Red Red Wine
Wer selbst Kinder hat, kennt das sicherlich nur zu gut: Der Nachwuchs benötigt konstant Aufmerksamkeit, Fürsorge und Zuneigung und fordert diese auch – zu Recht – jederzeit ein. Das Benehmen ist oftmals eigenwillig, die Geduld gering und der Hunger mitunter groß. Für Eltern eine tägliche Herausforderung, besonders dann, wenn man/frau alleinerziehend ist und den Alltag mit den Kids solo meistern muss.
Regisseur Brad Anderson („Der Maschinist“, „The Call – Leg nicht auf!“) und sein Drehbuchautor Will Honley haben dieses Elterndasein mit „Blood“ in ein wunderbares filmisches Gleichnis übertragen, das sich packend und unterhaltsam das Vampir-Genre zunutze macht.
Die getrennt lebende Krankenschwester Jess (Michelle Monaghan) zieht mit ihren beiden Kindern zurück in ihr vereinsamtes Elternhaus auf dem Land. Während ihre Teenagertochter Tyler (Skylar Morgan Jones) mit dem neuen Umfeld hadert, begibt sich ihr jüngerer Bruder Owen (Finlay Wojtak-Hissong) zusammen mit seinem Hund auf Entdeckertour auf dem umliegenden Gelände. Als das Tier jedoch eines Nachts ausbüxt und Tage später erst zurückkehrt, nimmt das Unheil seinen Lauf: Der Hund fällt Owen an, dieser muss mit einer schlimmen Bisswunde ins Krankenhaus – und ist fortan nicht mehr derselbe. Denn scheinbar hilft ihm nur eine ‚Medizin‘: frisches Blut.
Wer nun einen deftigen Vampirhorrorstreifen erwartet, wird womöglich enttäuscht werden. Denn Regisseur Anderson interessiert sich nur beiläufig für die Jagd nach dem Lebenssaft und fokussiert in seinem Film vielmehr die Auswirkungen des Blutdursts auf Mutter Jess und ihr Handeln. Sie ist zunächst die Einzige, die das unheimliche Verlangen ihres Sohnes wahrnimmt und versucht mittels geklauter Blutkonserven, das Problem im Zaum zu halten. Eine Scheinlösung, da Owens Durst einerseits immer größer wird, Jess andererseits schnell andere Mittel und Wege finden muss, da ihr der Zugang zu den sensiblen Räumen im Krankenhaus aus Sicherheitsgründen verwehrt wird.
Womit Jess’ Kernkonflikt zutage tritt: Wie weit würde sie als Mutter gehen, um ihr Kind zu retten? Zu welchen Maßnahmen wäre sie fähig? Inhaltlich spannender wird dieser Konflikt auch dadurch, dass ihr mit ihrem (unwissenden) Ex-Mann Patrick (Skeet Ulrich) eine Person gegenübersteht, die ebenfalls bereit ist, zu allen (rechtlichen) Mitteln zu greifen, um seine Kinder zu schützen. Somit wird „Blood“ mehr und mehr zu einem Beziehungsdrama, das zwei sehr unterschiedliche Wege darstellt, um das ‚eigene Fleisch und Blut‘ zu retten.
Inszeniert ist das Ganze relativ unspektakulär, was keineswegs negativ gemeint ist, da so der Fokus komplett auf der inhaltlichen Ebene verweilt. Auch verzichtet „Blood“ auf witzige Momente und vermeidet Überzeichnungen ebenso wie übernatürliche Szenen, was der Glaubhaftigkeit der Erzählung zugutekommt.
Natürlich funktioniert „Blood“ auch ohne diesen psychologischen Überbau ganz hervorragend. Wer jedoch die oben benannte Gleichnis-These akzeptiert, wird vom Ende des Films sicherlich überrascht sein. Oder anders formuliert: Ein solches Finale ist mutig. Respekt!
Fazit: Ein schönes kleines filmisches Schmankerl, das zwar nicht außergewöhnlich ist, aber doch weit mehr als das übliche Vampirgeschichtchen zu bieten hat und spannend unterhält.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in englischer Original- sowie deutscher Synchronsprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional zuschaltbar. Als Bonus gibt es Trailer. „Blood“ erscheint bei Square One Entertainment im Vertrieb von Leonine und ist seit 27. Oktober 2023 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © LEONINE Studios)
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
Heimkino-Tipp: „Die Zeit nach Mitternacht“ (1985)
After Hours
Während es im Kino gerade Martin Scorseses neuestes Werk „Killers of the Flower Moon“ zu bestaunen gibt, erscheint fürs Heimkino eine seiner etwas unbekannteren Arbeiten aus den 1980ern erstmals auf Blu-ray: „Die Zeit nach Mitternacht“. Wobei die Formulierung ‚etwas unbekannter‘ vielleicht etwas überspitzt ist, denn ein Scorsese-Film hat auch schon damals, im dritten Jahrzehnt seiner Karriere, für Aufmerksamkeit gesorgt. Im Gesamtœuvre aber, das von Klassikern wie „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „Goodfellas“, „Gangs of New York“ oder „The Departed“ nur so überquillt, ist die 1985 erschienene Komödie allerdings schon etwas versteckt.
Sie erzählt die Geschichte des alleinstehenden Texters Paul (Griffin Dunne), der nach Feierabend in einem Café die attraktive Marcy (Rosanna Arquette) kennenlernt. Ein sympathisches Gespräch und ein einladendes Telefonat später ist Paul bereits auf dem Weg in ihr Appartement, wo er auf ihre eigensinnige Mitbewohnerin, die Künstlerin Kiki (Linda Fiorentino) trifft. Von da an entwickelt sich Pauls Nacht zu einem unvorhersehbaren Abenteuer, das ihn dank vieler seltsamer Situationen und Personen beständig davon abhalten wird, wieder in sein sicheres Zuhause zu kommen.
Gewöhnlich reagiere ich stets etwas skeptisch, wenn mir ein Drehbuch erzählen will, dass unscheinbare, stille und nicht übermäßig sexy erscheinende Männer ganz spontan von sehr hübschen, witzigen und scheinbar Partnerlosen Damen angesprochen werden. Auch in diesem Film kommt die Handlung erst durch so eine ‚göttliche‘ Fügung ins Rollen, zum Glück wird in diesem Fall jedoch sehr schnell deutlich, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht oder zufällig geschieht. Oder doch?
Ganz ähnlich dem Gefühl, das mensch bei großer Müdigkeit und zu wenig Schlaf mitten in der Nacht überkommt, schlägt das Skript von Joseph Minion und Scorsese im Verlauf so viele Haken, dass es zunehmend schwerfällt, das Gezeigte als glaubhafte (Film-)Realität zu akzeptieren. Figuren handeln seltsam, Dialoge verwirren, viel zu viele Personen sind viel zu wach zu nachtschlafender Zeit.
