Mississippi Grind
Die Geschichte des spielsüchtigen, überschuldeten und bei einem Pokergame auf das letzte Quäntchen Glück hoffenden Verlierers ist schon oft erzählt worden. Dass der neue Film des Regie-Duos Anna Boden & Ryan Fleck („Half Nelson“, 2006) trotz bekannter Story einen Blick lohnt, ist vor allem drei Dingen zu verdanken: den beiden Hauptdarstellern Ben Mendelsohn und Ryan Reynolds sowie der angenehm relaxten und gleichsam atmosphärischen Inszenierung.
Die zwei Protagonisten Gerry (Mendelsohn) und Curtis (Reynolds) lernen sich – wie sollte es anders sein – an einem Pokertisch kennen. Der Abend endet mit einem gemeinsamen Barbesuch und schon am nächsten Morgen ist sich der notorische Spieler Gerry sicher: Curtis ist der Glücksbringer, auf den er so lange gewartet hat. Mit dem Jungspund an seiner Seite könnte er es schaffen, das ‚ganz große Ding‘ zu gewinnen und seine immensen Schulden endlich zu begleichen. Tatsächlich willigt Curtis ein und so begeben sich die neuen Freunde auf einen Road-Trip quer durch Amerika mit Ziel New Orleans. Ihre gemeinsame Reise hält jedoch nicht nur einige familiäre Überraschungen bereit.
Der größte Pluspunkt für „Dirty Trip“: Gerry und Curtis sind durch und durch sympathische Figuren. Klar, jeder hat sein Päckchen zu tragen und tut Dinge, die nicht immer zum Wohle Dritter geschehen. Doch weder dem Einzelgänger Gerry noch dem Frauenhelden Curtis wird eine übermäßig dunkle Charakterseite angedichtet, um unglaubwürdige Konflikte vom Zaun zu brechen. Stattdessen verlassen sich die Regisseure auf ihr fabelhaftes Drehbuch und ihre großartigen Darsteller, die einerseits wunderbar miteinander harmonieren, andererseits die Schwächen und Sehnsüchte ihrer charmanten Figuren quasi nebenbei aus dem Ärmel schütteln, als gäbe es vor der Kamera nichts Leichteres.
Mit Witz, Können und Spielfreude gelingt es Mendelsohn und Ryan bzw. Boden und Fleck so, aus einer vertrauten und an sich wendungsarmen Geschichte einen ganz besonderen Streifen zu machen, der selbst Poker-und Casino-Unkundige wie mich dazu bringt, die Sessellehne zu zerkratzen, wenn Gerry am Spieltisch mal wieder sagt: „All in!“
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Extras befinden sich kurze Hinter-den-Kulissen-Clips und ein Interview mit Ryan Reynolds auf den Discs, die ihren Werbecharakter allerdings nur schwer verbergen können. Eine Trailershow rundet das Paket ab. „Dirty Trip – Mississippi Grind“ erscheint bei Elite Film AG (Ascot Elite) und ist seit 1. Dezember 2015 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © Ascot Elite)
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
Heimkino-Tipp: „Gefühlt Mitte Zwanzig“ (2014)
Forever Young
Manche Regisseure/innen arbeiten derart häufig mit einem bestimmten Schauspieler/einer Aktrice zusammen, dass es sofort auffällt, wenn ein Film mit dieser Vertrautheit bricht. So sah man den Wirbelwind Greta Gerwig in den vergangenen Jahren vor allem in Werken von Noah Baumbach („Frances Ha“, ab 10.12. „Misstress America“), dessen „Gefühlt Mitte Zwanzig“, entstanden 2014, muss jedoch ohne sie auskommen. Für adäquaten Ersatz ist allerdings gleich in vierfacher Hinsicht gesorgt: Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried und Adam Driver sind die Hauptdarsteller in seiner Generationen-Komödie, in der ein junges Paar das geordnete, ereignisarme Leben eines etwas älteren Paares auf den Kopf stellt.
Josh (Stiller) und Cornelia (Watts), knapp über 40, wohnen in Brooklyn und sind in ihrem Freundeskreis die einzigen, die sich gegen Nachwuchs entschieden haben. Auch wenn es nur subtil geschieht: Die Ausgrenzung von all den scheinbar glücklichen Neu-Eltern in ihrem Umfeld macht den beiden doch sehr zu schaffen. Da kommt ihnen die Bekanntschaft mit Jamie (Driver) und Darby (Seyfried) ganz gelegen: das Hipster-Paar ist jung, dynamisch, voller Energie und so herrlich unkompliziert. Schnell entwickelt sich eine angenehme Vertrautheit und „die Alten“ fühlen sich wie befreit. Ihr Leben ist plötzlich wieder spannend, aufregend und unbegrenzt wie lange nicht mehr – bis Josh eines Tages ein unschöner Verdacht kommt.
Alt trifft auf Jung, konservative Moralvorstellungen treffen auf Revoluzzertum – die Prämisse von „Gefühlt Mitte Zwanzig“ weckt Erwartungen, die Regisseur Baumbach mit Absicht nur halbherzig erfüllt. Denn wer etwas mit seiner Arbeit vertraut ist, kann erahnen, dass er dieses Aufeinandertreffen der Generationen statt für billige Kalauer lieber für einige tiefgründige Betrachtungen zum Zustand unserer Gesellschaft nutzt. Das mag manchmal etwas bemüht wirken, in großen Teilen jedoch ist es amüsant und unterhaltsam inszeniert. So auch in „Gefühlt Mitte Zwanzig“: Manche Dialoge wirken zu lang und zu verkopft, um glaubhaft zu sein. Wahrhaftig jedoch sind sie allemal. Baumbach erweist sich einmal mehr als genauer Beobachter menschlicher Eigenschaften und Befindlichkeiten, die er stets respektvoll und doch ironisch thematisiert. Ob Handygebrauch, modische Accessoires oder bevorzugtes Unterhaltungsmedium: Wenn der ältere Josh abends die gängigen Online-Plattformen nach einem Film durchsucht während der jüngere Jamie ganz oldschool eine Videokassette einlegt, ist das eine wunderbare Umkehrung von Vorurteilen, die zum Lachen und zum Nachdenken anregt.
