Wenn der neue Film eines sechsfach Oscar-nominierten Regisseurs, besetzt mit drei Weltstars – von denen einer gerade äußerst erfolgreich seinen dritten Auftritt als James Bond im Kino absolviert – direkt und ohne großes Aufsehen auf DVD/BluRay veröffentlicht wird, muss wohl einiges schief gelaufen sein. Ist allerdings die Liebesgeschichte, die sich während der Produktion hinter der Kamera entwickelt hat, das einzig nennenswerte Ergebnis, muss offenbar alles schief gelaufen sein. Schlimmer noch: Die prominenten Darsteller weigerten sich sogar, ihr Werk nach der Fertigstellung zu promoten. Kein gutes Omen für einen Grusel-Thriller mit dem stimmungsvollen Titel „Dream House“.
Was war passiert? Glaubt man den Kurzinterviews, die während der Dreharbeiten entstanden und der DVD/BluRay als Bonus beigefügt sind, war die Begeisterung der drei Hauptdarsteller Daniel Craig, Rachel Weisz und Naomi Watts zu Beginn sehr groß. Die Möglichkeit, mit Filmemacher Jim Sheridan („Mein linker Fuß“, „Im Namen des Vaters“) unter dieser Besetzung spielen zu können, wiegte eindeutig schwerer als die Tatsache, ein lediglich mäßiges Skript vorliegen zu haben. Dieses wurde erwartungsgemäß während der Dreharbeiten umgeschrieben, zufrieden war am Ende aber wohl keiner mehr. Sheridan bat letztendlich erfolglos darum, seinen Namen aus den Credits entfernen zu lassen, da der Film ohne seine Mitwirkung umgeschnitten wurde und nicht mehr seinen Vorstellungen entsprach. Nur Craig fand später noch ein paar wenige lobende Worte: „Der Film ist nicht gut geworden. Dafür habe ich meine zukünftige Frau getroffen. Ein fairer Tausch.“
Auch im Film sind Craig und Rachel Weisz ein Paar: Will und Libby kehren der Großstadt den Rücken und ziehen mit ihren beiden Töchtern in eine ländliche Gegend. Seltsame Dinge geschehen bald darauf in ihrem neuen Heim und nicht nur die Nachbarin Ann (Naomi Watts) blickt auffallend skeptisch über die Straße. Schnell weiß Will auch warum: Die letzten Mieter wurden Opfer eines Killers, der nun scheinbar großes Interesse daran hat, seine Tat zu wiederholen und nachts in der Umgebung herumschleicht. Bei der Suche nach dessen Identität macht Will eine wahrlich beunruhigende Entdeckung.
Atmosphärische Expositionen sind stets ein gutes Mittel, um das Publikum im weiteren Verlauf der Handlung mit oftmals banalen Ereignissen ordentlich aufzuschrecken. „Dream House“ macht da keine Ausnahme und bewandert zunächst ohne große Überraschungen ausgetretene Genre-Pfade. Die Hoffnung, dass das Drehbuch der Besetzung angemessen danach Außergewöhnliches präsentieren wird, zerschlägt sich leider schnell: Denn bis auf den großen inhaltlichen Knall, den „Dream House“ bereits zur Filmmitte offenbart (und der dummerweise auch im Trailer zum Film preisgegeben wird), hat der harmlose Gruselstreifen nämlich leider nichts (mehr) zu bieten. Den Schauspielern (zu denen u.a. auch noch gestandene Charaktermimen wie Elias Koteas oder Jane Alexander zählen) ist das am wenigsten anzulasten – sie haben schlicht nichts zu tun. Richtig ärgerlich wird es jedoch am Ende, wenn die ohnehin zerfahren erzählte Geschichte mit einer „Actionszene“ abgeschlossen wird, die so gar nicht zum vorangegangenen, ruhigen Inszenierungsstil passen will.
Es fällt schwer zu glauben, dass dieses schwache Storygerüst all diese Talente zur Mitwirkung bewegt haben soll. Allerdings gebe ich auch zu, dass Regisseur Sheridan 2005 mit dem lächerlichen „Get Rich or Die Tryin‘“ zumindest bei mir viel von seinem fabelhaften Ruf eingebüßt hat. Insofern ist es für mich kaum vorstellbar, dass „Dream House“ auch ohne die massiven Eingriffe von Seiten des produzierenden Studios besser geworden wäre.
Fazit: Ein enttäuschender Film mit viel ungenutztem Starpotenzial, wenig Ideen und einer misslungenen Marketingkampagne. Immerhin werden sich jedoch mindestens zwei Menschen für immer daran erinnern: die Frischvermählten Daniel Craig und Rachel Weisz. Glückwunsch!
Die DVD/Blu Ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche und englische Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es Trailer, kurze Setinterviews mit Cast & Crew und drei Making of-Clips, die einzelne Aspekte der (damals noch friedvollen) Produktion beleuchten. „Dream House“ erscheint bei Universum Film und ist seit 26. Oktober erhältlich. (Packshot: © Universum Film)
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
Heimkino-Tipp: „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ (2011)
Was tun, wenn im Alter die eigene Fitness, sowohl geistig auch als körperlich, nachlässt? Auf die Hilfe der Familie hoffen, sich freiwillig in eine Pflegeinrichtung begeben, oder sich dem Problem allein stellen und auf das Beste hoffen? Während Michael Haneke mit „Liebe“ gerade im Kino seine nüchterne filmische Antwort zu diesen Fragen gab, nähert sich Regisseur Stéphane Robelin dem Thema in der französisch-deutschen Produktion „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ auf tragikomische Weise an.
