Was haben Kung-Fu-Einlagen und Faustschläge mit Fußball zu tun? Nichts! Es sei denn, Eric Cantona, englischer Rasengott französischer Herkunft und laut Manchester-United-Fans gar „Fußballer des Jahrhunderts“, hat mal wieder einen Blackout. Wie 1995, als er einen Zuschauer am Spielfeldrand schlicht wegkickte, indem er seine Zauberfüße über die Absperrung hob. Seinen Anhängern ist´s immer noch egal, das der inzwischen 43jährige Rüpel auch über sich selbst lachen kann, zeigt nun „Looking for Eric“ von Ken Loach.
Eric (Steve Evets) ist Briefträger, Fußballnarr und überforderter Vater in Personalunion. Seine zweite Frau hat ihn verlassen, nun fristet er sein Dasein inmitten eines Hauses im inneren Verfallszustand, resigniert vor seinen beiden Teenagersöhnen – und philosophiert über Fußball. Manchmal scheint es, als ob ihn nur dieses Thema und seine Kollegen/Freunde vor dem Wahnsinn beschützen können. Trotzdem ist Eric am Ende. Kann nicht mehr. Will nicht mehr.
Bis sein Namensvetter plötzlich einem Poster in seinem Schlafzimmer entsteigt: Eric Cantona, sein Held, sein einziger wahrer Zuhörer, steht plötzlich vor ihm und präsentiert sich als ultimativer Aufmunterungs-Coach. Eric & Eric machen sich auf, ein neues Kapitel im Leben des Briefträgers zu beginnen, die Vergangenheit zu entrümpeln und Mittels der „Operation Cantona“ gleich noch Erics erste Frau, Lily (Stephanie Bishop), zurückzugewinnen.
Ganz nah am Leben, dem „kleinen Menschen“, der oftmals unschönen, harten Realität, siedelt Ken Loach seine Werke an. „Just a kiss“ (2003) und „It´s a free world“ (2007) gehören mit ihrer schonungslosen Darstellung des Alltags zu den absoluten Höhepunkten des britischen Kinos seit der Jahrtausendwende. Dabei entwirft Loach niemals irgendwelche halsbrecherischen Szenarien, die nur einem Filmhelden zustoßen können, sondern erzählt stets eine Geschichte echter Figuren, die sich schlicht im Hier und Jetzt bewähren müssen. Das ist in „Looking for Eric“ nicht anders. Hier dient der Kniff des „lebendigen Cantonas“ lediglich der Verbildlichung eines autogenen Trainings, das den psychisch und physisch erschöpften Briefträger wieder auf Vordermann bringt.
So sind die Höhepunkte dieses großartigen Sozialdramas vielmehr jene Szenen, in denen Eric von seinen Kollegen mit dummen Witzen, Therapiesitzungen oder Ratschlägen aus Lebenshilfebüchern aufgemuntert werden soll. Das ist menschlich, herrlich naiv und geht ob seiner Ehrlichkeit zu Herzen. Es ist ein Genuss, den Kerl bei seiner Wiederauferstehung ins gesellschaftliche Leben dank profaner Fußballweisheiten zu beobachten. In der Tat ist dies wohl der erste Film, bei dem ich zwischendrin immer wieder aus dem Kinosessel aufspringen und den Hauptdarsteller laut anfeuern wollte.
Mitreißend, spannend, gespickt mit allerlei Rückschlägen und Erfolgen. Ein Film wie ein Fußballmatch. Ein Film so bitter und schön wie das wahre Leben.
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
„Weltstadt“ (Kinostart: 5. November 2009)
Ein Film, aktueller denn je. Wenn Jugendliche Passanten auf offener Straße zusammenschlagen, Gewalt zum Verschaffen von Respekt benutzt wird und Handyvideos von Misshandlungen wie Trophäen im Internet präsentiert werden, befindet sich die Gesellschaft in einer Schieflage. Es mag der Eindruck entstehen, erst die vergangenen Monate hätten dieses Problem auf ein neues Level gehoben, doch existiert dieser Zustand schon lang. Viel zu lang. Ein Film zu dieser Thematik wird nichts verändern, doch manchmal genügt schon die Wahrnehmung und schlichte Schilderung solch schlimmer Ereignisse um ein Umdenken zumindest anzustoßen.
