Ein guter Gruselfilm funktioniert immer dann am besten, wenn er seine Prämisse aus einer alltäglichen Situation wählt: Der Zuschauer ist mit dem Geschehen vertraut und fürchtet daher kaum Gefahr. Der spanische Regisseur Jaume Balagueró („[Rec]“) weiß das, sein Drehbuchautor Alberto Marini ebenso und der Portier César (gruselig gut: Luis Tosar), Hauptfigur im spannenden Thriller „Sleep Tight“, ganz besonders.
Denn César arbeitet in einem Mietshaus in Barcelona und darf dabei auf ausdrücklichen Wunsch der Bewohner auch in deren Wohnungen werkeln und walten, wenn beispielsweise einmal der Wasserhahn tropft. Mit einer Mieterin pflegt der unscheinbare, stets höfliche Mann sogar eine intime Beziehung – nur weiß sie nichts davon. Denn César bettet sich nachts regelmäßig und heimlich neben die schöne Clara (Marta Etura) und spielt perfekte Familie. Zumindest, bis ihr wirklicher Freund auftaucht und César vom Vorspiel zu seinem eigentlichen Ansinnen übergeht: Er möchte Claras Unbeschwertheit, Fröhlichkeit, ihr ganzes lebensbejahendes Dasein zerstören. Sukzessive setzt er dazu eine Kettenreaktion in Gang, bei der das Verstecken von Ungeziefer in ihren Schränken nur die erste von vielen Etappen ist.
„Sleep Tight“ lebt von zwei für das Genre außergewöhnlichen Dingen: einem fabelhaften Hauptdarsteller, der es schafft, den bösen Mann aus dem Foyer nicht als ekelhaftes Monster erscheinen zu lassen, sondern vielmehr einen intelligenten Mann präsentiert, der seine Misanthropie schlicht bis zur letzten Konsequenz auslebt. Der zweite, noch befremdlichere Pluspunkt des Films ist die konsequente Inszenierung aus der Sicht des Bösewichts. So wird der Zuschauer faktisch zum Mittäter und zittert letztendlich sogar mit, wenn der Böse droht aufzufliegen.
„Sleep Tight“ ist ein packendes Stück Genrekino, ein Kissenkraller par excellence und der filmische Beweis dafür, dass guter Horror nicht immer Zombies braucht – ein höflicher Hausmeister genügt schon.
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 27. Juni 2012.
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
„Die Wohnung“ (Kinostart: 14. Juni 2012)
Die Quantität an Dokumentationen, die es auf die Kinoleinwand schaffen, hat in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches zugenommen. Zwar verdienen etliche Themen, die darin abgehandelt werden, ein großes Publikum. Selten jedoch verfügen die Macher über das notwendige Know-how, um ihre Geschichten in Form und Inhalt angemessen zu erzählen. Auf Arnon Goldfingers sehr persönliche Reportage „Die Wohnung“ trifft dieses zugegebenermaßen harsche Urteil glücklicherweise nicht zu.
Goldfinger begleitet in seinem Film die Räumung der Wohnung seiner verstorbenen Großmutter in Tel Aviv. Gerda Tuchler floh einst aus Hitler-Deutschland, konnte sich aber zeitlebens nie von Erinnerungsstücken aus ihrer Heimat trennen. So ist ihre Wohnung, in der sie 70 Jahre lang lebte, vollgestopft mit Andenken und Staubfängern, Büchern und Briefen. Unzähligen Briefen, die von einer Freundschaft mit einem deutschen Paar erzählen, die vor, während und auch nach dem Krieg Bestand hatte. Das Kuriose: jene Familie von Mildenstein war offenbar eng mit dem Führungszirkel der Nazis verbunden. So begibt sich Enkel Arnon neugierig auf Spurensuche und entdeckt einige Geheimnisse, die die Familiengeschichte in ein ganz anderes Bild rücken.