Die befreundeten Paare Annie & Jean und Jeanne & Albert sowie ihr alleinstehender Freund Claude haben alle mit ihren großen und kleinen Gebrechen zu kämpfen. Während Annie unter den spärlichen Besuchen ihrer Enkel leidet und Jean als 68-Aktivist noch immer auf die Straße geht, verheimlicht Jeanne ihrem Albert eine schwere Krankheit, wohlwissend, dass ihr Gatte mit seiner beginnenden Demenz wohl kaum allein zurechtkommen würde. Claude hingegen genießt seine (sexuelle) Freiheit mit Prostituierten – bis sein Kreislauf eines Tages nicht mehr mithalten kann und er von seinem Sohn in ein Pflegeheim gesteckt wird.
Was zunächst als bierselige Idee bei einem gemeinsamen Abend abgetan wird, nimmt nach einem Paarbesuch bei Claude schnell konkrete Formen an: Warum nicht zu fünft in ein Haus ziehen und den Lebensabend gemeinsam verbringen? Und warum nicht auch einen jungen Helfer engagieren, der im Haushalt aushilft, wenn die eigenen Knochen nicht mehr so recht wollen? Allerdings stellen die Eigenheiten der Fünf das WG-Leben bald darauf auf eine erste von vielen Zerreißproben.
Bisher haben es nur wenige Filmemacher gewagt, so offen und unverkrampft mit den Hürden des Älterwerdens und den heimlichen(?) Wünschen der Generation 60+ umzugehen. Statt wie sein deutscher Kollege Leander Haußmann in „Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus“ Rentner in peinlichen Klamauksituationen vorzuführen, wählt Robelin die seriöse Variante – schreckt dabei aber auch nicht vor offenherzigen Dialogen zum Sexleben seiner alten Garde zurück. Zwar verkneift er sich Szenen à la „Wolke 9“, prüde geht es deshalb in „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ noch lange nicht zu. Sein wunderbarer Film verzichtet zudem auf Überzeichnungen, unnütze Überdramatisierung und unglaubwürdige Plotwendungen. Stattdessen dokumentiert er beinahe beiläufig die Probleme des Alltags, die ein WG-Leben, noch dazu im hohen Alter, so mit sich bringt. Seien es Vergesslichkeiten, verjährte Affären oder der simple Versuch des armen Jean, so etwas wie einen Putzplan aufzustellen. Das ist gleichermaßen amüsant wie dramatisch und gibt seinem Ensemble immer wieder die Möglichkeit zu glänzen.
Apropos: Es ist eine wahre Freude, so viele gestandene Schauspiellegenden zusammen in einem Film zu sehen: Neben den französischen Urgesteinen Claude Rich (Claude) und Guy Bedos (Jean) sind es vor allem Geraldine Chaplin (Annie, „Doktor Schiwago“), Jane Fonda (Jeanne, „Klute“) und Comedy-Altmeister Pierre Richard (Albert, „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“), die noch einmal zeigen, warum sie zu den ganz Großen ihres Fachs gehören. Ihnen zur Seite steht ein nicht minder talentierter Daniel Brühl, der als Pfleger mit soziologischem Interesse das Leben der Alten-WG studiert und einmal mehr seine schauspielerische und sprachliche Wandlungsfähigkeit beweist. Vielleicht auch eine Wiedergutmachung für sein Mitwirken an eben jenem unsäglichen, oben genannten „Dinosaurier“-Film?
Stéphane Robelin ist mit „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ ein berührend-leichtfüßiger Film gelungen, der sowohl dem Alter als auch seinen Darstellern huldigt und einmal mehr bewusst macht, wie schön das Rentnerdasein trotz einzelner Hürden sein kann. Zwar lässt er dabei Themen wie die Altersarmut vor der Tür. Doch im Kreise guter Freunde ist das ohnehin auch etwas leichter zu ertragen.
Die DVD/BluRay bietet den Film in deutsch synchronisierter und französischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es einen Blick hinter die Kulissen während der Dreharbeiten, in dem auch die Hauptdarsteller ein wenig von ihren Erfahrungen und Wünschen erzählen. Ein kurzer Bericht über die Filmpremiere in Locarno sowie Trailer runden das gelungene DVD/BluRay-Paket ab. „ Und wenn wir alle zusammenziehen?“ erscheint bei Pandora Film und ist ab 19. Oktober erhältlich. (Packshot: © Pandora Filmverleih)
Die befreundeten Paare Annie & Jean und Jeanne & Albert sowie ihr alleinstehender Freund Claude haben alle mit ihren großen und kleinen Gebrechen zu kämpfen. Während Annie unter den spärlichen Besuchen ihrer Enkel leidet und Jean als 68-Aktivist noch immer auf die Straße geht, verheimlicht Jeanne ihrem Albert eine schwere Krankheit, wohlwissend, dass ihr Gatte mit seiner beginnenden Demenz wohl kaum allein zurechtkommen würde. Claude hingegen genießt seine (sexuelle) Freiheit mit Prostituierten – bis sein Kreislauf eines Tages nicht mehr mithalten kann und er von seinem Sohn in ein Pflegeheim gesteckt wird.