Dieses an sich amüsante Konzept hat jedoch zwei kleine Schwächen: Es ist nur leidlich spannend und leider selten wirklich komisch. Hinzu kommen irrationale Entscheidungen der Hauptfigur, die es schwer machen, ihr als ZuschauerIn zu folgen oder zumindest mit ihr zu sympathisieren. Die Welt in „Die Zeit nach Mitternacht“ ist überfüllt von sehr eigenwilligen Charakteren, ‚Normalos‘ scheint es nachts in New York nicht zu geben.
Ist es genau das, was der Film erzählen will? New York als Schmelztiegel verrückter Menschen, in denen ein langweiliger Bürohengst selbst erst verrückt werden muss, um zu Überleben? Fast schon ein Kompliment für diese Millionenstadt. Bezüglich Scorseses Schaffen gibt‘s meine Komplimente aber eher für seine anderen Werke.
Die Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Deutsche und englische Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es einen Audiokommentar, ein Making of, entfallene Szenen, Trailer und ein Booklet von Stefan Jung. „Die Zeit nach Mitternacht“ erscheint im Mediabook (Blu-ray/DVD) bei Plaion Pictures und ist seit 26. Oktober 2023 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Plaion Pictures)
Während es im Kino gerade Martin Scorseses neuestes Werk „Killers of the Flower Moon“ zu bestaunen gibt, erscheint fürs Heimkino eine seiner etwas unbekannteren Arbeiten aus den 1980ern erstmals auf Blu-ray: „Die Zeit nach Mitternacht“. Wobei die Formulierung ‚etwas unbekannter‘ vielleicht etwas überspitzt ist, denn ein Scorsese-Film hat auch schon damals, im dritten Jahrzehnt seiner Karriere, für Aufmerksamkeit gesorgt. Im Gesamtœuvre aber, das von Klassikern wie „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „Goodfellas“, „Gangs of New York“ oder „The Departed“ nur so überquillt, ist die 1985 erschienene Komödie allerdings schon etwas versteckt.
Sie erzählt die Geschichte des alleinstehenden Texters Paul (Griffin Dunne), der nach Feierabend in einem Café die attraktive Marcy (Rosanna Arquette) kennenlernt. Ein sympathisches Gespräch und ein einladendes Telefonat später ist Paul bereits auf dem Weg in ihr Appartement, wo er auf ihre eigensinnige Mitbewohnerin, die Künstlerin Kiki (Linda Fiorentino) trifft. Von da an entwickelt sich Pauls Nacht zu einem unvorhersehbaren Abenteuer, das ihn dank vieler seltsamer Situationen und Personen beständig davon abhalten wird, wieder in sein sicheres Zuhause zu kommen.
Gewöhnlich reagiere ich stets etwas skeptisch, wenn mir ein Drehbuch erzählen will, dass unscheinbare, stille und nicht übermäßig sexy erscheinende Männer ganz spontan von sehr hübschen, witzigen und scheinbar Partnerlosen Damen angesprochen werden. Auch in diesem Film kommt die Handlung erst durch so eine ‚göttliche‘ Fügung ins Rollen, zum Glück wird in diesem Fall jedoch sehr schnell deutlich, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht oder zufällig geschieht. Oder doch?
Ganz ähnlich dem Gefühl, das mensch bei großer Müdigkeit und zu wenig Schlaf mitten in der Nacht überkommt, schlägt das Skript von Joseph Minion und Scorsese im Verlauf so viele Haken, dass es zunehmend schwerfällt, das Gezeigte als glaubhafte (Film-)Realität zu akzeptieren. Figuren handeln seltsam, Dialoge verwirren, viel zu viele Personen sind viel zu wach zu nachtschlafender Zeit.
Dieses an sich amüsante Konzept hat jedoch zwei kleine Schwächen: Es ist nur leidlich spannend und leider selten wirklich komisch. Hinzu kommen irrationale Entscheidungen der Hauptfigur, die es schwer machen, ihr als ZuschauerIn zu folgen oder zumindest mit ihr zu sympathisieren. Die Welt in „Die Zeit nach Mitternacht“ ist überfüllt von sehr eigenwilligen Charakteren, ‚Normalos‘ scheint es nachts in New York nicht zu geben.
Ist es genau das, was der Film erzählen will? New York als Schmelztiegel verrückter Menschen, in denen ein langweiliger Bürohengst selbst erst verrückt werden muss, um zu Überleben? Fast schon ein Kompliment für diese Millionenstadt. Bezüglich Scorseses Schaffen gibt‘s meine Komplimente aber eher für seine anderen Werke.
Die Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Deutsche und englische Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es einen Audiokommentar, ein Making of, entfallene Szenen, Trailer und ein Booklet von Stefan Jung. „Die Zeit nach Mitternacht“ erscheint im Mediabook (Blu-ray/DVD) bei Plaion Pictures und ist seit 26. Oktober 2023 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Plaion Pictures)
Heimkino-Tipp: „Master Gardener“ (2022)
Boy Trouble
Liebe ist wie eine Pflanze: Ist der Samen erst einmal im Boden eingepflanzt, bedarf es konstanter Pflege und Fürsorge, um sie zum Wachsen, Erblühen und Erhalt zu bringen. Traurigerweise gilt dies ebenso für Hass. Eine Metapher, die Regisseur und Drehbuchautor Paul Schrader für sein neuestes Werk „Master Gardener“ nutzt, um von der Annäherung zweier sehr verschiedener Menschen zu erzählen, deren Vergangenheit kaum Sonnenstrahlen bereithielt.
Narvel (Joel Edgerton) arbeitet als Chefgärtner auf dem Anwesen der wohlhabenden Norma Haverhill (Sigourney Weaver). Während der Vorbereitungen zum jährlichen Charity-Event auf dem Gelände bittet Norma ihren Angestellten, eine neue Praktikantin unter seine ‚grünen Daumen‘ zu nehmen: Ihre Großnichte Maya (Quintessa Swindell), Anfang 20, steht ihr zwar nicht nahe, braucht Normas Meinung nach jedoch etwas Führung und Ordnung in ihrem Leben – auch, um der Drogensucht zu entkommen. Tatsächlich fügt sich die junge Frau schnell in Narvels Team ein und zwischen Lehrer und Schülerin erblüht bald darauf sogar etwas mehr. Nicht nur aufgrund der ‚Beziehung‘ zu seiner Chefin ist das für Narvel jedoch eine sehr problematische Entwicklung.
Problematisch ist vielleicht auch der passende Begriff für Paul Schraders wechselvolle Karriere. Nach einem fulminanten Start als Drehbuchautor in den 1970er-Jahren (u.a. „Taxi Driver“, 1976, und „Wie ein wilder Stier“, 1980) und vielen weiteren erfolgreichen Skripten, die er teilweise selbst verfilmte, hatte er seit den 2010er-Jahren zunehmend Probleme, seine Wunschfassungen eigener Filme auf die Leinwand zu bringen. Dies änderte sich glücklicherweise 2017 mit dem Drama „First Reformed“, in dem Ethan Hawke als zweifelnder Pfarrer brilliert und der – zusammen mit dem nicht minder fesselnden Nachfolgewerk „The Card Counter“ (2021) und nun „Master Gardener“ – eine Art lose Trilogie über einsame Männerfiguren darstellt, die versuchen mit ihrer Vergangenheit ins Reine zu kommen.