In der zweiten Hälfte nimmt „Gefühlt Mitte Zwanzig“ dann eine unerwartete Wendung, die dem Film und den Charakteren neue Facetten entlockt und dabei das zuvor Komödiantische zunehmend mit bitterer Ironie ersetzt. Wie oben bereits angedeutet, verläuft dieser Übergang inhaltlich aber nicht ohne Schlaglöcher. Vor allem die Figur der Darby kristallisiert sich immer mehr als für die Handlung überflüssiges schönes Beiwerk heraus, was Baumbach kongenial gleich selbst durch ihre Stimme kundtut: „Es ist wie beim Trampen: Nur Jamie allein würdest du nicht mitnehmen. Wenn ich jedoch daneben stehe, hältst du an.“
Wer derart selbstsicher und -ironisch unterwegs ist, hat echt was drauf. Noah Baumbach ist so ein kleines Regiewunder, das manchmal sehr an Woody Allen erinnert – im Guten wie im Schlechten. „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ist dafür ein fabelhaftes Beispiel.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche und englische Untertitel. Unter den Extras finden sich drei kurze Dokus zu unterschiedlichen Aspekten der Produktion sowie Interviews und Trailer. „Gefühlt Mitte Zwanzig“ erscheint bei universum film/SquareOne Entertainment und ist seit 4. Dezember 2015 erhältlich (Packshot + stills: © Universum Film).
Manche Regisseure/innen arbeiten derart häufig mit einem bestimmten Schauspieler/einer Aktrice zusammen, dass es sofort auffällt, wenn ein Film mit dieser Vertrautheit bricht. So sah man den Wirbelwind Greta Gerwig in den vergangenen Jahren vor allem in Werken von Noah Baumbach („Frances Ha“, ab 10.12. „Misstress America“), dessen „Gefühlt Mitte Zwanzig“, entstanden 2014, muss jedoch ohne sie auskommen. Für adäquaten Ersatz ist allerdings gleich in vierfacher Hinsicht gesorgt: Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried und Adam Driver sind die Hauptdarsteller in seiner Generationen-Komödie, in der ein junges Paar das geordnete, ereignisarme Leben eines etwas älteren Paares auf den Kopf stellt.
Josh (Stiller) und Cornelia (Watts), knapp über 40, wohnen in Brooklyn und sind in ihrem Freundeskreis die einzigen, die sich gegen Nachwuchs entschieden haben. Auch wenn es nur subtil geschieht: Die Ausgrenzung von all den scheinbar glücklichen Neu-Eltern in ihrem Umfeld macht den beiden doch sehr zu schaffen. Da kommt ihnen die Bekanntschaft mit Jamie (Driver) und Darby (Seyfried) ganz gelegen: das Hipster-Paar ist jung, dynamisch, voller Energie und so herrlich unkompliziert. Schnell entwickelt sich eine angenehme Vertrautheit und „die Alten“ fühlen sich wie befreit. Ihr Leben ist plötzlich wieder spannend, aufregend und unbegrenzt wie lange nicht mehr – bis Josh eines Tages ein unschöner Verdacht kommt.
Alt trifft auf Jung, konservative Moralvorstellungen treffen auf Revoluzzertum – die Prämisse von „Gefühlt Mitte Zwanzig“ weckt Erwartungen, die Regisseur Baumbach mit Absicht nur halbherzig erfüllt. Denn wer etwas mit seiner Arbeit vertraut ist, kann erahnen, dass er dieses Aufeinandertreffen der Generationen statt für billige Kalauer lieber für einige tiefgründige Betrachtungen zum Zustand unserer Gesellschaft nutzt. Das mag manchmal etwas bemüht wirken, in großen Teilen jedoch ist es amüsant und unterhaltsam inszeniert. So auch in „Gefühlt Mitte Zwanzig“: Manche Dialoge wirken zu lang und zu verkopft, um glaubhaft zu sein. Wahrhaftig jedoch sind sie allemal. Baumbach erweist sich einmal mehr als genauer Beobachter menschlicher Eigenschaften und Befindlichkeiten, die er stets respektvoll und doch ironisch thematisiert. Ob Handygebrauch, modische Accessoires oder bevorzugtes Unterhaltungsmedium: Wenn der ältere Josh abends die gängigen Online-Plattformen nach einem Film durchsucht während der jüngere Jamie ganz oldschool eine Videokassette einlegt, ist das eine wunderbare Umkehrung von Vorurteilen, die zum Lachen und zum Nachdenken anregt.
In der zweiten Hälfte nimmt „Gefühlt Mitte Zwanzig“ dann eine unerwartete Wendung, die dem Film und den Charakteren neue Facetten entlockt und dabei das zuvor Komödiantische zunehmend mit bitterer Ironie ersetzt. Wie oben bereits angedeutet, verläuft dieser Übergang inhaltlich aber nicht ohne Schlaglöcher. Vor allem die Figur der Darby kristallisiert sich immer mehr als für die Handlung überflüssiges schönes Beiwerk heraus, was Baumbach kongenial gleich selbst durch ihre Stimme kundtut: „Es ist wie beim Trampen: Nur Jamie allein würdest du nicht mitnehmen. Wenn ich jedoch daneben stehe, hältst du an.“
Wer derart selbstsicher und -ironisch unterwegs ist, hat echt was drauf. Noah Baumbach ist so ein kleines Regiewunder, das manchmal sehr an Woody Allen erinnert – im Guten wie im Schlechten. „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ist dafür ein fabelhaftes Beispiel.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche und englische Untertitel. Unter den Extras finden sich drei kurze Dokus zu unterschiedlichen Aspekten der Produktion sowie Interviews und Trailer. „Gefühlt Mitte Zwanzig“ erscheint bei universum film/SquareOne Entertainment und ist seit 4. Dezember 2015 erhältlich (Packshot + stills: © Universum Film).
