Walking on the Moon
Manchmal kriegst Du es knüppeldick: Jesse O’Brien beispielsweise versuchte jahrelang, genug Geld für eine Spielfilmversion seines Kurzfilms „Arrowhead: Signal“ (2012) zusammenzukratzen. Eine Crowdfounding-Kampagne scheiterte, dafür sprang ein kleiner australischer Science-Fiction-Kanal ein und unterstützte das Projekt. Zumindest solange, bis jener Kanal selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Die Arbeiten gingen trotzdem weiter, obwohl ein noch viel nervigeres Problem am Drehort auf das Team warten sollte: eine Fliegenplage sondergleichen. Falls es Ziel der Viecher war, Teil des Films zu werden: Mission erfolgreich abgeschlossen!
Da möchte man fast Mitleid mit Regisseur O’Brien und seinen Helfern vor und hinter der Kamera haben. So viel Herzblut, so viel Vorlaufzeit, und doch so bescheiden das Endprodukt. Das liegt nicht unbedingt nur an den fliegenden Biestern, die – ganz eindeutig ungeplant – in jedes Kostüm hineinkrabbeln, sondern vor allem an der Tatsache, dass viel Mühe und Arbeit nur halb so viel wert sind, wenn Kreativität und Ideenreichtum fehlen. „Arrowhead“ möchte, zumindest inhaltlich, ein Hybrid aus „Der Marsianer“, „Pitch Black“, „Moon“ sowie „Alien“ sein. Doch passiert leider in 99 Minuten Laufzeit zu wenig, um diese Vergleiche zu rechtfertigen.
Irgendwann in der Zukunft: Kye (Dan Mor) wird während einer Revolte aus einem Straflager befreit und vom Rebellenführer Hatch (Mark Redpath) gebeten, eine Mission zu erfüllen. Doch Kyes Raumschiff stürzt auf einen fremden Mond und er ist fortan auf sich allein gestellt. Zwar findet er bald darauf in der Biologin Tarren (Aleisha Rose) eine Mitstreiterin. Doch seltsame Veränderungen an Kyes Körper und bedrohliche Geräusche eines unbekannten Wesens sorgen dafür, dass an ein entspanntes Chillen mit der Schönen nicht zu denken ist.
Budget-bedingt reduziert auf wenige Locations, punktet „Arrowhead“ zunächst mit nicht perfekten, aber doch überzeugenden visuellen Effekten. Dazu ein charismatischer Hauptdarsteller, der neben allerhand Muskeln ebenso schauspielerisches Talent besitzt und trotz einer nur diffusen Charakterisierung als Sympathiefigur durchgeht. Das war es dann aber auch schon auf der Haben-Seite. Denn darüber hinaus bietet „Arrowhead“ leider nichts Aufregendes. Die physischen Veränderungen Kyes dauern sehr lange an, seine inneren, mentalen Kämpfe mit Einsamkeit und Angst werden lediglich angedeutet, und sein kleiner technischer Begleiter, eine Art H.A.L. -Ersatz, nervt mit jeder Wortmeldung mehr. Zumal dessen Daseinsberechtigung einzig darin zu bestehen scheint, in einer erzählerischen Sackgasse die Handlung mit einer überraschenden Enthüllung in eine neue Richtung zu lenken.
Fazit: „Arrowhead“ ist bis zum letzten Frame vollgepumpt mit Engagement und Willen, einen guten und tiefgründigen Science-Fiction-Film abzuliefern. So sehr ich dies schätze und bewundere, für einen abendfüllenden Spielfilm reicht es angesichts der dünnen und vorhersehbaren Story noch nicht.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung. Untertitel sind leider keine vorhanden. Als Bonus sind ein kurzes Making of sowie ein Trailer beigefügt. „Arrowhead“ erscheint bei Cherrybomb Films und ist seit 29. Januar 2016 erhältlich. (Packshot: © Cherrybomb Films)
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
„Creed“ (Kinostart: 14. Januar 2016)
The Fighter(s)
Ziemlich genau 40 Jahre ist es her, dass Sylvester Stallone als Darsteller und Autor des Films „Rocky“ (1976) zum neuen Star in Hollywood aufstieg. Das Boxer-Drama bescherte ihm zwei Oscar-Nominierungen („Bester Hauptdarsteller“, Bestes Drehbuch“) und gilt in den Augen vieler Fans und Kritiker als seine beste Arbeit. Und nun das: Nach unzähligen Schmäh-Preisen (u.a. im Jahr 2000 der Razzie Award als „Schlechtester Schauspieler des Jahrhunderts“) darf sich Sly momentan über nicht enden wollendes Lob und einen Preisregen, unter anderem einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung als „Bester Nebendarsteller“, für seinen Auftritt in „Creed“ freuen – dem inoffiziellen siebenten Teil der „Rocky“-Reihe. Zu Recht? Zu Recht!
Ob es daran liegt, dass Stallone erstmalig weder das Skript verfasst noch auf dem Regiestuhl Platz genommen hat? Tatsächlich ist er lediglich in einer Nebenrolle zu sehen, denn „Creed“ erzählt die Geschichte eines Anderen: Adonis Johnson (klasse: Michael B. Jordan), unehelicher Sohn von Rockys einstigem Gegner und späteren Freund, dem verstorbenen Apollo Creed. Dessen Witwe (Phylicia Rashad, bekannt aus der „Bill Cosby Show“) holt den aggressiven Jungen aus dem Heim zu sich nach Hause, verhilft ihm zu Bildung und Karriere, und akzeptiert seither widerwillig seine Ausflüge in drittklassige Boxklubs, wo er sich an Wochenenden gern duelliert. Doch der Kerl will mehr: Adonis kündigt seinen Job, lässt den Wohlstand hinter sich und beginnt in Philadelphia, professionell zu trainieren. Sein Mentor: Rocky Balboa (Sylvester Stallone), der mit seinem Restaurant eigentlich genug Arbeit hat, von der Hartnäckigkeit des jungen Talents jedoch derart beeindruckt ist, dass er den Kochlöffel ein letztes (?) Mal gegen den Sandsack eintauscht.
