Strange Days
Bereits 1995 widmete sich Regisseurin Kathryn Bigelow in dem fiktionalen Thriller „Strange Days“ dem Rassenkonflikt in Amerika und nahm darin sehr deutlich Bezug auf den Fall Rodney King, der Anfang der 1990er-Jahre bei einer Verkehrskontrolle in Los Angeles von mehreren Polizisten krankenhausreif geschlagen wurde. Leider wurde diesem Ausnahmefilm nie die Anerkennung zuteil, die er verdient hätte, da er nicht nur inhaltlich (Drehbuch: James Cameron), sondern auch inszenatorisch außergewöhnlich war. Jahre später adaptierte Bigelow den darin schon angedeuteten Kamerastil für „Tödliches Kommando – The Hurt Locker“ (2008) – und erhielt als erste Frau den Oscar für die „Beste Regie“. Für ihr aktuelles Werk „Detroit“ entschied sich Bigelow nun abermals für eine solche quasi-dokumentarische Form.
Der Film erzählt von den Ereignissen einer Nacht im Jahre 1967, die den traurigen Höhepunkt eines gewaltsamen Aufstands in der einstigen Autostadt darstellt. Dabei starben mehrere Zivilisten durch die Hand von ‚Gesetzeshütern‘, die in einem Motel eine Art Standgericht abhielten und dabei jegliches Maß an Menschlichkeit verloren. Basierend auf Fakten und Erinnerungen von Augenzeugen, ist „Detroit“ einerseits ein beklemmendes Minutenprotokoll einer sich anbahnenden Katastrophe vor 50(!) Jahren, andererseits ein ziemlich deutliches Spiegelbild aktueller Zustände in Amerikas Gesellschaft.
Bigelow und ihr Autor Mark Boal, mit dem sie schon bei „Hurt Locker“ sowie „Zero Dark Thirty“ zusammenarbeitete, wählen einmal mehr einen sehr direkten, unmittelbaren Einstieg und legen den Fokus auf mehrere Personen, die sich im Laufe der Nacht allesamt im „Algiers Motel“ widerfinden werden: Sicherheitsmann Dismukes (John Boyega), Sänger Larry (Algee Smith) und Polizist Krauss (Will Poulter). Es sind keine leicht zu fassenden Charaktere, doch Bigelow/Boal wissen kurze Momente zu nutzen, um den Figuren Tiefe zu geben. So ist der Schwarze Dismukes sich seines Sonderstatus’ bewusst, wird aufgrund seiner Tätigkeit von jenen mit gleicher Hautfarbe provoziert und von Weißen belächelt. Der Weiße Krauss hingegen weiß um die Verantwortung seines Jobs für die Bevölkerung, hat aber gleichzeitig offenbar kein Problem damit, flüchtenden Plünderern ohne Vorwarnung in den Rücken zu schießen. Kleine verbale Sticheleien und Rempeleien hier und da geben zudem einen guten Eindruck vom Umgang der Menschen miteinander zu jener Zeit.
Was „Detroit“ dabei so außergewöhnlich macht: Es ist in keiner Szene auszumachen, ob es sich um einen Spielfilm oder eine Dokumentation handelt, die Live-Material verwendet. Eingefangen von mehreren, gleichzeitig filmenden Kameras, vermittelt der Film eine Dynamik, die schnell vergessen lässt, dass es sich hierbei um nachgespielte Ereignisse handelt. Bigelow verweigert ihrem Publikum einen Rückzugsort, eine Perspektive mit Abstand, einen Blick von außen. Anders formuliert: Wer „Detroit“ anschaut, ist mittendrin – und sollte starke Nerven haben, wenn die Handlung zu den Geschehnissen ins Motel wechselt.
Ich war zunächst skeptisch, als die Besetzung des jungen Briten Will Poulter als Antagonist bekanntgegeben wurde. Er ist zweifellos ein hervorragender Schauspieler, doch keine seiner bisherigen Rollen (z.B. „Son of Rambow“, „Die Chroniken von Narnia 3“, „Wir sind die Millers“) ließen erahnen, welche Intensität er hier an den Tag legen würde. Ein Meisterstück.
Nur eine von vielen bemerkenswerten Leistungen vor und hinter der Kamera in diesem rauen, bedrückenden und sehr direkten Film.
Die DVD/Blu-ray/4K UHD bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie optionale deutsche Untertitel (auch für Hörgeschädigte). Als Extras befinden sich Kurzdokumentationen, ein Musikvideo sowie Trailer auf den Discs. „Detroit“ erscheint bei Concorde Home Entertainment und ist seit 5. April 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Concorde)
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
... im Nachgang: „The Florida Project“ (Kinostart: 15. März 2018)
„Das ist kein Film, zu dem man ein Contra schreiben kann“ war die einhellige Meinung in der Redaktion des Kinokalender Dresden. Daher nun HIER zwei Lobhudeleien auf das wunderbare »The Florida Project«. Von mir stammt der zweite Teil des Textes.
(Plakat: © 2018 Prokino)
(Plakat: © 2018 Prokino)
Heimkino-Tipp: „Twin Peaks“ (2017)
A Limited Event Series
In den vergangenen Jahren hat sich, nicht nur dank der Streaming-Dienste Netflix und Amazon Prime, die Serienlandschaft grundlegend verändert. Nie zuvor gab es eine solche Vielfalt und Masse an Produktionen, die Nischen bedienen, Experimente wagen, Neues ausprobieren. Anfang der 1990er-Jahre, als das lineare Fernsehen noch die einzige Plattform für Serienformate darstellte, sah dies völlig anders aus – und macht die Existenz von „Twin Peaks“ daher umso erstaunlicher. Die Serie brach mit bis dato bekannten Erzählmustern, präsentierte skurrile Charaktere en masse und beeinflusste seither unzählige weitere Produktionen. Kurz: „(Das Geheimnis von) Twin Peaks“ ist Kult. Nach zwei Staffeln (1990/1991) war jedoch Schluss, ein nachgereichter Kinofilm unter dem Titel „Fire Walk With Me“ (1992), der die Vorgeschichte der Serie erzählt, konnte an den Erfolg nicht anknüpfen.