Was zunächst als bierselige Idee bei einem gemeinsamen Abend abgetan wird, nimmt nach einem Paarbesuch bei Claude schnell konkrete Formen an: Warum nicht zu fünft in ein Haus ziehen und den Lebensabend gemeinsam verbringen? Und warum nicht auch einen jungen Helfer engagieren, der im Haushalt aushilft, wenn die eigenen Knochen nicht mehr so recht wollen? Allerdings stellen die Eigenheiten der Fünf das WG-Leben bald darauf auf eine erste von vielen Zerreißproben.
Bisher haben es nur wenige Filmemacher gewagt, so offen und unverkrampft mit den Hürden des Älterwerdens und den heimlichen(?) Wünschen der Generation 60+ umzugehen. Statt wie sein deutscher Kollege Leander Haußmann in „Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus“ Rentner in peinlichen Klamauksituationen vorzuführen, wählt Robelin die seriöse Variante – schreckt dabei aber auch nicht vor offenherzigen Dialogen zum Sexleben seiner alten Garde zurück. Zwar verkneift er sich Szenen à la „Wolke 9“, prüde geht es deshalb in „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ noch lange nicht zu. Sein wunderbarer Film verzichtet zudem auf Überzeichnungen, unnütze Überdramatisierung und unglaubwürdige Plotwendungen. Stattdessen dokumentiert er beinahe beiläufig die Probleme des Alltags, die ein WG-Leben, noch dazu im hohen Alter, so mit sich bringt. Seien es Vergesslichkeiten, verjährte Affären oder der simple Versuch des armen Jean, so etwas wie einen Putzplan aufzustellen. Das ist gleichermaßen amüsant wie dramatisch und gibt seinem Ensemble immer wieder die Möglichkeit zu glänzen.
Apropos: Es ist eine wahre Freude, so viele gestandene Schauspiellegenden zusammen in einem Film zu sehen: Neben den französischen Urgesteinen Claude Rich (Claude) und Guy Bedos (Jean) sind es vor allem Geraldine Chaplin (Annie, „Doktor Schiwago“), Jane Fonda (Jeanne, „Klute“) und Comedy-Altmeister Pierre Richard (Albert, „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“), die noch einmal zeigen, warum sie zu den ganz Großen ihres Fachs gehören. Ihnen zur Seite steht ein nicht minder talentierter Daniel Brühl, der als Pfleger mit soziologischem Interesse das Leben der Alten-WG studiert und einmal mehr seine schauspielerische und sprachliche Wandlungsfähigkeit beweist. Vielleicht auch eine Wiedergutmachung für sein Mitwirken an eben jenem unsäglichen, oben genannten „Dinosaurier“-Film?
Stéphane Robelin ist mit „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ ein berührend-leichtfüßiger Film gelungen, der sowohl dem Alter als auch seinen Darstellern huldigt und einmal mehr bewusst macht, wie schön das Rentnerdasein trotz einzelner Hürden sein kann. Zwar lässt er dabei Themen wie die Altersarmut vor der Tür. Doch im Kreise guter Freunde ist das ohnehin auch etwas leichter zu ertragen.
Die DVD/BluRay bietet den Film in deutsch synchronisierter und französischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es einen Blick hinter die Kulissen während der Dreharbeiten, in dem auch die Hauptdarsteller ein wenig von ihren Erfahrungen und Wünschen erzählen. Ein kurzer Bericht über die Filmpremiere in Locarno sowie Trailer runden das gelungene DVD/BluRay-Paket ab. „ Und wenn wir alle zusammenziehen?“ erscheint bei Pandora Film und ist ab 19. Oktober erhältlich. (Packshot: © Pandora Filmverleih)
Heimkino-Tipp: „Der Gehetzte der Sierra Madre“ (1966) / „Von Angesicht zu Angesicht“ (1967)
Achtung, hier kommen zwei absolute Schmankerl: Tolle Aufmachung, fantastische Qualität und interessantes (!) Bonusmaterial – was das Schweizer Label „explosive media“ mit der Neuveröffentlichung der beiden Sergio Sollima-Klassiker „Der Gehetzte der Sierra Madre“ und „Von Angesicht zu Angesicht“ vorlegt, lässt wohl das Herz jedes (Film-)Sammlers höher schlagen.
Der 1921 in Rom geborene Sollima kann auf eine beeindruckende Filmografie als Drehbuchautor und Regisseur zurückblicken. Von seinen vielen Werken dürfte jedoch die „Cuchillo-Trilogie“ seine bekannteste Arbeit sein: Drei Italo-Western, die in den 1960ern ebenso wie die „Dollar-Trilogie“ seines Namensvetters Sergio Leone weltweit für Aufsehen sorgten und inzwischen zu den absoluten Klassikern des Genres zählen. War bei Leone Clint Eastwood die schauspielerische Konstante, so wählte Sollima den nicht minder charismatischen Tomás Milian und besetzte ihn nach „Sierra Madre“ und „Angesicht“ auch 1968 in „Lauf um dein Leben“. Die ersten beiden Teile ihrer gemeinsamen Western-Zeit erscheinen nun runderneuert in zwei wunderbaren DVD- bzw. BluRay-Editionen.