... im Nachgang: „Spectre“ (Kinostart: 5. November 2015)
Das 24. Abenteuer des britischen Doppel-Null-Agenten James Bond lässt weltweit die Kassen klingeln. Mein Fazit zum Film findet sich HIER (von mir stammt der Contra-Teil des Textes ).
(Plakat: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH)
(Plakat: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH)
Heimkino-Tipp: „The Railway Man“ (2013)
A Single Man
Manchmal verwundert es schon, wie lange qualitativ hochwertige Filme „auf Halde“ liegen, bevor sie unter anderem in Deutschland zu sehen sind. „The Railway Man“ ist so ein Fall: mit Colin Firth, Nicole Kidman sowie Stellan Skarsgård in den Hauptrollen überaus prominent besetzt, kommt das Drama in politisch und gesellschaftlich turbulenten Zeiten wie diesen jedoch nun gerade recht.
Basierend auf den Memoiren des Schotten Eric Lomax, einem Veteranen des Zweiten Weltkriegs, wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der dank der späten Liebe zu einer Frau lernt, sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen. Konkret jenen Ereignissen, die ihm und seinen Kameraden in jungen Jahren in japanischer Kriegsgefangenschaft widerfahren sind.
Für Eric (Firth) und seinen Freund Finlay (Skarsgård) waren das ‚Wegsperren‘ der Erinnerungen sowie die stille ‚Nicht-darüber-Reden‘-Vereinbarung bisher die besten Wege, die schlimmen Dinge von einst zu verdrängen. Als Eric eines Tages Patti (Kidman) kennenlernt und bald darauf heiratet, funktioniert diese Taktik nicht mehr. Zu oft sieht sie ihren Mann zusammenbrechen, hört ihn schweigen, dem Thema ausweichen. Um ihn und ihre Ehe zu retten, drängt sie Finlay dazu, sich ihr zu öffnen. Allerdings geht er noch einen Schritt weiter: Ihm gelingt es, Erics noch lebenden Folterer ausfindig zu machen. Mit einem Messer im Gepäck begibt sich Eric schließlich zurück nach Thailand, um seinem Peiniger 40 Jahre später gegenüberzutreten.
Rache? Vergebung? Anklage? Wie Eric selbst weiß auch der Zuschauer lange nicht, welchen Weg der gescholtene Ex-Häftling einschlagen wird, wenn er auf seinen einstigen Bewacher trifft. Bis es zu dieser Begegnung kommt, konzentriert sich Regisseur Jonathan Teplitzky auf das Innenleben seines gebrochenen Helden und zeigt nach einer charmanten, aber leider viel zu kurzen Exposition, bei der sich Eric und Patti näherkommen, dessen täglichen Kampf mit nie verheilten seelischen Wunden. Die großartige Kameraarbeit von Garry Phillips (siehe ebenso „Candy – Reise der Engel“, 2006) unterstreicht diese Szenen mit bedeutungsschwangeren Bildausschnitten und Blickwinkeln, während es hinter der meist regungslosen Fassade Firths’ brodelt und kocht. Ganz ganz wunderbar!
Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann ist es die Entscheidung der Filmemacher, einen elementaren Teil der Geschichte, die sich zwischen Eric und seinem alten Gegner (Hiroyuki Sanada) abspielt, auszusparen. Ohne die Storyüberraschung an dieser Stelle preiszugeben: Es gibt für beide ein Leben vor ihrer Begegnung und ein anderes danach. Aber gerade jene Dinge, die dazwischen geschehen, sind das Besondere und waren wahrscheinlich auch der Grund für alle Beteiligten, an „The Railway Man“ mitzuwirken. Gezeigt werden sie nicht. Das frustriert ein wenig, ändert jedoch nichts an der Aussage des Films, die – wie oben bereits erwähnt – gerade in stürmischen Zeiten wie diesen, die von weltweitem Terror, von Kriegen, Flucht, Vertreibung, Gewalt und Vorurteilen geprägt sind, sehr relevant ist.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es ein Making of, einen Audiokommentar sowie Trailer. „The Railway Man“ erscheint bei Koch Media und ist seit 26. November 2015 erhältlich. (Packshot + stills: © Koch Films/ Koch Media GmbH)
Manchmal verwundert es schon, wie lange qualitativ hochwertige Filme „auf Halde“ liegen, bevor sie unter anderem in Deutschland zu sehen sind. „The Railway Man“ ist so ein Fall: mit Colin Firth, Nicole Kidman sowie Stellan Skarsgård in den Hauptrollen überaus prominent besetzt, kommt das Drama in politisch und gesellschaftlich turbulenten Zeiten wie diesen jedoch nun gerade recht.
Basierend auf den Memoiren des Schotten Eric Lomax, einem Veteranen des Zweiten Weltkriegs, wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der dank der späten Liebe zu einer Frau lernt, sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen. Konkret jenen Ereignissen, die ihm und seinen Kameraden in jungen Jahren in japanischer Kriegsgefangenschaft widerfahren sind.