„Weltstadt“ von Christian Klandt, Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg, sollte eigentlich gar nicht den Weg ins Kino finden. So äußerte sich zumindest der erst 31jährige Regisseur in einem Gespräch, in dem er auch seine Motivation für das Drehbuch, den Titel und den Film verriet: Zwar seien viele von der Tat geschockt gewesen, doch schon wenige Tage später mochte niemand mehr über das Geschehe sprechen. Auch sei die Tat verharmlost worden, da „lediglich“ ein Obdachloser Opfer des Gewaltverbrechens geworden sei. „Ich wollte einen Film über die Stadt (Beeskow, Brandenburg) drehen, aber auch verhindern, dass die Zuschauer denken `Das ist Brandenburg, das ist Osten.´ Denn eigentlich könnte der Film überall spielen, solche Verbrechen passierten und passieren leider überall in Deutschland, im Westen wie im Osten.“
Doch worum geht es in „Weltstadt“? Es ist die Momentaufnahme einer Stadt, von deren Bewohnern und einem erschütternden Ereignis, bei dem zwei Jugendliche einen Obdachlosen überfallen, geschlagen und schließlich angezündet haben. Es ist jedoch ebenso ein Abbild unserer Gesellschaft, in der Arbeitslosigkeit, Wut, Frustration, Perspektivlosigkeit und Langeweile einen seltsam-bedrohlichen Pakt geschlossen haben, der sich in solcherlei Gewaltexzessen entlädt. Klandt, der selbst in Beeskow aufgewachsen ist und beide Täter persönlich kennt, konstruiert dabei kein Lehrstück mit erhobenem Zeigefinger, sondern nutzt einen nahezu dokumentarischen Stil, sowohl bei der Umsetzung als auch den Dialogen, welche die Darstellern teilweise improvisieren. Vorurteile, platte Attitüden und naive Denkweisen sind da zu hören, nichts Unbekanntes, wenn man nur einmal aufmerksam einem Gespräch in den Öffentlichen Verkehrsmitteln lauscht, Zeitung liest, im Wartezimmer einer Behörde sitzt. Es sind Gespräche zwischen Menschen, die lebenslang geschuftet haben und scheitern, Gespräche zwischen Kids, die noch nie etwas zu Stande gebracht haben, Gespräche innerhalb von Familien, die das Kommunikationsproblem in unserer Gesellschaft punktgenau widerspiegeln.
Somit ist das eigentlich Erschreckende der Wiedererkennungseffekt, Situationen, Konflikte und Dialoge, die nicht zum ersten Mal erlebt, gesehen oder gehört werden. Immerhin ereignete sich das hier gezeigte Verbrechen bereits vor fünf Jahren. Inwieweit dieser bedrohlichen Entwicklung seitdem entgegengewirkt wurde, bezeugen die jüngsten Ereignisse in München. Auch dies eine Weltstadt.
„Weltstadt“ von Christian Klandt, Absolvent der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg, sollte eigentlich gar nicht den Weg ins Kino finden. So äußerte sich zumindest der erst 31jährige Regisseur in einem Gespräch, in dem er auch seine Motivation für das Drehbuch, den Titel und den Film verriet: Zwar seien viele von der Tat geschockt gewesen, doch schon wenige Tage später mochte niemand mehr über das Geschehe sprechen. Auch sei die Tat verharmlost worden, da „lediglich“ ein Obdachloser Opfer des Gewaltverbrechens geworden sei. „Ich wollte einen Film über die Stadt (Beeskow, Brandenburg) drehen, aber auch verhindern, dass die Zuschauer denken `Das ist Brandenburg, das ist Osten.´ Denn eigentlich könnte der Film überall spielen, solche Verbrechen passierten und passieren leider überall in Deutschland, im Westen wie im Osten.“
Doch worum geht es in „Weltstadt“? Es ist die Momentaufnahme einer Stadt, von deren Bewohnern und einem erschütternden Ereignis, bei dem zwei Jugendliche einen Obdachlosen überfallen, geschlagen und schließlich angezündet haben. Es ist jedoch ebenso ein Abbild unserer Gesellschaft, in der Arbeitslosigkeit, Wut, Frustration, Perspektivlosigkeit und Langeweile einen seltsam-bedrohlichen Pakt geschlossen haben, der sich in solcherlei Gewaltexzessen entlädt. Klandt, der selbst in Beeskow aufgewachsen ist und beide Täter persönlich kennt, konstruiert dabei kein Lehrstück mit erhobenem Zeigefinger, sondern nutzt einen nahezu dokumentarischen Stil, sowohl bei der Umsetzung als auch den Dialogen, welche die Darstellern teilweise improvisieren. Vorurteile, platte Attitüden und naive Denkweisen sind da zu hören, nichts Unbekanntes, wenn man nur einmal aufmerksam einem Gespräch in den Öffentlichen Verkehrsmitteln lauscht, Zeitung liest, im Wartezimmer einer Behörde sitzt. Es sind Gespräche zwischen Menschen, die lebenslang geschuftet haben und scheitern, Gespräche zwischen Kids, die noch nie etwas zu Stande gebracht haben, Gespräche innerhalb von Familien, die das Kommunikationsproblem in unserer Gesellschaft punktgenau widerspiegeln.
Somit ist das eigentlich Erschreckende der Wiedererkennungseffekt, Situationen, Konflikte und Dialoge, die nicht zum ersten Mal erlebt, gesehen oder gehört werden. Immerhin ereignete sich das hier gezeigte Verbrechen bereits vor fünf Jahren. Inwieweit dieser bedrohlichen Entwicklung seitdem entgegengewirkt wurde, bezeugen die jüngsten Ereignisse in München. Auch dies eine Weltstadt.
„Der Informant!“ (Kinostart: 5. November 2009)
„Unfassbar“ schreit das Plakat zum Film dem Betrachter entgegen. Nicht nur Matt Damons Aussehen als Möchtegern-Geheimagent Mark Whitacre ist damit gemeint, obwohl er damit George Clooneys scheußlichem Oberlippenbart aus „Confessions of a dangerous mind“ ernste Konkurrenz macht (Herr C. fungierte hier übrigens als Produzent). Nein, unfassbar ist vielmehr die – mal wieder – auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte, die präsentiert wird.
