Heimkino-Tipp: „Vollblüter“ (2017)

Girls Just Want To Have Fun

Bin ja großer Fan der Fanning-Geschwister (Dakota & Elle) sowie der wunderbaren Chloë Grace Moretz – allesamt fantastische Jung-Schauspielerinnen, die seit Kindertagen vor Kameras stehen und schon sehr sehr viele gute Filme abgeliefert haben. Aber es gibt noch mehr! Anya Taylor-Joy („The VVitch“, „Split“) und Olivia Cooke („Bates Motel“, „Ready Player One“) beispielsweise, die mich vor allem nach dem Genuss von „Vollblüter“ davon überzeugt haben, dass es zumindest darstellerisch auch in Zukunft an weiblichen Talenten nicht mangeln wird.

Taylor-Joy und Cooke ziehen in Cory Finleys Regiedebüt eine grandiose Show als intelligente, aber mit bösen Absichten versehene Mädels ab, die einerseits amüsant, andererseits richtig beängstigend ist. Und das Schönste daran: Es ist beiden Girls anzusehen, was für einen großen Spaß sie dabei hatten, ihre Figuren zum Leben zu erwecken.

Amanda (Cooke) ist wegen ihres seltsamen Verhaltens eine Außenseiterin an ihrer Schule. Von ihrer Mutter wird sie deshalb zum gemeinsamen Lernen mit Lily (Taylor-Joy) verdonnert. Allerdings durchschaut Amanda schnell, woher die überfreundliche Art ihrer neuen Helferin rührt: sie wurde dafür bezahlt, und das gar nicht mal so schlecht. Mit ihrer unangenehm direkten Art konfrontiert Amanda die zunächst ‚zugeknöpfte‘ Lily sogleich mit allerhand Fakten, die ihr ins Auge fallen: Lily hasst ihren reichen Stiefvater, lebt in einem goldenen Käfig und besitzt hinter ihrer scheinbar perfekten Fassade eine dunkle Seite. Pragmatisch wie Amanda ist, schlägt sie Lily schließlich vor, das dringendste dieser Probleme zu beseitigen - den Ersatz-Papa. Als Werkzeug soll ihnen dabei der Kleindealer Tim (Anton Yelchin) dienen, den sie kurzerhand erpressen. Aber auch ein perfekter Plan hat oftmals unerwartete Mängel.

Ursprünglich konzipiert als Bühnenstück, schreitet die Handlung vornehmlich in Dialogform voran. Was jedoch nicht heißt, dass es optisch langweilig zugeht: Regisseur Finley und sein Kameramann Lyle Vincent machen schon mit einer wunderbaren, ungeschnittenen Kamerafahrt zu Beginn klar, dass sie ihr Handwerk verstehen. Sie übertragen in der Folge die kühle Rationalität, die ihre beiden Protagonistinnen an den Tag legen, gekonnt auf die formale Ebene, was fast schon eine gewisse Sogwirkung entfaltet. Nicht zuletzt dank der (zumindest in der englischen Sprachfassung) grandiosen Dialoge, die hier und da sogar zum Zurückspulen einzelner Szenen anregen, um wirklich keine Nuance zu überhören/zu übersehen.

Kurzum: ein sehenswertes Werk besonders für all jene, die es inhaltlich gerne mal etwas fieser mögen und ebenso wie der Autor dieser Zeilen an formidabel geschriebenen Szenen gepaart mit tollen Schauspielleistungen ihre Freude haben.

Traurige Randnotiz: Der Film ist Tim-Darsteller Anton Yelchin gewidmet, da „Vollblüter“ der letzte Film ist, den er vor seinem bedauerlichen Unfalltod 2016 vollendet hat. Yelchin wurde lediglich 27 Jahre alt.