Auch in „Master Gardener“ bleibt Schrader seinem Konzept treu, einer ruhigen und bedächtigen Inszenierung messerscharfe Dialoge gegenüberzustellen, die aufmerksames Zuhören erfordern, da sie einiges über jene Personen verraten, die sie von sich geben. Hinzu kommen viele kleine Nuancen, seien es Frisuren, T-Shirts, Tapetenmuster im Hintergrund oder kaum wahrnehmbare Charakterticks, mit denen es Schrader gelingt, sehr viel mehr über seine Figuren zu erzählen anstatt mithilfe konkreter Handlungen. Inhaltlich kreist der Film um Themen wie zweite Chancen, Neuanfänge und familiäre Prägungen sowie Rassismus, Vorurteile und Machtspiele, und spiegelt all diese Themen auch immer wieder in der Gartenarbeit wider, einem Mikrokosmos der menschlichen Natur sozusagen.
Zugegeben, die finalen 15 Minuten wirken nicht nur im Vergleich zu den vorherigen eineinhalb Stunden, sondern ebenso zu den beiden oben genannten Vorgängerfilmen etwas holprig und nicht ganz zu Ende gedacht. Allerdings entschädigen das nuancierte Spiel der fabelhaften Darsteller und die kontinuierlich bedrückend/bedrohlich wirkende Atmosphäre für diesen kleinen Lapsus am Ende zur Genüge.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in englischer Original- sowie deutscher Synchronsprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional zuschaltbar. Als Bonus gibt es Trailer. „Master Gardener“ erscheint bei Leonine Studios und ist seit 6. Oktober 2023 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © LEONINE Studios)
Liebe ist wie eine Pflanze: Ist der Samen erst einmal im Boden eingepflanzt, bedarf es konstanter Pflege und Fürsorge, um sie zum Wachsen, Erblühen und Erhalt zu bringen. Traurigerweise gilt dies ebenso für Hass. Eine Metapher, die Regisseur und Drehbuchautor Paul Schrader für sein neuestes Werk „Master Gardener“ nutzt, um von der Annäherung zweier sehr verschiedener Menschen zu erzählen, deren Vergangenheit kaum Sonnenstrahlen bereithielt.
Narvel (Joel Edgerton) arbeitet als Chefgärtner auf dem Anwesen der wohlhabenden Norma Haverhill (Sigourney Weaver). Während der Vorbereitungen zum jährlichen Charity-Event auf dem Gelände bittet Norma ihren Angestellten, eine neue Praktikantin unter seine ‚grünen Daumen‘ zu nehmen: Ihre Großnichte Maya (Quintessa Swindell), Anfang 20, steht ihr zwar nicht nahe, braucht Normas Meinung nach jedoch etwas Führung und Ordnung in ihrem Leben – auch, um der Drogensucht zu entkommen. Tatsächlich fügt sich die junge Frau schnell in Narvels Team ein und zwischen Lehrer und Schülerin erblüht bald darauf sogar etwas mehr. Nicht nur aufgrund der ‚Beziehung‘ zu seiner Chefin ist das für Narvel jedoch eine sehr problematische Entwicklung.
Problematisch ist vielleicht auch der passende Begriff für Paul Schraders wechselvolle Karriere. Nach einem fulminanten Start als Drehbuchautor in den 1970er-Jahren (u.a. „Taxi Driver“, 1976, und „Wie ein wilder Stier“, 1980) und vielen weiteren erfolgreichen Skripten, die er teilweise selbst verfilmte, hatte er seit den 2010er-Jahren zunehmend Probleme, seine Wunschfassungen eigener Filme auf die Leinwand zu bringen. Dies änderte sich glücklicherweise 2017 mit dem Drama „First Reformed“, in dem Ethan Hawke als zweifelnder Pfarrer brilliert und der – zusammen mit dem nicht minder fesselnden Nachfolgewerk „The Card Counter“ (2021) und nun „Master Gardener“ – eine Art lose Trilogie über einsame Männerfiguren darstellt, die versuchen mit ihrer Vergangenheit ins Reine zu kommen.
Auch in „Master Gardener“ bleibt Schrader seinem Konzept treu, einer ruhigen und bedächtigen Inszenierung messerscharfe Dialoge gegenüberzustellen, die aufmerksames Zuhören erfordern, da sie einiges über jene Personen verraten, die sie von sich geben. Hinzu kommen viele kleine Nuancen, seien es Frisuren, T-Shirts, Tapetenmuster im Hintergrund oder kaum wahrnehmbare Charakterticks, mit denen es Schrader gelingt, sehr viel mehr über seine Figuren zu erzählen anstatt mithilfe konkreter Handlungen. Inhaltlich kreist der Film um Themen wie zweite Chancen, Neuanfänge und familiäre Prägungen sowie Rassismus, Vorurteile und Machtspiele, und spiegelt all diese Themen auch immer wieder in der Gartenarbeit wider, einem Mikrokosmos der menschlichen Natur sozusagen.
Zugegeben, die finalen 15 Minuten wirken nicht nur im Vergleich zu den vorherigen eineinhalb Stunden, sondern ebenso zu den beiden oben genannten Vorgängerfilmen etwas holprig und nicht ganz zu Ende gedacht. Allerdings entschädigen das nuancierte Spiel der fabelhaften Darsteller und die kontinuierlich bedrückend/bedrohlich wirkende Atmosphäre für diesen kleinen Lapsus am Ende zur Genüge.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in englischer Original- sowie deutscher Synchronsprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional zuschaltbar. Als Bonus gibt es Trailer. „Master Gardener“ erscheint bei Leonine Studios und ist seit 6. Oktober 2023 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © LEONINE Studios)
Heimkino-Tipp: „The Whale“ (2022)
Sanfter Riese
Der Literaturprofessor Charlie (Brandon Fraser) unterrichtet seine Studenten ausschließlich aus dem Homeoffice. Die Kamera stets deaktiviert, können sie nur akustisch seinen ruhig vorgetragenen Ausführungen folgen, ohne zu wissen, wer da eigentlich vor ihnen sitzt. Für den zurückgezogen lebenden Mann eine Art Selbstschutz: Denn Charlie wiegt 300 Kilo, verlässt sein Appartement nie und wird – so zumindest die Prognose seiner einzigen Bezugsperson Liz (Hong Chau), einer Krankenschwester – das Ende der Woche nicht mehr erleben.
Ausgrenzung, Spott, Verachtung: Ein Blick in Charlies Augen verrät, dass er dies alles zur Genüge kennt. Doch statt Wut oder Verteidigung erwidert er in Momenten der Bedrängnis lediglich immer wieder ein flehendes ‚Es tut mir leid‘. Als wolle er sich für seine bloße Existenz entschuldigen, provoziert er damit sein Umfeld ungewollt zusätzlich, sei es Liz, seine Ex-Frau (Samantha Morton) oder die ihm entfremdete Tochter (Sadie Sink), zu der er nach vielen Jahren wieder versucht, zarte Bande zu knüpfen.
