Hidden Places
Das isser also: Einer der erfolgreichsten (Kino-)Filme des Jahres, inszeniert von einem 19-jährigen Regiedebütanten namens Kane Parsons, basierend auf einer Idee, die er zuvor selbst zu einer YouTube-Serie ausbaute und damit das Interesse des Independent-Filmstudios A24 weckte. Mit Chiwetel Ejiofer („12 Years a Slave“, „The Life of Chuck“) und Renate Reinsve („Der schlimmste Mensch der Welt“, „Sentimental Value“) prominent besetzt, gab es inzwischen zudem auch Lobhudeleien von den ganz Großen des Fachs, Steven Spielberg und Christopher Nolan. Die Erwartungen an „Backrooms“ sind dementsprechend hoch – und werden allesamt erfüllt.
Der studierte Architekt Clark (Ejiofer) arbeitet als Filialleiter in einem Möbelhaus, das trotz selbst produzierter und mit vollem Körpereinsatz entstandener Werbespots kaum jemanden anzieht. Die Rechnungen stapeln sich, privat hat ihn seine (Ex-)Frau vor die Tür gesetzt und so übernachtet Clark inzwischen häufiger in seinen eigenen Verkaufsräumen. Dort entdeckt er eines Nachts im Untergeschoss einen schmalen Lichtspalt, der sich als ‚Tür‘ zu einem riesigen weiteren Gebäudekomplex erweist: gelbe, menschenleere Räume, in denen lediglich Büromöbel seltsam aufgetürmt sind, ein paar Pappfiguren herumstehen und über einen kleinen Bildschirm seltsame, mehrsprachige Clips in Endlosschleife ablaufen.
Fasziniert und neugierig zugleich, beginnt Clark fortan diese Räume zu erkunden. Seine Therapeutin Mary (Reinsve), selbst emotional angeschlagen, hält dessen Erzählungen zunächst für Hirngespinste – bis sie selbst jenes Portal durchschreitet, von dem ihr Clark berichtet hat. Aber wer hat dies alles erschaffen? Woher stammen die Kleidungsreste, die beide finden? Und wer zum Teufel verursacht diese zunehmend bedrohlich klingenden Geräusche, die sich ihnen nähern?
Es ist nicht viel, was ein guter Grusel- bzw. Horrorfilm benötigt, um Wirkung zu erzielen: Eine spannende Prämisse, ein gutes Sounddesign und Figuren, die glaubhaft und rational agieren. Kombiniert mit einer Bildsprache, die stets nur das Nötigste preisgibt und das Publikum die präsentierte Welt selbst entdecken lässt, statt alles zu (v)erklären, wird daraus ein mit relativ moderaten Mitteln entstandenes Meisterstück. Denn aus rein produktionstechnischer Sicht brauchte es für „Backrooms“ nur wenige (dafür große) Sets, eine Handvoll guter Darsteller und cleveres Marketing, das den Internethype richtig zu nutzen verstand. Mission accomplished!
Voraussetzung hierfür ist einmal mehr jedoch die Bereitschaft der ZuschauerInnen, sich darauf einzulassen und konzentriert ‚mitzureisen‘. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch ist die Aufmerksamkeitsspanne vieler (nicht nur jüngerer) Menschen scheinbar inzwischen derart kurz, dass Dialogszenen ohne Explosion im Hintergrund kaum mehr ein Hochschauen vom Handy im Kinosaal und/oder auf dem heimischen Sofa rechtfertigen. Für Filme wie „Backrooms“, die mittels Atmosphäre, Andeutungen und emotionalem Schauspiel ihre Wirkung erzielen, ein nicht zu unterschätzender Faktor.
Wie die hier erzählte Geschichte letztendlich zusammenkommt, ob womöglich eine zweite inhaltliche Ebene eine Rolle spielt und warum ausgerechnet Greg diese „Backrooms“ entdeckt, soll nicht Thema dieser Rezension sein, da eine Interpretation zwangsläufig zu Spoilern führen würde. Doch auch dies zeigt, welche Qualität dieser Streifen hat – denn wer beispielsweise immer noch glaubt, dass „Der weiße Hai“ lediglich von einem gefräßigen Ungetüm handelt, hat noch einige Ebenen bzw. Hinterzimmer zu entdecken.
P.S.: Der Film erscheint parallel ebenfalls in der „Everything Must Go – Extended Edition“. Diese beinhaltet eine längere Post-Credit-Scene, die Regisseur Kane Parsons auch auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht hat. Diese längere Filmversion ist in Deutschland jedoch nur auf der ‚Collector’s Edition‘ zu erwerben.
Die 4K-UHD/Blu-ray/DVD bietet den Film in englischer Original- sowie deutscher Synchronsprachfassung. Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte sind optional vorhanden. Als Bonus gibt es einen Audiokommentar, ein Interview, ein ausführliches Making of, einen Premierenclip sowie Trailer. „Backrooms““ erscheint bei Constantin Film im Vertrieb von Leonine Studios und ist seit 25. September 2026 auch digital erhältlich. (Packshot + stills: © Constantin Film/LEONINE Studios)