Was diese Doku so herausragend macht, sind nicht nur die Enthüllungen privater familiärer Verflechtungen, die Goldfinger gewissenhaft nachrecherchiert und spannend präsentiert. Es sind aber vor allem auch die Begegnungen mit den Nachkommen des SS-Offiziers, die eindrucksvoll Verdrängung, Unwissen und Skepsis verdeutlichen, wenn es um dunkle Kapitel der eigenen (Familien-) Biografie geht. Eine Reaktion, die dem einen oder anderen sicherlich nicht unbekannt sein wird.
Goldfinger hat mit „Die Wohnung“ ein überaus mitreißendes, angemessen inszeniertes und erhellendes Zeitdokument geschaffen, das anregt, einmal selbst die Familiengeschichte zu hinterfragen.
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 13. Juni 2012.
Goldfinger begleitet in seinem Film die Räumung der Wohnung seiner verstorbenen Großmutter in Tel Aviv. Gerda Tuchler floh einst aus Hitler-Deutschland, konnte sich aber zeitlebens nie von Erinnerungsstücken aus ihrer Heimat trennen. So ist ihre Wohnung, in der sie 70 Jahre lang lebte, vollgestopft mit Andenken und Staubfängern, Büchern und Briefen. Unzähligen Briefen, die von einer Freundschaft mit einem deutschen Paar erzählen, die vor, während und auch nach dem Krieg Bestand hatte. Das Kuriose: jene Familie von Mildenstein war offenbar eng mit dem Führungszirkel der Nazis verbunden. So begibt sich Enkel Arnon neugierig auf Spurensuche und entdeckt einige Geheimnisse, die die Familiengeschichte in ein ganz anderes Bild rücken.
Was diese Doku so herausragend macht, sind nicht nur die Enthüllungen privater familiärer Verflechtungen, die Goldfinger gewissenhaft nachrecherchiert und spannend präsentiert. Es sind aber vor allem auch die Begegnungen mit den Nachkommen des SS-Offiziers, die eindrucksvoll Verdrängung, Unwissen und Skepsis verdeutlichen, wenn es um dunkle Kapitel der eigenen (Familien-) Biografie geht. Eine Reaktion, die dem einen oder anderen sicherlich nicht unbekannt sein wird.
Goldfinger hat mit „Die Wohnung“ ein überaus mitreißendes, angemessen inszeniertes und erhellendes Zeitdokument geschaffen, das anregt, einmal selbst die Familiengeschichte zu hinterfragen.
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 13. Juni 2012.
„Moonrise Kingdom“ (Kinostart: 24. Mai 2012)
Man ist ja vorsichtig geworden: Viele berühmte Namen auf einer Besetzungsliste sind nicht immer ein Garant für einen gelungenen Film. Wenn es dann aber einmal funktioniert, beispielsweise bei einem Regisseur wie Quentin Tarantino („Pulp Fiction“), ist der Unterhaltungsfaktor umso größer. Selbiges gilt glücklicherweise auch für das neue Werk von Wes Anderson, ebenso ein Autorenfilmer wie Tarantino – und ebenso ein wenig ‚neben der Spur‘, was Form, Inhalt und Umsetzung angeht.
Nach erinnerungswürdigen Ausnahmefilmen wie „Darjeeling Limited“ oder „Der fantastische Mr. Fox“ nun also „Moonrise Kingdom“: ein buntes, herzerwärmendes, absurd-komisches Abenteuer, das den Sehgewohnheiten des modernen Kinos frech die Zunge rausstreckt. Die Charaktere: sonderbar, doch niemals unecht. Die Geschichte: einfallsreich, witzig und so romantisch. Die Dialoge: punktgenau und auf amüsante Weise erschreckend ehrlich. Ein Beispiel gefällig? „Sie beide sind die mit Abstand himmelschreiend inkompetentesten Aufseher, an die ich als Jugendamt in einer 27-jährigen Karriere das Unglück hatte zu geraten!“ Das hat gesessen. Tatsächlich lässt die Dame namens „Jugendamt“ (Tilda Swinton) kein gutes Haar an Polizist Captain Sharp (Bruce Willis) und Pfadfindercampleiter Ward (Edward Norton). Schließlich hat deren ‚Inkompetenz‘ dazu geführt, dass zwei Kinder zum zweiten Mal ausgebüxt sind, ein kleiner Hund namens Snoopy von einem verirrten Pfeil getroffen wurde und überhaupt keiner zu wissen scheint, was vor sich geht. Dabei wollen die frühreife Suzy (Kara Hayward) und der Pfadfinder Sam (Jared Gilman) doch nur zusammen sein. Dummerweise haben sie den Erwachsenen von ihrem Plan, gemeinsam durchzubrennen, nichts erzählt. Die Folge: Eine chaotische Suchaktion voller Fallstricke auf einer kleinen Inselgruppe – und eine miesgelaunte Frau Jugendamt.
