die Gags zu unterbrechen, sondern sich auch in jedem anderen Thriller sehen lassen könnten.“ Und tatsächlich: Es kracht gewaltig auf der Leinwand. Viel heiße Luft, jedoch ohne Substanz.
Ein kurzer inhaltlicher Abriss: Maxwell Smart (Carell) ist Geheimagent und soll nach einem terroristischen Angriff auf seine Chefetage (in Person: Alan Arkin) das Verbrechersyndikat KAOS (in Person: Terence Stamp) auslöschen. Hilfe bekommt er dabei von Kollege Agent 23 (Dwayne „The Rock“ Jackson) sowie Agentin 99 (Anne Hathaway).
Haha, wie unlustig! Agent 23 läuft gegen eine Tür, zwei Computerfreaks statten seinen Kollegen derweil mit Bond-Goodies aus (ein Taschenmesser mit eingebautem Flammenwerfer) und Agentin 99 verrenkt ihren sexy Körper im Catherine Zeta-Jones-Style („Verlockende Falle“) um durch ein Labyrinth aus Laserstrahlen zu kommen, während Smart ihr auf den Hintern starrt. Gespickt wird das ganze Szenario mit vermeintlich witzigen Kommentaren des Helden, die jedoch so vorhersehbar und öde sind, dass man –wenn überhaupt- nur aus Verlegenheit darüber lächeln kann.
Ich habe nun wirklich nichts gegen Nonsensszenen, wie sie beispielsweise in den „Nackte Kanone“-Filmen (Teil 3 übrigens ebenfalls von Regisseur Peter Segal) zu hauf vorhanden waren. Aber selbst ein Bill Murray, der sich in einem Baumstamm versteckt, kann hier nichts reißen.
Steve Carells Humor ist der des stillen Beobachters, der regungslos seine (gähnend-langweiligen) Kommentare verkündet und dadurch komödiantischen Tiefsinn vorgaukelt, der einfach nicht vorhanden ist. Es ist schon bezeichnend, dass es gerade mal eine Szene geschafft hat, mich wirklich zum Lachen zu bringen. Umso schlimmer, da eben jene Szene genau darauf aufbaut, was ich gewöhnlich an amerikanischen Komödien verabscheue: Fäkalhumor (in diesem Fall eine glücklicherweise weniger eklige Toilettenszene).
Fazit: Wer die „Austin-Powers“-Filme mochte, wird sich in diesem Film wohlfühlen. Alle anderen lade ich demnächst zu einem Triple-Feature der „Nackte Kanone“-Werke ein. Haha, wie lustig!
Laut Pressebeipackzettel zum Film (und womöglich zum Verständnis der „Gags“) war „Get Smart“ in den 1960er Jahren eine sehr erfolgreiche TV-Serie, die das Agenten-Film-Genre verballhornte und mit Mel Brooks einen der bekanntesten Komiker als geistigen Vater vorweisen konnte. Nun also eine Neuauflage, die laut Produzent „in unsere Zeit passt, mit Actionsequenzen, die nicht nur dazu dienen, die Gags zu unterbrechen, sondern sich auch in jedem anderen Thriller sehen lassen könnten.“ Und tatsächlich: Es kracht gewaltig auf der Leinwand. Viel heiße Luft, jedoch ohne Substanz.
Ein kurzer inhaltlicher Abriss: Maxwell Smart (Carell) ist Geheimagent und soll nach einem terroristischen Angriff auf seine Chefetage (in Person: Alan Arkin) das Verbrechersyndikat KAOS (in Person: Terence Stamp) auslöschen. Hilfe bekommt er dabei von Kollege Agent 23 (Dwayne „The Rock“ Jackson) sowie Agentin 99 (Anne Hathaway).
Haha, wie unlustig! Agent 23 läuft gegen eine Tür, zwei Computerfreaks statten seinen Kollegen derweil mit Bond-Goodies aus (ein Taschenmesser mit eingebautem Flammenwerfer) und Agentin 99 verrenkt ihren sexy Körper im Catherine Zeta-Jones-Style („Verlockende Falle“) um durch ein Labyrinth aus Laserstrahlen zu kommen, während Smart ihr auf den Hintern starrt. Gespickt wird das ganze Szenario mit vermeintlich witzigen Kommentaren des Helden, die jedoch so vorhersehbar und öde sind, dass man –wenn überhaupt- nur aus Verlegenheit darüber lächeln kann.
