Ich, sie und der Andere
Um die Jahrtausendwende, so schien es, konnte der Filmemacher M. Night Shyamalan nichts falsch machen: „The Sixth Sense“, „Unbreakable“, „Signs“ und „The Village“ begeisterten Millionen Kinozuschauer und der obligatorische Schluss-Twist, der die vorangegangene Handlung meist komplett auf den Kopf stellte, wurde zu einer Art Markenzeichen für die Filme des gebürtigen Inders. Damit baute er sich zwar eine treue Fanschar auf, steckte gleichzeitig aber auch ein einer künstlerischen Sackgasse. Seine halbherzigen Befreiungsversuche („Das Mädchen aus dem Wasser“, „Die Legende von Aang“, „After Earth“) und die damit einhergehenden vernichtenden Kritiken ließen nicht viel Hoffnung auf eine Rückkehr zu alter Stärke.
Und nun das: „Split“. Kreativ, ungewöhnlich, spannend, ein Volltreffer. Zudem keine bloße Kopie seiner frühen Erfolgswerke, sondern etwas wirklich Neues, das erst am Schluss eine Brücke schlägt zu einem bekannten Filmuniversum, das Shyamalan in den folgenden Jahren weiter ausbauen möchte. Viel hätte dabei schiefgehen können, doch schon beim Schreiben des Drehbuchs scheint sich der inzwischen 46-Jährige bewusst dafür entschieden zu haben, wieder richtig gute Ware abzuliefern. So sind Inhalt, Stil und Form wie aus einem Guss und weit weg von den holprigen Storyverläufen à la „The Happening“, mit denen er krampfhaft versuchte, an seine frühe Erfolgsformel anzuknüpfen.
In „Split“, dessen Plakat nicht zufällig an einen anderen Shyamalan-Film erinnert, darf das Publikum in die seltsame, verstörende und bedrohliche Gedankenwelt eines schizophrenen Mannes (James McAvoy) eintauchen, der drei Teenager-Mädchen entführt. Diese merken erst nach und nach, dass ihnen je nach Tagesform ein anderer Kidnapper gegenübersteht, der ihnen das Essen in ihr Verlies bringt. Mal ist es ein autoritär auftretender Brillenträger, mal ein Neunjähriger, ein anderes Mal eine Frau. Während ihre beiden Mitgefangenen zunehmend in Panik geraten, ist für die schüchterne Casey (Anya Taylor-Joy, bekannt aus „The VVitch“, Rezi siehe HIER) bald klar, dass sie sich mit einer dieser Persönlichkeiten anfreunden muss, um aus der Gefangenschaft entkommen zu können. Denn je länger sie wartet, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, ‚der Bestie‘ zu begegnen, einem weiteren imaginären Charakter des Entführers, der scheinbar sehr sehr schlimme Dinge plant.
Es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Leichtigkeit es Hauptdarsteller McAvoy gelingt, zwischen den verschiedenen Figuren hin- und herzupendeln. Dabei verlässt er sich nicht nur auf einen sich verändernden Kleidungsstil, sondern dichtet jedem Charakter eine andere ‚Macke‘ an (einen Sprachfehler, eine Eigenheit, ein Talent), die er dann überaus überzeugend auslebt. Eine Meisterleistung und der nächste Beweis dafür, dass der britische Schauspieler einer der Besten seines Fachs ist.
Wie kann frau da als Gegenpart bestehen? Shyamalan lässt gleich zwei starke Damen auf ihn los: Neben Taylor-Joy, deren cleverer Charakter Casey sukzessive seine Geheimnisse preisgibt, ist Betty Buckley alias Dr. Fletcher die psychologische Hürde, die dem Antihelden contra gibt. Es ist bemerkenswert, wie glaubhaft Drehbuchautor Shyamalan dabei wissenschaftliche Fakten zur Schizophrenie mit eigenen Ideen vermischt und so den Film im letzten Drittel in eine völlig unerwartete Richtung lenkt.
Ja, mit „Split“ ist dem Regisseur und Autor tatsächlich ein fulminantes künstlerisches Comeback gelungen. Anspruch, Spannung und Form sind nun wieder Eins. Und ebenso wie nach „The Sixth Sense“ oder „Unbreakable“ kann ich endlich wieder stolz sagen: Ich freue mich auf den nächsten Shyamalan-Streifen!
Die DVD/Blu-ray bietet den Film u.a. in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie diverse Untertitel. Als Extras gibt es gelöschte Szenen, ein alternatives Ende, sowie drei informative Making of-Kurzdokus. „Split“ erscheint bei Universal Pictures Germany GmbH und ist seit 9. Juni 2017 erhältlich. (Packshot + stills: © Universal Pictures)
Liebe Filmfreunde!
Ein halbes Dutzend Kinoneustarts wöchentlich und unzählige Heimkino-Veröffentlichungen machen es heutzutage nicht leicht, „cineastische Perlen“ zu entdecken. Ob Rezensionen da helfen? Ich weiß es nicht, trotzdem will ich hier meinen Senf zum Thema Film & Kino dazugeben, möchte es wagen Neues zu loben, Klassiker zu verdammen, Aktuelles zu verteufeln, Altes zu empfehlen.