Umso größer die Überraschung, als 2014 laut über eine Wiederbelebung nachgedacht wurde. Mit einem mehrdeutigen Tweet bestätigten die beiden Serienerfinder David Lynch und Mark Frost schließlich den Neustart, der inhaltlich an die ersten Staffeln anschließen würde. Ihr Coup: Beinahe alle Darsteller von einst sind wieder mit dabei. Einige kehrten dafür sogar aus ihrem Ruhestand zurück vor die Kamera.
Die Herausforderung: Wie gelingt es, in Zeiten von „Stranger Things“, „Game of Thrones“ und „House of Cards“ noch zu überraschen? Kann das neue „Twin Peaks“ noch einmal so außergewöhnlich sein wie vor rund 25 Jahren? Gelingt es dem Team Lynch/Frost, alte Fans zufriedenzustellen und gleichzeitig neue dazuzugewinnen? Nach vier gesehenen von insgesamt 18 neuen Folgen möchte ich meinen: Mission (bisher) erfolgreich erfüllt!
Natürlich spielt dabei der Nostalgie-Bonus zunächst eine große Rolle. Wenn einzelne bekannte Figuren wie beispielsweise Lucy (Kimmy Roberston) und Andy Brennan (Harry Goaz) die Szenerie betreten und ganz bestimmte Verhaltensmuster an den Tag legen, ist Dauergrinsen angesagt. Im Mittelpunkt steht jedoch abermals Kyle MacLachlans FBI-Agent Dale Cooper, der während Ermittlungen in einem Mordfall einst verschwand und nun völlig überraschend wieder aufgetaucht sein soll. Prompt häufen sich auch wieder mysteriöse Vorkommnisse in der titelgebenden Stadt und stellen die Polizei – ebenso wie die Zuschauer – vor etliche Rätsel.
Denn Lynch/Frost lassen es sich nicht nehmen, gleich zu Beginn ordentlich zu verwirren. Surrealismus in Reinform würde ich es nennen, Lynch unzensiert vielleicht andere. Besonders Episode 3, „Ruf um Hilfe“, ist ein Paradebeispiel dafür, was kreative Freiräume fernab von Erfolgsdruck erschaffen können. Inhaltlich passiert in dieser einen Stunde nicht viel, faszinierend ist es dennoch.
Wohin die Reise in den übrigen, von mir bisher noch nicht gesehenen Folgen der dritten Staffel gehen wird, kann ich nicht ansatzweise voraussagen. Und genau dies ist ein Beweis dafür, dass „Twin Peaks“ auch in der Neuauflage funktioniert. Einzige erforderliche Voraussetzungen beim Zuschauer: Geduld. Und Offenheit für mitunter abstruse Wege, eine Geschichte zu erzählen.
Die DVDs/Blu-rays bieten die dritte Staffel in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie diverse Untertitel. Das Bonusmaterial ist üppig: Dokumentationen, Werbeclips, Fotogalerien und Interviews sind in Fülle vorhanden. Besonderes Schmankerl: „Impressions: A Journey Behind the Scenes of ‚Twin Peaks‘“ mit einer Lauflänge von mehreren Stunden. „Twin Peaks – A Limited Event Series“ erscheint bei Universal Pictures Germany GmbH/Paramount Pictures und ist seit 29. März 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Paramount Pictures/Universal Pictures. Alle Rechte vorbehalten)
In den vergangenen Jahren hat sich, nicht nur dank der Streaming-Dienste Netflix und Amazon Prime, die Serienlandschaft grundlegend verändert. Nie zuvor gab es eine solche Vielfalt und Masse an Produktionen, die Nischen bedienen, Experimente wagen, Neues ausprobieren. Anfang der 1990er-Jahre, als das lineare Fernsehen noch die einzige Plattform für Serienformate darstellte, sah dies völlig anders aus – und macht die Existenz von „Twin Peaks“ daher umso erstaunlicher. Die Serie brach mit bis dato bekannten Erzählmustern, präsentierte skurrile Charaktere en masse und beeinflusste seither unzählige weitere Produktionen. Kurz: „(Das Geheimnis von) Twin Peaks“ ist Kult. Nach zwei Staffeln (1990/1991) war jedoch Schluss, ein nachgereichter Kinofilm unter dem Titel „Fire Walk With Me“ (1992), der die Vorgeschichte der Serie erzählt, konnte an den Erfolg nicht anknüpfen.
Umso größer die Überraschung, als 2014 laut über eine Wiederbelebung nachgedacht wurde. Mit einem mehrdeutigen Tweet bestätigten die beiden Serienerfinder David Lynch und Mark Frost schließlich den Neustart, der inhaltlich an die ersten Staffeln anschließen würde. Ihr Coup: Beinahe alle Darsteller von einst sind wieder mit dabei. Einige kehrten dafür sogar aus ihrem Ruhestand zurück vor die Kamera.
Die Herausforderung: Wie gelingt es, in Zeiten von „Stranger Things“, „Game of Thrones“ und „House of Cards“ noch zu überraschen? Kann das neue „Twin Peaks“ noch einmal so außergewöhnlich sein wie vor rund 25 Jahren? Gelingt es dem Team Lynch/Frost, alte Fans zufriedenzustellen und gleichzeitig neue dazuzugewinnen? Nach vier gesehenen von insgesamt 18 neuen Folgen möchte ich meinen: Mission (bisher) erfolgreich erfüllt!