Für Eric (Firth) und seinen Freund Finlay (Skarsgård) waren das ‚Wegsperren‘ der Erinnerungen sowie die stille ‚Nicht-darüber-Reden‘-Vereinbarung bisher die besten Wege, die schlimmen Dinge von einst zu verdrängen. Als Eric eines Tages Patti (Kidman) kennenlernt und bald darauf heiratet, funktioniert diese Taktik nicht mehr. Zu oft sieht sie ihren Mann zusammenbrechen, hört ihn schweigen, dem Thema ausweichen. Um ihn und ihre Ehe zu retten, drängt sie Finlay dazu, sich ihr zu öffnen. Allerdings geht er noch einen Schritt weiter: Ihm gelingt es, Erics noch lebenden Folterer ausfindig zu machen. Mit einem Messer im Gepäck begibt sich Eric schließlich zurück nach Thailand, um seinem Peiniger 40 Jahre später gegenüberzutreten.
Rache? Vergebung? Anklage? Wie Eric selbst weiß auch der Zuschauer lange nicht, welchen Weg der gescholtene Ex-Häftling einschlagen wird, wenn er auf seinen einstigen Bewacher trifft. Bis es zu dieser Begegnung kommt, konzentriert sich Regisseur Jonathan Teplitzky auf das Innenleben seines gebrochenen Helden und zeigt nach einer charmanten, aber leider viel zu kurzen Exposition, bei der sich Eric und Patti näherkommen, dessen täglichen Kampf mit nie verheilten seelischen Wunden. Die großartige Kameraarbeit von Garry Phillips (siehe ebenso „Candy – Reise der Engel“, 2006) unterstreicht diese Szenen mit bedeutungsschwangeren Bildausschnitten und Blickwinkeln, während es hinter der meist regungslosen Fassade Firths’ brodelt und kocht. Ganz ganz wunderbar!
Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann ist es die Entscheidung der Filmemacher, einen elementaren Teil der Geschichte, die sich zwischen Eric und seinem alten Gegner (Hiroyuki Sanada) abspielt, auszusparen. Ohne die Storyüberraschung an dieser Stelle preiszugeben: Es gibt für beide ein Leben vor ihrer Begegnung und ein anderes danach. Aber gerade jene Dinge, die dazwischen geschehen, sind das Besondere und waren wahrscheinlich auch der Grund für alle Beteiligten, an „The Railway Man“ mitzuwirken. Gezeigt werden sie nicht. Das frustriert ein wenig, ändert jedoch nichts an der Aussage des Films, die – wie oben bereits erwähnt – gerade in stürmischen Zeiten wie diesen, die von weltweitem Terror, von Kriegen, Flucht, Vertreibung, Gewalt und Vorurteilen geprägt sind, sehr relevant ist.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es ein Making of, einen Audiokommentar sowie Trailer. „The Railway Man“ erscheint bei Koch Media und ist seit 26. November 2015 erhältlich. (Packshot + stills: © Koch Films/ Koch Media GmbH)
Heimkino-Tipp: „Hedi Schneider steckt fest“ (2015)
Ausgetanzt
„Ich selbst habe eine Zeit lang unter einer Angst- und Panikstörung gelitten.“ Keine Frage, der neue Film von Sonja Heiss, „Hedi Schneider steckt fest“, ist ein sehr persönliches Werk. Das macht die Regisseurin in einem Begleitwort zu ihrem irgendwo zwischen Tragikomödie und Familiendrama angesiedeltem kleinen Schmuckstück sehr deutlich. Der passende 90-Minüter zur Herbstdepression sozusagen – und doch so leichtfüßig und unaufdringlich wie ein warmer Sommerregen.
Doch genug der sprachlichen Bilder! Was zählt, is’ auf’fer Leinwand. Und das ist bemerkenswert: Laura Tonke („Pigs will fly“, „Im Schwitzkasten“) spielt die lebenslustige Protagonistin Hedi, die ihrem grummeligen Kollegen ebenso ungezwungen und sympathisch-frech begegnet wie der perplexen Stimme vom Notdienst, den sie beim Ausfall des Bürofahrstuhls anruft. Zuhause ist sie gleichsam verspielte Mutter für Finn (Leander Nitsche) wie sexy Ehefrau für Uli (Hans Löw) und mit ihrem Leben so wie es ist eigentlich zufrieden. Bis sie eines Abends eine Panikattacke hat. Die weitet sich in den kommenden Tagen zu einer handfesten Krise aus und schon bald ist an einen ‚normalen‘ Familienalltag nicht mehr zu denken. Als sich Hedis Zustand nach wochenlanger Krankschreibung nicht bessert und Uli daraufhin ein lukratives Jobangebot ausschlagen muss, steht die Beziehung der beiden sowie ihre gesamte gemeinsame Zukunft plötzlich auf der Kippe.
Um der Gefahr des, nennen wir es abwertend „Depri-Kinos“ zu entgehen, wartet Sonja Heiss gleich mit zwei Jokern auf: einer äußerst sympathischen Hauptfigur und einer Darstellerin, die diese Person mit Charme, Mut und bemerkenswert unangestrengt zum Leben erweckt: Laura Tonke. So viele Jahre ist die gebürtige Berlinerin nun schon im Filmbusiness aktiv und hat in unzähligen Rollen ihr Können bewiesen. Diese Hedi Schneider aber könnte nun ihr Meisterstück sein. Tonke gelingt es vorzüglich, diese Frau, deren Leben sukzessive auseinanderfällt, verletzlich und doch würdevoll darzustellen. Ihre Hedi ist speziell und eigensinnig und doch niemals unsympathisch oder egoistisch. Eine außergewöhnliche Leistung, zumal der Film mit der Glaubwürdigkeit dieser Figur steht und fällt.