Und wer weiß: Vielleicht entdecken Sie so Ihren neuen Lieblingsfilm?
Heimkino-Tipp: „Paterson“ (2016)
Permanent Creation
Unterstellen will ich nix, aber kann es sein, dass der Schauspieler Adam Driver, der zuletzt als „Star Wars“-Bösewicht Han Solo und Konsorten ordentlich den Hintern versohlte, nur aufgrund seines Namens die Hauptrolle im Jim Jarmusch-Film erhalten hat? Der Driver spielt darin nämlich einen Busfahrer. Nomen est omen quasi. Und um der Doppeldeutigkeit noch einen draufzusetzen, nennt Jarmusch seinen Protagonisten Paterson – ebenso wie die Stadt, in der die Geschichte spielt.
Herrlich absurd das Ganze, und doch typisch für den inzwischen 64-jährigen Regisseur. Der hat – einmal mehr – in seinem Film vordergründig nicht viel zu erzählen und findet doch unendlich viel Zauberhaftes im monotonen Alltag seiner Hauptfigur. „The same precedure as every week“ lautet das Credo und so geht Paterson jeden Tag zur Arbeit, fährt jeden Tag dieselbe Route, lauscht jeden Tag den Gesprächen seiner Fahrgäste und besucht jeden Abend seine Lieblingskneipe. Doch Moment, was ist das? Sahen die Vorhänge im Wohnzimmer gestern nicht anders aus? Denn während Paterson der Routine folgt, sucht seine Freundin Laura (wie immer wunderbar: Golshifteh Farahani) die Abwechslung. Ständig. Jederzeit. Pausenlos. Ein ungewöhnliches Paar. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.
Soweit das Offensichtliche. Denn der maximale Minimalismus, den Jarmusch hier gewohnt lakonisch auf die Leinwand zaubert, ist gleichsam eine Verneigung vor der Poesie und dem Dichter William Carlos Williams. Der verfasste 1926 ein 85 Zeilen langes Gedicht über den Ort Paterson und inspirierte Jarmusch zu seinem Film. Ebenso wie Williams feiert der Regisseur die kleinen Details und die Dinge des täglichen Lebens. Entstanden ist eine wunderschöne, entspannte und unaufgeregte Hommage an den Ort, dessen Bewohner und die Kreativität, die jedem einzelnen Menschen innewohnt: Sei es das extrovertierte Auftreten von Laura, die Wände, Kleider und Möbel bemalt, Cupackes bäckt und als Musikerin anderen Freude bringen will, oder das introvertierte Schaffen von ihrem Freund, der seine Gedichte nur für sich selbst schreibt.
Sogar für Selbstreflexion nimmt sich Jarmusch Zeit: Lauras Vorliebe für schwarz-weiße Muster und die interessant-witzigen Unterhaltungen der Busfahrgäste erinnern an seine Kurzfilmsammlung „Coffee and Cigarettes“, ein Gastauftritt von Rapper Method Man an Jarmuschs Freundschaft zum Wu-Tang Clan, und die kurze Erwähnung von Iggy Pop ist nichts weiter als freche Eigenwerbung für seine Stooges/Iggy Pop-Doku „Gimme Danger“, die erst im April 2017 im Kino zu sehen war und in der es erwartungsgemäß etwas lauter zuging als in „Paterson“. Wenn diese dann auch fürs Heimkino erscheint, empfehle ich ein Double-Feature mit dem Titel: „Die zwei Seiten des Jim Jarmusch“. Denn egal ob leise oder laut: die Filme dieses Mannes sind immer ein wunderbares cineastisches Erlebnis.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es Trailer. „Paterson“ erscheint bei weltkino/universum film und ist seit 9. Juni 2017 erhältlich. (Packshot + stills: © Weltkino Filmverleih GmbH)
Unterstellen will ich nix, aber kann es sein, dass der Schauspieler Adam Driver, der zuletzt als „Star Wars“-Bösewicht Han Solo und Konsorten ordentlich den Hintern versohlte, nur aufgrund seines Namens die Hauptrolle im Jim Jarmusch-Film erhalten hat? Der Driver spielt darin nämlich einen Busfahrer. Nomen est omen quasi. Und um der Doppeldeutigkeit noch einen draufzusetzen, nennt Jarmusch seinen Protagonisten Paterson – ebenso wie die Stadt, in der die Geschichte spielt.