Die DVD/Blu-ray bietet den Film u.a. in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie diverse Untertitel. Als Extras gibt es gelöschte Szenen sowie ein paar Promo-Making of-Clips. „Vollblüter“ erscheint bei Universal Pictures Germany GmbH und ist seit 13. Dezember 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Universal Pictures)

... im Nachgang: „Bohemian Rhapsody“ (Kinostart: 31. Oktober 2018)

The Great Pretender

Es ist schon „A Kind of Magic“, dass dieser Film existiert: Angekündigt 2010, sollte zunächst ein gewisser Sacha Baron Cohen, der Schauspieler hinter den Kunstfiguren Borat und Ali G, die Hauptrolle übernehmen und Freddie Mercury verkörpern. Drei Jahre später verließ er das Projekt jedoch aufgrund „kreativer Differenzen“. 2016 ging es dann endlich wieder vorwärts, mit neuem Skript, neuem Hauptdarsteller – Rami Malek – sowie neuem Regisseur. Tja, denkste! Denn Bryan Singer, Hollywood-Profi und Schöpfer von Kassenschlagern wie »Die üblichen Verdächtigen«, »X-Men« und »Operation Walküre« blieb dem Set eines Tages einfach fern – und »Bohemian Rhapsody« stand mitten in den Dreharbeiten abermals vor dem Aus. Zuende gefilmt hat ihn dann der Brite Dexter Fletcher (»Eddie the Eagle«), dessen Name im Abspann aufgrund rechtlicher Vereinbarungen aber nur bei den Produzenten auftaucht. Was’n Chaos!

Umso erstaunlicher, wie gut die Queen-Bandbiografie schlussendlich geworden ist. Oder ist es doch eher ein Porträt von Mr. Mercury, der zufällig in einer bekannten Musikkappelle mitwirkte? Der Film erweckt jedenfalls den Eindruck, dass die drei anderen, überaus talentierten Kompagnons ohne ihren charismatischen Sänger keine Chance im Business gehabt hätten. Das ist insofern inkorrekt, da Brian May, Roger Taylor und John Deacon für einige der beliebtesten Queen-Songs Verantwortung tragen. Aber was sind schon Melodie und Texte ohne eine Stimme und eine Bühnensau, der sie zum Leben erweckt? Auftritt Rami Malek, dem blassen Hacker aus der Erfolgsserie »Mr. Robot«, der in der Rolle des Freddie M. wahrscheinlich seinen Zenit als Schauspieler bereits erreicht hat.

Es ist schlicht gigantisch, was der 37-Jährige hier abliefert: Körpersprache, Bewegungen, Aussehen – es scheint, als sei der Queen-Sänger wieder auferstanden. Und damit dieses schöne Gefühl beim Zuschauer erhalten bleibt, behält der Film Freddies finale Jahre für sich. Stattdessen endet »Bohemian Rhapsody« laut, mitreißend und überwältigend mit Queens Auftritt bei „Live Aid“ 1985, einer Performance für die Ewigkeit (zu finden in der Weiten Wilden Welt des Internets).

Ein schöner Kontrast zu all der Dramatik, mit der Band und Leadsänger zuvor zu kämpfen hatten: familiäre Probleme, die dunklen Seiten des Ruhms, das Versteckspiel vor den Medien bezüglich sexueller Präferenzen und schließlich die Gewissheit, aufgrund einer AIDS-Erkrankung womöglich bald sterben zu müssen. All das verpackt der Film in gewohnter Hollywood-Manier in einzelne Kapitel, immer wieder unterbrochen von Konzertmitschnitten und Aufnahme-Sessions in Studios, damit es für den Zuschauenden auch nicht zu schmerzhaft wird. Das mag hier und da oberflächlich wirken, angesichts des rauschhaften Lebensstils Mercurys allerdings durchaus angebracht und nachvollziehbar.

Und trotzdem: Freddies Arbeitspensum bis zu seinem Tod 1991, die vielen Hits, die bis dahin noch entstanden, der bewegende letzte Videodreh („These Are the Days of Our Lives“) und auch das Tribute-Konzert im April 1992 mit George Michaels phänomenaler Version von „Somebody to Love“ hätten gerne noch hinzugefügt werden können. „ I Want It All“! Aber wer kriegt das schon ...