Natürlich spielt dabei der Nostalgie-Bonus zunächst eine große Rolle. Wenn einzelne bekannte Figuren wie beispielsweise Lucy (Kimmy Roberston) und Andy Brennan (Harry Goaz) die Szenerie betreten und ganz bestimmte Verhaltensmuster an den Tag legen, ist Dauergrinsen angesagt. Im Mittelpunkt steht jedoch abermals Kyle MacLachlans FBI-Agent Dale Cooper, der während Ermittlungen in einem Mordfall einst verschwand und nun völlig überraschend wieder aufgetaucht sein soll. Prompt häufen sich auch wieder mysteriöse Vorkommnisse in der titelgebenden Stadt und stellen die Polizei – ebenso wie die Zuschauer – vor etliche Rätsel.
Denn Lynch/Frost lassen es sich nicht nehmen, gleich zu Beginn ordentlich zu verwirren. Surrealismus in Reinform würde ich es nennen, Lynch unzensiert vielleicht andere. Besonders Episode 3, „Ruf um Hilfe“, ist ein Paradebeispiel dafür, was kreative Freiräume fernab von Erfolgsdruck erschaffen können. Inhaltlich passiert in dieser einen Stunde nicht viel, faszinierend ist es dennoch.
Wohin die Reise in den übrigen, von mir bisher noch nicht gesehenen Folgen der dritten Staffel gehen wird, kann ich nicht ansatzweise voraussagen. Und genau dies ist ein Beweis dafür, dass „Twin Peaks“ auch in der Neuauflage funktioniert. Einzige erforderliche Voraussetzungen beim Zuschauer: Geduld. Und Offenheit für mitunter abstruse Wege, eine Geschichte zu erzählen.
Die DVDs/Blu-rays bieten die dritte Staffel in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie diverse Untertitel. Das Bonusmaterial ist üppig: Dokumentationen, Werbeclips, Fotogalerien und Interviews sind in Fülle vorhanden. Besonderes Schmankerl: „Impressions: A Journey Behind the Scenes of ‚Twin Peaks‘“ mit einer Lauflänge von mehreren Stunden. „Twin Peaks – A Limited Event Series“ erscheint bei Universal Pictures Germany GmbH/Paramount Pictures und ist seit 29. März 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Paramount Pictures/Universal Pictures. Alle Rechte vorbehalten)
Heimkino-Tipp: „Jigsaw“ (2017)
You thought it was over. But the games have just begun.
Als der erste Film der „Saw“-Reihe 2004 erschien, hatte ich das Vergnügen, das Werk vorab bei einer Pressevorstellung sehen zu dürfen. Mein Fazit damals: kreativ aber unnötig brutal. Rückblickend wirkt dieses Urteil angesichts der darauf folgenden Teile und deren Gewaltdarstellung irgendwie amüsant. Schimpfte ich nach der Sichtung von Teil 2 noch über die Ideenlosigkeit der Macher und dem offensichtlichen Ausverkauf einer ursprünglich interessanten Idee – Todkranker zwingt sündige Mitmenschen zu blutigen ‚Spielen‘ um sie zu läutern –, so begann ich ab Teil 3, die Filmreihe als das zu akzeptieren, was sie fortan war: unterhaltsamer „Torture-Porn“, der nur darauf abzielt, böse Mitmenschen möglichst fies ins Jenseits zu befördern. Und ja, ich habe alle Teile gesehen.
2010 erschien mit „Saw 3D – Vollendung“ der vorerst letzte Auftritt des titelgebenden Jigsaw-Killers. Es war ein hastig produzierter Abgang, nachdem die vorhergehenden Filme zunehmend Publikum verloren und daher aus ursprünglich zwei finalen Episoden eine wurde. Nichtsdestotrotz ein im Rahmen des Franchises gelungenes Ende, das zudem einen der seltenen Filmauftritte des 2017 verstorbenen Linkin Park-Sängers Chester Bennington enthielt.
Nun also ein achter(!) Teil im „Saw“-Universum. Hätte es den gebraucht? Nein. Freue ich mich trotzdem darüber? Ja. Regie übernahmen diesmal The Spierig Brothers Michael und Peter, die sich zuvor mit „Daybreakers“ sowie „Predestination“ einen Namen gemacht haben. Neues Blut (haha!) also für eine Reihe, die stilistisch bisher wenige bis keine inszenatorischen Ausbrüche wagte, wohl auch, da alle vorangegangenen Regisseure stets aus dem Produktionsumfeld stammten. Tatsächlich bieten die ersten Minuten von „Jigsaw“ viel Tempo und geben Hoffnung auf eine neue Herangehensweise. Nur leider verpufft das sehr schnell wieder.
Das will ich den Spierig Brothers aber gar nicht vorwerfen. Denn auch wenn sie in den folgenden 80 Minuten quasi auf Nummer sicher gehen und nur das wiederholen, was es schon immer bei „Saw I“ bis „Saw VII“ gab, so geben sie dem geneigten Fan das, was er/sie erwartet. Das macht „Jigsaw“ letztendlich zu einem würdigen Nachfolger, der sich perfekt in die Reihe einfügt: das Leiden und Jammern der Opfer steht im Vordergrund, deren zu bewältigende Aufgaben sind nichts für Zartbesaitete und irgendwo dazwischen relativiert John Kramer alias Jigsaw (Tobin Bell) seine Handlungen mit zweifelhaften Motiven. Die restlichen Akteure bleiben dabei ebenso austauschbar wie die Kamerawinkel, der Schnitt und der Einsatz von Musik. Also alles so wie immer. Mir gefällt’s!
