
TV-Serien haben in der vergangenen Dekade dank der Erst- oder Wiederveröffentlichung auf dem DVD-Medium sehr viel an Popularität gewonnen. Die Unabhängigkeit vom wöchentlichen Ausstrahlungstermin im Fernsehen, die Möglichkeit, mehrere Folgen am Stück ohne Werbeunterbrechung oder Wartezeiten zu schauen, hat eine ganz neue Fankultur entstehen lassen, die so zuvor noch nicht existierte. Schöner Nebeneffekt: Auch längst vergessene Kleinode, die seit Jahren nicht mehr im TV zu sehen waren, können nun wiederentdeckt werden.
Für mich persönlich zählt die kurzlebige Sci-Fi-Serie „Space Rangers“ zu jenen vergessenen ‚Fernsehjuwelen‘ (passenderweise auch der Name des veröffentlichenden Verlags). Gerade einmal sechs Episoden wurden Anfang der 1990er-Jahre hiervon produziert, bevor die Serie eingestellt wurde. Die Gründe waren vielfältig: Zu groß die Konkurrenz zeitgleich gestarteter Formate wie „Star Trek: Deep Space Nine“, bescheidene Effekte und unsinnige Entscheidungen seitens des produzierenden Senders CBS (so wurde die Ausstrahlung mit der dritten Folge begonnen, der einführende Pilotfilm erst später nachgereicht). Im Jahr 1994 war „Space Rangers“ dann auch im deutschen TV – in korrekter Reihenfolge und vollständig – zu bewundern. Allerdings war die Serie zu diesem Zeitpunkt für die Macher bereits seit zwei Jahren Geschichte.
Das von Pen Densham („Outer Limits“) entwickelte Konzept erzählt von den Abenteuern einer Gruppe von Gesetzeshütern, die im Jahr 2104 an einem abgelegenen Außenposten in den Weiten des Alls für Recht und Ordnung sorgen. Unter dem Kommando der kratzigen Chennault (immerhin: Oscar-Preisträgerin Linda Hunt) begibt sich John Boon (Jeff Kaake) zusammen mit seinem Team auf Missionen „an den Rand des Wilden Westen Weltall“. Neben einem mundfaulen, böse dreinblickenden Außerirdischen namens Zylyn (Mr. Spock lässt grüßen), zählen dazu u.a. noch ein Mechaniker mit großer Klappe, eine kampferprobte Blondine und ein Nachwuchs-Ranger, der sich erst noch beweisen muss. Alles drin also für kurzweilige, witzige und unterhaltsame Episoden.
Eine gewisse Bereitschaft für trashige Sets und hölzerne Dialoge sollte man als Zuschauer schon mitbringen, um „Space Rangers“ genießen zu können. Die Budgetknappheit ist den Folgen leider anzusehen, allerdings lässt sich auch nicht leugnen, dass einige der Darsteller ihre Rollen mit einem unübersehbaren Augenzwinkern versehen haben. Den Machern und Beteiligten fehlendes Engagement vorzuwerfen, wäre jedoch unfair. Gute Ideen waren vorhanden, die Umsetzung so gut wie eben machbar und die Geschichten hier und da auch spannend. Von inszenatorischer Klasse heutiger Serien zwar meilenweit entfernt, doch im Rahmen der Entstehungszeit (1992) akzeptabel.
Was bleibt ist die Erinnerung an eine ambitionierte Serie, die mit etwas mehr Mut seitens der Geldgeber vielleicht mehr Schauwerte und eine interessante Alternative zum „Star Trek“-Serienkosmos hätte bieten können. Unterhaltsam ist sie allemal.
Die DVD-Box bietet alle sechs Folgen in deutsch synchronisierter und englischer Sprachfassung sowie einen Trailer. Ein sehr informatives und mit viel Enthusiasmus gestaltetes Booklet mit aktuellen Interviews, Hintergrundinfos und Inhaltsangaben ergänzt das Set. „Space Rangers“ ist erschienen bei fernsehjuwelen/AL!VE AG und seit 23. September erhältlich.