„Der Gehetzte der Sierra Madre“ zeigt die Jagd des Kopfgeldjägers Corbett (Lee Van Cleef) nach dem jungen Herumtreiber Cuchillo Sanchez (Milian). Der Mexikaner wird beschuldigt, ein Mädchen geschändet und ermordet zu haben. Während seiner langen Suche nach dem Flüchtigen zweifelt Corbett jedoch zunehmend an dessen Schuld. In „Von Angesicht zu Angesicht“ ist Milian abermals in der Rolle eines Gesetzesbrechers zu sehen: Als Anführer der berüchtigten „Wilden Horde“ nimmt er den Geschichtsprofessor Fletcher (Gian Maria Volonté) in seine Bande auf – und verführt den zunächst naiven Mann sukzessive zur Gewalt.
Was die Werke neben ihrer dreckig-heißen Atmosphäre und der sorgfältigen Inszenierung auszeichnet, ist vor allem hörbar: Ennio Morricone steuerte für beide Filme die musikalische Untermalung bei und präsentiert sich wie schon bei Leone als absoluter Meister seines Fachs. Ohne Frage hat der Komponist durch seine Arbeiten in den 1960er-Jahren maßgeblich zum Erfolg des jungen Italo-Western-Genres beigetragen und nicht nur da etliche seiner einprägsamsten Stücke komponiert.
All dem tragen diese Neuveröffentlichungen auf außergewöhnliche Weise Rechnung: Neben einer neuen Bildabtastung im Originalformat haben beide die deutschen und die Originalsprachfassungen, sowie die englischen Versionen an Bord, diverse Untertitelspuren und „Sierra Madre“ sogar die ursprüngliche deutsche Synchronisation, die sich in einigen Teilen von der moderneren unterscheidet. Zu den umfangreichen Extras zählen je ein 24-seitiges, mit seltenen Fotos und Covern bebildertes Booklet („Sierra Madre“ setzt den Schwerpunkt auf die Karriere von Lee Van Cleef, „Angesicht“ widmet sich Ennio Morricone), informative Dokumentationen, sowie diverse Trailer und verschiedene Vorspänne, die sich zur damaligen Zeit oftmals je nach Aufführungsland unterschieden. „Sierra Madre“ kommt gar als BluRay/DVD-Combo daher (d.h. beides in einem Pack), während „Angesicht“ die ebenfalls zeitgenössische Super-8-Fassung des Films enthält – eine tolle Zugabe für Komplettisten. Was beiden Editionen allerdings die goldene Krone aufsetzt, ist die Beigabe der kompletten Morricone-Filmmusiken.
Es sind Veröffentlichungen wie diese, die zeigen, was das Medium DVD/BluRay alles bieten kann. Geben sich große Filmstudios heutzutage oftmals damit zufrieden, ihren überteuerten Heimkinoreleases billig produzierte Figuren, T-Shirts oder sonstigen unnötigen Krams beizufügen, so konzentrieren sich die hier besprochenen Editionen tatsächlich auf das künstlerische Werk und bieten spannende Hintergrundinformationen sowie seltene Ton- und Filmdokumente, die ganz offensichtlich mit viel Liebe und Kenntnis der Materie zusammengetragen wurden.
Ergo: Eine unbedingte Kauf- und Genussempfehlung!
„Der Gehetzte der Sierra Madre“ und „Von Angesicht zu Angesicht“ erscheinen bei explosive media/AL!VE AG und sind ab 12. Oktober erhältlich. (Packshot: © explosive media/AL!VE AG)
Der 1921 in Rom geborene Sollima kann auf eine beeindruckende Filmografie als Drehbuchautor und Regisseur zurückblicken. Von seinen vielen Werken dürfte jedoch die „Cuchillo-Trilogie“ seine bekannteste Arbeit sein: Drei Italo-Western, die in den 1960ern ebenso wie die „Dollar-Trilogie“ seines Namensvetters Sergio Leone weltweit für Aufsehen sorgten und inzwischen zu den absoluten Klassikern des Genres zählen. War bei Leone Clint Eastwood die schauspielerische Konstante, so wählte Sollima den nicht minder charismatischen Tomás Milian und besetzte ihn nach „Sierra Madre“ und „Angesicht“ auch 1968 in „Lauf um dein Leben“. Die ersten beiden Teile ihrer gemeinsamen Western-Zeit erscheinen nun runderneuert in zwei wunderbaren DVD- bzw. BluRay-Editionen.