Zum Schluss noch ein paar Sätze zur Handlung: Etliche Jahre nach Jigsaws Tod scheint eine neue Mordserie in seinem Stil im Gange zu sein. Bei den Ermittlungen von Detective Halloran (Callum Keith Rennie) und dessen Kollegen Hunt (Clé Bennett) stehen bald die beiden Gerichtsmediziner Logan Nelson (Matt Passmore) und Eleanor Bonneville (Hannah Emily Anderson) im Fokus, da sie offenbar einige Dinge vor den Cops verbergen. Derweil kämpfen sich mehrere bedauernswerte Mitbürger von ihnen durch ein Labyrinth voller Fallen, die ihnen auf dem Weg zur Absolution in einem abgeriegelten Landhaus gestellt werden.
Eine Zusammenfassung, die so beinahe auf alle anderen Teile zutrifft. Sei’s drum: „Jigsaw“ ist weder Genre-Referenz noch Rohrkrepierer, für Fans einen Blick wert und letztendlich ein passabler Wiederaufguss. Sollten weitere folgen, ist das okay. Nötig sind sie jedoch nicht.
Der Film erscheint auf DVD/Blu-ray in deutsch synchronisierter Sprachfassung sowie in englischer Originalversion. Untertitel in deutsch sind vorhanden. Als Extras gibt es einen Audiokommentar, Trailer, ein Feature zu den Requisiten und mit „Jigsaws Vermächtnis“ eine Making of-Doku in Spielfilmlänge. „Jigsaw“ erscheint bei Studiocanal ist seit 8. Februar 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Studiocanal)
Als der erste Film der „Saw“-Reihe 2004 erschien, hatte ich das Vergnügen, das Werk vorab bei einer Pressevorstellung sehen zu dürfen. Mein Fazit damals: kreativ aber unnötig brutal. Rückblickend wirkt dieses Urteil angesichts der darauf folgenden Teile und deren Gewaltdarstellung irgendwie amüsant. Schimpfte ich nach der Sichtung von Teil 2 noch über die Ideenlosigkeit der Macher und dem offensichtlichen Ausverkauf einer ursprünglich interessanten Idee – Todkranker zwingt sündige Mitmenschen zu blutigen ‚Spielen‘ um sie zu läutern –, so begann ich ab Teil 3, die Filmreihe als das zu akzeptieren, was sie fortan war: unterhaltsamer „Torture-Porn“, der nur darauf abzielt, böse Mitmenschen möglichst fies ins Jenseits zu befördern. Und ja, ich habe alle Teile gesehen.
2010 erschien mit „Saw 3D – Vollendung“ der vorerst letzte Auftritt des titelgebenden Jigsaw-Killers. Es war ein hastig produzierter Abgang, nachdem die vorhergehenden Filme zunehmend Publikum verloren und daher aus ursprünglich zwei finalen Episoden eine wurde. Nichtsdestotrotz ein im Rahmen des Franchises gelungenes Ende, das zudem einen der seltenen Filmauftritte des 2017 verstorbenen Linkin Park-Sängers Chester Bennington enthielt.
Nun also ein achter(!) Teil im „Saw“-Universum. Hätte es den gebraucht? Nein. Freue ich mich trotzdem darüber? Ja. Regie übernahmen diesmal The Spierig Brothers Michael und Peter, die sich zuvor mit „Daybreakers“ sowie „Predestination“ einen Namen gemacht haben. Neues Blut (haha!) also für eine Reihe, die stilistisch bisher wenige bis keine inszenatorischen Ausbrüche wagte, wohl auch, da alle vorangegangenen Regisseure stets aus dem Produktionsumfeld stammten. Tatsächlich bieten die ersten Minuten von „Jigsaw“ viel Tempo und geben Hoffnung auf eine neue Herangehensweise. Nur leider verpufft das sehr schnell wieder.
Das will ich den Spierig Brothers aber gar nicht vorwerfen. Denn auch wenn sie in den folgenden 80 Minuten quasi auf Nummer sicher gehen und nur das wiederholen, was es schon immer bei „Saw I“ bis „Saw VII“ gab, so geben sie dem geneigten Fan das, was er/sie erwartet. Das macht „Jigsaw“ letztendlich zu einem würdigen Nachfolger, der sich perfekt in die Reihe einfügt: das Leiden und Jammern der Opfer steht im Vordergrund, deren zu bewältigende Aufgaben sind nichts für Zartbesaitete und irgendwo dazwischen relativiert John Kramer alias Jigsaw (Tobin Bell) seine Handlungen mit zweifelhaften Motiven. Die restlichen Akteure bleiben dabei ebenso austauschbar wie die Kamerawinkel, der Schnitt und der Einsatz von Musik. Also alles so wie immer. Mir gefällt’s!
Zum Schluss noch ein paar Sätze zur Handlung: Etliche Jahre nach Jigsaws Tod scheint eine neue Mordserie in seinem Stil im Gange zu sein. Bei den Ermittlungen von Detective Halloran (Callum Keith Rennie) und dessen Kollegen Hunt (Clé Bennett) stehen bald die beiden Gerichtsmediziner Logan Nelson (Matt Passmore) und Eleanor Bonneville (Hannah Emily Anderson) im Fokus, da sie offenbar einige Dinge vor den Cops verbergen. Derweil kämpfen sich mehrere bedauernswerte Mitbürger von ihnen durch ein Labyrinth voller Fallen, die ihnen auf dem Weg zur Absolution in einem abgeriegelten Landhaus gestellt werden.