Ich habe nun wirklich nichts gegen Nonsensszenen, wie sie beispielsweise in den „Nackte Kanone“-Filmen (Teil 3 übrigens ebenfalls von Regisseur Peter Segal) zu hauf vorhanden waren. Aber selbst ein Bill Murray, der sich in einem Baumstamm versteckt, kann hier nichts reißen.
Steve Carells Humor ist der des stillen Beobachters, der regungslos seine (gähnend-langweiligen) Kommentare verkündet und dadurch komödiantischen Tiefsinn vorgaukelt, der einfach nicht vorhanden ist. Es ist schon bezeichnend, dass es gerade mal eine Szene geschafft hat, mich wirklich zum Lachen zu bringen. Umso schlimmer, da eben jene Szene genau darauf aufbaut, was ich gewöhnlich an amerikanischen Komödien verabscheue: Fäkalhumor (in diesem Fall eine glücklicherweise weniger eklige Toilettenszene).
Fazit: Wer die „Austin-Powers“-Filme mochte, wird sich in diesem Film wohlfühlen. Alle anderen lade ich demnächst zu einem Triple-Feature der „Nackte Kanone“-Werke ein. Haha, wie lustig!
„Unter Kontrolle“ (Kinostart: 17. Juli 2008)
Mit berühmten und künstlerisch anerkannten Familienmitgliedern ist das so eine Sache. Ist einer aus der Sippe erfolgreich, wird Talent meist gleich auf alle Geschwister und Kindeskinder mit übertragen. Dies kann sich bestätigen (siehe Regisseurin Sofia Coppola, Tony & Ridley Scott), in einigen Fällen jedoch ebenso als Wunschdenken herausstellen (siehe Schauspielerin Sofia Coppola). Jennifer Lynch, Tochter von David Lynch („Blue Velvet“, „Mulholland Drive“), ist nach einem weiteren Film wie „Unter Kontrolle“ wohl der letzteren Kategorie zuzuordnen.
Aber vielleicht ist es auch in ihrem zweiten Film wieder nur ein Ausrutscher, eine unsortierte Ansammlung ausgefallener Ideen, die lediglich in einen passenden Rahmen gepresst werden müssen um nebeneinander zu funktionieren. „Unter Kontrolle“ möchte ein spannender Thriller mit psychologischem Tiefgang und Anspielungen auf „Rashômon“ (Akira Kurosawa, 1950) sein, verwechselt jedoch Inhalt mit Unglaubwürdigkeit, Suspense mit Gewalt und Spannung mit (vermeintlichen) Schockmomenten.
Auf einem Highway mitten im Nirgendwo kommt es zu seltsamen Todesfällen unter den Durchreisenden. Zur Unterstützung bei den Ermittlungen schickt das FBI der örtlichen Polizei zwei Agenten (Julia Ormond, Bill Pullman), die bei der Befragung von vermeintlichen Zeugen helfen sollen. Schlüsselfigur ist dabei das Mädchen Stephanie (Ryan Simpkins), das dem Täter entkommen ist und nun zusammen mit einer weiteren Überlebenden verhört werden soll. Mit anwesend sind dabei auch jene zwei Cops, die zuvor aus purer Langeweile die Reifen vorbeifahrender Autos zerschossen und Stephanies Eltern belästigten haben.
Sehr schnell wird während des Verhörs deutlich, dass alle Beteiligten eine andere Sicht auf die Vergangenheit haben. Welche Version letztendlich die wahre ist, soll der Zuschauer am Ende erfahren – leider in einem solch absurden Schlusstwist verpackt, das es schlichtweg lächerlich und sehr verkrampft wirkt.