„Der Gehetzte der Sierra Madre“ zeigt die Jagd des Kopfgeldjägers Corbett (Lee Van Cleef) nach dem jungen Herumtreiber Cuchillo Sanchez (Milian). Der Mexikaner wird beschuldigt, ein Mädchen geschändet und ermordet zu haben. Während seiner langen Suche nach dem Flüchtigen zweifelt Corbett jedoch zunehmend an dessen Schuld. In „Von Angesicht zu Angesicht“ ist Milian abermals in der Rolle eines Gesetzesbrechers zu sehen: Als Anführer der berüchtigten „Wilden Horde“ nimmt er den Geschichtsprofessor Fletcher (Gian Maria Volonté) in seine Bande auf – und verführt den zunächst naiven Mann sukzessive zur Gewalt.
Was die Werke neben ihrer dreckig-heißen Atmosphäre und der sorgfältigen Inszenierung auszeichnet, ist vor allem hörbar: Ennio Morricone steuerte für beide Filme die musikalische Untermalung bei und präsentiert sich wie schon bei Leone als absoluter Meister seines Fachs. Ohne Frage hat der Komponist durch seine Arbeiten in den 1960er-Jahren maßgeblich zum Erfolg des jungen Italo-Western-Genres beigetragen und nicht nur da etliche seiner einprägsamsten Stücke komponiert.
All dem tragen diese Neuveröffentlichungen auf außergewöhnliche Weise Rechnung: Neben einer neuen Bildabtastung im Originalformat haben beide die deutschen und die Originalsprachfassungen, sowie die englischen Versionen an Bord, diverse Untertitelspuren und „Sierra Madre“ sogar die ursprüngliche deutsche Synchronisation, die sich in einigen Teilen von der moderneren unterscheidet. Zu den umfangreichen Extras zählen je ein 24-seitiges, mit seltenen Fotos und Covern bebildertes Booklet („Sierra Madre“ setzt den Schwerpunkt auf die Karriere von Lee Van Cleef, „Angesicht“ widmet sich Ennio Morricone), informative Dokumentationen, sowie diverse Trailer und verschiedene Vorspänne, die sich zur damaligen Zeit oftmals je nach Aufführungsland unterschieden. „Sierra Madre“ kommt gar als BluRay/DVD-Combo daher (d.h. beides in einem Pack), während „Angesicht“ die ebenfalls zeitgenössische Super-8-Fassung des Films enthält – eine tolle Zugabe für Komplettisten. Was beiden Editionen allerdings die goldene Krone aufsetzt, ist die Beigabe der kompletten Morricone-Filmmusiken.
Es sind Veröffentlichungen wie diese, die zeigen, was das Medium DVD/BluRay alles bieten kann. Geben sich große Filmstudios heutzutage oftmals damit zufrieden, ihren überteuerten Heimkinoreleases billig produzierte Figuren, T-Shirts oder sonstigen unnötigen Krams beizufügen, so konzentrieren sich die hier besprochenen Editionen tatsächlich auf das künstlerische Werk und bieten spannende Hintergrundinformationen sowie seltene Ton- und Filmdokumente, die ganz offensichtlich mit viel Liebe und Kenntnis der Materie zusammengetragen wurden.
Ergo: Eine unbedingte Kauf- und Genussempfehlung!
„Der Gehetzte der Sierra Madre“ und „Von Angesicht zu Angesicht“ erscheinen bei explosive media/AL!VE AG und sind ab 12. Oktober erhältlich. (Packshot: © explosive media/AL!VE AG)
Heimkino-Tipp: „Lockout“ (2012)
Haben die nix zu tun? Während Clint Eastwood selbst im hohen Alter von 70+ Jahr für Jahr eine neue Regiearbeit präsentiert und Robert De Niro (69) es inzwischen schafft, innerhalb von 12 Monaten in durchschnittlich drei filmischen Rohrkrepierern mitzuwirken, schmeißt Frankreichs einstiges cineastisches Wunderkind Luc Besson („Léon - Der Profi“, „Das fünfte Element“) beständig Drehbücher auf den Markt, die allesamt unterhaltsam und actionreich, aber leider auch stets nach demselben Prinzip gestrickt sind. Das geht oftmals gut („Taxi“, „The Transporter“, „Taken - 96 Hours“), kann aber auch ermüden („From Paris with Love“, „Colombiana“). Einer seiner diesjährigen Beiträge nennt sich „Lockout“ und ist erfreulicherweise ersterem Fazit zuzuordnen.
Die Regie für den Science-Fiction-Spaß übertrug er James Mather & Stephen St. Leger, die unter dem Pseudonym Saint & Mather eine überdrehte, wahnsinnig temporeiche Weltraum-Version von „Stirb Langsam“ inszenierten, die neben wenig Logik vor allem Zweierlei bietet: Einen überaus coolen Guy Pearce („Memento“) in der Hauptrolle und völlig übertriebene, comichafte Action. Der „Inhalt“ ist schnell erzählt: Präsidententochter Emilie (Maggie Grace) wird auf einem Gefängnis-Schiff im All von bösen Jungs gefangen gehalten, der in Ungnade gefallene Agent Snow (Pearce) soll sie befreien. Quasi durch die Hintertür steigt er in den Hochsicherheitstrakt ein, während die schlechtgelaunten Häftlinge eine Geisel nach der anderen erschießen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Welche das sind, bleibt genauso nebensächlich wie die Zukunftsutopie, in der die Handlung – das Jahr 2079 – verlegt wurde.