Basierend auf einem Theaterstück von Drehbuchautor Samuel D. Hunter, der darin auch eigene Erfahrungen verarbeitet hat, inszenierte Regisseur Darren Aronofsky („mother!“, „Black Swan“) „The Whale“ als ein intensives Kammerspiel im 4:3-Bildformat, das die bedrückende Enge von Charlies Zuhause/Gefängnis regelrecht spürbar macht. Besonders in Szenen, in denen der mächtige und erstaunlich große Charlie sich von seiner Couch erhebt, wird nicht nur das räumliche sondern ebenso körperliche eingepfercht Sein dieses wachen Geistes deutlich.
Für Frasers schauspielerische Glanzleistung – und für das Make-up – gab es u.a. einen Oscar. Wie sehr den sympathischen Mimen die weltweiten Lobhudeleien selbst überraschten und rührten, ist im Netz dank zahlreicher Clips (Stichwort: Filmfestspiele Venedig) dokumentiert. Es ist ein Comeback, das ein wenig an Mickey Rourke erinnert, als er ebenfalls für Aronofsky den „Wrestler“ spielte und dafür ebenso eine Oscar-Nominierung erhielt.
Auch dieser Film handelte u.a. von der Wiederannäherung eines Außenseiter-Vaters an seine junge Tochter. „The Whale“ fügt dem noch eine weitere, spannende Ebene hinzu, indem immer wieder auf Religion, Glaube und deren Auswirkungen Bezug genommen wird. Dem Skript gelingt hierbei die Gratwanderung, die heilsame und die zerstörerische Wirkung der Worte Gottes gleichsam zu verdeutlichen – je nachdem, wer sie auf welche Weise interpretiert.
Das Übergewicht des Protagonisten und seine selbstgewählte Isolation erzählen aber noch anderes: Vom vorurteilsfreien Miteinander (Charlie + Liz), der Angst vor Reduktion auf Äußerlichkeiten (deaktivierte Kamera, kein Verlassen der Wohnung) und der Macht der Sprache/des geschriebenen Wortes.
„The Whale“ ist ein Film mit vielen Facetten, der auch von seinem Publikum erwartet, dass es über den ‚unübersehbaren‘ Hauptdarsteller hinweg schaut, um sich den berechtigten (unangenehmen) Fragen des Miteinanders zu stellen.
Die 4K Ultra HD/Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es ein Making of, Interviews und Trailer. „The Whale“ erscheint (auch im Mediabook) bei Plaion Pictures und ist seit 27. Juli 2023 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Plaion Pictures)
Der Literaturprofessor Charlie (Brandon Fraser) unterrichtet seine Studenten ausschließlich aus dem Homeoffice. Die Kamera stets deaktiviert, können sie nur akustisch seinen ruhig vorgetragenen Ausführungen folgen, ohne zu wissen, wer da eigentlich vor ihnen sitzt. Für den zurückgezogen lebenden Mann eine Art Selbstschutz: Denn Charlie wiegt 300 Kilo, verlässt sein Appartement nie und wird – so zumindest die Prognose seiner einzigen Bezugsperson Liz (Hong Chau), einer Krankenschwester – das Ende der Woche nicht mehr erleben.
Ausgrenzung, Spott, Verachtung: Ein Blick in Charlies Augen verrät, dass er dies alles zur Genüge kennt. Doch statt Wut oder Verteidigung erwidert er in Momenten der Bedrängnis lediglich immer wieder ein flehendes ‚Es tut mir leid‘. Als wolle er sich für seine bloße Existenz entschuldigen, provoziert er damit sein Umfeld ungewollt zusätzlich, sei es Liz, seine Ex-Frau (Samantha Morton) oder die ihm entfremdete Tochter (Sadie Sink), zu der er nach vielen Jahren wieder versucht, zarte Bande zu knüpfen.
Basierend auf einem Theaterstück von Drehbuchautor Samuel D. Hunter, der darin auch eigene Erfahrungen verarbeitet hat, inszenierte Regisseur Darren Aronofsky („mother!“, „Black Swan“) „The Whale“ als ein intensives Kammerspiel im 4:3-Bildformat, das die bedrückende Enge von Charlies Zuhause/Gefängnis regelrecht spürbar macht. Besonders in Szenen, in denen der mächtige und erstaunlich große Charlie sich von seiner Couch erhebt, wird nicht nur das räumliche sondern ebenso körperliche eingepfercht Sein dieses wachen Geistes deutlich.
Für Frasers schauspielerische Glanzleistung – und für das Make-up – gab es u.a. einen Oscar. Wie sehr den sympathischen Mimen die weltweiten Lobhudeleien selbst überraschten und rührten, ist im Netz dank zahlreicher Clips (Stichwort: Filmfestspiele Venedig) dokumentiert. Es ist ein Comeback, das ein wenig an Mickey Rourke erinnert, als er ebenfalls für Aronofsky den „Wrestler“ spielte und dafür ebenso eine Oscar-Nominierung erhielt.
Auch dieser Film handelte u.a. von der Wiederannäherung eines Außenseiter-Vaters an seine junge Tochter. „The Whale“ fügt dem noch eine weitere, spannende Ebene hinzu, indem immer wieder auf Religion, Glaube und deren Auswirkungen Bezug genommen wird. Dem Skript gelingt hierbei die Gratwanderung, die heilsame und die zerstörerische Wirkung der Worte Gottes gleichsam zu verdeutlichen – je nachdem, wer sie auf welche Weise interpretiert.
Das Übergewicht des Protagonisten und seine selbstgewählte Isolation erzählen aber noch anderes: Vom vorurteilsfreien Miteinander (Charlie + Liz), der Angst vor Reduktion auf Äußerlichkeiten (deaktivierte Kamera, kein Verlassen der Wohnung) und der Macht der Sprache/des geschriebenen Wortes.
„The Whale“ ist ein Film mit vielen Facetten, der auch von seinem Publikum erwartet, dass es über den ‚unübersehbaren‘ Hauptdarsteller hinweg schaut, um sich den berechtigten (unangenehmen) Fragen des Miteinanders zu stellen.
Die 4K Ultra HD/Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es ein Making of, Interviews und Trailer. „The Whale“ erscheint (auch im Mediabook) bei Plaion Pictures und ist seit 27. Juli 2023 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Plaion Pictures)
Heimkino-Tipp: „Eo“ (2022)
A donkey life
Schande über mich: Nenne mich Cineast und Filmfan, habe aber bis zum Verfassen dieser Rezension noch nie den Regisseursnamen Jerzy Skolimowski wahrgenommen. Dabei zählt der heute 85-Jährige zu den international erfolgreichsten polnischen Filmemachern und hat während seiner inzwischen über 60 Jahre andauernden Karriere bereits mehrfach in Cannes, Venedig und anderen prestigeträchtigen Festivals zahlreiche Preise abgeräumt. Für sein bisher letztes Werk „Eo“ war er sogar für den Oscar („Bester fremdsprachiger Film“, 2023) nominiert und gewann u.a. den Preis der Jury in Cannes sowie den Europäischen Filmpreis für den Soundtrack vom Paweł Mykietyn.