Eine Zusammenfassung, die so beinahe auf alle anderen Teile zutrifft. Sei’s drum: „Jigsaw“ ist weder Genre-Referenz noch Rohrkrepierer, für Fans einen Blick wert und letztendlich ein passabler Wiederaufguss. Sollten weitere folgen, ist das okay. Nötig sind sie jedoch nicht.
Der Film erscheint auf DVD/Blu-ray in deutsch synchronisierter Sprachfassung sowie in englischer Originalversion. Untertitel in deutsch sind vorhanden. Als Extras gibt es einen Audiokommentar, Trailer, ein Feature zu den Requisiten und mit „Jigsaws Vermächtnis“ eine Making of-Doku in Spielfilmlänge. „Jigsaw“ erscheint bei Studiocanal ist seit 8. Februar 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Studiocanal)
Heimkino-Tipp: „Good Time“ (2017)
Bis zum Ende der Nacht
Was haben der Musiker Justin Timberlake und die Schauspieler Daniel Radcliffe sowie Robert Pattinson gemeinsam? Alle drei begannen ihre Karrieren in jungen Jahren mit relativ unspektakuläreren Projekten, die vor allem auf ein junges Publikum abzielten. Inzwischen haben sich alle drei Herren jedoch weitgehend von ihrer künstlerischen Vergangenheit gelöst und überraschen immer wieder aufs Neue mit Werken, die außergewöhnlicher nicht sein könnten. Während Timberlake aktuell einer der wichtigsten Musiker seiner Generation ist, spielen sich Radcliffe (siehe „Imperium“) und sein Kollege Pattinson („Maps to the Stars“) in grandiosen Filmen regelmäßig die Seele aus dem Leib und begeistern mit großer Schauspielkunst. Das ist in „Good Time“, in dem Pattinson die Hauptrolle spielt, nicht anders.
Er gibt darin den vom Leben gebeutelten Connie, der auf die irrwitzige Idee kommt, zusammen mit seinem geistig beeinträchtigten Bruder Nick (Co-Regisseur Benny Safdie) eine Bank zu überfallen. Das gelingt zwar mehr schlecht als recht, doch bei der anschließenden Flucht wird Nick von der Polizei verhaftet. Überzeugt davon, dass der im Gefängnis nicht lange überleben wird, will Connie sein Bruderherz so schnell wie möglich aus dem Knast holen. Zunächst versucht er es auf legalem Weg und will das erbeutete Geld als Kaution hinterlegen. Allerdings ist davon ein großer Teil aufgrund einer Farbbombe unbrauchbar. Als zudem die Kreditkarte seiner Freundin (Jennifer Jason Leigh mit einem kleinen, aber feinen Auftritt) versagt, beginnt für Connie auf der Suche nach alternativen Optionen eine Odyssee durch das nächtliche New York, die ihn immer tiefer in eine Abwärtsspirale zieht.
Wer sich auf „Good Time“ einlässt, sollte eines nicht vergessen: Anschnallen, bitte! Von Minute eins an gibt dieser düstere Thriller von Josh und Benny Safdie auf allen Ebenen Vollgas – visuell, akustisch, darstellerisch. Beinahe komplett in Echtzeit inszeniert – bis auf wenige dramaturgisch sinnvolle Szenensprünge –, verweilt die Kamera stets beim Protagonisten und überträgt so dessen zunehmende Verzweiflung auf das Publikum. Die agierenden Figuren, zum Teil Laiendarsteller, wirken in ihrer Ungeschliffenheit äußerst real und transportieren auch ohne ausführliche Charakterisierung eine emotionale Tiefe, die beeindruckend ist. Besonders Pattinson gelingt dies formidabel: Die Verbundenheit zu seinem Bruder, sein unbedingter Wille, ihn zu befreien, deuten auf einen Charakter, der einerseits zu allem bereit scheint, andererseits verantwortungsvoll und pflichtbewusst sein will, egal, was die Umstände sein mögen.
Selten verspürte ich beim Ansehen eines Films eine derartige Dringlichkeit und emotionale Wucht selbst ohne die Hauptakteure zu kennen bzw. deren Taten gutzuheißen. Ein Independent-Meisterstück, das die Safdie-Brüder („Heaven Knows What“) hier geschaffen haben.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Extras sind Interviews dabei. „Good Time¬ – Wettlauf gegen die Zeit“ erscheint bei Elite Film AG (Ascot Elite Entertainment) und ist seit 9. März 2018 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © Ascot Elite)
Was haben der Musiker Justin Timberlake und die Schauspieler Daniel Radcliffe sowie Robert Pattinson gemeinsam? Alle drei begannen ihre Karrieren in jungen Jahren mit relativ unspektakuläreren Projekten, die vor allem auf ein junges Publikum abzielten. Inzwischen haben sich alle drei Herren jedoch weitgehend von ihrer künstlerischen Vergangenheit gelöst und überraschen immer wieder aufs Neue mit Werken, die außergewöhnlicher nicht sein könnten. Während Timberlake aktuell einer der wichtigsten Musiker seiner Generation ist, spielen sich Radcliffe (siehe „Imperium“) und sein Kollege Pattinson („Maps to the Stars“) in grandiosen Filmen regelmäßig die Seele aus dem Leib und begeistern mit großer Schauspielkunst. Das ist in „Good Time“, in dem Pattinson die Hauptrolle spielt, nicht anders.