Herrlich absurd das Ganze, und doch typisch für den inzwischen 64-jährigen Regisseur. Der hat – einmal mehr – in seinem Film vordergründig nicht viel zu erzählen und findet doch unendlich viel Zauberhaftes im monotonen Alltag seiner Hauptfigur. „The same precedure as every week“ lautet das Credo und so geht Paterson jeden Tag zur Arbeit, fährt jeden Tag dieselbe Route, lauscht jeden Tag den Gesprächen seiner Fahrgäste und besucht jeden Abend seine Lieblingskneipe. Doch Moment, was ist das? Sahen die Vorhänge im Wohnzimmer gestern nicht anders aus? Denn während Paterson der Routine folgt, sucht seine Freundin Laura (wie immer wunderbar: Golshifteh Farahani) die Abwechslung. Ständig. Jederzeit. Pausenlos. Ein ungewöhnliches Paar. Aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.
Soweit das Offensichtliche. Denn der maximale Minimalismus, den Jarmusch hier gewohnt lakonisch auf die Leinwand zaubert, ist gleichsam eine Verneigung vor der Poesie und dem Dichter William Carlos Williams. Der verfasste 1926 ein 85 Zeilen langes Gedicht über den Ort Paterson und inspirierte Jarmusch zu seinem Film. Ebenso wie Williams feiert der Regisseur die kleinen Details und die Dinge des täglichen Lebens. Entstanden ist eine wunderschöne, entspannte und unaufgeregte Hommage an den Ort, dessen Bewohner und die Kreativität, die jedem einzelnen Menschen innewohnt: Sei es das extrovertierte Auftreten von Laura, die Wände, Kleider und Möbel bemalt, Cupackes bäckt und als Musikerin anderen Freude bringen will, oder das introvertierte Schaffen von ihrem Freund, der seine Gedichte nur für sich selbst schreibt.
Sogar für Selbstreflexion nimmt sich Jarmusch Zeit: Lauras Vorliebe für schwarz-weiße Muster und die interessant-witzigen Unterhaltungen der Busfahrgäste erinnern an seine Kurzfilmsammlung „Coffee and Cigarettes“, ein Gastauftritt von Rapper Method Man an Jarmuschs Freundschaft zum Wu-Tang Clan, und die kurze Erwähnung von Iggy Pop ist nichts weiter als freche Eigenwerbung für seine Stooges/Iggy Pop-Doku „Gimme Danger“, die erst im April 2017 im Kino zu sehen war und in der es erwartungsgemäß etwas lauter zuging als in „Paterson“. Wenn diese dann auch fürs Heimkino erscheint, empfehle ich ein Double-Feature mit dem Titel: „Die zwei Seiten des Jim Jarmusch“. Denn egal ob leise oder laut: die Filme dieses Mannes sind immer ein wunderbares cineastisches Erlebnis.
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung sowie deutsche Untertitel. Als Bonusmaterial gibt es Trailer. „Paterson“ erscheint bei weltkino/universum film und ist seit 9. Juni 2017 erhältlich. (Packshot + stills: © Weltkino Filmverleih GmbH)
Heimkino-Tipp: „Multiple Schicksale“ (2015)
Gefangen im eigenen Körper
Unbeweglich liegt sie in ihrem Bett – angewiesen auf Pflegekräfte, ernährt über eine Magensonde, zum Sprechen nicht mehr fähig: die Mutter des 20-jährigen Regisseurs Jann Kessler hat MS, Multiple Sklerose. Lange Zeit wollte er sich nicht mit ihr und ihrer Krankheit auseinandersetzen. Nun hat er einen Dokumentarfilm über sie und andere Patienten gedreht.
Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. In Deutschland gibt es derzeit etwa 200.000 Betroffene jeden Alters. Zu den Symptomen zählen Seh-und Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen, Schmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen. In welchem Ausmaß diese Einschränkungen auftreten, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Ansteckend ist MS nicht – und doch beeinflusst es in großem Maße auch das Umfeld all jener, die damit konfrontiert werden.
Dies macht Kessler in seinem mit außergewöhnlicher Professionalität realisierten Debütfilm mehrfach deutlich. Er stellt, neben seiner Mutter, sechs Menschen vor, die mit MS leben (müssen). Deren familiäre Situation ist dabei ebenso unterschiedlich wie ihr körperlicher Zustand und die Jahre, die seit der Diagnose vergangen sind. Dadurch gelingt es Kessler gleich von Beginn an, eines zu verdeutlichen: Es kann jede/n treffen. Egal ob Hausfrau, Sportler, Schülerin oder Pfarrer. Wie sehr deren Alltag von MS bestimmt wird, hängt dabei nicht nur von der persönlichen Einstellung ab, sondern auch von den sogenannten Schüben – also jenen „Etappen“, die nach und nach immer mehr Körperfunktionen ausschalten. So können MS-Patienten beispielsweise viele Jahre beinahe ohne Behinderungen ihrem Alltag nachgehen, während andere innerhalb kurzer Zeit ihre Selbstständigkeit verlieren.