Dabei klingt die Synopsis zu „Eo“ zunächst sehr ungewöhnlich: Eine dialogarme Odyssee eines Esels in der Welt der Menschen. Ein Zirkustier, das u.a. als Arbeitskraft und Maskottchen missbraucht wird und doch seinen eigenen Weg geht, während der Irrsinn der Zweibeiner an ihm vorbeizieht. „Gespielt“ von sechs Tieren, die – so erklärt es zumindest eine Texttafel am Ende – während des Drehs allesamt angemessen behandelt wurden, eröffnet der Film seinem Publikum einen überaus erhellenden, wenn auch ernüchternden und nicht ganz angenehmen Blick auf die Spezies Mensch und dessen Art, mit seiner Umwelt umzugehen.
Hin und wieder verlässt „Eo“ dabei die Perspektive des ‚Hauptdarstellers‘ und beobachtet kurze Episoden der menschlichen Figuren, um zumindest ein wenig deren Handlungsmotivation erklären zu können. Dies fügt sich überraschend gut in das Gesamtkonzept ein und dient auch dazu, Spannungsbögen aufzubauen. Der große zweite Hauptdarsteller neben dem Esel ist jedoch die Filmmusik. Zusammen mit der wunderbaren Kameraarbeit von Michał Dymek, Paweł Edelmann und Michał Englert, die erhabene Bilder im 4:3-Format eingefangen haben, lässt Komponist Mykietyn eine Soundkulisse entstehen, die bis ins Mark geht.
Dieses Zusammenspiel von verschiedenen Künsten macht „Eo“ zu einem Ausnahmewerk, das formal begeistert, während es inhaltlich fasziniert und erschreckt, aber ebenso erfreut und lange nachwirkt, weil es in seiner erzählerischen Schlichtheit nicht nur moralische, sondern existenzielle Fragen aufwirft, über die es nachzudenken lohnt.
Die Blu-ray bietet den Film in polnischer/italienischer Originalfassung mit optionalen deutschen Untertiteln. Als Bonus gibt es ein Interview mit dem Regisseur und der Produzentin sowie den Trailer zum Film. Zudem ist dem schön gestalteten Digipack noch ein Postkartenset beigefügt. „Eo“ erscheint bei Rapid Eye Movies (21. Juli 2023) und ist auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Rapid Eye Movies/Hanwayfilms)
Schande über mich: Nenne mich Cineast und Filmfan, habe aber bis zum Verfassen dieser Rezension noch nie den Regisseursnamen Jerzy Skolimowski wahrgenommen. Dabei zählt der heute 85-Jährige zu den international erfolgreichsten polnischen Filmemachern und hat während seiner inzwischen über 60 Jahre andauernden Karriere bereits mehrfach in Cannes, Venedig und anderen prestigeträchtigen Festivals zahlreiche Preise abgeräumt. Für sein bisher letztes Werk „Eo“ war er sogar für den Oscar („Bester fremdsprachiger Film“, 2023) nominiert und gewann u.a. den Preis der Jury in Cannes sowie den Europäischen Filmpreis für den Soundtrack vom Paweł Mykietyn.
Dabei klingt die Synopsis zu „Eo“ zunächst sehr ungewöhnlich: Eine dialogarme Odyssee eines Esels in der Welt der Menschen. Ein Zirkustier, das u.a. als Arbeitskraft und Maskottchen missbraucht wird und doch seinen eigenen Weg geht, während der Irrsinn der Zweibeiner an ihm vorbeizieht. „Gespielt“ von sechs Tieren, die – so erklärt es zumindest eine Texttafel am Ende – während des Drehs allesamt angemessen behandelt wurden, eröffnet der Film seinem Publikum einen überaus erhellenden, wenn auch ernüchternden und nicht ganz angenehmen Blick auf die Spezies Mensch und dessen Art, mit seiner Umwelt umzugehen.
Hin und wieder verlässt „Eo“ dabei die Perspektive des ‚Hauptdarstellers‘ und beobachtet kurze Episoden der menschlichen Figuren, um zumindest ein wenig deren Handlungsmotivation erklären zu können. Dies fügt sich überraschend gut in das Gesamtkonzept ein und dient auch dazu, Spannungsbögen aufzubauen. Der große zweite Hauptdarsteller neben dem Esel ist jedoch die Filmmusik. Zusammen mit der wunderbaren Kameraarbeit von Michał Dymek, Paweł Edelmann und Michał Englert, die erhabene Bilder im 4:3-Format eingefangen haben, lässt Komponist Mykietyn eine Soundkulisse entstehen, die bis ins Mark geht.
Dieses Zusammenspiel von verschiedenen Künsten macht „Eo“ zu einem Ausnahmewerk, das formal begeistert, während es inhaltlich fasziniert und erschreckt, aber ebenso erfreut und lange nachwirkt, weil es in seiner erzählerischen Schlichtheit nicht nur moralische, sondern existenzielle Fragen aufwirft, über die es nachzudenken lohnt.
Die Blu-ray bietet den Film in polnischer/italienischer Originalfassung mit optionalen deutschen Untertiteln. Als Bonus gibt es ein Interview mit dem Regisseur und der Produzentin sowie den Trailer zum Film. Zudem ist dem schön gestalteten Digipack noch ein Postkartenset beigefügt. „Eo“ erscheint bei Rapid Eye Movies (21. Juli 2023) und ist auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Rapid Eye Movies/Hanwayfilms)
Heimkino-Tipp: „Scream VI“ (2023)
Ghostface takes Manhattan
Donnerstag, 30.10.1997: Offizieller Kinostart des Films „Scream – Schrei!“ in Deutschland. Das hiesige Kino zeigt die Horrorkomödie sowohl in der ungeschnittenen, als auch in einer leicht entschärften FSK16-Version. Von etlichen Zeitungsberichten neugierig gemacht – dies war das Leben vor dem Internet –, sprintet der zu dieser Zeit noch nicht volljährige Autor dieser Zeilen direkt nach dem Schultag ins Lichtspielhaus und erbettelt von den gnädigen Ticketverkäuferinnen die Erlaubnis, in die ‚Erwachsenen-Version‘ des Films gehen zu dürfen. Kreisch! Doch damit nicht genug: Während sämtliche KlassenkameradInnen in den Folgetagen lediglich die jugendfreie Fassung zu Gesicht bekommen, gewinnt CineCsaba sogar noch ein T-Shirt beim Preisausschreiben des Verleihs. Und vier Jahre später dann sogar noch eine Eintrittskarte für die Premierennacht von Teil 3.
Ergo: Ja, die originale „Scream“-Filmreihe hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Umso größer war die Freude, als sich Regisseur Wes Craven und sein Team sowie viele Darsteller der ursprünglichen Besetzung 2011 noch einmal zusammenfanden, um dem Franchise ein Update und den Fans einen nostalgischen Nachklapp zu geben – beides gelang jedoch nur teilweise. Daher war meine Skepsis einer erneuten Neuauflage 2022, noch dazu wenig originell identisch betitelt wie das Original, groß. Doch hoppla! „Scream (5)“ machte Vieles (nicht Alles!) richtig und fand eine ausgeglichene Mischung zwischen Neuem und Bewährtem.