Er gibt darin den vom Leben gebeutelten Connie, der auf die irrwitzige Idee kommt, zusammen mit seinem geistig beeinträchtigten Bruder Nick (Co-Regisseur Benny Safdie) eine Bank zu überfallen. Das gelingt zwar mehr schlecht als recht, doch bei der anschließenden Flucht wird Nick von der Polizei verhaftet. Überzeugt davon, dass der im Gefängnis nicht lange überleben wird, will Connie sein Bruderherz so schnell wie möglich aus dem Knast holen. Zunächst versucht er es auf legalem Weg und will das erbeutete Geld als Kaution hinterlegen. Allerdings ist davon ein großer Teil aufgrund einer Farbbombe unbrauchbar. Als zudem die Kreditkarte seiner Freundin (Jennifer Jason Leigh mit einem kleinen, aber feinen Auftritt) versagt, beginnt für Connie auf der Suche nach alternativen Optionen eine Odyssee durch das nächtliche New York, die ihn immer tiefer in eine Abwärtsspirale zieht.
Wer sich auf „Good Time“ einlässt, sollte eines nicht vergessen: Anschnallen, bitte! Von Minute eins an gibt dieser düstere Thriller von Josh und Benny Safdie auf allen Ebenen Vollgas – visuell, akustisch, darstellerisch. Beinahe komplett in Echtzeit inszeniert – bis auf wenige dramaturgisch sinnvolle Szenensprünge –, verweilt die Kamera stets beim Protagonisten und überträgt so dessen zunehmende Verzweiflung auf das Publikum. Die agierenden Figuren, zum Teil Laiendarsteller, wirken in ihrer Ungeschliffenheit äußerst real und transportieren auch ohne ausführliche Charakterisierung eine emotionale Tiefe, die beeindruckend ist. Besonders Pattinson gelingt dies formidabel: Die Verbundenheit zu seinem Bruder, sein unbedingter Wille, ihn zu befreien, deuten auf einen Charakter, der einerseits zu allem bereit scheint, andererseits verantwortungsvoll und pflichtbewusst sein will, egal, was die Umstände sein mögen.
Selten verspürte ich beim Ansehen eines Films eine derartige Dringlichkeit und emotionale Wucht selbst ohne die Hauptakteure zu kennen bzw. deren Taten gutzuheißen. Ein Independent-Meisterstück, das die Safdie-Brüder („Heaven Knows What“) hier geschaffen haben.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Extras sind Interviews dabei. „Good Time¬ – Wettlauf gegen die Zeit“ erscheint bei Elite Film AG (Ascot Elite Entertainment) und ist seit 9. März 2018 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © Ascot Elite)
Heimkino-Tipp: „The Foreigner“ (2017)
Collateral Damage
Hui, ist der Mann angepisst: Liam Hennessy hat die undankbare Aufgabe, die Verantwortlichen eines verheerenden Attentats in London zu finden. Als hochrangiger nordirischer Politiker hat er sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Vermittler zwischen den Briten und den Unabhängigkeitsbefürwortern aus Irland erarbeitet – und ist nun erwartungsgemäß not amused, dass scheinbar ein paar Rotzlöffel aus der sogenannten UDI-Bewegung den fragilen Frieden wegbomben wollen. Aber das ist nicht Hennessys einziges Problem: Er wird zudem in einen Privatkrieg mit einem trauernden Vater verwickelt, der überzeugt ist, dass das Ex-UDI-Mitglied weiß, wer den Anschlag in Auftrag gegeben und ausgeführt hat.
Ein Familienvater auf persönlichem Rachefeldzug fernab rechtsstaatlicher Pfade: Die Prämisse ist nicht neu, im Falle von „The Foreigner“ wird sie jedoch auf interessante Weise ‚gepimpt‘: mit zwei überzeugenden Hauptdarstellern und einem Regisseur, der bereits zwei Mal einer der bekanntesten Filmreihen zum überfälligen Neustart verholfen hat: Martin Campbell, inzwischen stolze 77 Jahre alt, drehte einst „GoldenEye“ (1995) und 2006 „Casino Royale“ – zwei der erfolgreichsten und besten(?) Bond-Abenteuer überhaupt. Mag seine Filmografie qualitativ auch durchwachsen sein („Die Maske des Zorro“, „Vertical Limit“, „Green Lantern“), mit Pierce Brosnan scheint er einen Lauf zu haben: der Ex-007-Darsteller gibt in „The Foreigner“ den Machtmenschen Hennessy derart angriffslustig, dass es eine wahre Freude ist. Mit herrlichem irischen Akzent spuckt er im beruflichen Umfeld seinen Unmut über die Terroristen aus und ist gleichzeitig mehr als überrascht, dass ihm ein über 60-jähriger Gegenspieler mit offenbar außergewöhnlichen Fähigkeiten derart in die Parade fährt. Kein Geringerer als Jackie Chan spielt jenen Quan, der alles hinter sich lässt, um den Mörder seiner Tochter zu bestrafen.
Nach Willis („16 Blocks“), Arnie („The Last Stand“) und Sly Stallone („Creed“) zeigt sich mit Chan nun ein weiterer ehemaliger(?) Actionstar in einer seinem Alter angemessenen Rolle, die zwar immer noch körperliche Fitness erfordert, aber eben auch die darstellerischen Muskeln beansprucht. So gibt es in „The Foreigner“ zwar reichlich Feuerwerk und Krach, Chans akrobatische Einlagen allerdings nur marginal. Vielmehr überrascht er mit hängenden Gesichtszügen und Schultern und gibt den verletzten Papa überaus überzeugend.
Ein weiterer Pluspunkt ist das differenzierte Skript von David Marconi, basierend auf einem Roman von Stephen Leather: Trotz des Schwerpunkts auf Action, verdeutlicht es sehr gut den andauernden politischen ‚Tanz auf dem Vulkan‘ der Region und die Fragilität des Friedens. Kurze, aber umso heftigere Gewaltausbrüche der Polizeikräfte erinnern ebenfalls daran, dass der Kampf (wofür auch immer) auf beiden Seiten mitunter ohne moralischen Kompass geführt wird.
