In filmischer Hinsicht war das Weihnachtsfest 2012 ein sehr blutiges: Am 27. Dezember mordete sich Elijah Wood als Frank alias Maniac im gleichnamigen Horrorfilm durch die Großstadt und skalpierte seine weiblichen Opfer nach Vollendung, um seine Schaufensterpuppen damit zu schmücken. Pünktlich zur Heimkinoveröffentlichung erscheint nun auch das Original von 1980 noch einmal auf DVD und Blu-ray.
So extrem abstoßend obige Inhaltsangabe klingt, so extrem waren auch die Reaktionen, als Regisseur William Lustig 1980 sein verstörendes Werk vorstellte. Joe Spinell („Der Pate II“, „Rocky“) verkörperte darin einen offensichtlich kranken Mann, der sein heruntergekommenes Appartement nur zur Jagd auf junge Frauen verlässt. Entstanden zur Hochzeit des damals neuen „Slasher“-Genres im Schatten von „Halloween“ (1978) und „Freitag, der 13.“ (1980), verstörte der Film vor allem aus zweierlei Gründen: Der beängstigend-intensiven Darstellung seines Hauptakteurs und dem Verzicht jeglicher ironischer Überzeichnung, die das Gezeigte als gruselig-spannende Unterhaltung hätte entschärfen können. Stattdessen war „Maniac“ eine bedrückende Reise in die kranke Psyche eines Wahnsinnigen, die fieserweise aufgrund der kompromisslosen Inszenierung den Zuschauer zu seinem Komplizen machte.
Franck Khalfoun („P2 – Schreie im Parkhaus“) perfektioniert diesen Aspekt in seiner Neuauflage (kompletter Titel: „Alexandre Ajas Maniac“): Seine Kamera blickt – bis auf eine Szene – ausschließlich vom Standpunkt des Täters auf das Geschehen und zeigt das Gesicht seines Hauptdarstellers nur in Reflektionen oder beim Blick in einen Spiegel. Optisch eine Meisterleistung, verlangt dieser Inszenierungsstil dem Publikum einiges ab. Auch, weil Elijah Wood nach „Sin City“ erneut beweist, dass er ein solches Monster sehr glaubhaft darstellen kann.
Was den Fan erfreut, bereitet den hiesigen Zensurbehörden jedoch schlaflose Nächte – nicht nur aufgrund der Thematik. So ist das Original von 1980 bis heute nur in einer gekürzten Fassung in Deutschland erhältlich und das Remake nur auf Nachfrage, quasi „unter der Ladentheke“, in seiner vollständigen Form zu erhalten (mehr dazu im Infoteil am Ende). Ersteres ist insofern auch aus künstlerischer Sicht bedauerlich, da Effektemeister Tom Savini für das Make-up und die Special Effects im ersten Film zuständig war (er stellt zudem das einzige männliche Opfer dar). Savini ist neben Stan Winston, Rob Bottin und Rick Baker der wohl bedeutendste Maskenbastler der vergangenen 35 Jahre und leistete hier offenbar derart gute Arbeit, dass sich unzählige Kritiker und Besucher 1980 gezwungen sahen, die laufenden Vorstellungen frühzeitig zu verlassen. Ihre deutlichen Worte zu „Maniac“ sind übrigens im Bonusmaterial der nun veröffentlichten DVD/Blu-ray zu finden. Zwar ist die Neuauflage nicht weniger brutal, allerdings sorgte der Film bei weitem nicht für solch Furore wie sein Vorgänger und durfte sogar beim prestigeträchtigen Filmfestival in Cannes gezeigt werden. Nur ein weiteres erfreuliches Beispiel dafür, dass auch der Horrorfilm inzwischen als anspruchsvolle Kunstform akzeptiert wird – außer eben in Deutschland.
„Maniac“ ist einer der seltenen Fälle, bei denen sowohl das Original als auch das Remake ebenbürtig erscheinen. Beide Filme präsentieren interessante/erschreckende Charakterstudien, punkten mit ungewöhnlicher Optik, herausragenden (Haupt-)Darstellerleistungen und atmosphärischer Musikuntermalung. „Maniac“ 2012 wagt zudem behutsame Aktualisierungen im Storyverlauf, ohne das inhaltliche Grundgerüst zu verfälschen und nutzt dabei ebenso zurückhaltend die Möglichkeiten der modernen Digitaltechnik, um den visualisierten Alptraum seines Protagonisten noch zu verstärken. Sicherlich besaß und besitzt „Maniac“ nicht ganz die psychologische Tiefe eines „Taxi Driver“, jenem Meisterwerk von Martin Scorsese aus dem Jahr 1976, das mit Travis Bickle die etwas verständnisvollere Form des geistig labilen Misanthropen präsentiert. Für Fans des anspruchsvollen Horrorfilms sind beide Versionen allerdings sehr zu empfehlen.