Ähnlich schnell wie einst zwischen Teil 1 und 2, die in einem Abstand von gerade mal sechs Monaten in den Kinos anliefen, folgt nach der 5 nun schon die nächste Fortsetzung. Und die beginnt mit einer erfreulichen Überraschung: Gleich in den ersten Minuten wird der Täter hinter der Maske entblößt und der für die Reihe typische „Wer-ist-der-Killer“-Plot läuft ins Leere. Sollten es die Autoren James Vanderbilt und Guy Busick, die auch Teil 5 skripteten, tatsächlich gewagt haben, andere Wege zu gehen? Kein schlechter Start!
Unabhängig davon schließt die Handlung quasi direkt an den Vorgänger an: Die Schwestern Sam (Melissa Barrera) und Tara (Jenna Ortega) sind nach New York gezogen, um die blutigen Ereignisse in ihrer Heimatstadt Woodsboro endlich hinter sich zu lassen. Das Großstadt- und Partyleben wird jedoch bald schon getrübt, als sich Todesfälle häufen, an deren Tatorten Variationen der bekannten Ghostface-Maske gefunden werden. Und deren Besitzer hat Sam und Tara bereits ins Visier genommen.
Es ist den Drehbuchautoren und den beiden Regisseuren Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett hoch anzurechnen, dass sie Teil 6 zumindest den Anschein geben, ein wenig aus der (Film-)Reihe zu tanzen. Zumindest suggeriert dies der Trailer und eines der Teaser-Plakate:
Schade nur, dass es ebenso wie 1989, als es Jason Voorhees für Teil 8(!) des „Freitag, der 13.“-Franchises nach Manhattan zog, ein leeres Versprechen bleibt. Denn bis auf ein paar wenige Stadtansichten aus der Totalen und einer – zugegebenermaßen packenden – Sequenz in der U-Bahn, bleibt das Potenzial einer großen Stadt als Spielwiese weitgehend ungenutzt. Letztendlich kommt es doch wieder nur in engen Räumen zur Konfrontation zwischen potenziellen Opfern und dem Killer. Ob WG, Supermarkt oder verfallenes Kino: Auch Woodsboro (oder Bielefeld oder Dresden oder Wiesbaden) hätte diese Orte zu bieten und die Fluchtwege bleiben immer noch dieselben.
Erfreulich zumindest, dass sich dieser Teil zunächst sehr viel Zeit lässt, um die Beziehung der beiden Schwestern etwas tiefer zu beleuchten. Dass sich die beiden engstirnigen Charaktere im Laufe der Handlung annähern (müssen), um die brutalen Attacken des selbsterklärten Sensenmanns abzuwehren, überrascht nicht unbedingt. Was hingegen verwundert, ist das Agieren von Ghostface während seiner Angriffe. Hier wird der Wille nach Veränderung seitens der Macher deutlich, der ihnen im (einmal mehr) viel zu zähem Finale inklusive überlanger Rechtfertigung des Killers jedoch leider wieder abhandenkommt.
But wait! „Scream VI“ ist immer noch unterhaltsamer und vor allem blutiger (das Los der Sequels) als der verkorkste vierte Teil anno 2011. Oder wie es Autor Vanderbilt selbst so treffend formuliert: „Nummer 5 war eine Art ‚Best of‘ der Reihe. Dieser hier ist die punkrockige B-Seite dazu.“ Und ich ergänze: Eine, die es nicht unbedingt gebraucht hätte. Als Zugabe jedoch nehm ich sie gern.
Die 4K Ultra HD/Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Untertitel sind ebenso optional vorhanden. Als Bonus gibt es diverse Featurettes, die sich mit der Entstehung des Films beschäftigen sowie einen Audiokommentar. „Scream VI“ erscheint am 13. Juli auch als Steelbook (hier abgebildet) bei Paramount Pictures / Universal und ist bereits seit Mai 2023 digital erhältlich. (Packshot + stills: © Paramount Pictures)
Donnerstag, 30.10.1997: Offizieller Kinostart des Films „Scream – Schrei!“ in Deutschland. Das hiesige Kino zeigt die Horrorkomödie sowohl in der ungeschnittenen, als auch in einer leicht entschärften FSK16-Version. Von etlichen Zeitungsberichten neugierig gemacht – dies war das Leben vor dem Internet –, sprintet der zu dieser Zeit noch nicht volljährige Autor dieser Zeilen direkt nach dem Schultag ins Lichtspielhaus und erbettelt von den gnädigen Ticketverkäuferinnen die Erlaubnis, in die ‚Erwachsenen-Version‘ des Films gehen zu dürfen. Kreisch! Doch damit nicht genug: Während sämtliche KlassenkameradInnen in den Folgetagen lediglich die jugendfreie Fassung zu Gesicht bekommen, gewinnt CineCsaba sogar noch ein T-Shirt beim Preisausschreiben des Verleihs. Und vier Jahre später dann sogar noch eine Eintrittskarte für die Premierennacht von Teil 3.
Ergo: Ja, die originale „Scream“-Filmreihe hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Umso größer war die Freude, als sich Regisseur Wes Craven und sein Team sowie viele Darsteller der ursprünglichen Besetzung 2011 noch einmal zusammenfanden, um dem Franchise ein Update und den Fans einen nostalgischen Nachklapp zu geben – beides gelang jedoch nur teilweise. Daher war meine Skepsis einer erneuten Neuauflage 2022, noch dazu wenig originell identisch betitelt wie das Original, groß. Doch hoppla! „Scream (5)“ machte Vieles (nicht Alles!) richtig und fand eine ausgeglichene Mischung zwischen Neuem und Bewährtem.
Ähnlich schnell wie einst zwischen Teil 1 und 2, die in einem Abstand von gerade mal sechs Monaten in den Kinos anliefen, folgt nach der 5 nun schon die nächste Fortsetzung. Und die beginnt mit einer erfreulichen Überraschung: Gleich in den ersten Minuten wird der Täter hinter der Maske entblößt und der für die Reihe typische „Wer-ist-der-Killer“-Plot läuft ins Leere. Sollten es die Autoren James Vanderbilt und Guy Busick, die auch Teil 5 skripteten, tatsächlich gewagt haben, andere Wege zu gehen? Kein schlechter Start!
Unabhängig davon schließt die Handlung quasi direkt an den Vorgänger an: Die Schwestern Sam (Melissa Barrera) und Tara (Jenna Ortega) sind nach New York gezogen, um die blutigen Ereignisse in ihrer Heimatstadt Woodsboro endlich hinter sich zu lassen. Das Großstadt- und Partyleben wird jedoch bald schon getrübt, als sich Todesfälle häufen, an deren Tatorten Variationen der bekannten Ghostface-Maske gefunden werden. Und deren Besitzer hat Sam und Tara bereits ins Visier genommen.