„The Foreigner“ ist ein harter, klasse inszenierter Thriller mit politischem Unterbau und zwei großartig agierenden Protagonisten, die etliche Szenen zum Glänzen erhalten. Empfehlenswert!
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung mit optionalen deutschen und englischen Untertiteln. Als Extras gibt es Interviews und Trailer. „The Foreigner“ erscheint bei Universum Film und ist seit 23. Februar 2018 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © Universum)
Hui, ist der Mann angepisst: Liam Hennessy hat die undankbare Aufgabe, die Verantwortlichen eines verheerenden Attentats in London zu finden. Als hochrangiger nordirischer Politiker hat er sich in den vergangenen Jahren einen Namen als Vermittler zwischen den Briten und den Unabhängigkeitsbefürwortern aus Irland erarbeitet – und ist nun erwartungsgemäß not amused, dass scheinbar ein paar Rotzlöffel aus der sogenannten UDI-Bewegung den fragilen Frieden wegbomben wollen. Aber das ist nicht Hennessys einziges Problem: Er wird zudem in einen Privatkrieg mit einem trauernden Vater verwickelt, der überzeugt ist, dass das Ex-UDI-Mitglied weiß, wer den Anschlag in Auftrag gegeben und ausgeführt hat.
Ein Familienvater auf persönlichem Rachefeldzug fernab rechtsstaatlicher Pfade: Die Prämisse ist nicht neu, im Falle von „The Foreigner“ wird sie jedoch auf interessante Weise ‚gepimpt‘: mit zwei überzeugenden Hauptdarstellern und einem Regisseur, der bereits zwei Mal einer der bekanntesten Filmreihen zum überfälligen Neustart verholfen hat: Martin Campbell, inzwischen stolze 77 Jahre alt, drehte einst „GoldenEye“ (1995) und 2006 „Casino Royale“ – zwei der erfolgreichsten und besten(?) Bond-Abenteuer überhaupt. Mag seine Filmografie qualitativ auch durchwachsen sein („Die Maske des Zorro“, „Vertical Limit“, „Green Lantern“), mit Pierce Brosnan scheint er einen Lauf zu haben: der Ex-007-Darsteller gibt in „The Foreigner“ den Machtmenschen Hennessy derart angriffslustig, dass es eine wahre Freude ist. Mit herrlichem irischen Akzent spuckt er im beruflichen Umfeld seinen Unmut über die Terroristen aus und ist gleichzeitig mehr als überrascht, dass ihm ein über 60-jähriger Gegenspieler mit offenbar außergewöhnlichen Fähigkeiten derart in die Parade fährt. Kein Geringerer als Jackie Chan spielt jenen Quan, der alles hinter sich lässt, um den Mörder seiner Tochter zu bestrafen.
Nach Willis („16 Blocks“), Arnie („The Last Stand“) und Sly Stallone („Creed“) zeigt sich mit Chan nun ein weiterer ehemaliger(?) Actionstar in einer seinem Alter angemessenen Rolle, die zwar immer noch körperliche Fitness erfordert, aber eben auch die darstellerischen Muskeln beansprucht. So gibt es in „The Foreigner“ zwar reichlich Feuerwerk und Krach, Chans akrobatische Einlagen allerdings nur marginal. Vielmehr überrascht er mit hängenden Gesichtszügen und Schultern und gibt den verletzten Papa überaus überzeugend.
Ein weiterer Pluspunkt ist das differenzierte Skript von David Marconi, basierend auf einem Roman von Stephen Leather: Trotz des Schwerpunkts auf Action, verdeutlicht es sehr gut den andauernden politischen ‚Tanz auf dem Vulkan‘ der Region und die Fragilität des Friedens. Kurze, aber umso heftigere Gewaltausbrüche der Polizeikräfte erinnern ebenfalls daran, dass der Kampf (wofür auch immer) auf beiden Seiten mitunter ohne moralischen Kompass geführt wird.
„The Foreigner“ ist ein harter, klasse inszenierter Thriller mit politischem Unterbau und zwei großartig agierenden Protagonisten, die etliche Szenen zum Glänzen erhalten. Empfehlenswert!
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung mit optionalen deutschen und englischen Untertiteln. Als Extras gibt es Interviews und Trailer. „The Foreigner“ erscheint bei Universum Film und ist seit 23. Februar 2018 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © Universum)
Heimkino-Tipp: „American Assassin“ (2017)
Killer Elite
Es ist mitunter verwunderlich, wie unterschiedlich Filme bewertet werden, die in ihrem Kern gar nicht so verschieden sind. Allerdings scheint es leichter zu sein, über offensichtliche Drehbuchlücken und-schwächen hinwegzusehen, wenn bekannte und vor allem erfolgreiche Stars darin involviert sind. Die „Bond“-Reihe und sein amerikanisches Quasi-Äquivalent „Mission: Impossible“ beispielsweise punkten zwar selten mit Tiefgründigkeit, ihrer Beliebtheit schadet das allerdings nicht. Ganz anders bei „American Assassin“: Der Actionthriller, basierend auf einer mehrbändigen Romanreihe von Vince Flynn, zeigt einen jungen Spezialagenten in der Ausbildung und später im Einsatz, der rund um den Globus reist und sich herzlich wenig um Vorschriften und Befehle schert. Klingt vertraut? Gnade gab es für den Film beim Kinostart trotzdem nicht.