Nun gebe ich gern zu, dass es eine ganze Stunde brauchte, um zumindest halbwegs den Sinn dieser Farce zu begreifen. Deshalb an dieser Stelle schon den Inhalt wiederzugeben, werde ich tunlichst vermeiden, schließlich sollen auch andere Zuschauer leiden, rätseln und knobeln. Allein die Prämisse sei kurz skizziert: Whitacre vermutet inoffizielle, illegale Preisabsprachen seines Konzerns mit anderen Unternehmen und wendet sich als aufrechter Bürger an das FBI. Zur Beweisbeschaffung erklärt er sich umgehend bereit, indem er interne Gespräche aufzeichnet, Akten beschafft und dabei seinen normalen Arbeitsalltag weiterführt. Allerdings kommt ihm bei seiner Undercover-Tätigkeit sein Ego etwas in die Quere.
Steven Soderbergh und Matt Damon machen nach den „Ocean´s“-Filmen und „Che-Guerilla“ bereits zum fünften Mal gemeinsame Sache und liefern gewohnt souveränes Handwerk ab. Souverän, jedoch nicht herausragend. Behäbig, wenig lebendig, schlicht und konservativ gestaltet sich die Umsetzung des Stoffes, der zu Beginn konfus und ohne erkennbaren roten Faden auf den Zuschauer einprasselt. Mit Blick auf die Auflösung am Ende des Films sicherlich beabsichtigt, doch fällt es mitunter schwer, all die Informationen und Handlungsorte auseinanderzuhalten, einzuordnen, zu speichern. Hilfreich, dass zumindest hier und da ein Off-Kommentar die Szenerie kommentiert. Blöd nur, wenn diesem nicht wirklich zu trauen ist.
„Der Informant!“ verlangt Geduld, Aufmerksamkeit und Schmerzunempfindlichkeit (nochmal: der Bart ist scheußlich!), entfaltet erst in der zweiten Hälfte seine Stärken und macht in seiner amüsanten Unbekümmertheit deutlich, wie leicht der Mensch (auch wenn er nur vom Kinosessel aus zusieht) manipulierbar ist.
Nun gebe ich gern zu, dass es eine ganze Stunde brauchte, um zumindest halbwegs den Sinn dieser Farce zu begreifen. Deshalb an dieser Stelle schon den Inhalt wiederzugeben, werde ich tunlichst vermeiden, schließlich sollen auch andere Zuschauer leiden, rätseln und knobeln. Allein die Prämisse sei kurz skizziert: Whitacre vermutet inoffizielle, illegale Preisabsprachen seines Konzerns mit anderen Unternehmen und wendet sich als aufrechter Bürger an das FBI. Zur Beweisbeschaffung erklärt er sich umgehend bereit, indem er interne Gespräche aufzeichnet, Akten beschafft und dabei seinen normalen Arbeitsalltag weiterführt. Allerdings kommt ihm bei seiner Undercover-Tätigkeit sein Ego etwas in die Quere.
Steven Soderbergh und Matt Damon machen nach den „Ocean´s“-Filmen und „Che-Guerilla“ bereits zum fünften Mal gemeinsame Sache und liefern gewohnt souveränes Handwerk ab. Souverän, jedoch nicht herausragend. Behäbig, wenig lebendig, schlicht und konservativ gestaltet sich die Umsetzung des Stoffes, der zu Beginn konfus und ohne erkennbaren roten Faden auf den Zuschauer einprasselt. Mit Blick auf die Auflösung am Ende des Films sicherlich beabsichtigt, doch fällt es mitunter schwer, all die Informationen und Handlungsorte auseinanderzuhalten, einzuordnen, zu speichern. Hilfreich, dass zumindest hier und da ein Off-Kommentar die Szenerie kommentiert. Blöd nur, wenn diesem nicht wirklich zu trauen ist.
„Der Informant!“ verlangt Geduld, Aufmerksamkeit und Schmerzunempfindlichkeit (nochmal: der Bart ist scheußlich!), entfaltet erst in der zweiten Hälfte seine Stärken und macht in seiner amüsanten Unbekümmertheit deutlich, wie leicht der Mensch (auch wenn er nur vom Kinosessel aus zusieht) manipulierbar ist.
„Endstation der Sehnsüchte“ (Kinostart: 29. Oktober 2009)
Irgendwie passen sie nicht in dieses Dorf: Jene 60.000 Heavy-Metal-Fans, die Regisseurin Sung-Hyung Cho in ihrer Dokumentation „Full Metal Village“ (2007) durch das beschauliche Wacken in Schleswig-Holstein begleitete. Nicht weniger Kurioses präsentiert ihr neuer Heimatfilm „Endstation der Sehnsüchte“, ein Porträt über Menschen, die ihr deutsches Zuhause einfach mitgenommen haben in ihre Heimat, nach Südkorea.