Ein weiterer Trumpf des Drehbuchs von Heiss ist zudem, dass sie ihrer kleinen, hier präsentierten Familie nichts Überkonstruiertes oder Abenteuerliches vor die Füße wirft. Nein, der äußerliche Alltag der drei ändert sich kaum, währenddessen es im inneren Kreis jedoch immer mehr zu Brodeln beginnt. Die schleichenden Veränderungen geschehen lediglich im Zusammenleben und verdeutlichen sehr präzise die Zerbrechlichkeit einer zuvor scheinbar stabilen und glücklichen Ehe. „Ich wollte von der Fragilität einer großen Liebe erzählen, indem ich sie durch die plötzliche Schwächung einer der Liebenden in ein gefährliches Ungleichgewicht bringe.“, sagt Heiss im Presseheft zum Film. „Immerhin ist der Mensch, den man liebte, respektierte, bewunderte irgendwie weg. Da ist jetzt jemand, der seine Stärke, seinen Mut, seinen Intellekt, seine Neugier, seinen Humor, seine Empathie, seine Körperlichkeit verloren hat.“
Was also tun und wie darauf reagieren? Heiss verweigert sich erfreulicherweise einfachen Lösungsvorschlägen, wie sie beispielsweise Hedis Mann (Selbsttherapie im U-Bahnhof) oder ihre Mutter („kalt duschen, viel essen“) vorschlagen. Stattdessen gibt es die bedrückende Erkenntnis, dass eine psychische Erkrankung, so wie Hedi sie überkommt, jeden jederzeit und überall treffen kann. Egal ob Griesgram oder Gute-Laune-Mensch, der Abgrund, an dem sich unsere optimierten, durchorganisierten und auf ständiges Funktionieren ausgerichteten Leben entlang hangeln, ist nah – und verdammt tief.
Der Film erscheint auf DVD/Blu-ray in deutscher Sprachfassung mit optionalen deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte sowie einer Audiodeskription für Sehbehinderte. Als Extras gibt es gelöschte und verpatzte Szenen sowie Trailer. „Hedi Schneider steckt fest“ erscheint bei Pandora Filmverleih/Alive und ist ab 27. November erhältlich. (Packshot + stills: © Komplizen Film/Pandora Filmverleih)
„Ich selbst habe eine Zeit lang unter einer Angst- und Panikstörung gelitten.“ Keine Frage, der neue Film von Sonja Heiss, „Hedi Schneider steckt fest“, ist ein sehr persönliches Werk. Das macht die Regisseurin in einem Begleitwort zu ihrem irgendwo zwischen Tragikomödie und Familiendrama angesiedeltem kleinen Schmuckstück sehr deutlich. Der passende 90-Minüter zur Herbstdepression sozusagen – und doch so leichtfüßig und unaufdringlich wie ein warmer Sommerregen.
Doch genug der sprachlichen Bilder! Was zählt, is’ auf’fer Leinwand. Und das ist bemerkenswert: Laura Tonke („Pigs will fly“, „Im Schwitzkasten“) spielt die lebenslustige Protagonistin Hedi, die ihrem grummeligen Kollegen ebenso ungezwungen und sympathisch-frech begegnet wie der perplexen Stimme vom Notdienst, den sie beim Ausfall des Bürofahrstuhls anruft. Zuhause ist sie gleichsam verspielte Mutter für Finn (Leander Nitsche) wie sexy Ehefrau für Uli (Hans Löw) und mit ihrem Leben so wie es ist eigentlich zufrieden. Bis sie eines Abends eine Panikattacke hat. Die weitet sich in den kommenden Tagen zu einer handfesten Krise aus und schon bald ist an einen ‚normalen‘ Familienalltag nicht mehr zu denken. Als sich Hedis Zustand nach wochenlanger Krankschreibung nicht bessert und Uli daraufhin ein lukratives Jobangebot ausschlagen muss, steht die Beziehung der beiden sowie ihre gesamte gemeinsame Zukunft plötzlich auf der Kippe.
Um der Gefahr des, nennen wir es abwertend „Depri-Kinos“ zu entgehen, wartet Sonja Heiss gleich mit zwei Jokern auf: einer äußerst sympathischen Hauptfigur und einer Darstellerin, die diese Person mit Charme, Mut und bemerkenswert unangestrengt zum Leben erweckt: Laura Tonke. So viele Jahre ist die gebürtige Berlinerin nun schon im Filmbusiness aktiv und hat in unzähligen Rollen ihr Können bewiesen. Diese Hedi Schneider aber könnte nun ihr Meisterstück sein. Tonke gelingt es vorzüglich, diese Frau, deren Leben sukzessive auseinanderfällt, verletzlich und doch würdevoll darzustellen. Ihre Hedi ist speziell und eigensinnig und doch niemals unsympathisch oder egoistisch. Eine außergewöhnliche Leistung, zumal der Film mit der Glaubwürdigkeit dieser Figur steht und fällt.
Ein weiterer Trumpf des Drehbuchs von Heiss ist zudem, dass sie ihrer kleinen, hier präsentierten Familie nichts Überkonstruiertes oder Abenteuerliches vor die Füße wirft. Nein, der äußerliche Alltag der drei ändert sich kaum, währenddessen es im inneren Kreis jedoch immer mehr zu Brodeln beginnt. Die schleichenden Veränderungen geschehen lediglich im Zusammenleben und verdeutlichen sehr präzise die Zerbrechlichkeit einer zuvor scheinbar stabilen und glücklichen Ehe. „Ich wollte von der Fragilität einer großen Liebe erzählen, indem ich sie durch die plötzliche Schwächung einer der Liebenden in ein gefährliches Ungleichgewicht bringe.“, sagt Heiss im Presseheft zum Film. „Immerhin ist der Mensch, den man liebte, respektierte, bewunderte irgendwie weg. Da ist jetzt jemand, der seine Stärke, seinen Mut, seinen Intellekt, seine Neugier, seinen Humor, seine Empathie, seine Körperlichkeit verloren hat.“
Was also tun und wie darauf reagieren? Heiss verweigert sich erfreulicherweise einfachen Lösungsvorschlägen, wie sie beispielsweise Hedis Mann (Selbsttherapie im U-Bahnhof) oder ihre Mutter („kalt duschen, viel essen“) vorschlagen. Stattdessen gibt es die bedrückende Erkenntnis, dass eine psychische Erkrankung, so wie Hedi sie überkommt, jeden jederzeit und überall treffen kann. Egal ob Griesgram oder Gute-Laune-Mensch, der Abgrund, an dem sich unsere optimierten, durchorganisierten und auf ständiges Funktionieren ausgerichteten Leben entlang hangeln, ist nah – und verdammt tief.