„Moonrise Kingdom“ ist das erfrischendste Stück Kino seit langem und auf jeden Fall einen Blick wert – großes Pfadfinderehrenwort!
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 30. Mai 2012.
Nach erinnerungswürdigen Ausnahmefilmen wie „Darjeeling Limited“ oder „Der fantastische Mr. Fox“ nun also „Moonrise Kingdom“: ein buntes, herzerwärmendes, absurd-komisches Abenteuer, das den Sehgewohnheiten des modernen Kinos frech die Zunge rausstreckt. Die Charaktere: sonderbar, doch niemals unecht. Die Geschichte: einfallsreich, witzig und so romantisch. Die Dialoge: punktgenau und auf amüsante Weise erschreckend ehrlich. Ein Beispiel gefällig? „Sie beide sind die mit Abstand himmelschreiend inkompetentesten Aufseher, an die ich als Jugendamt in einer 27-jährigen Karriere das Unglück hatte zu geraten!“ Das hat gesessen. Tatsächlich lässt die Dame namens „Jugendamt“ (Tilda Swinton) kein gutes Haar an Polizist Captain Sharp (Bruce Willis) und Pfadfindercampleiter Ward (Edward Norton). Schließlich hat deren ‚Inkompetenz‘ dazu geführt, dass zwei Kinder zum zweiten Mal ausgebüxt sind, ein kleiner Hund namens Snoopy von einem verirrten Pfeil getroffen wurde und überhaupt keiner zu wissen scheint, was vor sich geht. Dabei wollen die frühreife Suzy (Kara Hayward) und der Pfadfinder Sam (Jared Gilman) doch nur zusammen sein. Dummerweise haben sie den Erwachsenen von ihrem Plan, gemeinsam durchzubrennen, nichts erzählt. Die Folge: Eine chaotische Suchaktion voller Fallstricke auf einer kleinen Inselgruppe – und eine miesgelaunte Frau Jugendamt.
„Moonrise Kingdom“ ist das erfrischendste Stück Kino seit langem und auf jeden Fall einen Blick wert – großes Pfadfinderehrenwort!
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 30. Mai 2012.
... im Nachgang: „The Avengers“ (Kinostart: 26.04.2012)
Mein lieber Scholli, was für ein Erfolg! Das neueste Werk aus dem Hause Marvel zählte dank Unmengen an Ticket-Vorbestellungen schon vor dem Kinostart zu einem der erfolgreichsten Filme, die Hollywood je produziert hat. Was ich dazu zu sagen habe, findet sich unter "Contra" HIER.
„The Grey“ (Kinostart: 12. April 2012)
Einer der Überraschungserfolge des jungen Kinojahres – zumindest in Amerika – ist Joe Carnahans „The Grey“. Alaska, Flugzeugabsturz, eine kleine Gruppe Überlebender, eine sehr viel größere Gruppe Wölfe: Dies sind die wenigen Zutaten, mit denen dieser Survival-Thriller 120 Minuten sein Publikum mit Bravour zu fesseln vermag.
