Samstag, 21. Mai 2011

Heimkino-Tipp: „M“ (1931)


Passend zur momentanen Kino-Wiederaufführung seines wohl berühmtesten Werks „Metropolis“, veröffentlicht das Label universum film ein weiteres Juwel aus dem Œuvre von Fritz Lang: „M“. Als der Regisseur diesen Film 1931 erstmalig einem Publikum präsentierte, hatte Lang bereits einige Höhen und Tiefen in seiner Karriere hinter sich. Denn nachdem er mit „Dr. Mabuse, der Spieler: Teil 1 und Teil 2“ (1922), sowie den beiden „Nibelungen“-Verfilmungen (1924) die Grenzen des noch jungen Mediums Film kontinuierlich ausgeweitet hatte, trieb er die UFA, damals eines der größten Filmstudios weltweit, mit seinem ambitionierten, allerdings furchtbar gefloppten „Metropolis“ (1927) fast in den Ruin.

Bei all den – gerechtfertigten – Lobhudeleien für das neu entdeckte, nun fast vollständig rekonstruierte Meisterwerk „Metropolis“ tritt die Bedeutung von Langs späterem Schaffen leider oftmals in den Hintergrund. Bevor er sein Glück in Hollywood suchte (Lang verließ Deutschland kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten), schenkte er der Welt noch zwei Tonfilme, die wohl zu seinen besten Arbeiten zählen: „Das Testament des Dr. Mabuse“ (1933) – und eben „M“.

Für Lang selbst war „M“ komplettes Neuland: Bekannt für seine starke Bildsprache, für die er im Stummfilm die perfekte Bühne fand, musste Lang diese nun mit einer weiteren Komponente in Einklang bringen: dem gesprochenen Wort. Und, liebe Filmfreude, Lang wusste dieses Stilmittel p-e-r-f-e-k-t zu nutzen und kombinierte es kongenial mit Kameraführung, Schnitt und Überblendungen. So wundert es wenig, dass die gesamte Montage des Streifens noch heute Referenzcharakter besitzt (einen wunderbaren Einblick in die Besonderheit von „M“ präsentiert Regiekollege Wim Wenders in der Dokumentation „Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“, siehe Blog-Eintrag vom Juli 2008).

Auch inhaltlich weiß „M“ trotz seines Alters noch immer zu fesseln: Eine Serie von Kindermorden versetzt die Bewohner Berlins in Unruhe. Die Furcht vor weiteren Opfern ist so groß, dass nicht nur die Polizei, sondern auch die Bosse aus der kriminellen Unterwelt die Jagd auf den Täter beginnen. Quasi parallel und doch nicht gemeinsam ziehen sie die Schlinge um den Schuldigen immer enger. Doch der hat bereits sein nächstes Opfer gefunden.

Dargestellt wird dieses „Monster“ von Peter Lorre, der mit „M“ den Grundstein für eine internationale Schauspielkarriere legte (u.a. spielte er eine Schlüsselrolle in „Casablanca“). Seine Darstellung war derart überzeugend, dass sie Hitlers Propagandaminister Goebbels später sogar in einen seiner Hetzfilme über das „Judentum“ montieren ließ. Dies soll nun nicht als Qualitätssiegel gelten, verdeutlicht aber, wie Lorres intensiver Auftritt von Zeitzeugen wahrgenommen wurde.

Obwohl „M“ das digitale Medium schon vor Jahren eroberte (die hier vorliegende Edition ist bereits die siebte), ist den Machern tatsächlich noch einmal eine kleine Sensation gelungen. Nicht primär aufgrund einer wiederholten Restauration in Bild und Ton (basierend auf der Version von 2001), die den Klassiker wirklich wunderbar aussehen lässt. Sondern vielmehr dank des umfangreichen Bonusmaterials: zahlreiche Dokumentationen zur Filmentstehung und den historischen Hintergründen, auf denen das Drehbuch basiert, Vergleiche zwischen verschiedenen Sprachfassungen (damals wurde nicht unbedingt synchronisiert, sondern am selben Set eine Szene in anderer Sprache wiederholt), Einblicke in den Restaurationsprozess, ein ausführliches TV-Interview mit Fritz Lang von 1968, ein Trailer sowie etliche Dokumente in pdf-Form, die von Kritiken über Werbeflyer bis hin zu Zensurkarten reichen – ein Paradies für Cineasten und neugierige Filmfans! Wer sich für die BluRay-Variante entscheidet, bekommt zusätzlich noch ein sehr ansehnliches Mediabook (= Digipack, in dem sich die Disc befindet) dazu, welches einem Filmprogramm der 30er Jahre nachempfunden ist.

Inhalt, Form, Verpackung: die „80th Anniversary Edition“ von „M“ lässt wahrlich keine Wünsche offen und bietet auch Besitzern von früheren Versionen noch genug Anreize, über einen Neukauf nachzudenken.

Die DVD/BluRay „M – 80th Anniversary Edition“ (FSK 12) erschien am 20. Mai 2011 bei universum film.

Dienstag, 17. Mai 2011

„Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ (Kinostart: 19. Mai 2011)

Nuschelnd, betrunken und zerstreut kam er daher – und bescherte den Filmemachern einen Schatz im Wert von 2,7 Milliarden Dollar: Captain Jack Sparrow. Oder war es doch nur Johnny Depp? Die Legende besagt, dass die Produzenten zunächst große Zweifel hatten, ob der exzentrische Auftritt des Schauspielers als Pirat nicht mehr Zuschauer verschrecken als begeistern würde. Das Gegenteil war der Fall und so dürfen sich die Freunde des langhaarigen Spaßvogels nun auf den vierten Teil, „Fremde Gezeiten“, freuen. Sein Ziel in diesem Abenteuer: die Quelle der Jugend.

Zunächst steht Jack jedoch vor einem weit größeren Problem: Er braucht ein Schiff, eine Crew und ausreichend Rum. Da kommt ihm seine eigene Entführung durch die hübsche Angelica (Penélope Cruz) und ihren finsteren Vater Blackbeard (Ian McShane) eigentlich ganz gelegen – wenn der nur nicht so fordernd und rücksichtslos wäre. Ihnen dicht auf den Fersen ist ein ebenso harter Bursche: der inzwischen einbeinige Barbossa (Geoffrey Rush), dem Jack aus Wut über den Verlust seines geliebten Kutters „Black Pearl“ am liebsten gleich noch den anderen Fuß wegnehmen würde.

Spaß, Action und viel Tempo scheinen das Credo für Regisseur Rob Marshall („Chicago“) gewesen zu sein. Da tritt die an sich simple Geschichte in den Hintergrund, während die vier Hauptdarsteller zwei Stunden lang auf herrlich infantile Weise ihre Schwerter schwingen, ihre Matrosen knechten und ihre Gegner hinter’s Licht führen dürfen.
„Fremde Gezeiten“ kommt leichtfüßiger als der vorherige Teil „Am Ende der Welt daher“, ist gespickt mit einem wunderbaren Cameo-Auftritt der großen Judi Dench und hat eigentlich nur einen Makel: Einen kaum zur Geltung kommenden 3D-Effekt, den diese ohnehin unterhaltsame Piraten-Show nicht benötigt hätte.

Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 18. Mai 2011.