Es ist den Drehbuchautoren und den beiden Regisseuren Matt Bettinelli-Olpin & Tyler Gillett hoch anzurechnen, dass sie Teil 6 zumindest den Anschein geben, ein wenig aus der (Film-)Reihe zu tanzen. Zumindest suggeriert dies der Trailer und eines der Teaser-Plakate:
Schade nur, dass es ebenso wie 1989, als es Jason Voorhees für Teil 8(!) des „Freitag, der 13.“-Franchises nach Manhattan zog, ein leeres Versprechen bleibt. Denn bis auf ein paar wenige Stadtansichten aus der Totalen und einer – zugegebenermaßen packenden – Sequenz in der U-Bahn, bleibt das Potenzial einer großen Stadt als Spielwiese weitgehend ungenutzt. Letztendlich kommt es doch wieder nur in engen Räumen zur Konfrontation zwischen potenziellen Opfern und dem Killer. Ob WG, Supermarkt oder verfallenes Kino: Auch Woodsboro (oder Bielefeld oder Dresden oder Wiesbaden) hätte diese Orte zu bieten und die Fluchtwege bleiben immer noch dieselben.
Erfreulich zumindest, dass sich dieser Teil zunächst sehr viel Zeit lässt, um die Beziehung der beiden Schwestern etwas tiefer zu beleuchten. Dass sich die beiden engstirnigen Charaktere im Laufe der Handlung annähern (müssen), um die brutalen Attacken des selbsterklärten Sensenmanns abzuwehren, überrascht nicht unbedingt. Was hingegen verwundert, ist das Agieren von Ghostface während seiner Angriffe. Hier wird der Wille nach Veränderung seitens der Macher deutlich, der ihnen im (einmal mehr) viel zu zähem Finale inklusive überlanger Rechtfertigung des Killers jedoch leider wieder abhandenkommt.
But wait! „Scream VI“ ist immer noch unterhaltsamer und vor allem blutiger (das Los der Sequels) als der verkorkste vierte Teil anno 2011. Oder wie es Autor Vanderbilt selbst so treffend formuliert: „Nummer 5 war eine Art ‚Best of‘ der Reihe. Dieser hier ist die punkrockige B-Seite dazu.“ Und ich ergänze: Eine, die es nicht unbedingt gebraucht hätte. Als Zugabe jedoch nehm ich sie gern.
Die 4K Ultra HD/Blu-ray/DVD-Disc bietet den Film in englischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung. Untertitel sind ebenso optional vorhanden. Als Bonus gibt es diverse Featurettes, die sich mit der Entstehung des Films beschäftigen sowie einen Audiokommentar. „Scream VI“ erscheint am 13. Juli auch als Steelbook (hier abgebildet) bei Paramount Pictures / Universal und ist bereits seit Mai 2023 digital erhältlich. (Packshot + stills: © Paramount Pictures)
Heimkino-Tipp: „Ennio Morricone“ (2021)
Der Maestro
Vor einigen Jahren war es noch unvorstellbar, dass Komponisten für Filmmusik unter ihrem eigenen Namen auf weltweite Konzerttourneen gehen und dabei die größten Locations einer Stadt bespielen. Inzwischen jedoch treten beispielsweise Hans Zimmer in der Berliner Mercedes-Benz-Arena oder Danny Elfman mit seinen Tim-Burton-Soundtracks in der Londoner Royal Albert Hall auf. Auch der im Juli 2020 im Alter von 91 Jahren verstorbene Ennio Morricone begab sich in seinen letzten Lebensjahren noch einmal auf eine ausgedehnte Konzertreise und begeisterte Tausende mit einem Best of seiner bekanntesten Werke. Nicht nur für ihn, sondern ebenso für viele seiner Kollegen eine längst überfällige Anerkennung ihrer Arbeit, verdanken wir ihnen doch einige der schönsten, einprägsamsten und zeitlosesten Melodien, die je geschaffen wurden.
Dies war nicht immer so und wurde lange Zeit vor allem innerhalb der Komponistenzunft kritisch beäugt. Kurze Soundschnipsel, die in wenigen Minuten maximale Emotionen triggern sollen? Keine Kunst! Musik ‚nur‘ als Begleitung zu Bildern? Keine Kunst! Bestellte Kompositionen nach den Wünschen eines Regisseurs? Keine Kunst! Zum Glück sind diese Vorstellungen und Meinungen inzwischen überholt – dass sie es sind, ist nur einer der großen Verdienste von Ennio Morricone.
Der Regisseur Giuseppe Tornatore, der mehrmals mit Morricone zusammenarbeitete (u.a. bei „Cinema Paradiso“ (1988) und „Der Zauber von Malèna“ (2000)), hat seinem Freund kurz vor dessen Tod mit „Ennio“ ein umfangreiches filmisches Porträt gewidmet, in dem der Maestro auf seine Lebens- und Karrierestationen zurückblickt. Seine Erzählungen garniert er dabei nicht nur mit interessanten und amüsanten Anekdoten über prominente Filmschaffende und Musiker, sondern gewährt ebenso spannende Einblicke in seinen Schaffensprozess, wenn er auf Eigenheiten seiner Kompositionen hinweist oder Hörbeispiele auch für ‚untrainierte‘ Ohren verständlich kommentiert.
Dass Tornatore – wie wahrscheinlich die meisten Zuschauer – Morricone verehrt, wird gar nicht erst in Frage gestellt. Diese fehlende Distanz zwischen Regisseur und Porträtiertem weiß der Filmemacher jedoch gut zu nutzen und kann so den scheuen Komponisten bei ganz alltäglichen Routinen, wie beispielsweise Gymnastikübungen am Morgen zeigen oder für manch wunderbare Einstellung (z.B. beim Dirigieren) vor bzw. hinter die Kamera platzieren.
Abseits davon fächert der Film Morricones Karriere chronologisch auf, was auf den ersten Blick zwar konventionell erscheint, auf den zweiten Blick aber für das Verständnis von dessen künstlerischem Werdegang essenziell ist. Denn ohne seine frühen Erfahrungen als Arrangeur, beim Radio oder in der italienischen Popmusik ist seine spätere Vielseitigkeit beim Film nur schwer nachvollziehbar. Für diese frühen Karrierestationen präsentiert Tornatore eine Fülle an Bildmaterial, was der Dokumentation sichtlich guttut. Denn Morricones Lebenslauf selbst war, so wird es im Film auch einmal konkret formuliert, an sich gar nicht so außergewöhnlich. Außergewöhnlich war vielmehr seine Arbeit, seine Kreativität und sein Tempo, mit dem er ab den 1960er-Jahren einen Soundtrack nach dem anderen quasi ‚raushaute‘ – und dabei ein Meisterwerk nach dem nächsten erschuf. Erfreulicherweise erhielt Tornatore die Erlaubnis, die zugehörigen Filmszenen auch zu zeigen, was das Besondere an Ennios Kreationen für die Zuschauer hör- und sehbar macht. Da braucht es die vielen bekannten Gesichter (u.a. Bruce Springsteen, Quentin Tarantino, Quincy Jones, Clint Eastwood, James Hetfield) eigentlich gar nicht mehr, zumal sie (fast) alle in das – gerechtfertigte – Loblied mit einstimmen, um dem Maestro zu huldigen.