Dank der Vielfalt an Protagonisten ist somit für jeden Zuschauer eine Bezugsperson vorhanden. Diesen ‚inszenatorischen Trumpf‘ nutzt Kessler, indem er allen vorgestellten Personen genug Zeit und Raum gibt, über ihren Zustand zu reflektieren und so eine Intimität schafft, die verblüfft. Es ist den Porträtierten anzusehen, dass sie ein Bedürfnis danach haben, endlich einmal offen über „ihr MS“ sprechen zu können. Der Fakt, dass der Mann hinter der Kamera aufgrund des Schicksals seiner Mutter quasi einer von ihnen ist, scheint dabei eine große Rolle zu spielen.
Dem Film wurde beim Kinostart von einigen Seiten vorgeworfen, zu wenig auf Therapieangebote einzugehen und vornehmlich nur die sukzessive voranschreitenden Beeinträchtigungen zu zeigen. Diese Kritik ist nur teilweise berechtigt: Zwar werden verschiedene Behandlungsmethoden nur angedeutet, der Fokus aber bleibt stets beim Privatleben der Sechs – und genau das ist die Stärke des Films. Denn die Tatsache, dass er in der Schweiz entstand, wo ein „assistierter Suizid“ möglich ist, gibt den Aussagen und den Handlungen der Interviewten eine besondere Note.
„Multiple Schicksale“ ist kein Lehrfilm mit erhobenem Zeigefinger und wirkt – trotz der berechtigten Frage, inwieweit es angemessen ist, eine zur Kommunikation und Bewegung unfähige Person zu filmen – nicht wie ein Egotrip eines Regisseurs, der sich auf Kosten seiner erkrankten Mutter profilieren will. Vielmehr ist ihm ein zurückhaltend-beobachtendes Werk gelungen, das zeigt, wie zerbrechlich jedes einzelne Leben sein kann.
Die DVD bietet den Film in deutscher/schwizerdütscher Originalversion mit einer Vielzahl (u.a. deutsch, englisch, französisch, italienisch) von Untertiteln. Als Extras gibt es etliche informative Features: Gespräche mit den Protagonisten zwei Jahre später, diverse Interviews mit dem Regisseur und MS-Experten sowie kindgerechte Clips, in denen MS und MS-Symptome verständlich erklärt werden. Ein ausführliches Booklet mit vielen Hintergrundinformationen auch von der Filmpremiere ist ebenfalls vorhanden. „Multiple Schicksale – Vom Kampf um den eigenen Körper“ erscheint bei good!movies/SchwarzWeiss Filmverleih/filmkinotext und ist seit 26. Mai 2017 erhältlich (Packshot und stills: good!movies/SchwarzWeiss Filmverleih/filmkinotext/Spot on Distribution).
Unbeweglich liegt sie in ihrem Bett – angewiesen auf Pflegekräfte, ernährt über eine Magensonde, zum Sprechen nicht mehr fähig: die Mutter des 20-jährigen Regisseurs Jann Kessler hat MS, Multiple Sklerose. Lange Zeit wollte er sich nicht mit ihr und ihrer Krankheit auseinandersetzen. Nun hat er einen Dokumentarfilm über sie und andere Patienten gedreht.
Multiple Sklerose ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. In Deutschland gibt es derzeit etwa 200.000 Betroffene jeden Alters. Zu den Symptomen zählen Seh-und Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen, Schmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen. In welchem Ausmaß diese Einschränkungen auftreten, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Ansteckend ist MS nicht – und doch beeinflusst es in großem Maße auch das Umfeld all jener, die damit konfrontiert werden.
Dies macht Kessler in seinem mit außergewöhnlicher Professionalität realisierten Debütfilm mehrfach deutlich. Er stellt, neben seiner Mutter, sechs Menschen vor, die mit MS leben (müssen). Deren familiäre Situation ist dabei ebenso unterschiedlich wie ihr körperlicher Zustand und die Jahre, die seit der Diagnose vergangen sind. Dadurch gelingt es Kessler gleich von Beginn an, eines zu verdeutlichen: Es kann jede/n treffen. Egal ob Hausfrau, Sportler, Schülerin oder Pfarrer. Wie sehr deren Alltag von MS bestimmt wird, hängt dabei nicht nur von der persönlichen Einstellung ab, sondern auch von den sogenannten Schüben – also jenen „Etappen“, die nach und nach immer mehr Körperfunktionen ausschalten. So können MS-Patienten beispielsweise viele Jahre beinahe ohne Behinderungen ihrem Alltag nachgehen, während andere innerhalb kurzer Zeit ihre Selbstständigkeit verlieren.
Dank der Vielfalt an Protagonisten ist somit für jeden Zuschauer eine Bezugsperson vorhanden. Diesen ‚inszenatorischen Trumpf‘ nutzt Kessler, indem er allen vorgestellten Personen genug Zeit und Raum gibt, über ihren Zustand zu reflektieren und so eine Intimität schafft, die verblüfft. Es ist den Porträtierten anzusehen, dass sie ein Bedürfnis danach haben, endlich einmal offen über „ihr MS“ sprechen zu können. Der Fakt, dass der Mann hinter der Kamera aufgrund des Schicksals seiner Mutter quasi einer von ihnen ist, scheint dabei eine große Rolle zu spielen.