John Ottway (Liam Neeson) ist für ein Ölunternehmen im eisigen Norden tätig, wo er für die Sicherheit der Arbeiter sorgen soll. Mit Präzisionsgewehr, viel Erfahrung und gutem Auge hält er Wölfe und anderes wildes Getier von ihnen fern, dank der Abgeschiedenheit aber auch seine Vergangenheit und den Verlust seiner Frau. Am Ende seiner Schicht steigt er wie gewohnt zusammen mit seinen Kollegen in einen Flieger, der sie ins warme Nachhause bringen soll – diesmal jedoch abstürzt. Ein paar Wenige überleben das Unglück, nur um sich kurz darauf in einer nicht minder lebensgefährlichen Situation wiederzufinden: Mitten im Nirgendwo der arktischen Wildnis, ohne Kommunikationsmittel, ohne Aussicht auf Rettung. Notgedrungen begeben sich die Männer im hüfthohen Schnee zu Fuß auf den Weg, müssen dabei allerdings schnell und schmerzhaft feststellen, dass sie sich im Hoheitsgebiet eines Wolfsrudels befinden. So wird der Marsch durch die Eiswüste nicht nur zu einem Kampf der Egos gegeneinander, sondern ebenso gegen die Natur: den eigenen, erschöpften Körpern, den Temperaturen, den Tieren.
Basierend auf einer Kurzgeschichte von Ian Mackenzie Jeffers reduziert Regisseur Carnahan („Narc“, „Smokin‘ Aces“) das optisch beeindruckende Überlebenstraining erfreulicherweise nicht auf eine blutige Schlachterplatte. Stattdessen präsentiert er ein psychologisch ausgefeiltes, von Neeson mit ungeheurer Präsenz und Menschlichkeit belebtes Drama, welches viel mehr zu bieten hat, als es die Rahmenhandlung vermuten lässt. Klar, auch hier setzt sich die Truppe der (zunächst) Überlebenden aus verschiedenen Extremen zusammen, ist der Schwätzer ebenso Teil der Runde wie der schweigsame Einzelgänger oder der erwartungsgemäß konditionell schwache Übergewichtige. Natürlich stellt sich auch die Frage, wie ein solches Abenteuer in Zeiten von Radar, Mobiltelefonen und Flugschreibern in dieser Weise überhaupt geschehen kann. Andererseits: Warum nicht? Was wäre wenn? Wir real ist es denn, dass immer und überall ein iPhone mit Rat und Tat zur Seite steht?
Akzeptiert man diese Prämisse des Möglichen, erwartet den Zuschauer erstklassiges Spannungskino mit optischen Schauwerten, die gleichzeitig staunen und frösteln lassen. „The Grey“ interessiert sich nämlich nur bedingt für den Kampf Mensch gegen Wolf, als vielmehr dessen Konfrontation mit der gnadenlosen (eigenen) Natur. Wie handelt der Mensch, wenn er auf seine puren Überlebensinstinkte reduziert wird? Was bleibt in so einer Situation von seinem ursprünglichen Charakter, seiner Seelenlast, seiner Empathie für andere? Und was unterscheidet ihn dann noch vom Tier, das ebenso nur seinen Instinkten folgt, wenn es seinen Lebensraum verteidigt?
Fragen, die „The Grey“ zwar nur ungenügend beantworten kann, aber seinen Protagonisten konsequent nüchtern und direkt ins Gesicht wirft. Manchmal mit absehbarem Verlauf, fast immer jedoch zum Nägelkauen spannend aufbereitet. Top!
… und während man auf die Szene nach dem Abspann wartet, am besten gleich den Akkustand des eigenen Smartphones überprüfen!