Inhaltlich zumindest in der ersten Hälfte nicht weit entfernt von Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ (2004), ist „Creed“ all das, was Stallone 2006 mit Teil 6 der Saga, „Rocky Balboa“, nur ansatzweise gelang: ein würdiger Abschluss und der Beginn eines neuen, vielversprechenden Kapitels. Garniert mit zarten Anspielungen an die Vorgängerfilme, verbeugt sich Regisseur Ryan Coogler vor der Ikone Rocky/Stallone und hat gleichzeitig den Mut, mit Witz und Chuzpe den alten Knacker aufs Korn zu nehmen. Sly ist cool und selbstironisch genug, diesen Weg mitzugehen und dem Dreamteam Coogler/Jordan, die zusammen bereits den großartigen „Fruitvale Station“ (2013, Rezension siehe HIER) kreierten, Raum und Bühne zu überlassen. Das Schönste dabei: Stallone verzichtete im Gegensatz zu seinen „Expendables“-Auftritten darauf, sein Gesicht und seine Muskelberge mit ‚Hilfsmitteln‘ aufzuhübschen. Stattdessen sieht man den 69-Jährigen in einer Rolle, die seinem Alter angemessen erscheint. Selten wirkte der Über-Star derart menschlich, glaubhaft, echt – und spielte so gut.
Der Ex-„Rambo“-Darsteller ist jedoch nicht der einzige Hingucker: Jordan alias Adonis spielt sich im wahrsten Sinne des Wortes um Kopf und Kragen (physisch wie psychisch), der Soundtrack von Ludwig Göransson („New Girl“) ist angenehm lässig und die Kameraarbeit von Maryse Alberti („The Wrestler“) sorgt für Schnappatmung. Oder anders formuliert: Wer lange Steadycam-Aufnahmen mag, wird diesen Film lieben! Keine Ahnung, wie sie das fabriziert haben, aber wer einen kompletten Boxkampf vom Eintritt in den Ring bis zum finalen Gong ohne Schnitt filmt, ist ein verdammtes Genie!
Groß war meine Skepsis, ob „Creed“ nicht nur ein weiterer Versuch sei, ein erfolgreiches Franchise mit einer halbgaren Geschichte nachzuerzählen. Das Gegenteil ist der Fall: Mit frischen Ideen, einer packenden Erzählweise und viel Tiefgang, der Stallone zu einer seiner besten Leistungen als Darsteller animiert, ist dieser Film einer der ersten großen Kinohöhepunkte 2016. Angucken, mitfiebern, glücklich sein!
(Plakat: © 2015 Warner Bros. Pictures)
Ziemlich genau 40 Jahre ist es her, dass Sylvester Stallone als Darsteller und Autor des Films „Rocky“ (1976) zum neuen Star in Hollywood aufstieg. Das Boxer-Drama bescherte ihm zwei Oscar-Nominierungen („Bester Hauptdarsteller“, Bestes Drehbuch“) und gilt in den Augen vieler Fans und Kritiker als seine beste Arbeit. Und nun das: Nach unzähligen Schmäh-Preisen (u.a. im Jahr 2000 der Razzie Award als „Schlechtester Schauspieler des Jahrhunderts“) darf sich Sly momentan über nicht enden wollendes Lob und einen Preisregen, unter anderem einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung als „Bester Nebendarsteller“, für seinen Auftritt in „Creed“ freuen – dem inoffiziellen siebenten Teil der „Rocky“-Reihe. Zu Recht? Zu Recht!
Ob es daran liegt, dass Stallone erstmalig weder das Skript verfasst noch auf dem Regiestuhl Platz genommen hat? Tatsächlich ist er lediglich in einer Nebenrolle zu sehen, denn „Creed“ erzählt die Geschichte eines Anderen: Adonis Johnson (klasse: Michael B. Jordan), unehelicher Sohn von Rockys einstigem Gegner und späteren Freund, dem verstorbenen Apollo Creed. Dessen Witwe (Phylicia Rashad, bekannt aus der „Bill Cosby Show“) holt den aggressiven Jungen aus dem Heim zu sich nach Hause, verhilft ihm zu Bildung und Karriere, und akzeptiert seither widerwillig seine Ausflüge in drittklassige Boxklubs, wo er sich an Wochenenden gern duelliert. Doch der Kerl will mehr: Adonis kündigt seinen Job, lässt den Wohlstand hinter sich und beginnt in Philadelphia, professionell zu trainieren. Sein Mentor: Rocky Balboa (Sylvester Stallone), der mit seinem Restaurant eigentlich genug Arbeit hat, von der Hartnäckigkeit des jungen Talents jedoch derart beeindruckt ist, dass er den Kochlöffel ein letztes (?) Mal gegen den Sandsack eintauscht.
Inhaltlich zumindest in der ersten Hälfte nicht weit entfernt von Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“ (2004), ist „Creed“ all das, was Stallone 2006 mit Teil 6 der Saga, „Rocky Balboa“, nur ansatzweise gelang: ein würdiger Abschluss und der Beginn eines neuen, vielversprechenden Kapitels. Garniert mit zarten Anspielungen an die Vorgängerfilme, verbeugt sich Regisseur Ryan Coogler vor der Ikone Rocky/Stallone und hat gleichzeitig den Mut, mit Witz und Chuzpe den alten Knacker aufs Korn zu nehmen. Sly ist cool und selbstironisch genug, diesen Weg mitzugehen und dem Dreamteam Coogler/Jordan, die zusammen bereits den großartigen „Fruitvale Station“ (2013, Rezension siehe HIER) kreierten, Raum und Bühne zu überlassen. Das Schönste dabei: Stallone verzichtete im Gegensatz zu seinen „Expendables“-Auftritten darauf, sein Gesicht und seine Muskelberge mit ‚Hilfsmitteln‘ aufzuhübschen. Stattdessen sieht man den 69-Jährigen in einer Rolle, die seinem Alter angemessen erscheint. Selten wirkte der Über-Star derart menschlich, glaubhaft, echt – und spielte so gut.
Der Ex-„Rambo“-Darsteller ist jedoch nicht der einzige Hingucker: Jordan alias Adonis spielt sich im wahrsten Sinne des Wortes um Kopf und Kragen (physisch wie psychisch), der Soundtrack von Ludwig Göransson („New Girl“) ist angenehm lässig und die Kameraarbeit von Maryse Alberti („The Wrestler“) sorgt für Schnappatmung. Oder anders formuliert: Wer lange Steadycam-Aufnahmen mag, wird diesen Film lieben! Keine Ahnung, wie sie das fabriziert haben, aber wer einen kompletten Boxkampf vom Eintritt in den Ring bis zum finalen Gong ohne Schnitt filmt, ist ein verdammtes Genie!