Der Film erscheint auf DVD/Blu-ray in deutscher Sprachfassung mit optionalen deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte sowie einer Audiodeskription für Sehbehinderte. Als Extras gibt es gelöschte und verpatzte Szenen sowie Trailer. „Hedi Schneider steckt fest“ erscheint bei Pandora Filmverleih/Alive und ist ab 27. November erhältlich. (Packshot + stills: © Komplizen Film/Pandora Filmverleih)
Heimkino-Tipp: „Trash“ (2014)
Paradise Lost
Die Assoziationen liegen auf der Hand: Wer nach dem achtfachen(!) Oscar-Preisträger „Slumdog Millionär“ einen Film über das abenteuerliche Leben von Kids aus einem Favela präsentiert, muss sich zwangsläufig mit Danny Boyles Meisterwerk messen lassen. Sein britischer Landsmann Stephen Daldry, selbst bereits drei Mal für einen der begehrten Goldjungen nominiert (u.a. für „Der Vorleser“), ging das Wagnis ein, reiste ans andere Ende der Welt und legt mit „Trash“ nun einen Streifen vor, der der fiebrigen Energie von Boyles Werk, dessen Realitätsnähe und dem Spagat zwischen Unterhaltung und Anklage ins nichts nachsteht.
Der 14-jährige Rafael (Rickson Tevez) und seine Freunde Gardo (Eduardo Luis) und Rato (Gabriel Weinstein) leben in der Nähe einer riesigen Müllhalde in Rio de Janeiro, auf der sie als Sammler versuchen, ein wenig Geld zu verdienen. Eines Tages findet er ein Portemonnaie, das der wohlhabende José (Wagner Moura) kurz vor seiner Verhaftung auf einen Mülltransporter geworfen hat. Es dauert nicht lang, und die Polizei erscheint vor Ort, um die kleine Ledertasche an sich zu nehmen – falls sie sie aufspüren. Rafael jedoch ahnt, dass er etwas Außergewöhnliches in den Händen hält und beginnt, den Notizen und Hinweisen, die er im Portemonnaie entdeckt, zu folgen. Ein gefährliches Unterfangen, denn das Leben eines schwarzen Waisen ist in seinem Land offenbar nicht viel wert.
Sonnenschein, starke, kräftige Farben und lebenslustige Jungs, die trotz ihres bescheidenen Daseins nie den Optimismus verlieren: Was wie ein Gute-Laune-Film aussieht, ist unter seiner schön anzusehenden Oberfläche ein brutal-anklagendes Statement gegen Korruption, Machtgier und staatliche Willkür. Ungeschönt, drastisch und in Teilen gar dokumentarisch anmutend begleitet „Trash“ die Odyssee dreier Kinder, die in einer scheinbar erbarmungslosen, unerbittlichen Welt aufwachsen müssen und dabei zufällig ins Visier von Verbrechern im Auftrag des Staates gelangen. Einzig das Zuhause von Pater Juilliard (Martin Sheen) und seiner Assistentin Olivia (Rooney Mara), die ehrenamtlich vor Ort tätig sind, sind für die Jungs kleine Oasen des Friedens, die ihnen wenig später jedoch ebenso unbarmherzig genommen werden sollen.
Bei aller Tragik und Scheußlichkeit gelingt es Daldry aber dennoch, auch einen packenden Thriller zu kreieren, der Sozialkritik mit Spannung und Action zu würzen weiß. Anspruchsvolles Unterhaltungskino also, das einen erhellenden Blick auf eine Welt abseits unserer Vorzüge hier in Europa zeigt und daran erinnert, wie wichtig es ist, die Hoffnung auf ein besseres Leben nie aufzugeben.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter, in englischer und in mehrsprachiger Originalsprachfassung. Untertitel, u.a. deutsch und englisch, sind vorhanden, Bonusmaterial hingegen nicht. „Trash“ erscheint bei Universal Pictures Germany GmbH und ist seit 29. Oktober 2015 erhältlich. (Packshot: © Universal Pictures)
Die Assoziationen liegen auf der Hand: Wer nach dem achtfachen(!) Oscar-Preisträger „Slumdog Millionär“ einen Film über das abenteuerliche Leben von Kids aus einem Favela präsentiert, muss sich zwangsläufig mit Danny Boyles Meisterwerk messen lassen. Sein britischer Landsmann Stephen Daldry, selbst bereits drei Mal für einen der begehrten Goldjungen nominiert (u.a. für „Der Vorleser“), ging das Wagnis ein, reiste ans andere Ende der Welt und legt mit „Trash“ nun einen Streifen vor, der der fiebrigen Energie von Boyles Werk, dessen Realitätsnähe und dem Spagat zwischen Unterhaltung und Anklage ins nichts nachsteht.