„Maniac“ (1980): Die DVD/Blu-ray bietet den gekürzten Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial sind ein neueres Interview mit dem Regisseur und einer Darstellerin enthalten sowie diverse Trailer. Zudem sind in einem siebenminütigen Clip diverse harsche Kritiken zusammengestellt. Da der Film bis heute in Deutschland beschlagnahmt ist, ist er lediglich in dieser um etwa fünf Minuten geschnittenen – aber immer noch halbwegs akzeptablen – Fassung erhältlich (siehe Abbildung oben). „Maniac“ erscheint bei Elite Film AG (Ascot Elite) und ist ab 4. Juli erhältlich. (Packshot: © Ascot Elite)
„Alexandre Ajas Maniac“ (2012): Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial sind ein Making of, Interviews und diverse Trailer enthalten. Es existiert eine gekürzte Fassung mit der Freigabe „ab 18“ sowie eine ungeschnittene Version mit den Vermerken „Uncut Version“ und „Cinema Extreme“ auf der Coverfront (siehe Abbildung oben). „Alexandre Ajas Maniac“ erscheint bei Elite Film AG (Ascot Elite) und ist seit 21. Mai erhältlich. (Packshot: © Ascot Elite)
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
Heimkino-Tipp: „Der Blender – The Imposter“ (2012)
Unsere Welt ist voll von Ereignissen und (wahren) Geschichten, die teilweise so abstrus und unmöglich klingen, dass man sie mühelos für ein Fantasieprodukt eines Drehbuchautoren halten könnte. Der diesjährige Oscar-Gewinner „Argo“ ist nur ein Beispiel dafür, wie unglaublich es manchmal im realen Leben zugehen kann. Bart Laytons herausragende Dokumentation „Der Blender – The Imposter“ fügt sich da mühelos mit ein.
Im Jahr 1994 verschwand im US-Bundesstaat Texas der 13-jährige Nicholas Barclay. Trotz intensiver Suche seitens der Behörden und Familie blieb der Junge unauffindbar. Drei Jahre später tauchte in Spanien ein Jugendlicher auf, der sich als Barclay ausgab und behauptete, von Menschenhändlern entführt und missbraucht worden zu sein. Seine eilig herbeigerufene Schwester bestätigte, dass es sich um den echten Nicholas handele und nahm ihn schließlich mit zurück ins heimatliche Amerika, wo er unter Tränen von seiner Familie am Flughafen in Empfang genommen wurde. Die mediale Aufmerksamkeit war dementsprechend groß und der Teenager daraufhin in zahlreichen TV-Talkrunden zu Gast, in denen er von seinen erschütternden Erlebnissen berichtete.
Dass dieser sehr viel älter aussehende Mann auffällig andere Gesichtszüge besaß, mit einem Akzent sprach und ganz offensichtlich schlecht gefärbte blonde Haare unter dem Basecap versteckte, verwunderte zwar viele, Zweifel an den Behauptungen von Nicholas blieben jedoch vorerst ungehört. Immerhin hatte er Personen auf Familienfotos richtig benannt und seine Schwester ihn als den echten Nick identifiziert. Nur: Er war es tatsächlich nicht.
Wer sich jetzt ärgern sollte, die scheinbare Auflösung des Films nun schon zu kennen, dem sei versichert: Regisseur Layton enthüllt den Falschspieler in seinem Film schon nach zehn Minuten. Der Hochstapler Frédéric Bourdin, der diese ganze Farce inszenierte, kommt selbst zu Wort und gesteht seine falsche Identität. Warum also noch die ganze Dokumentation schauen?
