
Erinnere mich noch gut an den Kinobesuch von „City of God“ vor nunmehr neun Jahren: Die Energie, die Virtuosität und die ungeschönte Härte, mit der darin über das (Über-)Leben in einer brasilianischen Favela berichtet wurde, hinterließ offenbar nicht nur bei mir bleibenden Eindruck und zog zahlreiche Filme mit ähnlicher Thematik nach sich. „Tropa de Elite“ aus dem Jahr 2007 zählt mit zu den gelungensten Vertretern und holte 2008 den „Goldenen Bären“ auf der Berlinale. Nun präsentiert Regisseur José Padilha zusammen mit seinem Hauptdarsteller Wagner Moura die Fortsetzung „Elite Squad“ – und setzt qualitativ sogar noch einen drauf.
Anknüpfend an das Ende des Vorgängers, ist der Polizist Nascimento (Moura) inzwischen zum Leiter des umstrittenen Sondereinsatzkommandos BOPE in Rio de Janeiro aufgestiegen und bietet der Drogenmafia weiterhin mutig die Stirn. Trotz vereinzelter Erfolge bleibt das große Ziel, das organisierte Verbrechen endgültig zum Erliegen zu bringen, allerdings unerreicht. Es dauert nicht lang, bis Nascimento die Ursache hierfür entdeckt: Hochrangige Politiker und korrupte Kollegen versorgen die Gangsterbosse mit Informationen oder sind zum Teil selbst derart tief in deren Machenschaften verwickelt, dass jeder Versuch, dem ein Ende zu bereiten, ins Leere läuft. Erst die Kandidatur eines linken Senators (Irandhir Santos), der trotz aller Drohungen und Mordversuche an seinen Idealen eines unbestechlichen Volksvertreters festhält, beschert Nascimento die nötigen Mittel und Handlungsspielräume, das Übel bei der Wurzel zu packen – zumindest glaubt er (und das Publikum) das.
Auch ohne den Vorgänger zu kennen, kann man „Elite Squad“ problemlos folgen. Zwar wirkt das Handeln der Hauptfigur stellenweise etwas sprunghaft, für eine Fortsetzung ist dies allerdings akzeptierbar, zumal der Charakter in Teil eins ausreichend vorgestellt wurde. Ohnehin konzentriert sich Teil zwei viel mehr für politische Zusammenhänge und kriminelle Seilschaften, die zwischen den einflussreichen Gesetzeshütern und deren ‚Geschäftspartnern‘ gesponnen werden bzw. existieren. Das Drehbuch ist dabei derart detailliert und genau in seinen Ausführungen, dass schnell der Eindruck entsteht, die Autoren hätten persönliche Audienzen bei den bösen Buben gehalten. Will sagen: Realismus wird in „Elite Squad“ sowohl bei den Dialogen als auch den zahlreichen Gewaltausbrüchen groß geschrieben.
Daher fällt es mir schwer, „Elite Squad“ lediglich das Siegel „Actionfilm“ aufzudrücken. Zu komplex, zu ernst und zu bitter in seiner Aussage kommt dieses hervorragend umgesetzte Werk daher, als ‚nur’ Unterhaltung zu sein. Nein, vielmehr handelt es sich um einen anklagenden Politthriller, verpackt in handwerklich solide umgesetzte, brutale Bilderwelten, die Wut und Frust eines Regisseurs/Autors erkennen lassen, der ebenso wie sein Protagonist ohne Rücksicht auf Verluste Tacheles redet. Kein Film für schwache Mägen, empfehlenswert jedoch für jeden, der die Kombination Anspruch, Tempo und Action nicht scheut. Hut ab vor diesem mutigen Glanzstück!
Die DVD/BluRay bietet den Film in deutsch synchronisierter und portugiesischer Sprachfassung, deutsche Untertitel, ein 60minütiges Making of sowie Trailer. „Elite Squad – Im Sumpf der Korruption“ erscheint bei universum film und ist ab 16. März erhältlich. (Packshot: © Universum Film)
