Heimkino-Tipp: „Das Lied in mir“ (2010)


Was heißt es eigentlich, ein Naturtalent zu sein? Gewöhnlich ist das eine Person, die, ohne eine entsprechende Ausbildung absolviert zu haben, eine Tätigkeit bravourös, ausgezeichnet, erinnerungswürdig ausführen kann. Auf Aktrice Jessica Schwarz trifft dies zweifellos zu. Nach Model-Arbeit und TV-Moderation scheint sie in der Schauspielerei nun ihre Berufung gefunden zu haben. Wer nach den vielen guten Filmen der vergangenen Jahre („Nichts bereuen“, „Der Rote Kakadu“, „Die Tür“), Kritikerpreisen und meiner Schwärmerei immer noch zweifelt, dem sei „Das Lied in mir“ ans Herz gelegt, in dem sie zwar wenig spricht, aber doch viel zu sagen hat, wie es ein Journalisten-Kollege zum Kinostart treffend formulierte. Eine nuancierte Performance, die Schwarz schlicht brillant gibt und für die sie in der Tat kaum Worte benötigt.

Das Regiedebüt von Florian Cossen beginnt mit einem Zufall: Auf dem Flughafen in Buenos Aires nimmt Maria (Schwarz) eine Frau wahr, die ihrem Baby ein spanisches Kinderlied vorsummt. Ohne das Lied zu kennen, singt Maria den Text mit und bricht kurz darauf völlig aufgelöst zusammen. Der Flug ist pfutsch, aber Maria will die Zeit bis zur Weiterreise nutzen, um diesem seltsamen Vorfall auf den Grund zu gehen. Kurz darauf steht ihr überraschend ihr Vater Anton (nicht minder großartig: Michael Gwisdek) im Hotel gegenüber, in das sich Maria vorübergehend eingemietet hat. Er gesteht ihr, dass er lediglich ihr Ziehvater sei und ihre wahre Familie aus Argentinien stamme. Eine Wahrheit, die er ihr nahezu 30 Jahre verschwiegen hat. Verstört und neugierig will sie nun ihre Verwandten wiederfinden.

Was als Identitätssuche einer jungen Frau beginnt, entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit zu einer bewegenden Bestandsaufnahme eines Landes, in dem die Folgen einer jahrelangen Diktatur noch immer präsent sind. Für ein Erstlingswerk eines deutschen Filmemachers ein beachtliches Thema, das leicht in den Untiefen einer schmalzigen TV-Produktion hätte enden können. Cossen und seine Co-Autorin Elena von Saucken haben in ihrem klugen Drehbuch allerdings Figuren erschaffen, die Brüche haben, Geheimnisse in sich tragen und alles andere als eindimensional sind. So hadert Maria nach der erschütternden Enthüllung ihres ‚Vaters’ Anton am Frühstückstisch, ob sie ihn verdammen oder dankbar gegenüber treten soll. Fakt ist, er hat sie ihrer Wurzeln beraubt, sie nach Deutschland entführt und ist nicht bereit, seine Tat als verwerflich zu bereuen. Fakt ist aber ebenso, dass Maria als Kind von Regierungskritikern ohne Antons Hilfe in Argentinien wohl nicht überlebt hätte. Marias wiederentdeckte Tante (Beatriz Spelzini) fordert zwar vehement eine Bestrafung des Entführers. Aber kann und will Maria den Mann, bei dem sie glücklich aufgewachsen ist, von einem Augenblick auf den anderen aus ihrem Leben verbannen?
Nicht anders verhält es sich mit Alejandro (Rafael Ferro), einem Polizisten, der Maria als Übersetzer zur Seite steht. Er weiß, dass sein Vater Teil des Unterdrückungsapparates war, wagt es aber aus Angst vor schmerzhaften Wahrheiten nicht, ihn danach zu fragen. Quasi als Absolution für dessen Taten, hilft er Maria und ihrer neugewonnenen, wiedergefundenen Familie beim Kennenlernen.