Layton macht den Zuschauer mit diesem Erzählkniff quasi zum Komplizen von Bourdin, den er im Laufe des Films immer wieder direkt mit dem Publikum mittels Close-ups kommunizieren lässt. Bourdin berichtet, mit welchen Tricks und Improvisationen es ihm gelang, sowohl die Behörden, als auch seine „Familie“ zu täuschen und wie bereitwillig scheinbar alle involvierten Personen seine Geschichte glaubten – allen voran seine „Angehörigen“. Erst als ein Privatdetektiv intensiver nachforschte, kam eine Wahrheit ans Licht, die das Lügengerüst von Bourdin zum Einsturz brachte – und weitere Geheimnisse enthüllte.
In Zeiten von sogenannten Mockumentarys wie „I’m still here“ (Joaquin Phoenix’ scheinbare Wandlung zum Rapmusiker) ist es schwer, zwischen Wahrheit und Fiktion in Dokumentationen zu unterscheiden. Auch Layton stiftet zunächst viel Verwirrung, mixt er seine Doku- doch auch mit nachgestellten Spielszenen, wobei teilweise sogar die Zeitzeugen selbst als Darsteller auftreten. Dies kombiniert der Film derart fließend und qualitativ gleichwertig, dass es leicht passieren kann, den Erzählungen des offensichtlichen und ja zu Beginn bereits entlarvten Lügners Bourdin zu verfallen. „Der Blender – The Imposter“ nutzt sämtliche Stilmittel des Films, um sein Publikum zu unterhalten, zu täuschen, zu manipulieren. Eines jeglichen Sicherheitsnetzes beraubt, ist der Zuschauer somit gezwungen, sich nur anhand der Fakten selbst ein Urteil zu bilden. Die Art und Weise, wie die einzelnen Personen, allen voran Bourdin, diese präsentieren, macht dies jedoch nicht einfach – und „Der Blender – The Imposter“ zu einem der faszinierendsten Filme der vergangenen Jahre. Außergewöhnlich!
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es einige kurze, aber informative Making of-Clips, die sich mit verschiedenen Aspekten der Produktion befassen. Mehrere Trailer ergänzen die zahlreichen Extras. „Der Blender – The Imposter“ erscheint bei Elite Film AG (Ascot Elite) und ist ab 4. Juli erhältlich. (Packshot: © Ascot Elite)
Im Jahr 1994 verschwand im US-Bundesstaat Texas der 13-jährige Nicholas Barclay. Trotz intensiver Suche seitens der Behörden und Familie blieb der Junge unauffindbar. Drei Jahre später tauchte in Spanien ein Jugendlicher auf, der sich als Barclay ausgab und behauptete, von Menschenhändlern entführt und missbraucht worden zu sein. Seine eilig herbeigerufene Schwester bestätigte, dass es sich um den echten Nicholas handele und nahm ihn schließlich mit zurück ins heimatliche Amerika, wo er unter Tränen von seiner Familie am Flughafen in Empfang genommen wurde. Die mediale Aufmerksamkeit war dementsprechend groß und der Teenager daraufhin in zahlreichen TV-Talkrunden zu Gast, in denen er von seinen erschütternden Erlebnissen berichtete.
Dass dieser sehr viel älter aussehende Mann auffällig andere Gesichtszüge besaß, mit einem Akzent sprach und ganz offensichtlich schlecht gefärbte blonde Haare unter dem Basecap versteckte, verwunderte zwar viele, Zweifel an den Behauptungen von Nicholas blieben jedoch vorerst ungehört. Immerhin hatte er Personen auf Familienfotos richtig benannt und seine Schwester ihn als den echten Nick identifiziert. Nur: Er war es tatsächlich nicht.
Wer sich jetzt ärgern sollte, die scheinbare Auflösung des Films nun schon zu kennen, dem sei versichert: Regisseur Layton enthüllt den Falschspieler in seinem Film schon nach zehn Minuten. Der Hochstapler Frédéric Bourdin, der diese ganze Farce inszenierte, kommt selbst zu Wort und gesteht seine falsche Identität. Warum also noch die ganze Dokumentation schauen?
Layton macht den Zuschauer mit diesem Erzählkniff quasi zum Komplizen von Bourdin, den er im Laufe des Films immer wieder direkt mit dem Publikum mittels Close-ups kommunizieren lässt. Bourdin berichtet, mit welchen Tricks und Improvisationen es ihm gelang, sowohl die Behörden, als auch seine „Familie“ zu täuschen und wie bereitwillig scheinbar alle involvierten Personen seine Geschichte glaubten – allen voran seine „Angehörigen“. Erst als ein Privatdetektiv intensiver nachforschte, kam eine Wahrheit ans Licht, die das Lügengerüst von Bourdin zum Einsturz brachte – und weitere Geheimnisse enthüllte.