Seit Mitte der 1960er Jahre entsandte das damals von Armut gezeichnete Ostasiatische Land mehrere tausend Arbeiter gen Westen, dort, wo Krankenschwestern und Bergarbeiter dringend benötigt wurden. „Nachts weinen, morgens arbeiten gehen. So war das.“, berichtet Chun-Ja Engelfried, die sich wie viele andere auch in einen Deutschen verliebte, eine Familie gründete und hier ihr zu Hause fand. Dreißig Jahre später kehrt sie zurück und lebt nun zusammen mit ihrem Mann in Dogil Maeul, dem „Deutschen Dorf“, das eigens für Leute wie sie errichtet wurde. Zwischen Gartenzwergen, deutschen Würstchen und neugierigen Blicken vorbeifahrender Touristen beginnt hier ihr neues, fremdes Leben. Denn irgendwie passen sie nicht in dieses Land.
Regisseurin Sung-Hyung Cho, selbst gebürtige Koreanerin, gelingt in ihrer zweiten Kinodokumentation Erstaunliches: Amüsant und melancholisch zugleich entlockt sie ihren drei Rentnerpaaren ehrliche Befindlichkeiten über (un)erfüllte Träume, sprachliche Barrieren, schmerzhafte Rituale. Da entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn der 82jährige Ludwig auf allen Vieren in eine Sauna klettern muss oder sich mittels Handzeichen über das Angeln mit seinem Schwiegersohn unterhält. Einzig sein Nachbar Willi scheint nahezu vollständig assimiliert zu sein, besucht Tanzwettbewerbe, trinkt abends mit Koreanern, lernt die Sprache. Nur der schiefhängende Briefkasten nebenan entlarvt seinen deutschen Ordnungssinn. Nicht weniger erstaunen die Geständnisse der Ehefrauen, deren Sehnsucht nach Deutschland sich ebenfalls in für den Zuschauer sehr vertrauten Verhaltensweisen äußert, manchmal gar zum Leidwesen ihrer Gatten.
Umfassend, ehrlich und witzig wirft „Endstation der Sehnsüchte“ somit auch einen entlarvenden Blick auf unser Land, unsere Eigenheiten, unser Denken. Und schafft somit vielleicht auch etwas Verständnis für all jene Ausländer in Deutschland, denen trotz Bereitschaft und Anpassungswillen die Integration nach wie vor schwer fällt.
Aus der „Sächsischen Zeitung / PluSZ“ vom 29. Oktober 2009.
Seit Mitte der 1960er Jahre entsandte das damals von Armut gezeichnete Ostasiatische Land mehrere tausend Arbeiter gen Westen, dort, wo Krankenschwestern und Bergarbeiter dringend benötigt wurden. „Nachts weinen, morgens arbeiten gehen. So war das.“, berichtet Chun-Ja Engelfried, die sich wie viele andere auch in einen Deutschen verliebte, eine Familie gründete und hier ihr zu Hause fand. Dreißig Jahre später kehrt sie zurück und lebt nun zusammen mit ihrem Mann in Dogil Maeul, dem „Deutschen Dorf“, das eigens für Leute wie sie errichtet wurde. Zwischen Gartenzwergen, deutschen Würstchen und neugierigen Blicken vorbeifahrender Touristen beginnt hier ihr neues, fremdes Leben. Denn irgendwie passen sie nicht in dieses Land.
Regisseurin Sung-Hyung Cho, selbst gebürtige Koreanerin, gelingt in ihrer zweiten Kinodokumentation Erstaunliches: Amüsant und melancholisch zugleich entlockt sie ihren drei Rentnerpaaren ehrliche Befindlichkeiten über (un)erfüllte Träume, sprachliche Barrieren, schmerzhafte Rituale. Da entbehrt es nicht einer gewissen Komik, wenn der 82jährige Ludwig auf allen Vieren in eine Sauna klettern muss oder sich mittels Handzeichen über das Angeln mit seinem Schwiegersohn unterhält. Einzig sein Nachbar Willi scheint nahezu vollständig assimiliert zu sein, besucht Tanzwettbewerbe, trinkt abends mit Koreanern, lernt die Sprache. Nur der schiefhängende Briefkasten nebenan entlarvt seinen deutschen Ordnungssinn. Nicht weniger erstaunen die Geständnisse der Ehefrauen, deren Sehnsucht nach Deutschland sich ebenfalls in für den Zuschauer sehr vertrauten Verhaltensweisen äußert, manchmal gar zum Leidwesen ihrer Gatten.
Umfassend, ehrlich und witzig wirft „Endstation der Sehnsüchte“ somit auch einen entlarvenden Blick auf unser Land, unsere Eigenheiten, unser Denken. Und schafft somit vielleicht auch etwas Verständnis für all jene Ausländer in Deutschland, denen trotz Bereitschaft und Anpassungswillen die Integration nach wie vor schwer fällt.
Aus der „Sächsischen Zeitung / PluSZ“ vom 29. Oktober 2009.
„Die Standesbeamtin“ (Kinostart: 29. Oktober 2009)
Im Vergleich mit Deutschland ist die Schweiz ein leicht zu überschauendes Land – zumindest bezogen auf filmische Höhepunkte. Dies ist weniger auf mangelnde Qualität, als vielmehr auf die Quantität von Schweizer Produktionen zurückzuführen, die es bis in unsere Lichtspielhäuser schaffen. Einzig das Drama „Vitus“ (2006) hat in den vergangenen Jahren grenzüberschreitend Aufmerksamkeit erregt und konnte zufriedenstellende Besucherzahlen vorweisen.