Bei dieser Anzahl von Charakteren, die jeder ihr eigenes Päckchen zu tragen haben, ist eine für alle Seiten befriedigende Auflösung kaum möglich. Dass Regisseur Cossen seinen Film schlussendlich auf eine Weise enden lässt, bei der einige Fragen unbeantwortet bleiben, wird nicht jedem Zuschauer schmecken. Cossen deshalb jedoch Feigheit vor einer klaren Aussage vorzuwerfen, wäre nicht gerechtfertigt. Seine Entscheidung resultiert wohl eher aus dem Wissen, dass ein Prozess der Selbstfindung, das Zusammenwachsen einer Familie, das Akzeptieren von menschlichen Schwächen und das Nachwirken historischer Ereignisse nicht in 90 Spielfilmminuten abgehandelt werden können. Warum dann aber all das in einen einzigen Film packen? Vielleicht weil es nicht voneinander trennbar ist. Und weil es „Das Lied in mir“ zu einem bemerkenswert mutigen Film macht.

Die DVD bietet den Film in deutscher Fassung mit spanischen und englischen Textpassagen (untertitelt). Als Extras gibt gestrichene Szenen, kurze, aber schön anzusehende Fotosammlungen (Bilder vom Set und von den Drehorten), ein kurzes Stadtporträt von Buenos Aires, sowie einen Audiokommentar und Trailer. „Das Lied in mir“ ist erschienen bei Schwarz Weiss Filmverleih / Indigo und seit 11. November 2011 erhältlich.

„Der Fall Chodorkowski“ (Kinostart: 17. November 2011)

Es mutet schon ein wenig seltsam an: Besucht der russische Ministerpräsident Wladimir Putin die sächsische Landeshauptstadt, so wird er dort stets ehrenvoll und stolz empfangen. Immerhin lebte er mehrere Jahre in Dresden und wurde hier zum zweiten Mal Vater. Dass sein Aufenthalt vornehmlich beruflich bedingt war – in Funktion eines KGB-Offiziers – gerät dabei gern in Vergessenheit. Umso bedeutender erscheint die Ankündigung, dass der Regisseur Cyril Tuschi am kommenden Freitag (18.11.2011, 20 Uhr, Filmtheater Schauburg) Station in Dresden macht, wo er seine Dokumentation „Der Fall Chodorkowski“ vorstellen will.

Der über fünf Jahre entstandene Film widmet sich einem der spektakulärsten und gleichsam umstrittensten Prozesse der russischen Justizgeschichte. Michail Chodorkowski, einst der wichtigste und reichste Unternehmer in Putins Reich, sitzt seit 2003 im Gefängnis. Offizielle Begründung: Steuerhinterziehung. Seit seiner Verhaftung ist es international jedoch ein offenes Geheimnis, dass der Ölmagnat und Intimfeind von Putin aus politischem Kalkül aus dem Verkehr gezogen wurde. Denn obwohl er zunächst selbst vom „System Putin“ profitierte, unterstützte er später die politische Opposition und kritisierte offen die Korruption im Lande.

Der Autor und Filmemacher Tuschi vermeidet es, Chodorkowski plump zu heroisieren oder Putin an den Pranger zu stellen. Vielmehr gelingt ihm ein souverän recherchiertes, detailliertes Porträt eines Mannes, das er ausgewogen und spannend aufbereitet, dabei aber auch das knallharte kapitalistische Kalkül von Chodorkowskis Handeln verdeutlicht. Interessante Interviewpartner wie Joschka Fischer geben zudem Einblicke in politische Gegebenheiten, animierte Sequenzen zeigen Szenen, die nur auf Vermutungen basieren. Tuschi ist somit auch auf optischer Ebene ein fabelhafter Wirtschaftskrimi gelungen, der den Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge schärft und statt Polemik Fakten präsentiert. Das war wohl auch der Grund, weshalb gleich zweimal (u.a. kurz vor der Uraufführung auf der Berlinale 2011) im Büro des Regisseurs eingebrochen und Festplatten mit dem Film von Unbekannten entwendet wurden.

Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 16. November 2011.

... im Nachgang: „Melancholia“ (Kinostart: 06.10.2011)

Siehe da, die Welt ist (noch) nicht untergegangen. Wie es hätte aussehen können, zeigt Lars von Trier in „Melancholia“. Was wir vom Kinokalender Dresden dazu zu sagen haben, lest ihr HIER.

... im Nachgang: „Mein bester Feind“ (Kinostart: 01.09.2011)

In der Oktoberausgabe des Kinokalender Dresden widmeten wir uns in der (Streit-)Kolumne „... im Nachgang“ dem Film „Mein bester Feind“. Das Ergebnis findet sich HIER.

Heimkino-Tipp: „Mütter und Töchter“ (2009)


Wer hinter diesem Titel eine romantische Komödie oder ein Drama, zugeschnitten auf das weibliche Publikum vermutet, wird überrascht sein. „Mütter und Töchter“ von Rodrigo Garcia hat zwar wie so oft in dessen Filmen hauptsächlich weibliche Protagonisten. Doch was er mit ihnen und über sie erzählt, könnte nicht weiter von – frau verzeih mir diese verbale Spitze – essenziellen Problemfilmchen à la „Sex and the City“ entfernt sein.

Rodrigo hatte schon mit „Gefühle, die man sieht“ bewiesen, dass er eine prominente weibliche Darstellerriege wunderbar führen kann. Waren es in dem bewegenden Episodenstreifen aus dem Jahr 2000 u.a. noch Glenn Close, Cameron Diaz, Holly Hunter und Amy Brenneman, so konnte er diesmal Annette Bening, Naomi Watts und Kerry Washington (sowie abermals in einer Nebenrolle: Amy Brenneman) für sein nachdenklich stimmendes Skript gewinnen. Ein Skript, das nuanciertes Schauspiel und Emotionalität verlangt, ohne dabei im Kitsch zu ertrinken – was dem fabelhaften Cast wunderbar gelingt.

„Mutter und Töchter“ stellt drei Frauen (Karen, Elizabeth, Lucy) in den Mittelpunkt, die auf unterschiedliche Weise mit Mutterschaft konfrontiert werden: Karen (Bening) hat einst als 14-Jährige ihr Kind zur Adoption freigegeben, dies jedoch nie überwinden können. Ihre Tochter Elizabeth (Watts), von der sie (noch) nichts weiß, verschwendet zunächst keinen Gedanken an ihre Mutter („ihre Scheiß-Majestät“) und lenkt sich lieber mit Arbeit und einer Affäre mit ihrem Chef (Samuel L. Jackson) ab. Lucy (Washington) hingegen wünscht sich sehnlichst ein Kind und möchte nun eines adoptieren. Ihre eigene Mutter ist davon jedoch zunächst wenig begeistert.

Regisseur/Autor Rodrigo ist nicht daran interessiert, seinen Damen lediglich etwas Romantisches widerfahren zu lassen, nur um deren Leben eine neue Richtung zu geben. Vielmehr ist ihm mit „Mütter und Töchter“ eine präzise Studie gelungen, die vieles über zwischenmenschliche Beziehungen entlarvt und deutet, sei es von Mutter zu Tochter, von Frau zu Frau oder in einer Liebesbeziehung von Mann und Frau. Bemerkenswert dabei, wie viel Zeit und Raum der Film seinen Figuren zu ihrer Entfaltung lässt. So sind sie nicht nur als ‚Typen‘ zu sehen, die handeln wie es das Drehbuch vorgibt, sondern tatsächlich Menschen, die aus bestimmten Erfahrungen heraus ihre Lehren gezogen haben und nun dementsprechend auf ihre Umwelt reagieren. Sei es Karen, die das Flirten ihres neuen Kollegen (endlich wieder auf Film: Jimmy Smits) anfangs schroff abweist, oder Elizabeth, die selbst beim Quickie mit ihrem Boss die Kontrolle behält. Gleichzeitig gelingen Rodrigo immer wieder Szenen, die unvorhersehbar und spontan wirken, im Kontext der Charakterentwicklung allerdings stimmig sind. Das alles geschieht natürlich nicht mit großem Tamtam, sondern mit kleinen Gesten, Blicken und punktgenauen Dialogen, ergo: großem Darstellerkino.