Wäre ohnehin nur erzählerischer Ballast für die One-Man-Show, die Guy Pearce hier abzieht. Er gibt den militärischen Alleskönner als eine Mischung aus MacGyver und Misanthrop, der für wirklich jeden Moment einen lockeren Spruch auf den Lippen hat und keinen Hehl aus der Lächerlichkeit des ganzen Szenarios macht. Ob dabei die Figur Snow oder der Schauspieler Pearce spricht, darf der Zuschauer selbst entscheiden. Für maximalen Spaß empfiehlt sich hierbei die englische Originalsprachversion, bietet sie doch einiges mehr an Wortwitz und verbalem Blödsinn. Der Rest der Besetzung (u.a. Peter Stormare, „Fargo“) spult die üblichen Rollenklischees runter, wobei Joseph Gilgun als völlig durchgedrehter Psycho Hydell noch am Einprägsamsten bleibt.
Das alles wäre im Rahmen des Anspruchs, den dieses Werk an sich selbst stellt (nämlich keinen) problemlos konsumierbar, wenn einzelne Szenen nicht so amateurhaft visualisiert worden wären. Das stört vor allem in der Eröffnungsszene, die den Helden auf einem Motorrad flüchtend in einer Zukunftsstadt zeigt, die unübersehbar aus dem Computer stammt – und aussieht, als sei sie einem billigen Onlinespiel entnommen. Andererseits macht diese optisch erschreckende Ouvertüre überdeutlich, welches Niveau in den darauffolgenden 90 Minuten zu erwarten ist. Also doch beabsichtigt?
Sei’s drum, „Lockout“ bleibt trotz dieser kleinen Makel ein unterhaltsamer, lauter, mitunter sehr witziger Actionstreifen, der von seinem gutgelaunten Hauptdarsteller lebt, absurde Momente präsentiert (z.B. ein Sprung aus dem Raumschiff Richtung Erde) und prima Zerstreuung bietet. Kein Film für die Ewigkeit, für Freunde von Luc Bessons amüsanten Krawallkino jedoch einen Blick wert.
Die DVD/Blu Ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es Trailer sowie Making of- und Interviewclips (ca. 50 Minuten), die sich einzelnen Schwerpunkten der Filmentstehung widmen. „Lockout“ erscheint bei Universum Film und ist seit 5. Oktober erhältlich. (Packshot: © Universum Film)
Die Regie für den Science-Fiction-Spaß übertrug er James Mather & Stephen St. Leger, die unter dem Pseudonym Saint & Mather eine überdrehte, wahnsinnig temporeiche Weltraum-Version von „Stirb Langsam“ inszenierten, die neben wenig Logik vor allem Zweierlei bietet: Einen überaus coolen Guy Pearce („Memento“) in der Hauptrolle und völlig übertriebene, comichafte Action. Der „Inhalt“ ist schnell erzählt: Präsidententochter Emilie (Maggie Grace) wird auf einem Gefängnis-Schiff im All von bösen Jungs gefangen gehalten, der in Ungnade gefallene Agent Snow (Pearce) soll sie befreien. Quasi durch die Hintertür steigt er in den Hochsicherheitstrakt ein, während die schlechtgelaunten Häftlinge eine Geisel nach der anderen erschießen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Welche das sind, bleibt genauso nebensächlich wie die Zukunftsutopie, in der die Handlung – das Jahr 2079 – verlegt wurde.
Wäre ohnehin nur erzählerischer Ballast für die One-Man-Show, die Guy Pearce hier abzieht. Er gibt den militärischen Alleskönner als eine Mischung aus MacGyver und Misanthrop, der für wirklich jeden Moment einen lockeren Spruch auf den Lippen hat und keinen Hehl aus der Lächerlichkeit des ganzen Szenarios macht. Ob dabei die Figur Snow oder der Schauspieler Pearce spricht, darf der Zuschauer selbst entscheiden. Für maximalen Spaß empfiehlt sich hierbei die englische Originalsprachversion, bietet sie doch einiges mehr an Wortwitz und verbalem Blödsinn. Der Rest der Besetzung (u.a. Peter Stormare, „Fargo“) spult die üblichen Rollenklischees runter, wobei Joseph Gilgun als völlig durchgedrehter Psycho Hydell noch am Einprägsamsten bleibt.
Das alles wäre im Rahmen des Anspruchs, den dieses Werk an sich selbst stellt (nämlich keinen) problemlos konsumierbar, wenn einzelne Szenen nicht so amateurhaft visualisiert worden wären. Das stört vor allem in der Eröffnungsszene, die den Helden auf einem Motorrad flüchtend in einer Zukunftsstadt zeigt, die unübersehbar aus dem Computer stammt – und aussieht, als sei sie einem billigen Onlinespiel entnommen. Andererseits macht diese optisch erschreckende Ouvertüre überdeutlich, welches Niveau in den darauffolgenden 90 Minuten zu erwarten ist. Also doch beabsichtigt?