Dem Film wurde beim Kinostart von einigen Seiten vorgeworfen, zu wenig auf Therapieangebote einzugehen und vornehmlich nur die sukzessive voranschreitenden Beeinträchtigungen zu zeigen. Diese Kritik ist nur teilweise berechtigt: Zwar werden verschiedene Behandlungsmethoden nur angedeutet, der Fokus aber bleibt stets beim Privatleben der Sechs – und genau das ist die Stärke des Films. Denn die Tatsache, dass er in der Schweiz entstand, wo ein „assistierter Suizid“ möglich ist, gibt den Aussagen und den Handlungen der Interviewten eine besondere Note.
„Multiple Schicksale“ ist kein Lehrfilm mit erhobenem Zeigefinger und wirkt – trotz der berechtigten Frage, inwieweit es angemessen ist, eine zur Kommunikation und Bewegung unfähige Person zu filmen – nicht wie ein Egotrip eines Regisseurs, der sich auf Kosten seiner erkrankten Mutter profilieren will. Vielmehr ist ihm ein zurückhaltend-beobachtendes Werk gelungen, das zeigt, wie zerbrechlich jedes einzelne Leben sein kann.
Die DVD bietet den Film in deutscher/schwizerdütscher Originalversion mit einer Vielzahl (u.a. deutsch, englisch, französisch, italienisch) von Untertiteln. Als Extras gibt es etliche informative Features: Gespräche mit den Protagonisten zwei Jahre später, diverse Interviews mit dem Regisseur und MS-Experten sowie kindgerechte Clips, in denen MS und MS-Symptome verständlich erklärt werden. Ein ausführliches Booklet mit vielen Hintergrundinformationen auch von der Filmpremiere ist ebenfalls vorhanden. „Multiple Schicksale – Vom Kampf um den eigenen Körper“ erscheint bei good!movies/SchwarzWeiss Filmverleih/filmkinotext und ist seit 26. Mai 2017 erhältlich (Packshot und stills: good!movies/SchwarzWeiss Filmverleih/filmkinotext/Spot on Distribution).
... im Nachgang: „Alien: Covenant“ (Kinostart: 18. Mai 2017)
„Im Weltall hört dich niemand schreien.“ In der Redaktion des Kinokalender Dresden schon – vor Freude und vor Wut über den neuen »Alien«-Film. Aber lest HIER selbst! Von mir stammt der Pro-Teil der Rezension.
(Plakat: © 2017 Twentieth Century Fox of Germany GmbH)
(Plakat: © 2017 Twentieth Century Fox of Germany GmbH)
Heimkino-Tipp: „Kein Platz für wilde Tiere“ (1956) + „Serengeti darf nicht sterben“ (1959)
Roar
Zugegeben: Mein primäres Interesse an den beiden hier vorgestellten Werken ist filmhistorisch bedingt. „Serengeti darf nicht sterben“ war der erste deutsche Dokumentarfilm, der einen Oscar (1960) erhielt. Nun erscheinen „Serengeti …“ und der ebenfalls von Bernhard Grzimek wenige Jahre zuvor gedrehte „Kein Platz für wilde Tiere“ erstmalig auf Blu-ray. Eine gute Gelegenheit also, diese cineastische Wissenslücke zu schließen.
Regisseur Prof. Dr. Bernhard Grzimek (1909-1987) gilt als einer der wichtigsten Tierforscher der Bundesrepublik und war nach dem Zweiten Weltkrieg langjähriger Direktor des Frankfurter Zoos. Später führten ihn mehrere Forschungsreisen auf den afrikanischen Kontinent, und spätestens mit dem Aufkommen des Fernsehens avancierte er u.a. dank seiner TV-Sendung „Ein Platz für (wilde) Tiere“ zum bekanntesten Tierschützer der BRD. Fürs Kino entstanden während dieser Zeit jene zwei Dokus, bei denen auch sein Sohn Michael mitwirkte. Er starb während der Dreharbeiten 1959 bei einem Flugzeugabsturz.
Wie oftmals bei älteren Werken, die als „Klassiker“ gelten, sollte man als Zuschauer stets die Umstände und Zeit ihrer Entstehung im Hinterkopf behalten. Mitte der 1950er-Jahre waren Tierbeobachtungen, so wie wir sie heute quasi pausenlos im Fernsehen bewundern können, nicht oder nur ansatzweise möglich. Kameras waren sehr viel unhandlicher und größer, Steppen und Wälder geologisch noch nicht so weit erschlossen und Forschern stand sehr viel weniger Technik für ihre Arbeit zur Verfügung. Umso beeindruckender sind die Aufnahmen, die den Grzimeks und ihren Teams gelangen.