In Zeiten von sogenannten Mockumentarys wie „I’m still here“ (Joaquin Phoenix’ scheinbare Wandlung zum Rapmusiker) ist es schwer, zwischen Wahrheit und Fiktion in Dokumentationen zu unterscheiden. Auch Layton stiftet zunächst viel Verwirrung, mixt er seine Doku- doch auch mit nachgestellten Spielszenen, wobei teilweise sogar die Zeitzeugen selbst als Darsteller auftreten. Dies kombiniert der Film derart fließend und qualitativ gleichwertig, dass es leicht passieren kann, den Erzählungen des offensichtlichen und ja zu Beginn bereits entlarvten Lügners Bourdin zu verfallen. „Der Blender – The Imposter“ nutzt sämtliche Stilmittel des Films, um sein Publikum zu unterhalten, zu täuschen, zu manipulieren. Eines jeglichen Sicherheitsnetzes beraubt, ist der Zuschauer somit gezwungen, sich nur anhand der Fakten selbst ein Urteil zu bilden. Die Art und Weise, wie die einzelnen Personen, allen voran Bourdin, diese präsentieren, macht dies jedoch nicht einfach – und „Der Blender – The Imposter“ zu einem der faszinierendsten Filme der vergangenen Jahre. Außergewöhnlich!
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es einige kurze, aber informative Making of-Clips, die sich mit verschiedenen Aspekten der Produktion befassen. Mehrere Trailer ergänzen die zahlreichen Extras. „Der Blender – The Imposter“ erscheint bei Elite Film AG (Ascot Elite) und ist ab 4. Juli erhältlich. (Packshot: © Ascot Elite)
„Olympus Has Fallen“ (Kinostart: 13. Juni 2013)
Nicht erst die vergangenen Wochen haben bewiesen, dass Amerika und seine Bewohner vor allem in Krisenzeiten stets enger zusammenrücken. Eine andere uramerikanische Tugend ist sicherlich auch der Wille, aus eigener Kraft jeglicher Bedrohung entschlossen entgegenzutreten – mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Insofern mögen Filme wie „Air Force One“ oder „Independence Day“ vom Rest der Welt vielleicht als ärgerlich patriotisch und unglaubhaft beschimpft werden. Für die amerikanische Seele hingegen sind sie Balsam. Mit „Olympus Has Fallen“ ergänzt Regisseur Antoine Fuqua („Training Day“) diesen streitbaren Filmkanon nun mit einem weiteren Werk und lässt einen Secret-Service-Agenten den US-Präsidenten im Alleingang retten.
In Washington, D.C. empfängt Staatsoberhaupt Asher (Aaron Eckhart) eine Delegation südkoreanischer Politiker, als ein Angriff auf das Weiße Haus die Gespräche abrupt unterbricht: Nordkoreanische Extremisten nehmen den Amtssitz in Besitz, Asher als Geisel und fordern geheime Codes, um die USA mit ihren eigenen Nuklearwaffen in die Steinzeit zurückzubomben. Allerdings haben sie die Rechnung ohne Mike Banning (Gerard Butler) gemacht, der sich in den engen Gängen der Machtzentrale den Terroristen in den Weg stellt.
„Olympus Has Fallen“ richtet sich vorbehaltlos an Actionfilm-Fans, die humor- und kompromisslose Unterhaltung der härteren Gangart bevorzugen. Fuqua hält sich nicht lang mit Inhalten auf, sondern startet von Minute eins an ein fulminantes Feuerwerk ohne überflüssige, optische Mätzchen. Ihm gelingt es sogar, den Hurra-Patriotismus auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben und seine prominenten Nebendarsteller (u.a. Morgan Freeman, Ashley Judd, Angela Bassett) angemessen in Szene zu setzen.
Tatsächlich hat Hollywood schon lange nicht mehr einen so geradlinigen Kracher präsentiert. Mal sehen, ob Roland Emmerich mit seinem inhaltlich fast identischen Konkurrenzprodukt „White House Down“ (Start: 5.9.) da mithalten kann.