Sei’s drum, „Lockout“ bleibt trotz dieser kleinen Makel ein unterhaltsamer, lauter, mitunter sehr witziger Actionstreifen, der von seinem gutgelaunten Hauptdarsteller lebt, absurde Momente präsentiert (z.B. ein Sprung aus dem Raumschiff Richtung Erde) und prima Zerstreuung bietet. Kein Film für die Ewigkeit, für Freunde von Luc Bessons amüsanten Krawallkino jedoch einen Blick wert.
Die DVD/Blu Ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es Trailer sowie Making of- und Interviewclips (ca. 50 Minuten), die sich einzelnen Schwerpunkten der Filmentstehung widmen. „Lockout“ erscheint bei Universum Film und ist seit 5. Oktober erhältlich. (Packshot: © Universum Film)
... im Nachgang: „Wir wollten aufʼs Meer“ (Kinostart: 13.09.2012)
Die DDR im Film: Immer wieder ein heikles, streitbares Thema. Mein aktueller Beitrag für den „Kinokalender Dresden“ findet sich HIER.
... im Nachgang: „Rum Diary“ (Kinostart: 02.08.2012)
Gibt es etwas Unterhaltsameres, als Johnny Depp beim Torkeln zuzusehen? Nein - behaupte ich zumindest im aktuellen Streitgespräch des „Kinokalender Dresden“. Den kompletten Artikel gibt es HIER.
Heimkino-Tipp: „Our Day Will Come“ (2010)
Meine erste „Begegnung“ mit dem französisch-stämmigen Schauspieler Vincent Cassel fand 1997 mit dem stylishen Gangsterfilm „Doberman“ statt. Da hatte der Berserker bereits seinen kontroversen Durchbruch „Hass“ zwei Jahre hinter sich und war – zumindest in meinen jungen Cineastenaugen – jemand, vor dem man Angst haben sollte. Heute zählt Cassel auch international zu den ganz Großen, ist sowohl in Hollywood („Ocean’s Twelve“, „Black Swan“) als auch Europa („Elizabeth“, „Birthday Girl“) unterwegs und hat von seiner Intensität bei der Darstellung extremer Charaktere nichts eingebüßt. Bisheriger Karrierehöhepunkt dürfte zweifellos „Public Enemy“ (2008) gewesen sein, Cassels Porträt von Jacques Mesrine, des wohl bekanntesten französischen Schwerverbrechers, der von den 1960ern bis Ende der 1970er wütete und dabei unzählige Banken ausgeraubt, über 40 Menschen getötet und etliche Ausbrüche aus staatlichen Gefängnissen hinter sich gebracht hat. Ein Medienstar und 1979 schließlich auf offener Straße von der Polizei hingerichteter Mann, dessen Gewalttätigkeit noch heute ihresgleichen sucht.
Für „Our Day Will Come“ hat sich der Gatte von Monica Bellucci nun mit einem anderen Wüterich für dessen filmischen Erstling zusammengetan: Romain Gavras, griechischer Videokünstler und Sohn von Regielegende Costa-Gavras („Missing“, „Music Box“), der vor allem dank seines umstrittenen Music-Clips „Born Free“ für M.I.A. 2009 weltweit für Furore sorgte, da dieser – basierend auf echten Aufnahmen – einen Massenmord durch Soldaten zeigt. Die Opfer: Rothaarige Menschen. Diesem Thema widmet sich Gavras nun auch in „Our Day Will Come“.
Der von seinen Mitmenschen und Patienten gelangweilte Psychiater Patrick (Cassel) trifft eines Nachts auf den Sonderling Rémy (Olivier Barthelemy). Der rothaarige junge Mann hat häufig Stress mit seiner Familie, ist ständiges Opfer von Streichen Gleichaltriger und wird zudem von seiner anonymen Internetbekanntschaft regelmäßig versetzt. Schuld an der alltäglichen Hölle gibt er seiner Haarfarbe. Patrick, selbst konstant schwankend zwischen Wut und Nachdenklichkeit, nimmt Rémy unter seiner Fittiche – jedoch nicht, um ihm zu helfen, sondern um ihn nach seinen eigenen Überzeugungen zu formen. Der Plan gelingt, bis Rémy seiner aufgestauten Aggression zunehmend freien Lauf lässt. Bald ist nicht mehr klar, wer wen kontrolliert und wie weit Rémy bereit ist zu gehen, um sein Ziel Irland zu erreichen. Denn nur dort, im „Land der Rothaarigen“, glaubt er, Erlösung finden zu können.
Roadmovie, Sozialdrama oder bissige Satire? Romain Gavras und sein Co-Autor Karim Boukercha wechseln im Verlauf der Reise nicht nur immer wieder das Alpha-Männchen in ihrer Erzählung, sondern auch die Art und Weise, wie sie den wachsenden Menschenhass ihrer beiden Protagonisten darstellen: mal erschreckend-brutal, dann wieder amüsant-verrückt. Obwohl sich weder Patrick noch Rémy als Sympathiefiguren für den Zuschauer eignen, bleibt ihr Trip bis zum überraschenden Ende interessant. Der Film taugt dabei ebenso als Parabel für die Ausgrenzung Einzelner aufgrund von Aussehen, Religion oder Herkunft, wie auch als ein Zeugnis der Manipulierbarkeit eines Menschen, der wie Rémy zutiefst verunsichert und sozial inkompetent ist.