John Ottway (Liam Neeson) ist für ein Ölunternehmen im eisigen Norden tätig, wo er für die Sicherheit der Arbeiter sorgen soll. Mit Präzisionsgewehr, viel Erfahrung und gutem Auge hält er Wölfe und anderes wildes Getier von ihnen fern, dank der Abgeschiedenheit aber auch seine Vergangenheit und den Verlust seiner Frau. Am Ende seiner Schicht steigt er wie gewohnt zusammen mit seinen Kollegen in einen Flieger, der sie ins warme Nachhause bringen soll – diesmal jedoch abstürzt. Ein paar Wenige überleben das Unglück, nur um sich kurz darauf in einer nicht minder lebensgefährlichen Situation wiederzufinden: Mitten im Nirgendwo der arktischen Wildnis, ohne Kommunikationsmittel, ohne Aussicht auf Rettung. Notgedrungen begeben sich die Männer im hüfthohen Schnee zu Fuß auf den Weg, müssen dabei allerdings schnell und schmerzhaft feststellen, dass sie sich im Hoheitsgebiet eines Wolfsrudels befinden. So wird der Marsch durch die Eiswüste nicht nur zu einem Kampf der Egos gegeneinander, sondern ebenso gegen die Natur: den eigenen, erschöpften Körpern, den Temperaturen, den Tieren.
Basierend auf einer Kurzgeschichte von Ian Mackenzie Jeffers reduziert Regisseur Carnahan („Narc“, „Smokin‘ Aces“) das optisch beeindruckende Überlebenstraining erfreulicherweise nicht auf eine blutige Schlachterplatte. Stattdessen präsentiert er ein psychologisch ausgefeiltes, von Neeson mit ungeheurer Präsenz und Menschlichkeit belebtes Drama, welches viel mehr zu bieten hat, als es die Rahmenhandlung vermuten lässt. Klar, auch hier setzt sich die Truppe der (zunächst) Überlebenden aus verschiedenen Extremen zusammen, ist der Schwätzer ebenso Teil der Runde wie der schweigsame Einzelgänger oder der erwartungsgemäß konditionell schwache Übergewichtige. Natürlich stellt sich auch die Frage, wie ein solches Abenteuer in Zeiten von Radar, Mobiltelefonen und Flugschreibern in dieser Weise überhaupt geschehen kann. Andererseits: Warum nicht? Was wäre wenn? Wir real ist es denn, dass immer und überall ein iPhone mit Rat und Tat zur Seite steht?
Akzeptiert man diese Prämisse des Möglichen, erwartet den Zuschauer erstklassiges Spannungskino mit optischen Schauwerten, die gleichzeitig staunen und frösteln lassen. „The Grey“ interessiert sich nämlich nur bedingt für den Kampf Mensch gegen Wolf, als vielmehr dessen Konfrontation mit der gnadenlosen (eigenen) Natur. Wie handelt der Mensch, wenn er auf seine puren Überlebensinstinkte reduziert wird? Was bleibt in so einer Situation von seinem ursprünglichen Charakter, seiner Seelenlast, seiner Empathie für andere? Und was unterscheidet ihn dann noch vom Tier, das ebenso nur seinen Instinkten folgt, wenn es seinen Lebensraum verteidigt?
Fragen, die „The Grey“ zwar nur ungenügend beantworten kann, aber seinen Protagonisten konsequent nüchtern und direkt ins Gesicht wirft. Manchmal mit absehbarem Verlauf, fast immer jedoch zum Nägelkauen spannend aufbereitet. Top!
… und während man auf die Szene nach dem Abspann wartet, am besten gleich den Akkustand des eigenen Smartphones überprüfen!
„Iron Sky“ (Kinostart: 5. April 2012)
Was für ein Spaß: Als der finnische Regisseur Timo Vuorensola erfuhr, dass sein Werk „Iron Sky“ seine Weltpremiere auf der Berlinale 2012 feiern würde, war er nicht mehr zu halten. Strahlend vor Stolz verkündete er die frohe Botschaft via Internet und fieberte dem Ereignis offensichtlich auch ein wenig nervös entgegen.
Was für ein Spaß: Die Einladung zur Berlinale war gleichzeitig ein Geschenk an die Fans des Streifens, die über Jahre hinweg mit finanziellen Spenden die Entstehung des Films erst ermöglicht haben. Sollte „Iron Sky“ erfolgreich sein, könnte das sogenannte „Crowd Funding“ den Filmmarkt radikal verändern.