So werden vielleicht einige Zuschauer am Ende ein Taschentuch zücken, wenn „Mütter und Töchter“ wenig überraschend zwar, aber doch wunderbar fotografiert, die drei Lebensgeschichten zusammenführt. Wem das zu peinlich ist, der darf sich gern auf meine Ausrede für das Schluchzen stützen: Es sind Tränen der Freude für 122 Minuten großartigster Schauspiel- und Filmkunst.

Die DVD bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Sprachfassung, deutsche Untertitel, Making of, Interviews und Trailer. „Mutter und Töchter“ ist erschienen bei universum film und seit 16. September erhältlich.

Heimkino-Tipp: „Space Rangers“ (1992/1993)


TV-Serien haben in der vergangenen Dekade dank der Erst- oder Wiederveröffentlichung auf dem DVD-Medium sehr viel an Popularität gewonnen. Die Unabhängigkeit vom wöchentlichen Ausstrahlungstermin im Fernsehen, die Möglichkeit, mehrere Folgen am Stück ohne Werbeunterbrechung oder Wartezeiten zu schauen, hat eine ganz neue Fankultur entstehen lassen, die so zuvor noch nicht existierte. Schöner Nebeneffekt: Auch längst vergessene Kleinode, die seit Jahren nicht mehr im TV zu sehen waren, können nun wiederentdeckt werden.

Für mich persönlich zählt die kurzlebige Sci-Fi-Serie „Space Rangers“ zu jenen vergessenen ‚Fernsehjuwelen‘ (passenderweise auch der Name des veröffentlichenden Verlags). Gerade einmal sechs Episoden wurden Anfang der 1990er-Jahre hiervon produziert, bevor die Serie eingestellt wurde. Die Gründe waren vielfältig: Zu groß die Konkurrenz zeitgleich gestarteter Formate wie „Star Trek: Deep Space Nine“, bescheidene Effekte und unsinnige Entscheidungen seitens des produzierenden Senders CBS (so wurde die Ausstrahlung mit der dritten Folge begonnen, der einführende Pilotfilm erst später nachgereicht). Im Jahr 1994 war „Space Rangers“ dann auch im deutschen TV – in korrekter Reihenfolge und vollständig – zu bewundern. Allerdings war die Serie zu diesem Zeitpunkt für die Macher bereits seit zwei Jahren Geschichte.

Das von Pen Densham („Outer Limits“) entwickelte Konzept erzählt von den Abenteuern einer Gruppe von Gesetzeshütern, die im Jahr 2104 an einem abgelegenen Außenposten in den Weiten des Alls für Recht und Ordnung sorgen. Unter dem Kommando der kratzigen Chennault (immerhin: Oscar-Preisträgerin Linda Hunt) begibt sich John Boon (Jeff Kaake) zusammen mit seinem Team auf Missionen „an den Rand des Wilden Westen Weltall“. Neben einem mundfaulen, böse dreinblickenden Außerirdischen namens Zylyn (Mr. Spock lässt grüßen), zählen dazu u.a. noch ein Mechaniker mit großer Klappe, eine kampferprobte Blondine und ein Nachwuchs-Ranger, der sich erst noch beweisen muss. Alles drin also für kurzweilige, witzige und unterhaltsame Episoden.