Groß war meine Skepsis, ob „Creed“ nicht nur ein weiterer Versuch sei, ein erfolgreiches Franchise mit einer halbgaren Geschichte nachzuerzählen. Das Gegenteil ist der Fall: Mit frischen Ideen, einer packenden Erzählweise und viel Tiefgang, der Stallone zu einer seiner besten Leistungen als Darsteller animiert, ist dieser Film einer der ersten großen Kinohöhepunkte 2016. Angucken, mitfiebern, glücklich sein!
(Plakat: © 2015 Warner Bros. Pictures)
Heimkino-Tipp: „Knight of Cups“ (2015)
Beautiful Burnout
Der öffentlichkeitsscheue Regisseur Terrence Malick ist mit nur wenigen Werken zu einem von Hollywood-Stars beinahe göttlich verehrten Filmemacher aufgestiegen. Nachdem er in den 1970er-Jahren lediglich zwei Arbeiten vorlegte (u.a. „Badlands“, 1973), kehrte er 1998 mit dem philosophischen Kriegsdrama „Der schmale Grat“ in die Lichtspielhäuser zurück. Seither werden die Abstände zwischen seinen Filmen immer kürzer, sodass nach „The Tree of Life“ und „To the Wonder“ nun bereits der dritte Streifen in vier Jahren made by Malick veröffentlicht wird. Scheinbar sind alte Männer (der gebürtige Texaner ist immerhin bereits 72!) besonders produktive Künstler (siehe Clint Eastwood oder Woody Allen).
Auch in „Knight of Cups“ bleibt er seinem in den vergangenen Jahren perfektioniertem Stil treu, seine Geschichte vornehmlich aus dem „Off“ von den Figuren erzählen zu lassen, während sie oftmals stumm durch traumhaft komponierte Bilderwelten spazieren und nur wenig miteinander sprechen. Was nicht heißen soll, dass sie nicht kommunizieren! Denn bei Malick geschieht Vieles über Stimmungen, Blicke und Andeutungen, die sein Publikum selbst zu einem großen Ganzen zusammensetzen darf. Das hat zweifellos seinen Reiz – erfordert jedoch beim Zuschauen Konzentration und Aufgeschlossenheit.
Daher im Folgenden nur der Hauch einer Inhaltszusammenfassung, wie sie mir am Sinnvollsten erscheint: Rick (Christian Bale) ist ein erfolgreicher Autor in Hollywood und seit dem Ende seiner Ehe mit der Ärztin Nancy (Cate Blanchett) zum reinen Genussmenschen verkommen. Partys, Frauen und emotionale Kälte bestimmen seinen Alltag. Dass dies auf Dauer nicht befriedigt, wird ihm nun immer mehr klar, sei es während ausschweifender Feste unter seinesgleichen oder der Treffen mit seinem hyperaktiven Bruder (Wes Bentley) und tiefgläubigen Vater (Brian Dennehy). Nach unzähligen Affären begegnet Rick der liierten Elizabeth (Natalie Portman). Ein Neuanfang?
Unterteilt in verschiedene Kapitel, die Titel von Tarot-Karten tragen, entspinnt Malick die vertraute Geschichte eines Mannes, der nach Außen alles zu haben scheint, innerlich jedoch an seiner Einsamkeit zu zerbrechen droht. Dass er diese Story inmitten des Sündenpfuhls Hollywood platziert, gibt Malick und seinem Stammkameramann Emmanuel Lubezki (Oscars für „Gravity“ und „Birdman“) Gelegenheit, mehr als jemals bei Malick zuvor die Glitzerwelt von Großstädten der einfachen Schönheit der Natur gegenüberzustellen und somit eindrucksvolle visuelle Gegensätze zu erschaffen. Sie stehen auch sinnbildlich für die Zerrissenheit des Hauptcharakters, der in den ersten 30 Minuten keinen Laut von sich gibt (abgesehen von einem Voice-over) und danach vornehmlich schweigend seine Umgebung beobachtet. Kein Wunder, hatte Schauspieler Bale nach eigenen Aussagen ja kein Skript oder Textzeilen zur Verfügung: Einmal mehr gab Malick seinen Darstellern lediglich Anmerkungen, animierte sie zum Improvisieren oder schob sie unvermittelt in eine Szene, um die Reaktion der anderen zu beobachten. Das führt zu mitunter amüsanten Begegnungen mit bekannten Gesichtern, die nur für wenige Augenblicke zu sehen sind (Hallo, Antonio Banderas! Hallo Armin Mueller-Stahl! Hallo Jason Clarke!) und ebenso schnell wieder verschwinden.
So interessant dieses Konzept sein mag, so schön die Kamera dabei umherschweift und Einmaliges einfängt: nach mehreren Filmen dieser Art verliert es sukzessive den Status des Besonderen. Die im Voice-over zu hörenden Gedanken werden zudem von Film zu Film kryptischer, das wortlose Umherschauen der Schauspieler auf der Suche nach einem Anhaltspunkt für ihr Verhalten unfreiwillig komisch. Vor allem Bale wirkt verloren und zeigt kaum Reaktionen auf Aussagen und Bewegungen seiner Spielpartner. So sehr ich ihn als Schauspieler schätze, das Improvisieren gelang Ben Affleck im Vorgängerfilm „To the Wonder“, der unter ähnlichen Voraussetzungen entstand, deutlich besser.
„Knight of Cups“ ist Terrence Malick auf Autopilot mit einer „Geschichte“, die schon oft erzählt wurde (wenn auch noch nie auf diese Weise) und hauptsächlich mit seinen Bilderwelten punktet. Ein Augenschmaus, der (unbeabsichtigt) die Grenzen des Malick’schen Erzählstils aufzeigt. Zeit für Veränderung!