Selten hat ein Künstler ein so langes, ausführliches und persönliches Porträt so sehr verdient wie Morricone. Es ist gleichzeitig ein liebevoller Abschiedsbrief von Tornatore an einen Freund, der sicherlich nicht von allen, aber vielen bemerkenswerte S(a)eiten eines großen Künstlers berichtet.
Der Film erscheint sowohl digital als auch in mehreren verschiedenen physischen Varianten. Neben einer 4K Ultra HD, Blu-ray oder DVD gibt es ein wunderbares Mediabook, welches ebenso wie die anderen Editionen den Film in italienischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung enthält. Deutsche Untertitel sind optional zuschaltbar. Als Bonus gibt es ein kurzes Making of, ein ausführliches Interview mit dem Regisseur, eine zusätzliche Szene sowie Trailer. Das Mediabook enthält zudem ein 100-seitiges, sehr informatives Booklet, eine Soundtrack-CD und einen kompletten Konzertmitschnitt aus München von 2004. „Ennio Morricone – Der Maestro“ erscheint bei Plaion Pictures und ist seit 27. April 2023 erhältlich. (Packshot + stills: © Plaion Pictures)
Vor einigen Jahren war es noch unvorstellbar, dass Komponisten für Filmmusik unter ihrem eigenen Namen auf weltweite Konzerttourneen gehen und dabei die größten Locations einer Stadt bespielen. Inzwischen jedoch treten beispielsweise Hans Zimmer in der Berliner Mercedes-Benz-Arena oder Danny Elfman mit seinen Tim-Burton-Soundtracks in der Londoner Royal Albert Hall auf. Auch der im Juli 2020 im Alter von 91 Jahren verstorbene Ennio Morricone begab sich in seinen letzten Lebensjahren noch einmal auf eine ausgedehnte Konzertreise und begeisterte Tausende mit einem Best of seiner bekanntesten Werke. Nicht nur für ihn, sondern ebenso für viele seiner Kollegen eine längst überfällige Anerkennung ihrer Arbeit, verdanken wir ihnen doch einige der schönsten, einprägsamsten und zeitlosesten Melodien, die je geschaffen wurden.
Dies war nicht immer so und wurde lange Zeit vor allem innerhalb der Komponistenzunft kritisch beäugt. Kurze Soundschnipsel, die in wenigen Minuten maximale Emotionen triggern sollen? Keine Kunst! Musik ‚nur‘ als Begleitung zu Bildern? Keine Kunst! Bestellte Kompositionen nach den Wünschen eines Regisseurs? Keine Kunst! Zum Glück sind diese Vorstellungen und Meinungen inzwischen überholt – dass sie es sind, ist nur einer der großen Verdienste von Ennio Morricone.
Der Regisseur Giuseppe Tornatore, der mehrmals mit Morricone zusammenarbeitete (u.a. bei „Cinema Paradiso“ (1988) und „Der Zauber von Malèna“ (2000)), hat seinem Freund kurz vor dessen Tod mit „Ennio“ ein umfangreiches filmisches Porträt gewidmet, in dem der Maestro auf seine Lebens- und Karrierestationen zurückblickt. Seine Erzählungen garniert er dabei nicht nur mit interessanten und amüsanten Anekdoten über prominente Filmschaffende und Musiker, sondern gewährt ebenso spannende Einblicke in seinen Schaffensprozess, wenn er auf Eigenheiten seiner Kompositionen hinweist oder Hörbeispiele auch für ‚untrainierte‘ Ohren verständlich kommentiert.
Dass Tornatore – wie wahrscheinlich die meisten Zuschauer – Morricone verehrt, wird gar nicht erst in Frage gestellt. Diese fehlende Distanz zwischen Regisseur und Porträtiertem weiß der Filmemacher jedoch gut zu nutzen und kann so den scheuen Komponisten bei ganz alltäglichen Routinen, wie beispielsweise Gymnastikübungen am Morgen zeigen oder für manch wunderbare Einstellung (z.B. beim Dirigieren) vor bzw. hinter die Kamera platzieren.
Abseits davon fächert der Film Morricones Karriere chronologisch auf, was auf den ersten Blick zwar konventionell erscheint, auf den zweiten Blick aber für das Verständnis von dessen künstlerischem Werdegang essenziell ist. Denn ohne seine frühen Erfahrungen als Arrangeur, beim Radio oder in der italienischen Popmusik ist seine spätere Vielseitigkeit beim Film nur schwer nachvollziehbar. Für diese frühen Karrierestationen präsentiert Tornatore eine Fülle an Bildmaterial, was der Dokumentation sichtlich guttut. Denn Morricones Lebenslauf selbst war, so wird es im Film auch einmal konkret formuliert, an sich gar nicht so außergewöhnlich. Außergewöhnlich war vielmehr seine Arbeit, seine Kreativität und sein Tempo, mit dem er ab den 1960er-Jahren einen Soundtrack nach dem anderen quasi ‚raushaute‘ – und dabei ein Meisterwerk nach dem nächsten erschuf. Erfreulicherweise erhielt Tornatore die Erlaubnis, die zugehörigen Filmszenen auch zu zeigen, was das Besondere an Ennios Kreationen für die Zuschauer hör- und sehbar macht. Da braucht es die vielen bekannten Gesichter (u.a. Bruce Springsteen, Quentin Tarantino, Quincy Jones, Clint Eastwood, James Hetfield) eigentlich gar nicht mehr, zumal sie (fast) alle in das – gerechtfertigte – Loblied mit einstimmen, um dem Maestro zu huldigen.
Selten hat ein Künstler ein so langes, ausführliches und persönliches Porträt so sehr verdient wie Morricone. Es ist gleichzeitig ein liebevoller Abschiedsbrief von Tornatore an einen Freund, der sicherlich nicht von allen, aber vielen bemerkenswerte S(a)eiten eines großen Künstlers berichtet.
Der Film erscheint sowohl digital als auch in mehreren verschiedenen physischen Varianten. Neben einer 4K Ultra HD, Blu-ray oder DVD gibt es ein wunderbares Mediabook, welches ebenso wie die anderen Editionen den Film in italienischer Original- und deutsch synchronisierter Sprachfassung enthält. Deutsche Untertitel sind optional zuschaltbar. Als Bonus gibt es ein kurzes Making of, ein ausführliches Interview mit dem Regisseur, eine zusätzliche Szene sowie Trailer. Das Mediabook enthält zudem ein 100-seitiges, sehr informatives Booklet, eine Soundtrack-CD und einen kompletten Konzertmitschnitt aus München von 2004. „Ennio Morricone – Der Maestro“ erscheint bei Plaion Pictures und ist seit 27. April 2023 erhältlich. (Packshot + stills: © Plaion Pictures)
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