(Plakat + stills: © 2018 Twentieth Century Fox)

Heimkino-Tipp: „Hotel Artemis“ (2018)

Emergency Room

Zugegeben: Würde es nicht im Trivia-Teil der Filmdatenbank IMDB stehen, wäre ich nie drauf gekommen. Aber die Tatsache, dass die Wortschöpfung „Covfefe“ gleich zweimal in kyrillischer Schrift auftaucht, ist ein Statement, welches nicht unkommentiert bleiben darf. Denn nicht nur damit macht Regisseur Drew Pearce klar, worauf er mit seinem unterhaltsamen Thriller „Hotel Artemis“ abzielt. Aber der Reihe nach:

Die Stadt: Los Angeles. Das Jahr: 2028. Die Menschen: in Aufruhr. Grund ist ein Privatunternehmen, das den Zugang zum Wasser kontrolliert und die Bevölkerung vor Wut auf die Straßen treibt. Mittendrin das titelgebende Hotel Artemis, in dem verwundete Schwerverbrecher medizinische Hilfe erhalten. Die Belegschaft besteht aus lediglich zwei Personen: einer (Kranken-)Schwester (Jodie Foster) sowie ihrem Assistenten (Dave Bautista), dessen Physis seinem Namen Everest alle Ehre macht. Vor ihnen liegt eine Nacht wie keine andere, bekommen sie doch neben zwei Bankräubern (Sterling K. Brown, Brian Tyree Henry), einer Killerin (Sofia Boutella) sowie einem Waffenhändler (Charlie Day) noch ganz besonderen Besuch: Oberbösewicht Wolf King (Jeff Goldblum) und dessen ungestümer Sohn (Zachary Quinto) bestehen trotz Überfüllung auf eine Aufnahme – und bringen damit die geordnete Hotelwelt der Bediensteten gehörig ins Wanken.

Storybezogen ein klassisches B-Movie mit begrenztem Handlungsort, ist „Hotel Artemis“ ein wahres Potpourri an Filmarten: düstere Dystopie, beißender Gesellschaftskommentar, harter Actionfilm und sogar ein wenig Drama. Ein (un-)bunter Mix sozusagen, dessen Dreh- und Angelpunkt die Hausherrin ist, verkörpert von der einzigartigen Jodie Foster. Sie nach „Elysium“ (2013) nun endlich wieder in einem Film sehen zu können, ist allein die Ausleihe/den Kauf des Films wert. Dass sie sich nach so langer Leinwandabstinenz gerade diesen Stoff mit dieser Figur herausgesucht hat, spricht für die Qualität der Geschichte. Und tatsächlich: Obwohl keiner der zahlreichen anderen Charaktere nur ansatzweise so viel Raum und Zeit erhält wie die Schwester, glaubt man nach 90 Minuten alle Figuren und ihre Beweggründe zu kennen. Regisseur/Autor Pearce gelingt es überraschend gut, auch in den lautesten Actionszenen eine gewisse Melancholie durchschimmern zu lassen, die durch das Setting – ein ehemaliges Luxushotel, das wie die Welt, in der es erbaut wurde, langsam aber unaufhaltsam zerfällt – noch verstärkt wird. Dazu ein mit Oldies aus den 1960ern und 1970ern gespickter Soundtrack und fertig ist ein Kunstwerk, das wie ein guter Film noir noch lange nachwirkt.

Aber was hat das alles mit Donald Trumps „Covfefe“ zu tun? Mag sein, dass sich Pearce und sein Team einfach einen Spaß machen wollten. Vielleicht ist der Verweis (auf Russisch, wohlgemerkt!) aber auch Ausdruck einer Befürchtung, wohin es mit Leuten wie Trump geht: ein Bürgerkrieg, ausgelöst durch das Verweigern grundsätzlicher Rechte (z.B. auf ausreichende Versorgung); ein Staat, in dem sich nur Wohlhabende einen Klinikbesuch leisten können; eine Gesellschaft, in der jahrzehntelang festgeschriebene Regeln wie die des Hotel Artemis einfach ignoriert werden und jede Vernunft am Ende von Gewalt förmlich überrannt wird. Oder interpretiere ich da zu viel rein? Egal, trotzdem angucken! Es lohnt!