Der Film erscheint auf DVD/Blu-ray in deutsch synchronisierter Sprachfassung sowie in englischer Originalversion. Untertitel in deutsch und in englisch für Hörgeschädigte sind vorhanden. Als Extras gibt es einen Mitschnitt der Pressekonferenz auf der Berlinale, wo der Film 2015 seine Premiere feierte, sowie kurze Statements vom roten Teppich und Featurettes mit Werbecharakter. „Knight of Cups“ erscheint bei Studiocanal ist seit 14. Januar 2016 erhältlich. (Packshot + stills: © Studiocanal)
Der öffentlichkeitsscheue Regisseur Terrence Malick ist mit nur wenigen Werken zu einem von Hollywood-Stars beinahe göttlich verehrten Filmemacher aufgestiegen. Nachdem er in den 1970er-Jahren lediglich zwei Arbeiten vorlegte (u.a. „Badlands“, 1973), kehrte er 1998 mit dem philosophischen Kriegsdrama „Der schmale Grat“ in die Lichtspielhäuser zurück. Seither werden die Abstände zwischen seinen Filmen immer kürzer, sodass nach „The Tree of Life“ und „To the Wonder“ nun bereits der dritte Streifen in vier Jahren made by Malick veröffentlicht wird. Scheinbar sind alte Männer (der gebürtige Texaner ist immerhin bereits 72!) besonders produktive Künstler (siehe Clint Eastwood oder Woody Allen).
Auch in „Knight of Cups“ bleibt er seinem in den vergangenen Jahren perfektioniertem Stil treu, seine Geschichte vornehmlich aus dem „Off“ von den Figuren erzählen zu lassen, während sie oftmals stumm durch traumhaft komponierte Bilderwelten spazieren und nur wenig miteinander sprechen. Was nicht heißen soll, dass sie nicht kommunizieren! Denn bei Malick geschieht Vieles über Stimmungen, Blicke und Andeutungen, die sein Publikum selbst zu einem großen Ganzen zusammensetzen darf. Das hat zweifellos seinen Reiz – erfordert jedoch beim Zuschauen Konzentration und Aufgeschlossenheit.
Daher im Folgenden nur der Hauch einer Inhaltszusammenfassung, wie sie mir am Sinnvollsten erscheint: Rick (Christian Bale) ist ein erfolgreicher Autor in Hollywood und seit dem Ende seiner Ehe mit der Ärztin Nancy (Cate Blanchett) zum reinen Genussmenschen verkommen. Partys, Frauen und emotionale Kälte bestimmen seinen Alltag. Dass dies auf Dauer nicht befriedigt, wird ihm nun immer mehr klar, sei es während ausschweifender Feste unter seinesgleichen oder der Treffen mit seinem hyperaktiven Bruder (Wes Bentley) und tiefgläubigen Vater (Brian Dennehy). Nach unzähligen Affären begegnet Rick der liierten Elizabeth (Natalie Portman). Ein Neuanfang?
Unterteilt in verschiedene Kapitel, die Titel von Tarot-Karten tragen, entspinnt Malick die vertraute Geschichte eines Mannes, der nach Außen alles zu haben scheint, innerlich jedoch an seiner Einsamkeit zu zerbrechen droht. Dass er diese Story inmitten des Sündenpfuhls Hollywood platziert, gibt Malick und seinem Stammkameramann Emmanuel Lubezki (Oscars für „Gravity“ und „Birdman“) Gelegenheit, mehr als jemals bei Malick zuvor die Glitzerwelt von Großstädten der einfachen Schönheit der Natur gegenüberzustellen und somit eindrucksvolle visuelle Gegensätze zu erschaffen. Sie stehen auch sinnbildlich für die Zerrissenheit des Hauptcharakters, der in den ersten 30 Minuten keinen Laut von sich gibt (abgesehen von einem Voice-over) und danach vornehmlich schweigend seine Umgebung beobachtet. Kein Wunder, hatte Schauspieler Bale nach eigenen Aussagen ja kein Skript oder Textzeilen zur Verfügung: Einmal mehr gab Malick seinen Darstellern lediglich Anmerkungen, animierte sie zum Improvisieren oder schob sie unvermittelt in eine Szene, um die Reaktion der anderen zu beobachten. Das führt zu mitunter amüsanten Begegnungen mit bekannten Gesichtern, die nur für wenige Augenblicke zu sehen sind (Hallo, Antonio Banderas! Hallo Armin Mueller-Stahl! Hallo Jason Clarke!) und ebenso schnell wieder verschwinden.
So interessant dieses Konzept sein mag, so schön die Kamera dabei umherschweift und Einmaliges einfängt: nach mehreren Filmen dieser Art verliert es sukzessive den Status des Besonderen. Die im Voice-over zu hörenden Gedanken werden zudem von Film zu Film kryptischer, das wortlose Umherschauen der Schauspieler auf der Suche nach einem Anhaltspunkt für ihr Verhalten unfreiwillig komisch. Vor allem Bale wirkt verloren und zeigt kaum Reaktionen auf Aussagen und Bewegungen seiner Spielpartner. So sehr ich ihn als Schauspieler schätze, das Improvisieren gelang Ben Affleck im Vorgängerfilm „To the Wonder“, der unter ähnlichen Voraussetzungen entstand, deutlich besser.
„Knight of Cups“ ist Terrence Malick auf Autopilot mit einer „Geschichte“, die schon oft erzählt wurde (wenn auch noch nie auf diese Weise) und hauptsächlich mit seinen Bilderwelten punktet. Ein Augenschmaus, der (unbeabsichtigt) die Grenzen des Malick’schen Erzählstils aufzeigt. Zeit für Veränderung!
Der Film erscheint auf DVD/Blu-ray in deutsch synchronisierter Sprachfassung sowie in englischer Originalversion. Untertitel in deutsch und in englisch für Hörgeschädigte sind vorhanden. Als Extras gibt es einen Mitschnitt der Pressekonferenz auf der Berlinale, wo der Film 2015 seine Premiere feierte, sowie kurze Statements vom roten Teppich und Featurettes mit Werbecharakter. „Knight of Cups“ erscheint bei Studiocanal ist seit 14. Januar 2016 erhältlich. (Packshot + stills: © Studiocanal)
Heimkino-Tipp: „Self/Less“ (2015)
Face off
Kurz vor Weihnachten „beschenkte“ der Fußballer Ronaldo die Welt mit einem kleinen Homevideo, auf dem er einen Rundgang durch seinen Protzpala... ähh sein Haus präsentierte. Was ihn dazu veranlasste? Mein Tipp: „Self/Less“, bzw. die ersten 15 Minuten des Science-Fiction-Thrillers. Denn da gibt es Einblicke in das Zuhause eines gewissen Donald Trump, der ja momentan mit einem überaus ekelerregenden Wahlkampf für Furore sorgt. Da wollte sich der Fußballstar offenbar nicht lumpen lassen.