Der 14-jährige Rafael (Rickson Tevez) und seine Freunde Gardo (Eduardo Luis) und Rato (Gabriel Weinstein) leben in der Nähe einer riesigen Müllhalde in Rio de Janeiro, auf der sie als Sammler versuchen, ein wenig Geld zu verdienen. Eines Tages findet er ein Portemonnaie, das der wohlhabende José (Wagner Moura) kurz vor seiner Verhaftung auf einen Mülltransporter geworfen hat. Es dauert nicht lang, und die Polizei erscheint vor Ort, um die kleine Ledertasche an sich zu nehmen – falls sie sie aufspüren. Rafael jedoch ahnt, dass er etwas Außergewöhnliches in den Händen hält und beginnt, den Notizen und Hinweisen, die er im Portemonnaie entdeckt, zu folgen. Ein gefährliches Unterfangen, denn das Leben eines schwarzen Waisen ist in seinem Land offenbar nicht viel wert.
Sonnenschein, starke, kräftige Farben und lebenslustige Jungs, die trotz ihres bescheidenen Daseins nie den Optimismus verlieren: Was wie ein Gute-Laune-Film aussieht, ist unter seiner schön anzusehenden Oberfläche ein brutal-anklagendes Statement gegen Korruption, Machtgier und staatliche Willkür. Ungeschönt, drastisch und in Teilen gar dokumentarisch anmutend begleitet „Trash“ die Odyssee dreier Kinder, die in einer scheinbar erbarmungslosen, unerbittlichen Welt aufwachsen müssen und dabei zufällig ins Visier von Verbrechern im Auftrag des Staates gelangen. Einzig das Zuhause von Pater Juilliard (Martin Sheen) und seiner Assistentin Olivia (Rooney Mara), die ehrenamtlich vor Ort tätig sind, sind für die Jungs kleine Oasen des Friedens, die ihnen wenig später jedoch ebenso unbarmherzig genommen werden sollen.
Bei aller Tragik und Scheußlichkeit gelingt es Daldry aber dennoch, auch einen packenden Thriller zu kreieren, der Sozialkritik mit Spannung und Action zu würzen weiß. Anspruchsvolles Unterhaltungskino also, das einen erhellenden Blick auf eine Welt abseits unserer Vorzüge hier in Europa zeigt und daran erinnert, wie wichtig es ist, die Hoffnung auf ein besseres Leben nie aufzugeben.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter, in englischer und in mehrsprachiger Originalsprachfassung. Untertitel, u.a. deutsch und englisch, sind vorhanden, Bonusmaterial hingegen nicht. „Trash“ erscheint bei Universal Pictures Germany GmbH und ist seit 29. Oktober 2015 erhältlich. (Packshot: © Universal Pictures)
Heimkino-Tipp: „Kiss the Cook“ (2014)
Soul Food
Zu Beginn ein gutgemeinter Rat, um nicht ähnlich unschönes Magenknurren durchstehen zu müssen wie der Autor dieser Zeilen: diesen Film bitte nur nach dem Essen genießen – oder zumindest während des Schauens einen leckeren Snack in Reichweite haben. Andernfalls wird „Kiss the Cook“ eine Geduldsprobe.
Denn was Regisseur/Autor/Hauptdarsteller Jon Favreau hier auftischt, ist Kino für die Seele und – zumindest optisch – für den Gaumen. Zwar scheint zunächst angesichts der unzähligen TV-Shows zum Thema das Anliegen, einen Film über einen Koch und seine Künste zu inszenieren, ziemlich überflüssig. Favreau jedoch macht daraus eine luftig-leichte, amüsante und herzerwärmende Familiengeschichte, in der das Kochen und das gemeinsame Genießen zu sinnlichen, beziehungsstiftenden Erfahrungen werden. Und damit kredenzt er viel mehr, als es jeder Koch-Soap im Fernsehen jemals gelingen wird.
Im Mittelpunkt steht der geschiedene Gourmetkoch Carl (Favreau), der sich ausgerechnet am Tag des Besuchs eines einflussreichen Restaurantkritikers mit seinem Chef überwirft und dem Laden den Rücken kehrt. Nachdem ihm dann auch noch jener Kritiker in Grund und Boden schreibt, braucht Carl eine Auszeit – und verwirklicht sich einen lang gehegten Traum: er eröffnet einen Food-Truck, der ihm erlaubt, endlich nur das aufzutischen, worauf er Lust hat. Zusammen mit seinem Kumpel Martin (John Leguizamo) und seinem kleinen Sohn Percy (Emjay Anthony), der die Sommerferien bei ihm verbringt, fährt das Trio quer durchs Land und hat schon bald in etlichen Städten viele Fans.
Wer Favreau nur als den Mann hinter Blockbustern wie „Iron Man“ oder „Cowboys & Aliens“ kennt, wird sich womöglich wundern: „Kiss the Cook“ (OT: „Chef“) ist nämlich eine waschechte Independent-Filmperle. Ein Schritt zurück sozusagen, denn die Karriere des heute 49-Jährigen nahm im Programmkino einst ihren Anfang. Ob als Autor und Darsteller im großartigen „Swingers“ oder als Gaststar in diversen TV-Serien wie „Chicago Hope“ und „Monk“: Favreau hat quasi ‚ganz unten‘ begonnen und weiß, dass Bombast und Effekte im Kino nicht alles sind. Stattdessen verwöhnt er sein Publikum diesmal mit frechen Wortgefechten und relaxten Auftritten zahlreicher Hollywood-Stars, denen die Ungezwungenheit und der Spaß sichtlich anzumerken ist: Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Robert Downey Jr., Sofia Vergara und Oliver Platt sind nur einige von vielen bekannten Gesichtern, die in mehr oder minder großen Rollen mitwirken.