Eine gewisse Bereitschaft für trashige Sets und hölzerne Dialoge sollte man als Zuschauer schon mitbringen, um „Space Rangers“ genießen zu können. Die Budgetknappheit ist den Folgen leider anzusehen, allerdings lässt sich auch nicht leugnen, dass einige der Darsteller ihre Rollen mit einem unübersehbaren Augenzwinkern versehen haben. Den Machern und Beteiligten fehlendes Engagement vorzuwerfen, wäre jedoch unfair. Gute Ideen waren vorhanden, die Umsetzung so gut wie eben machbar und die Geschichten hier und da auch spannend. Von inszenatorischer Klasse heutiger Serien zwar meilenweit entfernt, doch im Rahmen der Entstehungszeit (1992) akzeptabel.

Was bleibt ist die Erinnerung an eine ambitionierte Serie, die mit etwas mehr Mut seitens der Geldgeber vielleicht mehr Schauwerte und eine interessante Alternative zum „Star Trek“-Serienkosmos hätte bieten können. Unterhaltsam ist sie allemal.

Die DVD-Box bietet alle sechs Folgen in deutsch synchronisierter und englischer Sprachfassung sowie einen Trailer. Ein sehr informatives und mit viel Enthusiasmus gestaltetes Booklet mit aktuellen Interviews, Hintergrundinfos und Inhaltsangaben ergänzt das Set. „Space Rangers“ ist erschienen bei fernsehjuwelen/AL!VE AG und seit 23. September erhältlich.

„Melancholia“ (Kinostart: 6. Oktober 2011)

Genial, verrückt, mutig, untragbar – Lars von Trier ist seit jeher ein Künstler, der sein Publikum spaltet. Der dänische Regisseur und Drehbuchautor sorgt seit vielen Jahren immer wieder für Aufsehen, sei es mit seinem filmischen Schaffen („Dogville“, „Antichrist“) oder, wie zuletzt im Mai 2011 während der Filmfestspiele von Cannes, aufgrund von provozierenden Äußerungen, die sogar von Triers Rauswurf zur Folge hatten. Allen verbalen Entgleisungen zum Trotz heimste sein Film immerhin die Silberne Palme für die Beste Hauptdarstellerin (Kirsten Dunst) ein.

In „Melancholia“ ist sie als Justine zu sehen, die im Kreise ihrer Familie ihren Hochzeitstag begeht. Von ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) nach besten Kräften unterstützt, versucht Justine ihre depressiven Phasen zumindest für einen Abend zu unterdrücken und das Fest zu genießen. Allerdings gelingt ihr das im Laufe der Feierlichkeiten immer weniger. Einzig das Herannahen eines Planeten namens Melancholia kann Justine entspannen, verheißt sein Aufprall auf die Erde doch das Ende allen Lebens.

Wie schon in „Antichrist“ macht von Trier kein Geheimnis daraus, dass sein neuestes Werk viel Persönliches in sich trägt: „Ich denke, dass Justine sehr mir selbst entspricht. Sie basiert zu weiten Teilen auf meiner Person und meinen eigenen Erfahrungen mit Prophezeiungen vom Jüngsten Tag und Depression. Claire dagegen sehe ich eher als… ganz normalen Menschen“. Sie ist es daher auch, an die sich der Zuschauer in diesem von Minimalimus (Dialoge und Handlung) geprägten Film klammern sollte, um nicht selbst schon nach dem bedrückend schönen Prolog in Melancholie zu ertrinken. Denn von Triers bildgewaltige Liebeserklärung an die Epoche der Romantik lässt keinen Zweifel daran, dass die Mehrheit der Menschen ob ihres Verhaltens das Ende verdient hat. Ergo: Beinahe bösartig nimmt von Trier Claire jede Hoffnung auf Rettung und erfreut sich (mit Justine) an der Unausweichlichkeit des Todes.

Ironie? Provokation? Misanthropie? Was immer von Trier letztendlich antreibt, sein Kino ist und bleibt verstörend, fordernd, einzigartig – und sehenswert.

Aus dem „Meißner Tageblatt“ vom 5. Oktober 2011.