Doch Spaß beiseite, denn „Self/Less“ beginnt zunächst mit ernstem Hintergrund: Der wohlhabende Unternehmer Damian (Sir Ben Kingsley) – für dessen Appartement Trumps eigenes zur Verfügung stand – ist unheilbar an Krebs erkrankt. Kurz vor seinem unausweichlichen Tod besucht er die Klinik des mysteriösen Albright (Matthew Goode), der Damian ein verlockendes Angebot unterbreitet: Warum nicht im Körper eines Anderen weiterleben? Eines jungen Körpers, der künstlich erschaffen wurde, jedoch mit dem Geist von Damian belebt wird? Der verzweifelte Mann lässt sich auf das Experiment ein – und startet kurz darauf als Edward (Ryan Reynolds) einen zweiten Anlauf mit all seinen Vorzügen. Unschöner Nebeneffekt: Seltsame Erinnerungen, Träume und Visionen stören den unbeschwerten Alltag zunehmend. Als Damian/Edward beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen, sind Albright und seine Knochenbrecher davon gar nicht begeistert.
Body-Switch mal anders: Statt eines Mannes im Körper einer Frau („Switch – Die Frau im Manne“, 1991) oder einem Bösewicht mit dem Gesicht des guten Helden („Im Körper des Feindes“, 1997) nun also der Alte (Kingsley) hinter der Fassade des durchtrainierten Jünglings (Reynolds). Ja, rein optisch kann man das machen. Auch in Bezug auf das darstellerische Können geht das in Ordnung, denn Reynolds hat sich in den vergangenen Jahren zu einem respektablen Schauspieler entwickelt (siehe u.a. HIER), den ich sehr gern vor der Kamera agieren sehe. Dies gilt ebenso bei „Self/Less“.
Ungewöhnlich jedoch der Name des Mannes auf dem Regiestuhl: Tarsem Singh, vor allem bekannt für sein außergewöhnliches visuelles Schaffen („The Cell“, „The Fall“, Musikvideo „Losing My Religion“ von R.E.M.), hält sich hier stilistisch sehr zurück und inszeniert geradeaus, ohne viele Spielereien und sehr auf die Erzählung konzentriert. Die kommt wendungsreich und trotz der Prämisse angenehm realitätsnah daher, bis sie im letzten Kapitel ein wenig zu schnell in jenen Zielbahnhof einfährt, der die einfachste (Story-)Lösung bereithält. Angesichts ordentlicher Spannungsmomente und Actionsequenzen zuvor fällt das jedoch kaum ins Gewicht.
Ergo: Ein solider Thriller, der aus einer interessanten Grundidee zumindest auf dem Actionlevel einiges rauszuholen vermag, philosophische oder psychologische Aspekte der Prämisse allerdings kaum beachtet. Aber das darf so.
Die Blu-ray/DVD bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Als Extras haben beide Scheiben zwei kurze Hinter-den-Kulissen-Clips sowie Trailer zu bieten. „Self/Less – Der Fremde in mir“ erscheint bei Concorde Home Entertainment und seit 23. Dezember 2015 erhältlich. (Packshot + stills: © Concorde Home Entertainment)
Kurz vor Weihnachten „beschenkte“ der Fußballer Ronaldo die Welt mit einem kleinen Homevideo, auf dem er einen Rundgang durch seinen Protzpala... ähh sein Haus präsentierte. Was ihn dazu veranlasste? Mein Tipp: „Self/Less“, bzw. die ersten 15 Minuten des Science-Fiction-Thrillers. Denn da gibt es Einblicke in das Zuhause eines gewissen Donald Trump, der ja momentan mit einem überaus ekelerregenden Wahlkampf für Furore sorgt. Da wollte sich der Fußballstar offenbar nicht lumpen lassen.
Doch Spaß beiseite, denn „Self/Less“ beginnt zunächst mit ernstem Hintergrund: Der wohlhabende Unternehmer Damian (Sir Ben Kingsley) – für dessen Appartement Trumps eigenes zur Verfügung stand – ist unheilbar an Krebs erkrankt. Kurz vor seinem unausweichlichen Tod besucht er die Klinik des mysteriösen Albright (Matthew Goode), der Damian ein verlockendes Angebot unterbreitet: Warum nicht im Körper eines Anderen weiterleben? Eines jungen Körpers, der künstlich erschaffen wurde, jedoch mit dem Geist von Damian belebt wird? Der verzweifelte Mann lässt sich auf das Experiment ein – und startet kurz darauf als Edward (Ryan Reynolds) einen zweiten Anlauf mit all seinen Vorzügen. Unschöner Nebeneffekt: Seltsame Erinnerungen, Träume und Visionen stören den unbeschwerten Alltag zunehmend. Als Damian/Edward beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen, sind Albright und seine Knochenbrecher davon gar nicht begeistert.
Body-Switch mal anders: Statt eines Mannes im Körper einer Frau („Switch – Die Frau im Manne“, 1991) oder einem Bösewicht mit dem Gesicht des guten Helden („Im Körper des Feindes“, 1997) nun also der Alte (Kingsley) hinter der Fassade des durchtrainierten Jünglings (Reynolds). Ja, rein optisch kann man das machen. Auch in Bezug auf das darstellerische Können geht das in Ordnung, denn Reynolds hat sich in den vergangenen Jahren zu einem respektablen Schauspieler entwickelt (siehe u.a. HIER), den ich sehr gern vor der Kamera agieren sehe. Dies gilt ebenso bei „Self/Less“.
Ungewöhnlich jedoch der Name des Mannes auf dem Regiestuhl: Tarsem Singh, vor allem bekannt für sein außergewöhnliches visuelles Schaffen („The Cell“, „The Fall“, Musikvideo „Losing My Religion“ von R.E.M.), hält sich hier stilistisch sehr zurück und inszeniert geradeaus, ohne viele Spielereien und sehr auf die Erzählung konzentriert. Die kommt wendungsreich und trotz der Prämisse angenehm realitätsnah daher, bis sie im letzten Kapitel ein wenig zu schnell in jenen Zielbahnhof einfährt, der die einfachste (Story-)Lösung bereithält. Angesichts ordentlicher Spannungsmomente und Actionsequenzen zuvor fällt das jedoch kaum ins Gewicht.