Ob es Micha Lewinsky und seiner „Standesbeamtin“ ebenfalls gelingen wird, vermag ich an dieser Stelle nicht vorauszusagen. Verdient hätte es die wunderbar unaufgeregte, mit schweizerischer Gelassenheit umgesetzte Komödie sicherlich, auch wenn deren Halbwertszeit nicht annähernd jener von „Vitus“ nahekommt. Schließlich präsentiert „Die Standesbeamtin“ nur eine weitere Variante des ewigen Liebesfilmkarussells um ein Wiederaufflammen längst vergessener Gefühle, allerlei romantische Momente und die obligatorischen Hürden auf dem Weg ins vermeintliche Glück.
Rahel (Marie Leuenberger) lebt in einem kleinen Schweizer Städtchen und durchlebt sowohl im Privaten als auch im Berufsleben den immer gleichen Alltag. Als Standesbeamtin verhilft sie verliebten Paaren zum Eheglück, ihr eigener Mann jedoch hat schon lange jegliches Interesse an ihr verloren. Da kommt der Kurzurlaub ihres Verflossenen Ben (Dominique Jann) gerade recht: Einst spielten sie gemeinsam in einer Band und nicht nur der örtliche Pfarrer sah in beiden das Traumpaar schlechthin. Zwar ist Ben tatsächlich auch wegen Rahel zurückgekehrt. Allerdings nur, um sich von ihr trauen zu lassen – mit Tinka Panzer (was für ein Rollenname! Oriana Schrage), Schauspielerin, Tussi und zudem sehr hübsch anzusehen.
Was folgt, ist ein sehr amüsantes Wiederentdecken einer eingefrorenen Liebe, gespickt mit viel Gitarrenmusik, Situationskomik und Charme. Zwar verwundert der „Damengeschmack“ des Hauptdarstellers aufgrund der zwei völlig verschiedenen Frauencharaktere ein wenig, auch wirkt das Verhalten von ´it-girl´ Tinka hier und da etwas zu konstruiert. Doch hindert dies keineswegs die Mundwinkel des Zuschauers daran, nach oben zu wandern und dort bis zum Ende zu verweilen. Schön, das!
Ob es Micha Lewinsky und seiner „Standesbeamtin“ ebenfalls gelingen wird, vermag ich an dieser Stelle nicht vorauszusagen. Verdient hätte es die wunderbar unaufgeregte, mit schweizerischer Gelassenheit umgesetzte Komödie sicherlich, auch wenn deren Halbwertszeit nicht annähernd jener von „Vitus“ nahekommt. Schließlich präsentiert „Die Standesbeamtin“ nur eine weitere Variante des ewigen Liebesfilmkarussells um ein Wiederaufflammen längst vergessener Gefühle, allerlei romantische Momente und die obligatorischen Hürden auf dem Weg ins vermeintliche Glück.
Rahel (Marie Leuenberger) lebt in einem kleinen Schweizer Städtchen und durchlebt sowohl im Privaten als auch im Berufsleben den immer gleichen Alltag. Als Standesbeamtin verhilft sie verliebten Paaren zum Eheglück, ihr eigener Mann jedoch hat schon lange jegliches Interesse an ihr verloren. Da kommt der Kurzurlaub ihres Verflossenen Ben (Dominique Jann) gerade recht: Einst spielten sie gemeinsam in einer Band und nicht nur der örtliche Pfarrer sah in beiden das Traumpaar schlechthin. Zwar ist Ben tatsächlich auch wegen Rahel zurückgekehrt. Allerdings nur, um sich von ihr trauen zu lassen – mit Tinka Panzer (was für ein Rollenname! Oriana Schrage), Schauspielerin, Tussi und zudem sehr hübsch anzusehen.
Was folgt, ist ein sehr amüsantes Wiederentdecken einer eingefrorenen Liebe, gespickt mit viel Gitarrenmusik, Situationskomik und Charme. Zwar verwundert der „Damengeschmack“ des Hauptdarstellers aufgrund der zwei völlig verschiedenen Frauencharaktere ein wenig, auch wirkt das Verhalten von ´it-girl´ Tinka hier und da etwas zu konstruiert. Doch hindert dies keineswegs die Mundwinkel des Zuschauers daran, nach oben zu wandern und dort bis zum Ende zu verweilen. Schön, das!
„Die Bucht – The Cove“ (Kinostart: 22. Oktober 2009)
„No animal was harmed in the making of this film.“ Wer seinen Kinobesuch bis zur letzten Minute auskostet, wird am Ende des Abspanns schon häufiger über diesen lapidar anmutenden Satz gestolpert sein. Damit soll dem Zuschauer versichert werden, dass während der Dreharbeiten kein Tier verletzt oder getötet worden sei. Kontrollieren kann dies freilich niemand, ob ein dressiertes Stuntpferd zudem freiwillig durch eine lärmende Kriegsszene rennt, bleibt uns ebenso verschlossen. Doch ganz ohne tierische Hilfe geht es nun mal nicht, sodass mit der Anwesenheit eines professionellen Trainers und dem Schlusssatz immerhin die naive Vorstellung aufrecht gehalten werden kann, nur „glückliche“ Viecher gesehen zu haben.