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 5. Juni 2013.
In Washington, D.C. empfängt Staatsoberhaupt Asher (Aaron Eckhart) eine Delegation südkoreanischer Politiker, als ein Angriff auf das Weiße Haus die Gespräche abrupt unterbricht: Nordkoreanische Extremisten nehmen den Amtssitz in Besitz, Asher als Geisel und fordern geheime Codes, um die USA mit ihren eigenen Nuklearwaffen in die Steinzeit zurückzubomben. Allerdings haben sie die Rechnung ohne Mike Banning (Gerard Butler) gemacht, der sich in den engen Gängen der Machtzentrale den Terroristen in den Weg stellt.
„Olympus Has Fallen“ richtet sich vorbehaltlos an Actionfilm-Fans, die humor- und kompromisslose Unterhaltung der härteren Gangart bevorzugen. Fuqua hält sich nicht lang mit Inhalten auf, sondern startet von Minute eins an ein fulminantes Feuerwerk ohne überflüssige, optische Mätzchen. Ihm gelingt es sogar, den Hurra-Patriotismus auf ein erträgliches Maß zurückzuschrauben und seine prominenten Nebendarsteller (u.a. Morgan Freeman, Ashley Judd, Angela Bassett) angemessen in Szene zu setzen.
Tatsächlich hat Hollywood schon lange nicht mehr einen so geradlinigen Kracher präsentiert. Mal sehen, ob Roland Emmerich mit seinem inhaltlich fast identischen Konkurrenzprodukt „White House Down“ (Start: 5.9.) da mithalten kann.
Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 5. Juni 2013.
... im Nachgang: „Iron Man 3“ (Kinostart: 01.05.2013)
Ein wenig verspätet nun endlich das Pro und Contra zum neuesten Abenteuer des Blechmanns. Der Link zur Besprechung findet sich HIER.
Heimkino-Tipp: „The Awakening“ (2011)
Applaus, Mr. Nick Murphy! Sie haben mich in den ersten Minuten Ihres Mysterythrillers „The Awakening“ ganz schön an der Nase herumgeführt. Denn gleich die erste Szene lässt vermuten, dass auch Ihr Werk nur ein weiterer Vertreter der aktuellen Gruselfilmwelle ist und sämtliche Klischees bedient: ein dunkler Raum, eine Geisterbeschwörung, eine seltsame Gestalt im Hintergrund. Pustekuchen! Alles Budenzauber, der von Scharlatanen inszeniert wurde. Wenn dies ein Kommentar zu Ihrem eigenen Berufsstand sein sollte, bravo! Aber auch wenn es nur als Ouvertüre dient, gelungen ist der Einstand allemal.
London, 1921: Die Dame, die den soeben erlebten Schwindel in einem Hinterzimmer auffliegen lässt, ist die äußerst selbstbewusst auftretende Florence (Rebecca Hall). Die erfolgreiche Buchautorin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die unzähligen „Geisterseher“ und „Medien“, die behaupten, Kontakt mit den im Ersten Weltkrieg gefallenen Familienangehörigen ihrer Mitmenschen aufnehmen zu können, als Betrüger zu entlarven. Dazu nutzt sie wissenschaftliche Apparate und einfachste Hilfsmittel der Kriminalistik, die sie bisher immer zum Erfolg geführt haben. Eines Tages bittet sie der Internatsleiter Robert (Dominic West), den Todesfall und die Geistererscheinungen in seiner abgelegenen Schule zu untersuchen. Überzeugt, auch dort schnell den Hokuspokus-Schwindel aufdecken zu können, reist sie auf das riesige Anwesen – und stößt mit ihren Methoden schon bald an ihre Grenzen.
Regisseur Murphy und sein Co-Autor Stephen Volk erzählen „The Awakening“ zunächst komplett aus dem Blickwinkel einer Zweiflerin. Dass Florence passend zur Rolle der Frau in den 1920er-Jahren zudem sehr modern und emanzipiert auftritt, erhöht ihre Glaubwürdigkeit und schafft Vertrauen beim Publikum. Rebecca Hall spielt diese aparte Lady gleichsam temperamentvoll wie verletzlich und zeigt einmal mehr, was für eine tolle Aktrice sie ist. Mit dem Wechsel des Handlungsortes von der Großstadt auf das ruhige Land fügen Murphy und Volk der Geschichte allerdings weitere Charaktere hinzu, deren Sonderbarkeit schon beim ersten Auftreten erkennbar ist. Besonders auffällig ist dabei Imelda Staunton, bekannt aus den „Harry Potter“-Filmen, die als Hausmutter Maud Hill zwangsläufig in Verdacht gerät, etwas zu verbergen. So großartig Staunton als Schauspielerin auch ist, ihr Casting für diese Rolle schadet dem Film mehr als es ihm nützt.