Ergo: Ein solider Thriller, der aus einer interessanten Grundidee zumindest auf dem Actionlevel einiges rauszuholen vermag, philosophische oder psychologische Aspekte der Prämisse allerdings kaum beachtet. Aber das darf so.
Die Blu-ray/DVD bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Als Extras haben beide Scheiben zwei kurze Hinter-den-Kulissen-Clips sowie Trailer zu bieten. „Self/Less – Der Fremde in mir“ erscheint bei Concorde Home Entertainment und seit 23. Dezember 2015 erhältlich. (Packshot + stills: © Concorde Home Entertainment)
Heimkino-Tipp: „Men & Chicken“ (2015) + Gewinnspiel
Männer unter sich
Zunächst ein kleiner sprachlicher Exkurs: Im Englischen steht das Wort „Chicks“ sinngemäß für „süßes Mädchen“. Anders Thomas Jensen („Adams Äpfel“) nennt seinen aktuellen Streifen nun „Men & Chicken“. Männer & heiße Mädels also. Oder doch Männer & Hühner? Wie auch immer man(n) es interpretieren möchte, Fakt ist: Ja, es geht um Männer und deren Bedürfnis nach weiblichen Körpern. Doch bedauernswerterweise stehen ihnen diese nicht zur Verfügung, weshalb das anwesende Federvieh als Ersatz herhalten muss. Es ist nicht die einzige geschmackliche Grenzüberschreitung, die der Däne Jensen und seine Schauspielertruppe, allen voran Mads Mikkelsen, dem Publikum präsentieren.
Ihr Film erzählt von der Reise zweier ungleicher Brüder (Mikkelsen und David Dencik) zu ihrer Familie, von der sie bisher nichts wussten. Die lebt auf einem verwüsteten Anwesen inmitten einer abgelegenen Insel und kommuniziert bei der Ankunft von Gabriel und Elias vornehmlich mithilfe von Gegenständen, die sie sich gegenseitig auf die Rübe hauen. Aber das ist bei Weitem noch das Normalste, was die beiden Gäste fortan tagtäglich in dem heruntergekommenen und von unzähligen Tieren bevölkerten Haus erleben werden.
Verstörend, abstoßend, überdreht: „Men & Chicken“ präsentiert sich zunächst als ein Potpourri unschöner menschlicher Eigenschaften, die wenig subtil auf die Zuschauer niederprasseln: seltsame Persönlichkeiten treffen dabei auf Zwangsneurosen sowie widerwärtige Verhaltensweisen. Doch die Provokation seitens der Filmemacher hat Tiefgang: So ist „Men & Chicken“ hinter seiner Fassade des amüsanten Horrorkinos ein Familiendrama, das dem Wert des Zusammenhalts trotz aller Unterschiede und Macken huldigt. Ob gewöhnungsbedürftiges Aussehen, geistige Umnachtung, Realitätsverlust oder unbändige Sucht nach Käse: Geschwister sollten immer zusammenhalten, egal ob sie mit dem Nudelholz aufeinander losgehen oder gemeinsam Texte der Heiligen Schrift interpretieren.
Sicherlich, ein wenig ansehnlicher hätten sowohl die Figuren als auch das ganze Szenario sein dürfen. Vielleicht sind einige der Gags auch etwas zu derb ausgefallen. Nichtsdestotrotz bietet „Men & Chicken“ noch eine Fülle von absurden Szenen und Einfällen, die das Filmerlebnis lange – im positiven Sinn – nachwirken lassen.
Aufgepasst, aufgepasst! Zum Heimkinostart liegt eine Blu-ray des Films zur Verlosung bereit. Der/Die erste Mailschreiber/in gewinnt! Einfach eine Nachricht an cinecsaba@gmx.net senden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, der Gewinner wird via Mail benachrichtigt. Viel Glück!
Die DVD/Blu-ray präsentiert den Film in deutsch synchronisierter und original dänischer Sprachfassung. Untertitel in Deutsch/Deutsch für Hörgeschädigte sind optional zuschaltbar. Darüberhinaus befindet sich auch eine Hörfilmfassung auf den Discs. Als Extras sind ein Interview mit Mads Mikkelsen sowie Trailer beigefügt. „Men & Chicken“ erscheint bei DCM Filmdistribution GmbH/Universum Film und ist seit 4. Dezember 2015 erhältlich. (Packshot: FilmPressKit online/DCM; stills: Rolf Konow/DCM)
Zunächst ein kleiner sprachlicher Exkurs: Im Englischen steht das Wort „Chicks“ sinngemäß für „süßes Mädchen“. Anders Thomas Jensen („Adams Äpfel“) nennt seinen aktuellen Streifen nun „Men & Chicken“. Männer & heiße Mädels also. Oder doch Männer & Hühner? Wie auch immer man(n) es interpretieren möchte, Fakt ist: Ja, es geht um Männer und deren Bedürfnis nach weiblichen Körpern. Doch bedauernswerterweise stehen ihnen diese nicht zur Verfügung, weshalb das anwesende Federvieh als Ersatz herhalten muss. Es ist nicht die einzige geschmackliche Grenzüberschreitung, die der Däne Jensen und seine Schauspielertruppe, allen voran Mads Mikkelsen, dem Publikum präsentieren.
Ihr Film erzählt von der Reise zweier ungleicher Brüder (Mikkelsen und David Dencik) zu ihrer Familie, von der sie bisher nichts wussten. Die lebt auf einem verwüsteten Anwesen inmitten einer abgelegenen Insel und kommuniziert bei der Ankunft von Gabriel und Elias vornehmlich mithilfe von Gegenständen, die sie sich gegenseitig auf die Rübe hauen. Aber das ist bei Weitem noch das Normalste, was die beiden Gäste fortan tagtäglich in dem heruntergekommenen und von unzähligen Tieren bevölkerten Haus erleben werden.