Besonders Delfine erwecken aufgrund ihres scheinbaren Lächelns den Eindruck, Spaß und Freude am Umgang mit Menschen zu haben. „Es ist der wohl größte Irrtum der Natur“, bemerkt eine Person in „Die Bucht – The Cove“ ziemlich treffend. Aufgebaut wie ein klassischer Spionagekrimi, setzt dieser außergewöhnliche Dokumentarfilm einen späten Höhepunkt im ausklingenden Kinojahr.
Ric O´Barry hat mit seiner Delfindressur Fernsehgeschichte geschrieben. Als Trainer von „Flipper“ trug er maßgeblich zum Image und der Begeisterung für die Meeressäuger bei. Da „Flipper“ in den 1960er Jahre die erste TV-Show ihrer Art war, bei der ein Delfin quasi als zweiter Hauptdarsteller neben Menschen agierte, gilt O´Barry als Urvater dieser „Kunst“. Fortan sprießen weltweit Delfinarien und Delfin-Shows aus dem Boden, rühmte sich jeder zweite Freizeitpark mit einer eigenen, unterhaltsamen Delfinattraktion. Unabhängig von den zweifelhaften Methoden und Mitteln, die Dresseure seit jenen Tagen anwenden, um die zutraulichen Lebewesen nach ihren Wünschen Tanzen, Springen und Planschen zu lassen, gibt es noch ein weiteres Kapitel, vor dem die Welt bis heute scheinbar die Augen verschlossen hat. Bis heute. Denn ähnlich einer kompletten Umstrukturierung bei McDonalds als Folge des Films „Super Size Me“ (Regie: Morgan Spurlock, 2004), ist nun ein ähnlicher Erfolg dank „Die Bucht“ zu vermelden: Behörden, Politiker und Journalisten sind durch den Film für ein Thema sensibilisiert worden, dessen Verheimlichung jahrelang scheinbar mühelos möglich war. Dazu später mehr.
Doch ist es nicht das Thema an sich, welches „Die Bucht“ aus der Menge an Dokumentationen herausragen lässt. Vielmehr punktet Regisseur Louie Psihoyos mit einem spannend umgesetzten Krimiplot, der zweifellos auch als James-Bond-Abenteuer wunderbar funktioniert hätte. Psihoyos begleitet Ric O´Barry, der sich inzwischen als Aktivist gegen die Delfindressur engagiert, auf dem Weg nach Taiji, einem japanischen Küstenort. Wir erfahren, dass dies jener Ort ist, an dem die weltweit meisten Delfine angelockt und gefangen werden, um sie anschließend nicht nur inländischen Freizeitparks als Unterhaltungsware anzubieten. Jedoch ist diese Behauptung weder belegt noch jemals dokumentiert worden, weshalb O´Barry nun zum wiederholten Male motiviert aber wenig erfolgversprechend vorbeischaut. Allerdings hat er diesmal ein Team von Spezialisten um sich gescharrt, das mit ungewöhnlichen Ideen und Gerätschaften ans Werk geht. Man glaubt es kaum: Auch Techniker von ILM, Industrial Light & Magic, hauptberuflich für die Schaffung von Effekten in Hollywoodfilmen beschäftigt, zählen zum Trupp und bringen genau das Know-how mit, das der Mission letztendlich den Arsch rettet.
Denn kaum aus dem Flugzeug gestiegen, heften sich Fotografen und Detektive, Polizei und stumme Beobachter an die Fersen der Ausländer und beobachten jeden Schritt. Besonders reizbar sind sie in Bezug auf eine Bucht, die – ungewöhnlich streng und deutlich – vom restlichen Teil der Insel abgetrennt wird. O´Barry weiß, dass diese Bucht nicht ohne Grund hermetisch abgeriegelt ist, zusammen mit seinem Team geht er diesem Geheimnis schließlich auf die Spur.
Galgenhumor, Besessenheit und permanente Angst vor willkürlichen Verhaftungen prägen die Stimmung der Protagonisten. Psihoyos wendet sich aber auch der „gegnerischen“ Seite zu und versucht, das aggressive Verhalten der japanischen Fischer und Staatsmacht zu durchleuchten und zu erklären. Kulturelle Riten, Nationalstolz, traditionelle Essgewohnheiten, staatliche Medienkontrolle und schließlich Unfähigkeit, ja sogar Bestechlichkeit internationaler Gremien werden erwähnt, hinterfragt und geben dem Zuschauer somit ein umfassendes Bild von Rahmenbedingungen, die allesamt eine wichtige Rolle bei der Behandlung und dem Umgang mit Delfinen spielen.
„Die Bucht“ ist kein dumpfes Pamphlet, sondern wohldurchdachtes, intelligentes und faires Bildungsprogramm, das gerade durch seine Art, seinen Thrilleranleihen und seiner engagierten Hauptakteure zu begeistern weiß. Die neutrale Darstellung alltäglicher Mechanismen, Denk- und Verhaltensweisen war wohl auch einer der Gründe, weshalb die japanische Regierung die Zustände in Taiji begutachtete und schließlich unterband. Teilweise zumindest, denn statt Delfinen sind nun Pilotwale (Grindwale) die neue Beute der Fischer. Damit umgehen sie zwar – zumindest auf dem Papier – das momentane Delfinfangverbot. Doch aus biologischer Sicht sind Pilotwale ebenso eine Delfinart. Der Teufel hat somit weiterhin viel zu tun.