Das Herzstück jedoch ist die Vater-Sohn-Geschichte zwischen Carl und Percy: Der Alte unerfahren in Erziehungsfragen, der Junge zunächst desinteressiert an der Arbeit seines Vaters, die er für dessen häufiges Fehlen verantwortlich macht. Also tobt sich der Kleine in sozialen Netzwerken aus, während sein Paps ihn am liebsten gleich wieder bei der Mutter abliefern würde. Zuzusehen, wie diese beiden gegensätzlichen Charaktere auf ihrer Reise zusammenwachsen und dabei die Welt des anderen zu schätzen lernen, ist eine wahre Freude.
Wenn dazu noch hier und da ein paar freche Seitenhiebe auf das Filmbiz, rücksichtloses Fan-Verhalten und überhebliche Kritiker (ja, auch ich bin damit gemeint!) eingestreut werden, bekommt diese Komödie neben den ohnehin vielen kulinarischen Tipps und Empfehlungen richtig Pfeffer – und macht aus „Kiss the Cook“ schlicht und einfach einen großartigen, empfehlenswerten Film. Guten Appetit!
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Im Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Jon Favreau, geschnittene Szenen, Trailer und ein paar Interviewschnipsel. „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben!“ erscheint bei Koch Media und ist seit 22. Oktober 2015 erhältlich. (Packshot + stills: © Koch Media GmbH)
Zu Beginn ein gutgemeinter Rat, um nicht ähnlich unschönes Magenknurren durchstehen zu müssen wie der Autor dieser Zeilen: diesen Film bitte nur nach dem Essen genießen – oder zumindest während des Schauens einen leckeren Snack in Reichweite haben. Andernfalls wird „Kiss the Cook“ eine Geduldsprobe.
Denn was Regisseur/Autor/Hauptdarsteller Jon Favreau hier auftischt, ist Kino für die Seele und – zumindest optisch – für den Gaumen. Zwar scheint zunächst angesichts der unzähligen TV-Shows zum Thema das Anliegen, einen Film über einen Koch und seine Künste zu inszenieren, ziemlich überflüssig. Favreau jedoch macht daraus eine luftig-leichte, amüsante und herzerwärmende Familiengeschichte, in der das Kochen und das gemeinsame Genießen zu sinnlichen, beziehungsstiftenden Erfahrungen werden. Und damit kredenzt er viel mehr, als es jeder Koch-Soap im Fernsehen jemals gelingen wird.
Im Mittelpunkt steht der geschiedene Gourmetkoch Carl (Favreau), der sich ausgerechnet am Tag des Besuchs eines einflussreichen Restaurantkritikers mit seinem Chef überwirft und dem Laden den Rücken kehrt. Nachdem ihm dann auch noch jener Kritiker in Grund und Boden schreibt, braucht Carl eine Auszeit – und verwirklicht sich einen lang gehegten Traum: er eröffnet einen Food-Truck, der ihm erlaubt, endlich nur das aufzutischen, worauf er Lust hat. Zusammen mit seinem Kumpel Martin (John Leguizamo) und seinem kleinen Sohn Percy (Emjay Anthony), der die Sommerferien bei ihm verbringt, fährt das Trio quer durchs Land und hat schon bald in etlichen Städten viele Fans.
Wer Favreau nur als den Mann hinter Blockbustern wie „Iron Man“ oder „Cowboys & Aliens“ kennt, wird sich womöglich wundern: „Kiss the Cook“ (OT: „Chef“) ist nämlich eine waschechte Independent-Filmperle. Ein Schritt zurück sozusagen, denn die Karriere des heute 49-Jährigen nahm im Programmkino einst ihren Anfang. Ob als Autor und Darsteller im großartigen „Swingers“ oder als Gaststar in diversen TV-Serien wie „Chicago Hope“ und „Monk“: Favreau hat quasi ‚ganz unten‘ begonnen und weiß, dass Bombast und Effekte im Kino nicht alles sind. Stattdessen verwöhnt er sein Publikum diesmal mit frechen Wortgefechten und relaxten Auftritten zahlreicher Hollywood-Stars, denen die Ungezwungenheit und der Spaß sichtlich anzumerken ist: Dustin Hoffman, Scarlett Johansson, Robert Downey Jr., Sofia Vergara und Oliver Platt sind nur einige von vielen bekannten Gesichtern, die in mehr oder minder großen Rollen mitwirken.
Das Herzstück jedoch ist die Vater-Sohn-Geschichte zwischen Carl und Percy: Der Alte unerfahren in Erziehungsfragen, der Junge zunächst desinteressiert an der Arbeit seines Vaters, die er für dessen häufiges Fehlen verantwortlich macht. Also tobt sich der Kleine in sozialen Netzwerken aus, während sein Paps ihn am liebsten gleich wieder bei der Mutter abliefern würde. Zuzusehen, wie diese beiden gegensätzlichen Charaktere auf ihrer Reise zusammenwachsen und dabei die Welt des anderen zu schätzen lernen, ist eine wahre Freude.
Wenn dazu noch hier und da ein paar freche Seitenhiebe auf das Filmbiz, rücksichtloses Fan-Verhalten und überhebliche Kritiker (ja, auch ich bin damit gemeint!) eingestreut werden, bekommt diese Komödie neben den ohnehin vielen kulinarischen Tipps und Empfehlungen richtig Pfeffer – und macht aus „Kiss the Cook“ schlicht und einfach einen großartigen, empfehlenswerten Film. Guten Appetit!
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Im Bonusmaterial gibt es einen Audiokommentar von Jon Favreau, geschnittene Szenen, Trailer und ein paar Interviewschnipsel. „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben!“ erscheint bei Koch Media und ist seit 22. Oktober 2015 erhältlich. (Packshot + stills: © Koch Media GmbH)
Abonnieren
Posts (Atom)


