Verstörend, abstoßend, überdreht: „Men & Chicken“ präsentiert sich zunächst als ein Potpourri unschöner menschlicher Eigenschaften, die wenig subtil auf die Zuschauer niederprasseln: seltsame Persönlichkeiten treffen dabei auf Zwangsneurosen sowie widerwärtige Verhaltensweisen. Doch die Provokation seitens der Filmemacher hat Tiefgang: So ist „Men & Chicken“ hinter seiner Fassade des amüsanten Horrorkinos ein Familiendrama, das dem Wert des Zusammenhalts trotz aller Unterschiede und Macken huldigt. Ob gewöhnungsbedürftiges Aussehen, geistige Umnachtung, Realitätsverlust oder unbändige Sucht nach Käse: Geschwister sollten immer zusammenhalten, egal ob sie mit dem Nudelholz aufeinander losgehen oder gemeinsam Texte der Heiligen Schrift interpretieren.
Sicherlich, ein wenig ansehnlicher hätten sowohl die Figuren als auch das ganze Szenario sein dürfen. Vielleicht sind einige der Gags auch etwas zu derb ausgefallen. Nichtsdestotrotz bietet „Men & Chicken“ noch eine Fülle von absurden Szenen und Einfällen, die das Filmerlebnis lange – im positiven Sinn – nachwirken lassen.
Die DVD/Blu-ray präsentiert den Film in deutsch synchronisierter und original dänischer Sprachfassung. Untertitel in Deutsch/Deutsch für Hörgeschädigte sind optional zuschaltbar. Darüberhinaus befindet sich auch eine Hörfilmfassung auf den Discs. Als Extras sind ein Interview mit Mads Mikkelsen sowie Trailer beigefügt. „Men & Chicken“ erscheint bei DCM Filmdistribution GmbH/Universum Film und ist seit 4. Dezember 2015 erhältlich. (Packshot: FilmPressKit online/DCM; stills: Rolf Konow/DCM)
Heimkino-Tipp: „God Loves the Fighter“ (2013)
Sin City
Diesen Film zu schauen ist eine Herausforderung! Dies ist keinesfalls abwertend gemeint, allerdings als Warnung ernst zu nehmen. Von Minute eins an gibt Regiedebütant Damian Marcano mit optischen Spielereien en masse Vollgas und lässt kaum Luft zum Durchatmen. Verschnaufpausen? Fehlanzeige!
Doch es steckt System dahinter: „God Loves the Fighter“ ist ein rasanter Trip durch die Stadt Port of Spain. Die karibische Metropole des Inselstaates Trinidad und Tobago besitzt leider den unschönen Ruf, gern genutzter Drogenumschlagplatz zu sein, von wo aus das Gift Richtung Nordamerika gelangt. Korruption, Gewalt und eine hohe Mordrate sind trauriger Bestandteil des Alltags, was Marcano zum roten Faden seines fiebrig inszenierten Filmes macht.
Mittendrin der junge Charlie (Muhammad Muwakil), der von einem besseren Leben träumt, und die etwa gleichaltrige Prostituierte Dinah (Jamie Lee Phillips), die aufgrund ihres Jobs mit ihrem Gewissen und ihrem Glauben hadert und auf der Suche nach Vergebung den Weg von Charlie kreuzt. Können sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und dem Moloch entfliehen?
Verkünstelt, dokumentarisch, märchenhaft, realistisch: „God Loves the Fighter“ ist eine im wahrsten Sinne des Wortes bunte Mischung mit ständigen Format- und Stilwechseln, die scheinbar ungefiltert auf den Zuschauer hereinbrechen und sicher nicht jedermanns Sache ist. Bei aller Raffinesse, die Marcano damit beweist, so ganz überzeugen kann seine Anklage/sein Loblied auf Port of Spain nicht. Vielleicht habe ich aber auch nur den Kern der Erzählung unter dem Bombast der Bilderflut nicht gefunden? Daher gern selbst einen Versuch wagen! Für mich war es dann doch irgendwann zuviel des Guten.
P.S.: Kleines Schmankerl bei der Blu-ray-Erstauflage: Die enthält eine Bonus-CD mit dem Soundtrack, der (musikalisch) ähnlich farbenfroh daherkommt wie der Film.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung. Untertitel sind keine vorhanden, was es aufgrund der starken Dialekte der Darsteller für Nicht-Muttersprachler sehr schwer macht, den Dialogen in der Originalversion zu folgen. Leider machen die jedoch auch einen Großteil der Atmosphäre aus. Als Bonusmaterial gibt es Trailer. „God Loves the Fighter“ erscheint bei Mad Dimension/AL!VE AG und ist seit 2. November 2015 erhältlich. (Packshot: © Mad Dimension/AL!VE AG)
Diesen Film zu schauen ist eine Herausforderung! Dies ist keinesfalls abwertend gemeint, allerdings als Warnung ernst zu nehmen. Von Minute eins an gibt Regiedebütant Damian Marcano mit optischen Spielereien en masse Vollgas und lässt kaum Luft zum Durchatmen. Verschnaufpausen? Fehlanzeige!
Doch es steckt System dahinter: „God Loves the Fighter“ ist ein rasanter Trip durch die Stadt Port of Spain. Die karibische Metropole des Inselstaates Trinidad und Tobago besitzt leider den unschönen Ruf, gern genutzter Drogenumschlagplatz zu sein, von wo aus das Gift Richtung Nordamerika gelangt. Korruption, Gewalt und eine hohe Mordrate sind trauriger Bestandteil des Alltags, was Marcano zum roten Faden seines fiebrig inszenierten Filmes macht.
Mittendrin der junge Charlie (Muhammad Muwakil), der von einem besseren Leben träumt, und die etwa gleichaltrige Prostituierte Dinah (Jamie Lee Phillips), die aufgrund ihres Jobs mit ihrem Gewissen und ihrem Glauben hadert und auf der Suche nach Vergebung den Weg von Charlie kreuzt. Können sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und dem Moloch entfliehen?
Verkünstelt, dokumentarisch, märchenhaft, realistisch: „God Loves the Fighter“ ist eine im wahrsten Sinne des Wortes bunte Mischung mit ständigen Format- und Stilwechseln, die scheinbar ungefiltert auf den Zuschauer hereinbrechen und sicher nicht jedermanns Sache ist. Bei aller Raffinesse, die Marcano damit beweist, so ganz überzeugen kann seine Anklage/sein Loblied auf Port of Spain nicht. Vielleicht habe ich aber auch nur den Kern der Erzählung unter dem Bombast der Bilderflut nicht gefunden? Daher gern selbst einen Versuch wagen! Für mich war es dann doch irgendwann zuviel des Guten.