Obwohl sich beide Filme mit dem (zur damaligen Zeit mangelndem) Tierschutz in Afrika auseinandersetzen, haben sie inhaltlich unterschiedliche Schwerpunkte: „Kein Platz für wilde Tiere“ stellt unzählige Tierarten und ihren Lebensraum näher vor, zeigt ansatzweise den Alltag der dort ansässigen Bevölkerung und warnt eindringlich vor den Folgen der Verstädterung großer Landteile. „Serengeti darf nicht sterben“ hingegen dokumentiert vornehmlich den Versuch, die Lebensvielfalt der Savanne wissenschaftlich zu erkunden und die Sinnhaftigkeit eines mit Grenzen abgesteckten Naturreservats zu hinterfragen.
Mag „Serengeti …“ auch der bekanntere von beiden sein – sein Vorgänger ist für all jene, die sich für die Artenvielfalt interessieren, sicherlich der bessere Film. Das mag daran liegen, dass die Grzimeks bei ihrem zweiten Abenteuer sehr viel häufiger sichtbar in die Natur und die Inszenierung eingreifen. Ersteres, um zu zeigen, wie sie an wissenschaftlich fundierte Daten kommen möchten. Zweitens, um dem Bericht eine Narrative zu geben. Verwerflich ist dies nicht, nur stehen somit an manchen Stellen die Filmemacher mehr im Mittelpunkt als die Natur, die sie beschützen wollen. Angesichts der persönlichen Tragödie von Vater Grzimek während der Dreharbeiten allerdings nachvollziehbar.
Dem Anliegen der Naturschützer schadet dies jedoch nicht. „Kein Platz …“ sowie „Serengeti …“ sind auch 60 Jahre später noch faszinierende und äußerst informative Dokumentationen, denen die Liebe der Macher zum Thema in jeder Einstellung anzusehen ist. Das verzeiht auch die eine oder andere, der Zeit geschuldeten Formulierung über Afrikaner. Die neue HD-Abtastung kommt den Filmen zugute, gleichwohl die Möglichkeiten des Blu-ray-Mediums leider nicht ausgenutzt werden: Untertitel für den informativen Off-Kommentar sucht man vergebens.
Die Blu-ray bietet beide Dokus in deutscher und englischer Sprachfassung (beides bezogen auf den Off-Kommentar). Untertitel sind nicht vorhanden. Als Extra gibt es ein Fotoarchiv sowie, auf der Innenseite des Covers, Informationen zu Grzimek und die Filme. Die Blu-ray „Serengeti darf nicht sterben“ / „Kein Platz für wilde Tiere“, die beide auch weiterhin auf DVD erhältlich sind, erscheint bei Universal Music Family Entertainment/Karussell und ist seit 19. Mai 2017 erhältlich. (Packshot: © Universal Music Family Entertainment/Karussell)
Zugegeben: Mein primäres Interesse an den beiden hier vorgestellten Werken ist filmhistorisch bedingt. „Serengeti darf nicht sterben“ war der erste deutsche Dokumentarfilm, der einen Oscar (1960) erhielt. Nun erscheinen „Serengeti …“ und der ebenfalls von Bernhard Grzimek wenige Jahre zuvor gedrehte „Kein Platz für wilde Tiere“ erstmalig auf Blu-ray. Eine gute Gelegenheit also, diese cineastische Wissenslücke zu schließen.
Regisseur Prof. Dr. Bernhard Grzimek (1909-1987) gilt als einer der wichtigsten Tierforscher der Bundesrepublik und war nach dem Zweiten Weltkrieg langjähriger Direktor des Frankfurter Zoos. Später führten ihn mehrere Forschungsreisen auf den afrikanischen Kontinent, und spätestens mit dem Aufkommen des Fernsehens avancierte er u.a. dank seiner TV-Sendung „Ein Platz für (wilde) Tiere“ zum bekanntesten Tierschützer der BRD. Fürs Kino entstanden während dieser Zeit jene zwei Dokus, bei denen auch sein Sohn Michael mitwirkte. Er starb während der Dreharbeiten 1959 bei einem Flugzeugabsturz.
Wie oftmals bei älteren Werken, die als „Klassiker“ gelten, sollte man als Zuschauer stets die Umstände und Zeit ihrer Entstehung im Hinterkopf behalten. Mitte der 1950er-Jahre waren Tierbeobachtungen, so wie wir sie heute quasi pausenlos im Fernsehen bewundern können, nicht oder nur ansatzweise möglich. Kameras waren sehr viel unhandlicher und größer, Steppen und Wälder geologisch noch nicht so weit erschlossen und Forschern stand sehr viel weniger Technik für ihre Arbeit zur Verfügung. Umso beeindruckender sind die Aufnahmen, die den Grzimeks und ihren Teams gelangen.
Obwohl sich beide Filme mit dem (zur damaligen Zeit mangelndem) Tierschutz in Afrika auseinandersetzen, haben sie inhaltlich unterschiedliche Schwerpunkte: „Kein Platz für wilde Tiere“ stellt unzählige Tierarten und ihren Lebensraum näher vor, zeigt ansatzweise den Alltag der dort ansässigen Bevölkerung und warnt eindringlich vor den Folgen der Verstädterung großer Landteile. „Serengeti darf nicht sterben“ hingegen dokumentiert vornehmlich den Versuch, die Lebensvielfalt der Savanne wissenschaftlich zu erkunden und die Sinnhaftigkeit eines mit Grenzen abgesteckten Naturreservats zu hinterfragen.