P.S.: Da es wohl kaum einem Zuschauer gelingen wird, die zahlreichen, im Abspann genannten Adressen von Hilfsorganisationen zu notieren, hier eine kleine Auswahl:
www.delfine.org
www.SaveJapanDolphins.org
www.opsociety.org
www.oceancare.org
www.prowildlife.de
www.peta.de
Besonders Delfine erwecken aufgrund ihres scheinbaren Lächelns den Eindruck, Spaß und Freude am Umgang mit Menschen zu haben. „Es ist der wohl größte Irrtum der Natur“, bemerkt eine Person in „Die Bucht – The Cove“ ziemlich treffend. Aufgebaut wie ein klassischer Spionagekrimi, setzt dieser außergewöhnliche Dokumentarfilm einen späten Höhepunkt im ausklingenden Kinojahr.
Ric O´Barry hat mit seiner Delfindressur Fernsehgeschichte geschrieben. Als Trainer von „Flipper“ trug er maßgeblich zum Image und der Begeisterung für die Meeressäuger bei. Da „Flipper“ in den 1960er Jahre die erste TV-Show ihrer Art war, bei der ein Delfin quasi als zweiter Hauptdarsteller neben Menschen agierte, gilt O´Barry als Urvater dieser „Kunst“. Fortan sprießen weltweit Delfinarien und Delfin-Shows aus dem Boden, rühmte sich jeder zweite Freizeitpark mit einer eigenen, unterhaltsamen Delfinattraktion. Unabhängig von den zweifelhaften Methoden und Mitteln, die Dresseure seit jenen Tagen anwenden, um die zutraulichen Lebewesen nach ihren Wünschen Tanzen, Springen und Planschen zu lassen, gibt es noch ein weiteres Kapitel, vor dem die Welt bis heute scheinbar die Augen verschlossen hat. Bis heute. Denn ähnlich einer kompletten Umstrukturierung bei McDonalds als Folge des Films „Super Size Me“ (Regie: Morgan Spurlock, 2004), ist nun ein ähnlicher Erfolg dank „Die Bucht“ zu vermelden: Behörden, Politiker und Journalisten sind durch den Film für ein Thema sensibilisiert worden, dessen Verheimlichung jahrelang scheinbar mühelos möglich war. Dazu später mehr.
Doch ist es nicht das Thema an sich, welches „Die Bucht“ aus der Menge an Dokumentationen herausragen lässt. Vielmehr punktet Regisseur Louie Psihoyos mit einem spannend umgesetzten Krimiplot, der zweifellos auch als James-Bond-Abenteuer wunderbar funktioniert hätte. Psihoyos begleitet Ric O´Barry, der sich inzwischen als Aktivist gegen die Delfindressur engagiert, auf dem Weg nach Taiji, einem japanischen Küstenort. Wir erfahren, dass dies jener Ort ist, an dem die weltweit meisten Delfine angelockt und gefangen werden, um sie anschließend nicht nur inländischen Freizeitparks als Unterhaltungsware anzubieten. Jedoch ist diese Behauptung weder belegt noch jemals dokumentiert worden, weshalb O´Barry nun zum wiederholten Male motiviert aber wenig erfolgversprechend vorbeischaut. Allerdings hat er diesmal ein Team von Spezialisten um sich gescharrt, das mit ungewöhnlichen Ideen und Gerätschaften ans Werk geht. Man glaubt es kaum: Auch Techniker von ILM, Industrial Light & Magic, hauptberuflich für die Schaffung von Effekten in Hollywoodfilmen beschäftigt, zählen zum Trupp und bringen genau das Know-how mit, das der Mission letztendlich den Arsch rettet.
Denn kaum aus dem Flugzeug gestiegen, heften sich Fotografen und Detektive, Polizei und stumme Beobachter an die Fersen der Ausländer und beobachten jeden Schritt. Besonders reizbar sind sie in Bezug auf eine Bucht, die – ungewöhnlich streng und deutlich – vom restlichen Teil der Insel abgetrennt wird. O´Barry weiß, dass diese Bucht nicht ohne Grund hermetisch abgeriegelt ist, zusammen mit seinem Team geht er diesem Geheimnis schließlich auf die Spur.
Galgenhumor, Besessenheit und permanente Angst vor willkürlichen Verhaftungen prägen die Stimmung der Protagonisten. Psihoyos wendet sich aber auch der „gegnerischen“ Seite zu und versucht, das aggressive Verhalten der japanischen Fischer und Staatsmacht zu durchleuchten und zu erklären. Kulturelle Riten, Nationalstolz, traditionelle Essgewohnheiten, staatliche Medienkontrolle und schließlich Unfähigkeit, ja sogar Bestechlichkeit internationaler Gremien werden erwähnt, hinterfragt und geben dem Zuschauer somit ein umfassendes Bild von Rahmenbedingungen, die allesamt eine wichtige Rolle bei der Behandlung und dem Umgang mit Delfinen spielen.