Bemüht wirken ebenso die Darsteller, die ihre Rollen allesamt mit kleinen Macken ausstatten, als Sympathieträger aber überhaupt nicht funktionieren. Und genau hier liegt wohl auch das größte Manko von „Unter Kontrolle“: Wenn keiner der Protagonisten glaubhaft agiert, weshalb soll die eine finale Auflösung dann die richtige sein? Ist sie nicht womöglich auch nur ein weiteres Hirngespinst einer Person, Wunschdenken des Täters? Nicht weniger plausibel wäre die Behauptung, den Autoren (Jennifer Lynch & Kent Harper) seien schlicht die Ideen ausgegangen, weshalb die „schockierendste“ am Ende den Vorzug bekam.
Möglicherweise wäre dies auch noch zu ertragen, würde die Umsetzung nicht den letzten Rest „Atmosphäre“ zerstören. Lynch traut dem Publikum und dessen Phantasie nicht und wechselt während des Verhörs ständig zurück an den Ort des Verbrechens, um das soeben Gesagte bildlich zu untermalen. Leider tut sie dies so drastisch und blutig, dass jeder Ansatz von Spannung durch Ekel und Abscheu ersetzt wird.
Keine wirkliche Empfehlung, wer´s jedoch deftig und wenig plausibel mag, kann sich „Unter Kontrolle“ gern antun.
Aber vielleicht ist es auch in ihrem zweiten Film wieder nur ein Ausrutscher, eine unsortierte Ansammlung ausgefallener Ideen, die lediglich in einen passenden Rahmen gepresst werden müssen um nebeneinander zu funktionieren. „Unter Kontrolle“ möchte ein spannender Thriller mit psychologischem Tiefgang und Anspielungen auf „Rashômon“ (Akira Kurosawa, 1950) sein, verwechselt jedoch Inhalt mit Unglaubwürdigkeit, Suspense mit Gewalt und Spannung mit (vermeintlichen) Schockmomenten.
Auf einem Highway mitten im Nirgendwo kommt es zu seltsamen Todesfällen unter den Durchreisenden. Zur Unterstützung bei den Ermittlungen schickt das FBI der örtlichen Polizei zwei Agenten (Julia Ormond, Bill Pullman), die bei der Befragung von vermeintlichen Zeugen helfen sollen. Schlüsselfigur ist dabei das Mädchen Stephanie (Ryan Simpkins), das dem Täter entkommen ist und nun zusammen mit einer weiteren Überlebenden verhört werden soll. Mit anwesend sind dabei auch jene zwei Cops, die zuvor aus purer Langeweile die Reifen vorbeifahrender Autos zerschossen und Stephanies Eltern belästigten haben.
Sehr schnell wird während des Verhörs deutlich, dass alle Beteiligten eine andere Sicht auf die Vergangenheit haben. Welche Version letztendlich die wahre ist, soll der Zuschauer am Ende erfahren – leider in einem solch absurden Schlusstwist verpackt, das es schlichtweg lächerlich und sehr verkrampft wirkt.
Bemüht wirken ebenso die Darsteller, die ihre Rollen allesamt mit kleinen Macken ausstatten, als Sympathieträger aber überhaupt nicht funktionieren. Und genau hier liegt wohl auch das größte Manko von „Unter Kontrolle“: Wenn keiner der Protagonisten glaubhaft agiert, weshalb soll die eine finale Auflösung dann die richtige sein? Ist sie nicht womöglich auch nur ein weiteres Hirngespinst einer Person, Wunschdenken des Täters? Nicht weniger plausibel wäre die Behauptung, den Autoren (Jennifer Lynch & Kent Harper) seien schlicht die Ideen ausgegangen, weshalb die „schockierendste“ am Ende den Vorzug bekam.
Möglicherweise wäre dies auch noch zu ertragen, würde die Umsetzung nicht den letzten Rest „Atmosphäre“ zerstören. Lynch traut dem Publikum und dessen Phantasie nicht und wechselt während des Verhörs ständig zurück an den Ort des Verbrechens, um das soeben Gesagte bildlich zu untermalen. Leider tut sie dies so drastisch und blutig, dass jeder Ansatz von Spannung durch Ekel und Abscheu ersetzt wird.
Keine wirkliche Empfehlung, wer´s jedoch deftig und wenig plausibel mag, kann sich „Unter Kontrolle“ gern antun.
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