P.S.: Kleines Schmankerl bei der Blu-ray-Erstauflage: Die enthält eine Bonus-CD mit dem Soundtrack, der (musikalisch) ähnlich farbenfroh daherkommt wie der Film.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung. Untertitel sind keine vorhanden, was es aufgrund der starken Dialekte der Darsteller für Nicht-Muttersprachler sehr schwer macht, den Dialogen in der Originalversion zu folgen. Leider machen die jedoch auch einen Großteil der Atmosphäre aus. Als Bonusmaterial gibt es Trailer. „God Loves the Fighter“ erscheint bei Mad Dimension/AL!VE AG und ist seit 2. November 2015 erhältlich. (Packshot: © Mad Dimension/AL!VE AG)
Heimkino-Tipp: „Jamie Marks is Dead“ (2014)
Teenage Angst
Mobbing ist eine abscheuliche Sache. Vor allem dann, wenn das Opfer an seiner Schule ein Außenseiter ist, eine Harry-Potter-Gedächtnisbrille trägt und nur wenig Selbstvertrauen besitzt. Jamie Marks (Noah Silver) war so ein Mensch. Nun ist er tot, und niemanden scheint ihn zu vermissen. Außer Adam (Cameron Monaghan) und Gracie (Morgan Saylor), die ihn zwar ebenso wenig kannten wie der große Rest ihrer Mitschüler, jedoch von Gewissensbissen geplagt werden. Hätten sie auf ihn zugehen sollen? Vielleicht die Hänseleien unterbinden können? Im gemeinsamen Zweifeln und Trauern kommen sich die beiden Teenager näher. Der Beginn einer schönen Romanze? Mitnichten, denn Jamies Geist taucht eines Nachts vor Adams Augen auf – und scheint noch etwas unter den Lebenden nachholen zu wollen.
Gothic-Schmonzette, Thriller mit übernatürlichem Plot oder klassischer Horrorfilm? Carter Smiths („Ruinen“, 2008) gemächlich erzähltes und von talentierten Jungdarstellern getragenes Werk ist all das und nichts davon. Denn im Kern der Geschichte handelt „Jamie Marks is Dead“ von den zahlreichen (unüberwindbaren?) Hürden des Erwachsenwerdens. Sei es bezüglich der eigenen Sexualität, dem Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht oder der Umgang mit privaten Schicksalsschlägen wie Unfällen oder der Tod der Eltern. Vieles davon deutet Regisseur Smith an oder „spiegelt“ es in veränderter Form bei mehreren Figuren.
Das ist ambitioniert und mit viel Verständnis für die Eigenheiten von jungen Erwachsenen eingefangen. Geduld sollte der Zuschauer trotzdem mitbringen. Denn wirklich viel geschieht in den 100 Minuten Laufzeit nicht, und am Ende bleiben etliche der Subplots in der Schwebe – ganz so, wie die drei Hauptfiguren im Film, deren Handeln nicht immer einfach nachzuvollziehen ist.
Ein schwieriger, teilweise verkopfter Film, der möglicherweise ein junges Teenagerpublikum mehr anspricht als ältere Semester. Für die gibt es immerhin mit Liv Tyler einen Schwarm aus der eigenen Jugend in einer Nebenrolle zu sehen – als Adams Mutter(!) Linda. Die Zeit, sie rennt.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonus sind Trailer beigefügt. „Jamie Marks is Dead“ erscheint bei donau film im Vertrieb von AL!VE AG und ist seit 20. November 2015 erhältlich. (Packshot: © Donau Film e.k./AL!VE AG)
Mobbing ist eine abscheuliche Sache. Vor allem dann, wenn das Opfer an seiner Schule ein Außenseiter ist, eine Harry-Potter-Gedächtnisbrille trägt und nur wenig Selbstvertrauen besitzt. Jamie Marks (Noah Silver) war so ein Mensch. Nun ist er tot, und niemanden scheint ihn zu vermissen. Außer Adam (Cameron Monaghan) und Gracie (Morgan Saylor), die ihn zwar ebenso wenig kannten wie der große Rest ihrer Mitschüler, jedoch von Gewissensbissen geplagt werden. Hätten sie auf ihn zugehen sollen? Vielleicht die Hänseleien unterbinden können? Im gemeinsamen Zweifeln und Trauern kommen sich die beiden Teenager näher. Der Beginn einer schönen Romanze? Mitnichten, denn Jamies Geist taucht eines Nachts vor Adams Augen auf – und scheint noch etwas unter den Lebenden nachholen zu wollen.
Gothic-Schmonzette, Thriller mit übernatürlichem Plot oder klassischer Horrorfilm? Carter Smiths („Ruinen“, 2008) gemächlich erzähltes und von talentierten Jungdarstellern getragenes Werk ist all das und nichts davon. Denn im Kern der Geschichte handelt „Jamie Marks is Dead“ von den zahlreichen (unüberwindbaren?) Hürden des Erwachsenwerdens. Sei es bezüglich der eigenen Sexualität, dem Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht oder der Umgang mit privaten Schicksalsschlägen wie Unfällen oder der Tod der Eltern. Vieles davon deutet Regisseur Smith an oder „spiegelt“ es in veränderter Form bei mehreren Figuren.
Das ist ambitioniert und mit viel Verständnis für die Eigenheiten von jungen Erwachsenen eingefangen. Geduld sollte der Zuschauer trotzdem mitbringen. Denn wirklich viel geschieht in den 100 Minuten Laufzeit nicht, und am Ende bleiben etliche der Subplots in der Schwebe – ganz so, wie die drei Hauptfiguren im Film, deren Handeln nicht immer einfach nachzuvollziehen ist.
Ein schwieriger, teilweise verkopfter Film, der möglicherweise ein junges Teenagerpublikum mehr anspricht als ältere Semester. Für die gibt es immerhin mit Liv Tyler einen Schwarm aus der eigenen Jugend in einer Nebenrolle zu sehen – als Adams Mutter(!) Linda. Die Zeit, sie rennt.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonus sind Trailer beigefügt. „Jamie Marks is Dead“ erscheint bei donau film im Vertrieb von AL!VE AG und ist seit 20. November 2015 erhältlich. (Packshot: © Donau Film e.k./AL!VE AG)
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