Mag „Serengeti …“ auch der bekanntere von beiden sein – sein Vorgänger ist für all jene, die sich für die Artenvielfalt interessieren, sicherlich der bessere Film. Das mag daran liegen, dass die Grzimeks bei ihrem zweiten Abenteuer sehr viel häufiger sichtbar in die Natur und die Inszenierung eingreifen. Ersteres, um zu zeigen, wie sie an wissenschaftlich fundierte Daten kommen möchten. Zweitens, um dem Bericht eine Narrative zu geben. Verwerflich ist dies nicht, nur stehen somit an manchen Stellen die Filmemacher mehr im Mittelpunkt als die Natur, die sie beschützen wollen. Angesichts der persönlichen Tragödie von Vater Grzimek während der Dreharbeiten allerdings nachvollziehbar.
Dem Anliegen der Naturschützer schadet dies jedoch nicht. „Kein Platz …“ sowie „Serengeti …“ sind auch 60 Jahre später noch faszinierende und äußerst informative Dokumentationen, denen die Liebe der Macher zum Thema in jeder Einstellung anzusehen ist. Das verzeiht auch die eine oder andere, der Zeit geschuldeten Formulierung über Afrikaner. Die neue HD-Abtastung kommt den Filmen zugute, gleichwohl die Möglichkeiten des Blu-ray-Mediums leider nicht ausgenutzt werden: Untertitel für den informativen Off-Kommentar sucht man vergebens.
Die Blu-ray bietet beide Dokus in deutscher und englischer Sprachfassung (beides bezogen auf den Off-Kommentar). Untertitel sind nicht vorhanden. Als Extra gibt es ein Fotoarchiv sowie, auf der Innenseite des Covers, Informationen zu Grzimek und die Filme. Die Blu-ray „Serengeti darf nicht sterben“ / „Kein Platz für wilde Tiere“, die beide auch weiterhin auf DVD erhältlich sind, erscheint bei Universal Music Family Entertainment/Karussell und ist seit 19. Mai 2017 erhältlich. (Packshot: © Universal Music Family Entertainment/Karussell)
... im Nachgang: „Moonlight“ (Kinostart: 9. März 2017)
Da ist er nun: Der laut Oscar-Vergabe „Beste Film des Jahres“. Eine streitbare Entscheidung? Auf jeden Fall! Nachzulesen HIER. Von mir stammt der Pro-Teil des Textes.
(Plakat: © 2017 DCM Film Distribution GmbH)
(Plakat: © 2017 DCM Film Distribution GmbH)
Heimkino: „Doctor Who – Der Film“ (1996)
*trommelwirbel*
Für besondere Filme braucht es besondere Rezensenten: Dr. Who-Fan und -Experte Dr. Matthias Müller hat sich der BBC-Verfilmung aus den 90er-Jahren gewidmet und einen wunderbaren Gastkommentar verfasst. Bitteschön:
Der achte Doktor
Der Erzfeind des Doktors, genannt der Master, wurde zum Tod verurteilt. In seiner Zeitmaschine, der Tardis, transportiert Dr Who die Asche des Masters nach Gallifrey. Doch das Bewusstsein des Schurken entkommt aus der Urne, übernimmt die Steuerung der Tardis und führt zu einer Notlandung in San Francisco, kurz vor der Jahrtausendwende. Dort kapert der Master einen neuen Körper (Eric Roberts) und versucht fortan, die verbleibenden Regenerationen des Doktors zu stehlen um sein eigenes Leben zu verlängern. Dieser kämpft in der ersten halben Stunde jedoch selbst um sein Leben: Schwer angeschossen von einer Straßengang macht ihm zusätzlich ein unprofessionell verlegter Herzkatheter schwer zu schaffen. Die Ärztin Grace Holloway (Daphne Ashbrook), seine künftigen Flamme, rettet ihn aus dieser verzweifelten Lage und rückt ihm fortan nicht mehr von der Pelle.
Der kürzlich in Deutschland als DVD und Blu-ray aufgelegte Dr-Who-Streifen ist der Pilotfilm zu den Abenteuern des achten Doktors (Paul McGann). Aufgrund des geringen Erfolgs entschied sich die BBC gegen eine Verfilmung als TV-Serie und die Geschichten erschienen nur in Comics und Romanen. Da Dr Who seit geraumer Zeit auch im deutschen Free TV (One/Einsfestival) einen festen Sendeplatz gefunden hat, hielt man es offenbar für einen guten Zeitpunkt, den Film hierzulande fürs Heimkino neu zu veröffentlichen.