Die DVD/Blu-ray/4K UHD bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie optionale deutsche Untertitel (für Hörgeschädigte). Als Extras befinden sich Interviews sowie Trailer auf den Discs. „Hotel Artemis“ erscheint bei Concorde Home Entertainment und ist seit 3. Dezember 2018 erhältlich. (Packshot + stills: © Concorde)

Heimkino-Tipp: „Gotti“ (2017)

Der Patenonkel

Zunächst eine Richtigstellung: Der Infotext auf der Rückseite der Blu-ray/DVD-Hülle nennt „Gotti“ einen ‚US-Blockbuster‘. Klingt vielversprechend – ist aber schlichtweg gelogen. Denn wenn es einen Film gab, der dieses Jahr an den (amerikanischen) Kinokassen so richtig unterging, dann war es dieser: Lediglich 1,67 Millionen US-Dollar (Quelle: The Wrap, LINK) spielte der Streifen an seinem Startwochenende ein, was – trotz der zweifelhaften Aussagekraft solcher Erhebungen – für Hollywood-Standards wirklich wenig ist. Zudem sorgte die seltsame Bewertung auf diversen, anerkannten (und offiziellen) Review-Seiten im Netz für Verwirrung, die selten so harsch und mitunter böse ausfiel wie hier.

Fakt ist auch: Nach mehreren Jahren in der „Produktionshölle“, etwa 60(!) beteiligten Produzenten (Quelle: IMDB, LINK) und einem ursprünglichen Verleiher, der den Film im Dezember 2017 nur zehn Tage vor der geplanten Veröffentlichung zurückzog, ist es schon ein Wunder, dass er überhaupt erscheint.

Regie führte Kevin Connolly, hauptberuflich eigentlich Schauspieler („Er steht einfach nicht auf Dich“, „Entourage“). Er liefert mit „Gotti“ ein in nahezu allen Belangen durchschnittliches Werk ab, was keinesfalls negativ gemeint ist. Wer sich jedoch an das Genre des Mafia-Films herantraut, muss sich letztendlich mit den ganz Großen messen, wie z.B. „Der Pate“, „Goodfellas“ oder, wenn’s etwas weniger einschüchternd sein soll, „Donnie Brasco“. Auch Connolly erzählt seine Geschichte aus der Sicht des Gangsters, eindrucksvoll verkörpert von John Travolta. „Gotti“ beleuchtet Aufstieg, Familienleben, Intrigen und Machtkämpfe des Mannes innerhalb der Cosa Nostra im New York der 1980er Jahre. Eigentlich ein Selbstläufer, doch fehlt es „Gotti“ an dem ‚bestimmten Etwas‘ – und an Distanz. Denn während beispielsweise „Goodfellas“ das brutale Treiben der Mafiosi mit bitterbösem Humor kommentierte und „Donnie Brasco“ die Verführungskraft der Unterwelt und persönliche Abhängigkeiten kongenial herausarbeitete, kratzt „Gotti“ in vielerlei Hinsicht lediglich an der Oberfläche.

Besonders auffällig wird dies bei den Themen Familie und Öffentlichkeit: So wird Gotti als Familienmensch dargestellt, der zu Hause die Hosen anhat. Dass er dabei seine Gattin (gespielt von Travoltas Ehefrau Kelly Preston) nur Weib nennt und rumkommandiert, scheint für sie kein Problem zu sein – sie liebt ihn bedingungslos. Ebenso seine Töchter, die aber im Gegensatz zu seinen beiden Söhnen keine Rolle spielen bzw. keine Beachtung finden. Gleichzeitig hatte der Patriarch außerhalb seiner ‚beruflichen‘ Kreise offenbar eine riesige Fanschar unter der Bevölkerung, wie eingefügte Originalaufnahmen am Ende des Films zeigen. Wo dies begründet liegt, bleibt der Film schuldig. Zusammen mit der im Abspann zu lesenden Danksagung an u.a. Gotti Junior entsteht so der Eindruck, als habe Regisseur Connolly mit seinem Werk eine Auftragsarbeit der Hinterbliebenen abgeliefert und so einem verurteilten Mörder eine Lobhudelei ganz im Sinne der Erben geschenkt.

Ein Porträt mit einem ‚Geschmäckle‘ sozusagen, das aber neben Travolta und Preston noch etliche weitere Hingucker besitzt – namentlich Stacy Keach, Chris Mulkey und Pruitt Taylor Vince. Drei Schauspielerveteranen, die zwar meist nur (wie hier) in Nebenrollen auftauchen, das aber stets hervorragend tun – und zwar schon seit über 30 Jahren! Das tröstet über einige von „Gottis“ Schwächen hinweg, einem ansonsten passablen, wenn auch Höhepunktlosen Film.

Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional zuschaltbar. Als Extras gibt es ein Making of, eine Bildergalerie sowie Trailer. „Gotti“ erscheint bei New KSM und ist seit 6. Dezember 2018 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © KSM GmbH)

Heimkino-Tipp: „Mein Name ist Somebody“ (2018)

Zwei Fäuste kehren zurück

Hach, war das schön! Zur Premierentour seines neuen Films besuchte Schauspiel-Legende Terence Hill, der charmante Italiener mit sächsischer Prägung (er lebte von 1943 bis 1945 in Lommatzsch bei Dresden), im Sommer 2018 etliche Städte in Deutschland – und war wohl selbst überrascht, mit wie viel Liebe und Begeisterung er hier empfangen wurde. Daher gleich an dieser Stelle ein ganz großes Lob an den Verleih New KSM Cinema, der diese Tour auf die Beine gestellt und nun für das Heimkino-Release ebenfalls mit viel Herzblut etwas Besonderes erschaffen hat. Denn Hill, der die deutsche Sprache immer noch beherrscht, begrüßt seine Zuschauer gleich beim Einlegen der Discs persönlich. Nur eines von vielen Schmankerln.

Da ist man fast versucht zu behaupten, das Drumherum (also Kinotour und Blu-ray/DVD-Veröffentlichung) ist besser gelungen als der Film. Zweifellos ein warmherziges Werk, aber eben kein Schenkelklopfer wie so viele andere zuvor, mit denen Hill und sein Buddy Bud Spencer einst zu einem der erfolgreichsten Film-Duos der Geschichte avancierten.

In „Mein Name ist Somebody“ verkörpert er den Einzelgänger Thomas, der mit seinem schnieken Motorrad Richtung Wüste unterwegs ist, um seinen inneren Frieden zu finden. Auf der Reise trifft er auf die junge Lucia (Veronica Bitto), der er spontan mit der Zweckentfremdung eines Tiegels aus der Patsche hilft, und die ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht. Schon bald wird Thomas klar, dass die Dame selbst emotional ein wenig angeschlagen ist und ebenso wie er einen Neuanfang braucht.

Gespickt mit etlichen Referenzen an seine lange Filmkarriere und seinen Freund Bud, dem er dieses Spätwerk auch gewidmet hat, wirkt „Mein Name ist Somebody“ beinahe schon wie ein Schwanengesang, ein letztes Zurückblicken auf ein Leben voller schöner Momente, an das wir uns alle (Hill + seine Fans) gerne erinnern. Gleichzeitig macht „Somebody“ aber ebenso deutlich, dass diese Zeit unumgänglich vorbei ist, wir Abschied nehmen müssen und auch nicht mehr ganz so agil agieren können wie wir es einst taten. So plätschert der Film vor allem im Mittelteil gemächlich vor sich hin, ist dabei jedoch jederzeit schön anzusehen. Ein wenig mehr Pep hier und da hätten allerdings nicht geschadet.

Aber hey: Hill ist inzwischen 79(!) Jahre alt und immer noch äußerst fit, wie die zwei – vom Publikum im Kino mit Szenenapplaus honorierten – Szenen, bei denen seine Fäuste zum Einsatz kommen, eindrucksvoll beweisen. Insofern ist „Somebody“ trotz einiger Längen ein gelungenes Alterswerk und für aufmerksame Zuschauer ein unterhaltsames Potpourri an Zitaten. Danke, Terence!

Und nun noch ein paar Worte zum Heimkino-Release: Das bringt in seiner „Special Edition“ neben zwei Postkarten (Plakatmotive) noch ein Booklet mit sowie entfallene Szenen, Bildergalerien, Szenen vom Dreh, Trailer sowie eine ausführliche Dokumentation über eben jene KInotour, die Hill durch die ganze Republik führte. Wunderbar!

P.S.: Eine „Ultimate 3 Disc Fan Edition“ ist ebenso erhältlich. Sie enthält neben den genannten Extras ein erweitertes Booklet, Leinenbezug und eine handsignierte Autogrammkarte von Hill.

Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und italienischer Originalsprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional zuschaltbar. „Mein Name ist Somebody – Zwei Fäuste kehren zurück“ erscheint bei New KSM und ist seit 15. November 2018 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © KSM GmbH)

... im Nachgang: „Ballon“ (Kinostart: 27. September 2018)

Aktuell noch im Kino und einen Blick wert: der Film „Ballon“. Warum, lest ihr HIER.