Nichtsdestotrotz gelingt es „The Awakening“, kontinuierlich an der Spannungsschraube zu drehen, da mit dem wiederholten Scheitern von Florences’ Apparaturen auch die Gewissheit beim Zuschauer wächst, dass es sich hierbei tatsächlich um etwas Übernatürliches handelt. Erfreulicherweise verzichtet Murphy auf allzu bekannte Stilmittel und versteckt stattdessen immer wieder kleine Hinweise in den aufwendigen, wirklich schönen Sets. Die fallen vielleicht beim ersten Schauen nicht gleich auf. Werden sie jedoch erkannt, sorgen sie für wohligen Grusel. So sei an dieser Stelle beispielsweise auf die Kamerafahrt am Mittagstisch verwiesen, bei der über alle Kinder der Schule geschwenkt wird und eines scheinbar kein Gesicht besitzt. Oder ist dies nur eine weitere falsche Fährte?
Natürlich wird die Auflösung nicht verraten, allerdings komm ich nicht umhin, die Wendung am Ende zu bedauern. Sie wirkt im Gegensatz zum Rest des Films zu gefällig, zu gewöhnlich, schlichtweg angepasst, um wirklich zu begeistern. Überraschend ja, kreativ nein. Was bleibt, ist ein handwerklich solider, in der Hauptrolle differenziert gespielter und mit wunderschönen Sets ausgestatteter Film, der am Ende inhaltlich leider etwas schwächelt. Ergo: Kein Meisterwerk, aber gute Unterhaltung.
Die Blu-ray/DVD bietet den Film in englischer Originalversion und in deutsch synchronisierter Fassung sowie deutsche Untertitel. Als Extras bieten beide Scheiben Interviewclips mit Cast & Crew, einen Blick hinter die Kulissen sowie Trailer. „The Awakening – Geister der Vergangenheit“ erscheint bei Universum Film GmbH und ist ab 7. Juni erhältlich. (Packshot: © Universum Film GmbH)
London, 1921: Die Dame, die den soeben erlebten Schwindel in einem Hinterzimmer auffliegen lässt, ist die äußerst selbstbewusst auftretende Florence (Rebecca Hall). Die erfolgreiche Buchautorin hat es sich zur Aufgabe gemacht, die unzähligen „Geisterseher“ und „Medien“, die behaupten, Kontakt mit den im Ersten Weltkrieg gefallenen Familienangehörigen ihrer Mitmenschen aufnehmen zu können, als Betrüger zu entlarven. Dazu nutzt sie wissenschaftliche Apparate und einfachste Hilfsmittel der Kriminalistik, die sie bisher immer zum Erfolg geführt haben. Eines Tages bittet sie der Internatsleiter Robert (Dominic West), den Todesfall und die Geistererscheinungen in seiner abgelegenen Schule zu untersuchen. Überzeugt, auch dort schnell den Hokuspokus-Schwindel aufdecken zu können, reist sie auf das riesige Anwesen – und stößt mit ihren Methoden schon bald an ihre Grenzen.
Regisseur Murphy und sein Co-Autor Stephen Volk erzählen „The Awakening“ zunächst komplett aus dem Blickwinkel einer Zweiflerin. Dass Florence passend zur Rolle der Frau in den 1920er-Jahren zudem sehr modern und emanzipiert auftritt, erhöht ihre Glaubwürdigkeit und schafft Vertrauen beim Publikum. Rebecca Hall spielt diese aparte Lady gleichsam temperamentvoll wie verletzlich und zeigt einmal mehr, was für eine tolle Aktrice sie ist. Mit dem Wechsel des Handlungsortes von der Großstadt auf das ruhige Land fügen Murphy und Volk der Geschichte allerdings weitere Charaktere hinzu, deren Sonderbarkeit schon beim ersten Auftreten erkennbar ist. Besonders auffällig ist dabei Imelda Staunton, bekannt aus den „Harry Potter“-Filmen, die als Hausmutter Maud Hill zwangsläufig in Verdacht gerät, etwas zu verbergen. So großartig Staunton als Schauspielerin auch ist, ihr Casting für diese Rolle schadet dem Film mehr als es ihm nützt.