Was für ein Spaß: Noch nie gab es einen Film, der es mit einer – Verzeihung – derart lustig-bescheuerten Geschichte auf die Berlinale geschafft hat. Denn „Iron Sky“ behauptet, dass es einigen Nazis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs gelang, mit „Reichsflugscheiben“ heimlich auf den Mond zu fliegen. Dort nutzten sie Zeit und Abgeschiedenheit, um sich auf eine Invasion der Erde vorzubereiten. Die Weltherrschaft fest im Blick, wollen sie nun einen Angriff starten.
Was für ein Spaß: Wer sich auf diese Prämisse einlässt, bekommt nicht nur den obligatorischen, herrlich selbstironischen Udo Kier als Hitler-Nachfolger namens Kortzfleisch geboten, sondern einen wilden Ritt durch Filmzitate, dumm-dämliche Nazi-Weltanschauungs-Logik sowie reichlich politische Seitenhiebe. Vom blonden Mädel mit Gretchenfrisur bis zum Raumschiff in Zeppelinform fährt „Iron Sky“ zudem sämtliche Arier-Klischees auf, nur um sie anschließend zu dekonstruieren und ad absurdum zu führen. Mit – trotz des geringen Budgets – beeindruckenden Effekten gespickt, zeigt der Film darüber hinaus wunderbar, was alles mit Kreativität und Herzblut auf eine Leinwand gezaubert werden kann. Als Zugabe gibt es zum Schluss ein mutig-satirisches Ende spendiert, das dem ganzen Irrsinn noch eine ernste und nachdenkliche Note verleiht. Was für ein Film!
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 4. April 2012.
Was für ein Spaß: Die Einladung zur Berlinale war gleichzeitig ein Geschenk an die Fans des Streifens, die über Jahre hinweg mit finanziellen Spenden die Entstehung des Films erst ermöglicht haben. Sollte „Iron Sky“ erfolgreich sein, könnte das sogenannte „Crowd Funding“ den Filmmarkt radikal verändern.
Was für ein Spaß: Noch nie gab es einen Film, der es mit einer – Verzeihung – derart lustig-bescheuerten Geschichte auf die Berlinale geschafft hat. Denn „Iron Sky“ behauptet, dass es einigen Nazis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs gelang, mit „Reichsflugscheiben“ heimlich auf den Mond zu fliegen. Dort nutzten sie Zeit und Abgeschiedenheit, um sich auf eine Invasion der Erde vorzubereiten. Die Weltherrschaft fest im Blick, wollen sie nun einen Angriff starten.
Was für ein Spaß: Wer sich auf diese Prämisse einlässt, bekommt nicht nur den obligatorischen, herrlich selbstironischen Udo Kier als Hitler-Nachfolger namens Kortzfleisch geboten, sondern einen wilden Ritt durch Filmzitate, dumm-dämliche Nazi-Weltanschauungs-Logik sowie reichlich politische Seitenhiebe. Vom blonden Mädel mit Gretchenfrisur bis zum Raumschiff in Zeppelinform fährt „Iron Sky“ zudem sämtliche Arier-Klischees auf, nur um sie anschließend zu dekonstruieren und ad absurdum zu führen. Mit – trotz des geringen Budgets – beeindruckenden Effekten gespickt, zeigt der Film darüber hinaus wunderbar, was alles mit Kreativität und Herzblut auf eine Leinwand gezaubert werden kann. Als Zugabe gibt es zum Schluss ein mutig-satirisches Ende spendiert, das dem ganzen Irrsinn noch eine ernste und nachdenkliche Note verleiht. Was für ein Film!
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 4. April 2012.
... im Nachgang: „The Artist“ (Kinostart: 26.01.2012)
Der Oscar-Abräumer 2012 bekommt natürlich auch noch einen Nachschlag spendiert. Ein Pro und Contra zu „The Artist“ findet sich HIER.
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