Man kann „Our Day Will Come“ leicht Überspitzung und Realitätsferne vorwerfen. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Regisseur Gavras es eher wie die Filmfigur John Doe in „Sieben“ hält: „Wenn die Leute einem zuhören sollen, reicht es nicht, ihnen auf die Schulter zu tippen. Man muss sie mit einem Vorschlaghammer treffen. Erst dann können Sie sich ihrer Aufmerksamkeit gewiss sein.“ Im Falle von „Our Day Will Come“ hat Gavras dieses Ziel eindrucksvoll erreicht.
Trailer & mehr: HIER klicken!
Die DVD/BluRay bietet den Film in deutsch synchronisierter und französischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es ein erhellendes Making of, das zwar weniger die Produktion beleuchtet, dafür aber einige interessante Äußerungen von Setmitgliedern enthält, die auf Themen des Films Bezug nehmen. Ein weiteres Extra ist der hervorragende Trailer, der im Gegensatz zum heute üblichen Vorgehen nicht die gesamte Handlung verrät, sondern die bedrohliche Stimmung des Werks formidabel einfängt. „Our Day Will Come“ erscheint bei Universum Film/FilmFrontal und ist ab 21. September erhältlich. (Packshot: © Universum Film)
Für „Our Day Will Come“ hat sich der Gatte von Monica Bellucci nun mit einem anderen Wüterich für dessen filmischen Erstling zusammengetan: Romain Gavras, griechischer Videokünstler und Sohn von Regielegende Costa-Gavras („Missing“, „Music Box“), der vor allem dank seines umstrittenen Music-Clips „Born Free“ für M.I.A. 2009 weltweit für Furore sorgte, da dieser – basierend auf echten Aufnahmen – einen Massenmord durch Soldaten zeigt. Die Opfer: Rothaarige Menschen. Diesem Thema widmet sich Gavras nun auch in „Our Day Will Come“.
Der von seinen Mitmenschen und Patienten gelangweilte Psychiater Patrick (Cassel) trifft eines Nachts auf den Sonderling Rémy (Olivier Barthelemy). Der rothaarige junge Mann hat häufig Stress mit seiner Familie, ist ständiges Opfer von Streichen Gleichaltriger und wird zudem von seiner anonymen Internetbekanntschaft regelmäßig versetzt. Schuld an der alltäglichen Hölle gibt er seiner Haarfarbe. Patrick, selbst konstant schwankend zwischen Wut und Nachdenklichkeit, nimmt Rémy unter seiner Fittiche – jedoch nicht, um ihm zu helfen, sondern um ihn nach seinen eigenen Überzeugungen zu formen. Der Plan gelingt, bis Rémy seiner aufgestauten Aggression zunehmend freien Lauf lässt. Bald ist nicht mehr klar, wer wen kontrolliert und wie weit Rémy bereit ist zu gehen, um sein Ziel Irland zu erreichen. Denn nur dort, im „Land der Rothaarigen“, glaubt er, Erlösung finden zu können.
Roadmovie, Sozialdrama oder bissige Satire? Romain Gavras und sein Co-Autor Karim Boukercha wechseln im Verlauf der Reise nicht nur immer wieder das Alpha-Männchen in ihrer Erzählung, sondern auch die Art und Weise, wie sie den wachsenden Menschenhass ihrer beiden Protagonisten darstellen: mal erschreckend-brutal, dann wieder amüsant-verrückt. Obwohl sich weder Patrick noch Rémy als Sympathiefiguren für den Zuschauer eignen, bleibt ihr Trip bis zum überraschenden Ende interessant. Der Film taugt dabei ebenso als Parabel für die Ausgrenzung Einzelner aufgrund von Aussehen, Religion oder Herkunft, wie auch als ein Zeugnis der Manipulierbarkeit eines Menschen, der wie Rémy zutiefst verunsichert und sozial inkompetent ist.
Man kann „Our Day Will Come“ leicht Überspitzung und Realitätsferne vorwerfen. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Regisseur Gavras es eher wie die Filmfigur John Doe in „Sieben“ hält: „Wenn die Leute einem zuhören sollen, reicht es nicht, ihnen auf die Schulter zu tippen. Man muss sie mit einem Vorschlaghammer treffen. Erst dann können Sie sich ihrer Aufmerksamkeit gewiss sein.“ Im Falle von „Our Day Will Come“ hat Gavras dieses Ziel eindrucksvoll erreicht.
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Die DVD/BluRay bietet den Film in deutsch synchronisierter und französischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es ein erhellendes Making of, das zwar weniger die Produktion beleuchtet, dafür aber einige interessante Äußerungen von Setmitgliedern enthält, die auf Themen des Films Bezug nehmen. Ein weiteres Extra ist der hervorragende Trailer, der im Gegensatz zum heute üblichen Vorgehen nicht die gesamte Handlung verrät, sondern die bedrohliche Stimmung des Werks formidabel einfängt. „Our Day Will Come“ erscheint bei Universum Film/FilmFrontal und ist ab 21. September erhältlich. (Packshot: © Universum Film)
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