Nichtsdestotrotz gelingt es „The Awakening“, kontinuierlich an der Spannungsschraube zu drehen, da mit dem wiederholten Scheitern von Florences’ Apparaturen auch die Gewissheit beim Zuschauer wächst, dass es sich hierbei tatsächlich um etwas Übernatürliches handelt. Erfreulicherweise verzichtet Murphy auf allzu bekannte Stilmittel und versteckt stattdessen immer wieder kleine Hinweise in den aufwendigen, wirklich schönen Sets. Die fallen vielleicht beim ersten Schauen nicht gleich auf. Werden sie jedoch erkannt, sorgen sie für wohligen Grusel. So sei an dieser Stelle beispielsweise auf die Kamerafahrt am Mittagstisch verwiesen, bei der über alle Kinder der Schule geschwenkt wird und eines scheinbar kein Gesicht besitzt. Oder ist dies nur eine weitere falsche Fährte?
Natürlich wird die Auflösung nicht verraten, allerdings komm ich nicht umhin, die Wendung am Ende zu bedauern. Sie wirkt im Gegensatz zum Rest des Films zu gefällig, zu gewöhnlich, schlichtweg angepasst, um wirklich zu begeistern. Überraschend ja, kreativ nein. Was bleibt, ist ein handwerklich solider, in der Hauptrolle differenziert gespielter und mit wunderschönen Sets ausgestatteter Film, der am Ende inhaltlich leider etwas schwächelt. Ergo: Kein Meisterwerk, aber gute Unterhaltung.
Die Blu-ray/DVD bietet den Film in englischer Originalversion und in deutsch synchronisierter Fassung sowie deutsche Untertitel. Als Extras bieten beide Scheiben Interviewclips mit Cast & Crew, einen Blick hinter die Kulissen sowie Trailer. „The Awakening – Geister der Vergangenheit“ erscheint bei Universum Film GmbH und ist ab 7. Juni erhältlich. (Packshot: © Universum Film GmbH)
Heimkino-Tipp: „Zwei sind nicht zu bremsen“ (1978)
In den vergangenen Monaten veröffentlichte 3L bereits sechs der bekanntesten Streifen des beliebten Duos Bud Spencer und Terence Hill auf Blu-ray. Mit „Zwei sind nicht zu bremsen“ folgt nun die vorerst letzte HD-Neuverwertung, abermals bestückt mit einem informativen Booklet und – im Gegensatz zur DVD – der englischen Originaltonspur.
Wie etliche andere Filme der beiden Haudegen in den 1970er- und 1980er-Jahren entstand auch „Zwei sind nicht zu bremsen“ in Miami/Florida. Zwischen schönen Menschen und sonnigen Schauplätzen sind Johnny (Hill) und Charlie (Spencer) hier einem Gangsterboss auf den Fersen, der mit illegalem Glücksspiel bereits etliche Matrosen der Navy in den Ruin getrieben hat. Bevor es jedoch zur gemeinsamen Verbrecherjagd kommt, muss Johnny seinen Bruder zunächst davon überzeugen, bei dem Unternehmen mitzumachen. Dazu verspielt er mal eben den Truck des ehemaligen Profizockers, sodass Charlie aus Geldnot nichts anderes übrigbleibt, als Johnny zu unterstützen – sei es mit Fachwissen am Pokertisch oder fliegenden Fäusten.