„Die Bucht“ ist kein dumpfes Pamphlet, sondern wohldurchdachtes, intelligentes und faires Bildungsprogramm, das gerade durch seine Art, seinen Thrilleranleihen und seiner engagierten Hauptakteure zu begeistern weiß. Die neutrale Darstellung alltäglicher Mechanismen, Denk- und Verhaltensweisen war wohl auch einer der Gründe, weshalb die japanische Regierung die Zustände in Taiji begutachtete und schließlich unterband. Teilweise zumindest, denn statt Delfinen sind nun Pilotwale (Grindwale) die neue Beute der Fischer. Damit umgehen sie zwar – zumindest auf dem Papier – das momentane Delfinfangverbot. Doch aus biologischer Sicht sind Pilotwale ebenso eine Delfinart. Der Teufel hat somit weiterhin viel zu tun.
P.S.: Da es wohl kaum einem Zuschauer gelingen wird, die zahlreichen, im Abspann genannten Adressen von Hilfsorganisationen zu notieren, hier eine kleine Auswahl:
www.delfine.org
www.SaveJapanDolphins.org
www.opsociety.org
www.oceancare.org
www.prowildlife.de
www.peta.de
„Das weiße Band“ (Kinostart: 15. Oktober 2009)
Ein weißes Band, befestigt an den linken Oberarm, soll die Kinder daran erinnern, ihre Taten zu bereuen und „brandmarkt“ sie gut sichtbar für jeden als Sünder. Für den Pfarrer (Burghart Klaußner) eines Dorfes im protestantischen Norden Deutschlands, am Vorabend des Ersten Weltkriegs, hat dieses Ritual nicht nur symbolischen Charakter. Es steht ebenso für Regeln, Ordnungen und traditionelle Verhaltensweisen, über welche er zusammen mit dem Gutsherrn (Ulrich Tukur), dem Verwalter (Josef Bierbichler) und vielen anderen wacht.
Strenge und Sittlichkeit, sowie Gottesfurcht und Bestrafungen bestimmen hier den Alltag. Ein trügerischer Frieden herrscht vor, bis eines Tages seltsame Unfälle geschehen. Menschen verschwinden, Verdächtigungen werden geäußert, weiße Bänder sichtbar. Doch Erklärungen bleiben aus.
Michael Haneke zählt nicht erst seit seinen radikalen Werken „Funny Games“ (1997/2007), „Die Klavierspielerin“ (2001) oder „Caché“ (2005) zu den aufregendsten und unberechenbarsten Filmemachern unserer Zeit. „Es ist ein Haneke-Film, der Rest ist mir egal.“ lautete sein störrischer Kommentar zu „Das weiße Band“, der sicherlich nicht jedem Zuschauer schmecken wird.
Stoisch, fast bewegungslos, beobachtet die Kamera in 145 Minuten das Leben einer Dorfgemeinschaft, die nur auf den ersten Blick in schwarz und weiß – wie die Bilder selbst – zu unterscheiden ist. Unter der strengen Hand einiger weniger brodelt Aggression und Wut, welche sich zunehmend ihre Bahnen an die Oberfläche sucht, während selbst die „Heiligen“ sehr zweifelhafte Verhaltensweisen an den Tag legen.
Ein Film voller Andeutungen, Interpretationsmöglichkeiten und einprägsamer Momente. Ein Film über das Geschöpf Mensch. Ein Film, der zu recht die „Goldene Palme“, den Hauptpreis, bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes erhielt.
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 21. Oktober 2009.
Strenge und Sittlichkeit, sowie Gottesfurcht und Bestrafungen bestimmen hier den Alltag. Ein trügerischer Frieden herrscht vor, bis eines Tages seltsame Unfälle geschehen. Menschen verschwinden, Verdächtigungen werden geäußert, weiße Bänder sichtbar. Doch Erklärungen bleiben aus.
Michael Haneke zählt nicht erst seit seinen radikalen Werken „Funny Games“ (1997/2007), „Die Klavierspielerin“ (2001) oder „Caché“ (2005) zu den aufregendsten und unberechenbarsten Filmemachern unserer Zeit. „Es ist ein Haneke-Film, der Rest ist mir egal.“ lautete sein störrischer Kommentar zu „Das weiße Band“, der sicherlich nicht jedem Zuschauer schmecken wird.
Stoisch, fast bewegungslos, beobachtet die Kamera in 145 Minuten das Leben einer Dorfgemeinschaft, die nur auf den ersten Blick in schwarz und weiß – wie die Bilder selbst – zu unterscheiden ist. Unter der strengen Hand einiger weniger brodelt Aggression und Wut, welche sich zunehmend ihre Bahnen an die Oberfläche sucht, während selbst die „Heiligen“ sehr zweifelhafte Verhaltensweisen an den Tag legen.
Ein Film voller Andeutungen, Interpretationsmöglichkeiten und einprägsamer Momente. Ein Film über das Geschöpf Mensch. Ein Film, der zu recht die „Goldene Palme“, den Hauptpreis, bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes erhielt.
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 21. Oktober 2009.
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