Die Zeitreise zurück in die 90er ist leider alles andere als unterhaltsam. Drehbuchautor (Matthew Jacobs) und Regisseur (Geoffrey Sax) fahren alle Klischees aus, die das Jahrzehnt zu bieten hat: Eine Asiatische Straßengang, die den Protagonisten in den ersten zehn Minuten niederschießt, eine blond gelockte und äußerst aufdringliche Hauptdarstellerin, einfältige Cops, flache Gags und ein überzeichneter Master, der ohne weiteres an der Seite von Scorpion und Sub Zero auf Outworld beim Mortal Combat antreten könnte.
Reichlich Material für eine Satire oder einen Genre-Film, mag der optimistische Filmfreund einwenden. Stimmt hier aber nicht. Die Handlung schleppt sich mit allerletzter Kraft durch 86 Minuten, sodass man anschließend wirklich gar keine Lust mehr auf die knapp fünf Stunden Bonusmaterial hat.
Der Film ist höchstens was für hartgesottene Fans; wer gute SciFi-Unterhaltung, skurrile Charaktere und bisweilen wohliges Gruseln sucht, ist mit den neueren BBC-Staffeln definitiv besser bedient.
Matthias Müller
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung. Untertitel sind ebenfalls in deutsch und englisch vorhanden. Als Extras gibt es u.a. Audiokommentare, Dokumentationen, Trailer und diverses Werbematerial. „Doctor Who – Der Film“ erscheint bei Pandastorm Pictures / Ascot Elite und ist seit 31. März 2017 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © Pandastorm Pictures)
Für besondere Filme braucht es besondere Rezensenten: Dr. Who-Fan und -Experte Dr. Matthias Müller hat sich der BBC-Verfilmung aus den 90er-Jahren gewidmet und einen wunderbaren Gastkommentar verfasst. Bitteschön:
Der achte Doktor
Der Erzfeind des Doktors, genannt der Master, wurde zum Tod verurteilt. In seiner Zeitmaschine, der Tardis, transportiert Dr Who die Asche des Masters nach Gallifrey. Doch das Bewusstsein des Schurken entkommt aus der Urne, übernimmt die Steuerung der Tardis und führt zu einer Notlandung in San Francisco, kurz vor der Jahrtausendwende. Dort kapert der Master einen neuen Körper (Eric Roberts) und versucht fortan, die verbleibenden Regenerationen des Doktors zu stehlen um sein eigenes Leben zu verlängern. Dieser kämpft in der ersten halben Stunde jedoch selbst um sein Leben: Schwer angeschossen von einer Straßengang macht ihm zusätzlich ein unprofessionell verlegter Herzkatheter schwer zu schaffen. Die Ärztin Grace Holloway (Daphne Ashbrook), seine künftigen Flamme, rettet ihn aus dieser verzweifelten Lage und rückt ihm fortan nicht mehr von der Pelle.
Der kürzlich in Deutschland als DVD und Blu-ray aufgelegte Dr-Who-Streifen ist der Pilotfilm zu den Abenteuern des achten Doktors (Paul McGann). Aufgrund des geringen Erfolgs entschied sich die BBC gegen eine Verfilmung als TV-Serie und die Geschichten erschienen nur in Comics und Romanen. Da Dr Who seit geraumer Zeit auch im deutschen Free TV (One/Einsfestival) einen festen Sendeplatz gefunden hat, hielt man es offenbar für einen guten Zeitpunkt, den Film hierzulande fürs Heimkino neu zu veröffentlichen.
Die Zeitreise zurück in die 90er ist leider alles andere als unterhaltsam. Drehbuchautor (Matthew Jacobs) und Regisseur (Geoffrey Sax) fahren alle Klischees aus, die das Jahrzehnt zu bieten hat: Eine Asiatische Straßengang, die den Protagonisten in den ersten zehn Minuten niederschießt, eine blond gelockte und äußerst aufdringliche Hauptdarstellerin, einfältige Cops, flache Gags und ein überzeichneter Master, der ohne weiteres an der Seite von Scorpion und Sub Zero auf Outworld beim Mortal Combat antreten könnte.
Reichlich Material für eine Satire oder einen Genre-Film, mag der optimistische Filmfreund einwenden. Stimmt hier aber nicht. Die Handlung schleppt sich mit allerletzter Kraft durch 86 Minuten, sodass man anschließend wirklich gar keine Lust mehr auf die knapp fünf Stunden Bonusmaterial hat.
Der Film ist höchstens was für hartgesottene Fans; wer gute SciFi-Unterhaltung, skurrile Charaktere und bisweilen wohliges Gruseln sucht, ist mit den neueren BBC-Staffeln definitiv besser bedient.
Matthias Müller
Die DVD/Blu-ray bietet den Film in deutsch synchronisierter und englischer Originalsprachfassung. Untertitel sind ebenfalls in deutsch und englisch vorhanden. Als Extras gibt es u.a. Audiokommentare, Dokumentationen, Trailer und diverses Werbematerial. „Doctor Who – Der Film“ erscheint bei Pandastorm Pictures / Ascot Elite und ist seit 31. März 2017 erhältlich. (Packshot + Filmstills: © Pandastorm Pictures)
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