Die Komödie stellt die erste Zusammenarbeit zwischen Spencer/Hill und Regisseur Sergio Corbucci dar. Später folgten mit „Der Supercop“ (1980, Hill solo) sowie „Zwei Asse trumpfen auf“ (1981, Besprechung HIER) noch weitere Erfolgsfilme des Teams. Neben gewohnt amüsanten Prügeleien, die zugegebenermaßen manchmal etwas holprig in die Handlung eingebaut werden, punktet „Zwei sind nicht zu bremsen“ aber vor allem mit einer Unmenge an überdrehten und treffsicheren Dialogen. Auch wenn Spencer in der deutschen Version seine etwas weniger bekannte – aber trotzdem passende – Stimme von Martin Hirthe erhielt (am häufigsten synchronisierte Wolfgang Hess Bud Spencer): Die vielen kleinen, teilweise hinzugedichteten Punchlines in der deutschen Version sind zum Schreien komisch und zählen noch heute mit zum Besten, was den beiden je in den Mund gelegt wurde. Mag der Film an manchen Stellen auch ins Alberne abdriften, der Spaß, den Spencer und Hill während der Dreharbeiten hatten, ist unübersehbar und überträgt sich schon nach wenigen Filmminuten auf den Zuschauer.
Dazu trägt sicherlich auch die gute Qualität der Blu-ray bei, in der zudem ehemals fehlende Szenen wieder eingefügt sind. Angesichts des Filmalters eine überzeugende Veröffentlichung.
Die Blu-ray präsentiert den Film in deutscher und englischer Sprachfassung (mit deutschen Untertiteln). Als Extras gibt es diverse Trailer und in der Erstauflage ein Booklet mit Hintergrundinfos zur Entstehung. „Zwei sind nicht zu bremsen“ erscheint bei 3L Vertriebs GmbH & Co. KG und ist seit 17. Mai erhältlich. (Packshot: © 3L)
Wie etliche andere Filme der beiden Haudegen in den 1970er- und 1980er-Jahren entstand auch „Zwei sind nicht zu bremsen“ in Miami/Florida. Zwischen schönen Menschen und sonnigen Schauplätzen sind Johnny (Hill) und Charlie (Spencer) hier einem Gangsterboss auf den Fersen, der mit illegalem Glücksspiel bereits etliche Matrosen der Navy in den Ruin getrieben hat. Bevor es jedoch zur gemeinsamen Verbrecherjagd kommt, muss Johnny seinen Bruder zunächst davon überzeugen, bei dem Unternehmen mitzumachen. Dazu verspielt er mal eben den Truck des ehemaligen Profizockers, sodass Charlie aus Geldnot nichts anderes übrigbleibt, als Johnny zu unterstützen – sei es mit Fachwissen am Pokertisch oder fliegenden Fäusten.
Die Komödie stellt die erste Zusammenarbeit zwischen Spencer/Hill und Regisseur Sergio Corbucci dar. Später folgten mit „Der Supercop“ (1980, Hill solo) sowie „Zwei Asse trumpfen auf“ (1981, Besprechung HIER) noch weitere Erfolgsfilme des Teams. Neben gewohnt amüsanten Prügeleien, die zugegebenermaßen manchmal etwas holprig in die Handlung eingebaut werden, punktet „Zwei sind nicht zu bremsen“ aber vor allem mit einer Unmenge an überdrehten und treffsicheren Dialogen. Auch wenn Spencer in der deutschen Version seine etwas weniger bekannte – aber trotzdem passende – Stimme von Martin Hirthe erhielt (am häufigsten synchronisierte Wolfgang Hess Bud Spencer): Die vielen kleinen, teilweise hinzugedichteten Punchlines in der deutschen Version sind zum Schreien komisch und zählen noch heute mit zum Besten, was den beiden je in den Mund gelegt wurde. Mag der Film an manchen Stellen auch ins Alberne abdriften, der Spaß, den Spencer und Hill während der Dreharbeiten hatten, ist unübersehbar und überträgt sich schon nach wenigen Filmminuten auf den Zuschauer.
Dazu trägt sicherlich auch die gute Qualität der Blu-ray bei, in der zudem ehemals fehlende Szenen wieder eingefügt sind. Angesichts des Filmalters eine überzeugende Veröffentlichung.
Die Blu-ray präsentiert den Film in deutscher und englischer Sprachfassung (mit deutschen Untertiteln). Als Extras gibt es diverse Trailer und in der Erstauflage ein Booklet mit Hintergrundinfos zur Entstehung. „Zwei sind nicht zu bremsen“ erscheint bei 3L Vertriebs GmbH & Co. KG und ist seit 17. Mai erhältlich. (Packshot: © 3L)
... im Nachgang: „Dead Man Down“ (Kinostart: 04.04.2013)
Der dänische „Verblendung“-Regisseur legt seinen ersten Hollywood-Streifen vor. Und HIER gibt es meine Meinung dazu.
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