Gewiss, die Handlung ist nicht sonderlich kreativ: Mitch Rapp (Dylan O‘Brien) verliert seine Verlobte während eines Terroranschlags, begibt sich selbst auf Tätersuche und wird dabei von der CIA rekrutiert, die ihn anschließend für inoffizielle Einsätze schult und einsetzt. Dass dabei nicht jeder der Beteiligten sogleich seine Geheimnisse offenlegt, liegt in der Natur des Genres. Dem Spannungsfaktor ist das sogar zuträglich und bereitet die Bühne für feine Actionszenen, die sich sehen lassen können.
Größter Pluspunkt: Regisseur Michael Cuesta („Kill the Messenger“) inszeniert seine rasante Hatz im ‚altmodischen Stil‘, sodass sein Publikum stets den Überblick behalten kann, wer hier gerade wem die Kauleiste geraderückt oder wer am schmerzhaften Ende eines Klappmessers steht. Auch das ist nichts Außergewöhnliches, trägt aber immens zum Filmgenuss bei. Der stellt sich immer dann verstärkt ein, wenn Michael Keaton ins Bild rückt. Als knallharter Ausbilder Stan Hurley beeindruckt der drahtige 66-jährige Mime mit körperlicher Fitness, Coolness und Undurchschaubarkeit. Weitere, in solcherlei Filmen immer wieder gern gesehene Akteure sind Van Damme-Lieblingsgegenspieler Scott Adkins sowie ein garstig agierender Taylor Kitsch alias Oberbösewicht Ghost.
Um dies jedoch klarzustellen: Sympathische Charaktere gibt es in diesem Film nicht. Die wenigen Szenen, die die Protagonisten ein wenig mit Leben füllen sollen, kratzen lediglich an der Oberfläche und bieten – außer bei Mitch – keinerlei Rechtfertigung für ihr Tun. „American Assassin“ präsentiert sich somit als ein nahezu komplett amoralisches Werk, das auch im Actionkino der 1980er-Jahre nicht weiter aufgefallen wäre. Vielleicht ist das aber die eigentliche Aussage: 30 Jahre später sind wir was ethisches Handeln angeht keinen Schritt weiter.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung mit optionalen deutschen Untertiteln. Als Extras gibt es diverse Making of-Kurzdokus, Interviews und Trailer. „American Assassin“ erscheint bei Studiocanal ist seit 22. Februar 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Studiocanal)
Es ist mitunter verwunderlich, wie unterschiedlich Filme bewertet werden, die in ihrem Kern gar nicht so verschieden sind. Allerdings scheint es leichter zu sein, über offensichtliche Drehbuchlücken und-schwächen hinwegzusehen, wenn bekannte und vor allem erfolgreiche Stars darin involviert sind. Die „Bond“-Reihe und sein amerikanisches Quasi-Äquivalent „Mission: Impossible“ beispielsweise punkten zwar selten mit Tiefgründigkeit, ihrer Beliebtheit schadet das allerdings nicht. Ganz anders bei „American Assassin“: Der Actionthriller, basierend auf einer mehrbändigen Romanreihe von Vince Flynn, zeigt einen jungen Spezialagenten in der Ausbildung und später im Einsatz, der rund um den Globus reist und sich herzlich wenig um Vorschriften und Befehle schert. Klingt vertraut? Gnade gab es für den Film beim Kinostart trotzdem nicht.
Gewiss, die Handlung ist nicht sonderlich kreativ: Mitch Rapp (Dylan O‘Brien) verliert seine Verlobte während eines Terroranschlags, begibt sich selbst auf Tätersuche und wird dabei von der CIA rekrutiert, die ihn anschließend für inoffizielle Einsätze schult und einsetzt. Dass dabei nicht jeder der Beteiligten sogleich seine Geheimnisse offenlegt, liegt in der Natur des Genres. Dem Spannungsfaktor ist das sogar zuträglich und bereitet die Bühne für feine Actionszenen, die sich sehen lassen können.
Größter Pluspunkt: Regisseur Michael Cuesta („Kill the Messenger“) inszeniert seine rasante Hatz im ‚altmodischen Stil‘, sodass sein Publikum stets den Überblick behalten kann, wer hier gerade wem die Kauleiste geraderückt oder wer am schmerzhaften Ende eines Klappmessers steht. Auch das ist nichts Außergewöhnliches, trägt aber immens zum Filmgenuss bei. Der stellt sich immer dann verstärkt ein, wenn Michael Keaton ins Bild rückt. Als knallharter Ausbilder Stan Hurley beeindruckt der drahtige 66-jährige Mime mit körperlicher Fitness, Coolness und Undurchschaubarkeit. Weitere, in solcherlei Filmen immer wieder gern gesehene Akteure sind Van Damme-Lieblingsgegenspieler Scott Adkins sowie ein garstig agierender Taylor Kitsch alias Oberbösewicht Ghost.
Um dies jedoch klarzustellen: Sympathische Charaktere gibt es in diesem Film nicht. Die wenigen Szenen, die die Protagonisten ein wenig mit Leben füllen sollen, kratzen lediglich an der Oberfläche und bieten – außer bei Mitch – keinerlei Rechtfertigung für ihr Tun. „American Assassin“ präsentiert sich somit als ein nahezu komplett amoralisches Werk, das auch im Actionkino der 1980er-Jahre nicht weiter aufgefallen wäre. Vielleicht ist das aber die eigentliche Aussage: 30 Jahre später sind wir was ethisches Handeln angeht keinen Schritt weiter.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung mit optionalen deutschen Untertiteln. Als Extras gibt es diverse Making of-Kurzdokus, Interviews und Trailer. „American Assassin“ erscheint bei Studiocanal ist seit 22. Februar 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Studiocanal)
Abonnieren
Posts (Atom)






