(Plakat: © 2018 Studiocanal Filmverleih)

Heimkino-Tipp: „Escape Plan 2: Hades“ (2018)

Locked Up

Mit „Escape Plan“ entstand vor fünf Jahren ein passabler Thriller, der vor allem dank seiner Hauptdarsteller punktete: Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger standen darin nach „The Expendables“ (2010) und „The Expendables 2“ (2012) zum dritten Mal gemeinsam vor der Kamera und tauschten im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen nicht nur witzige Oneliner, sondern auch Faustschläge aus. Zusätzlich rezitierte Arnie im englischen Original sogar Nietzsche in deutscher Sprache und hob diesen Film mit seiner ironischen Performance gerade noch ins Mittelmaß. Offenbar gefiel der Erstling ein paar asiatischen Investoren derart gut, dass sie nun eine bzw. zwei Fortsetzungen finanzierten. Das erste Sequel „Hades“ gibt es nun zu bestaunen.

Eines muss man Regisseur Steven C. Miller lassen: eine bloße Kopie des ersten Teils hat er definitiv nicht abgeliefert. Sein „Escape Plan 2“ leiht sich zwar einige Charaktere und die Grundidee – der Versuch, aus einem scheinbar ausbruchssicheren Gefängnis zu fliehen – von seinem Vorgänger. Die optische Gestaltung und die Umsetzung jedoch könnten entfernter nicht sein.

Ray Breslin (Stallone) ist immer noch als Sicherheitsexperte tätig, leitet die Einsätze seines Teams inzwischen aber vom stylischen Büro aus. Zumindest bis einer seiner Schützlinge, Shu Ren (Xiaoming Huang), spurlos verschwindet. Schnell ist klar, dass er an einem geheimen Ort gefangen gehalten wird und die Drahtzieher eine alte Rechnung mit Breslin begleichen wollen. Während Ren versucht, dem hochtechnisierten „Hades“-Komplex zu entkommen, begeben sich Breslin und sein Team (u.a. Curtis „50 Cent“ Jackson, Jamie King, Dave Bautista) auf die Suche – und erleben dabei einige Überraschungen.

Überrascht dürften auch die Zuschauer sein: Denn anders als Trailer, Cover und Inhaltsangabe vermuten lassen, ist „EP2: Hades“ kein Sly-/Bautista-Film, sondern lässt beide zumindest in der ersten Hälfte lediglich in Nebenrollen auftreten. Star des Streifens ist zweifellos der Asiate Huang, der die Bühne ausgiebig nutzen darf, um seine beeindruckenden Kampfkünste zu präsentieren. Drumherum gibt es Hightech ohne Ende, sodass die Fortsetzung mehr Science Fiction denn zeitgenössischer Krimi ist.

Für Regisseur Miller ist es die bis dato aufwendigste Arbeit, hat er sich doch bisher mit unbedeutender B-Movie-Ware (z.B. „Arsenal“, Rezi HIER) herumgeschlagen bzw. mit Bruce Willis ein paar cineastische Schlaftabletten produziert, die kaum der Rede wert sind. Hier hingegen gibt Miller von Anfang an Vollgas, lässt die Kamera bis zur Schmerzgrenze wackeln und blendet sein Publikum mit buntem Neonlicht, futuristischen Einrichtungsideen und lauter (im doppelten Sinn!) Action, damit keiner merkt, wie spannungsarm und öde dieses ganze „Escape Plan“-Filmkonzept eigentlich ist. Oder, um es weniger herablassend auszudrücken: „Hades“ ist Junk Food fürs Hirn, auf den ersten Blick cool, in der Nachbetrachtung jedoch nichts, was Mr. Stallone nach seinem Oscar-nominierten Auftritt in „Creed“ noch nötig hätte. Aber hey, besser ein neuer Sly-Film als gar kein neuer Sly-Film! Also her mit Teil 3!

Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung. Deutsche Untertitel sind optional zuschaltbar. Als Extras gibt es ein paar Making of-Clips, eine Bildergalerie sowie Trailer. „Escape Plan 2: Hades“ erscheint bei New KSM und ist seit 15. November 2018 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © KSM GmbH)